Markusplatz und Dogenpalast. Venedig ohne – geht nicht!

Venedig 29 Venedig Markusplatz - CampanileEs ist schon etwas Betrieb in der unmittelbaren Umgebung des Markusplatzes. Wir passieren den Dogenpalast und sind erstaunt, dass wir den Markusplatz noch weitestgehend leer zu Gesicht bekommen. Die meisten Touristen kommen über die Brücke Ponte della Libertà, die die Lagunenstadt mit dem Festland verbindet, oder sie kommen von den Kreuzfahrtschiffen.
Bahnhof und Hafen liegen genau auf der anderen Seite von Venedig.
Venedig 29 Venedig Markusplatz - San MarcoWie wir später feststellen, liegen drei Kreuzfahrer im Hafen und wir können am Bahnhof an den Menschenmassen, die dieser ausspuckt, erkennen, dass auch viele Tagestouristen den Sonnentag für einen Ausflug nach Venedig nutzen. Wir haben mit unserem Ausgangsort, Punta Sabbioni, für unseren Besuch in Venedig, alles richtig gemacht, denn wir sind am Markusplatz vor dem großen Ansturm und unser „Rundgang“ verläuft überwiegend gegen den Ansturm der Touristenströme.

Wer wissen möchte wie es jetzt aktuell vor dem Dogenpalast aussieht der schaut auf der LIVEWebCam Markusplatz mit Blickrichtung Canal Grande nach.

Wer nach Venedig fährt, der kommt an dem Must-See Markusplatz mit Dogenpalast, Campanile und Seufzerbrücke, der imposanten Biblioteca Marciana (eine der größten Bibliotehken Italiens) gegenüber vom Dogenpalast, und dem Markusdom nicht vorbei. Ein Besuch in Venedig ohne dieses Must See wäre wie eine Betrachtung der Nofretete ohne Kopf.

Venedig 30 Venedig Markusplatz - San Marco vormittagWir erleben diesen Platz wohl anders als die meisten Tagestouristen. Wir sehen noch die Tauben oder Möven (?) die einfliegen und wieder ausschwärmen. Das ist am Abend anders. Dann sind ermüdete Touristenbeine, abgeschlaffte Reisegruppen und Chinesen mit Krampf im Fotoaparatauslösefinger, die den Platz beherrschende Klientel. Wir lassen den Platz einfach auf uns wirken. Venedig 30 Venedig Markusplatz - San Marco vormittag 2Die grandiose Architektur, der zur Schau gestellte Reichtum, der Campanile und die Weite des Platzes selbst, lassen uns immer kleiner fühlen, immer unwichtiger. Das beabsichtigten die Erbauer wohl auch. Sie wollten ihren Gästen zeigen wer hier residiert und bei den Gästen ein ehrfürchtiges Gefühl hinterlassen. Die Venezianer waren Händler und sie wussten genau, dass es sich aus einer Position der Stärke besser verhandeln lässt. Dieser Gedanke kommt uns an diesem Tag noch mehrfach in den Sinn.

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Venedig – ein lebendes Museum

Jeder Museumsdirektor wäre froh, wenn die Besucher über sein Museum sagen würden: „es ist ein lebendiges“ oder gar „ein lebendes Museum“. Und jeder Museumsdirektor wird den Bürgermeister von Venedig beneiden. Denn er ist der Museumsdirektor eines lebenden Museums.

Venedig ist vielleicht die kurioseste Stadt in Europa und nahezu Jede(r) hat Assoziationen, die er/sie mit dieser Stadt verbindet, egal ob er/sie schon einmal da war oder nicht. Und es sind immer wieder die gleichen Begriffe, die die Menschen mit Venedig in Verbindung bringen.

Als da z.B. wären: Canal Grande, Kanäle, Gondeln, Gondoliere, Brücken, Rialtobrücke, Markusplatz, Dogenpalast, Palazzi, Lagune, Casanova, Marc O’ Polo, Stadtstaat, allerhand Geschichten und Legenden… Die Liste lässt sich individuell fortsetzen.
Sicher haben diese vielen Besonderheiten und Einzigartigkeiten und der hohe Bekanntheitsgrad in der Welt mit dazu beigetragen, dass Venedig schon 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben wurde.
Die etwa 270.000 Einwohner zählende Stadt wird in unserem klischeehaften Bild meist auf das knappe Drittel der Einwohner reduziert, die auf den Inseln (es sollen um die 100 sein) der historischen Lagunenstadt leben. Wir haben uns vorgenommen diese Venezianer im historischen Venedig zu „entdecken“. Werden wir sie finden? Oder sind diese oft als modisch mondän beschriebenen Venezianer der Upper Class genau so ein Klischee wie deren Bedienstete, die einmal im Jahr zum Karneval in Venedig die Rollen tauschen?
Venedig 5 Fahrt zum MarkusplatzIch habe meine Zweifel, denn ich habe einige Deutsche kennen gelernt, die mir versichert haben, dass unter den prachtvollen Kostümen die dann in Venedig auf den Plätzen und Gassen zur Schau gestellt werden, heute oft gar keine Venezianer mehr stecken, sondern angereiste Freunde der Verkleidungskunst. Also alles nur Illusion?

Mit dem ersten Boot fahren wir von Punta Sabbioni die etwa 30 Minuten dauernde Passage zum Markusplatz. Zunächst liegt linker Hand Lido di Venezia, dann meine ich in einiger Entfernung rechter Hand Murano, die Glasinsel, zu erkennen und dann liegt sie vor uns – die Lagunenstadt. Wir verlassen das Boot in unmittelbarer Nähe des wohl berühmtesten Platzes von Venedig: dem Markusplatz.

Venedig 6 Fahrt zum Markusplatz Venedig 7 Fahrt zum Markusplatz

Venedig – Die „unbeschreibliche“ Perle Italiens

Venedig 8 Gondeln am Canale GrandeUnbeschreiblich im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe mich wirklich bemüht, unsere Reisegeschichte von Venedig in einer halbwegs verdaubaren Länge niederzuschreiben. Ich muss zugeben: Ich bin gescheitert, gescheitert auf ganzer Linie.
So habe ich mich entschlossen, unsere Venediggeschichte in mehrere Kapitel aufzuteilen, die in den nächsten Tagen hier erscheinen werden. Mit folgenden Kapiteln versuche ich die unbeschreibliche Perle Italiens zu charakterisieren:

Venedigein lebendes Museum | Markusplatz und Dogenpalast: Venedig ohne – geht nicht! | Handel war schon immer die Domäne der Venezianer: Schaufenster, Galerien und H&M | Venedig: Hinter die Kulissen geschaut | Wo Meer ist, da ist auch ein FischmarktVenedig: Wo Fische mitten in der Stadt schwimmen | Der typischste Beruf in Venedig: Der Gondoliere | Den Venezianern auf’s Maul geschaut: Essen und Trinken in Venedig | Venezianische Gärten und Dachgärten und was Commissario Brunetti damit zu tun hat | Kanäle, Brücken und Plätze, der Charme Venedigs | Palazzi, Kirchen und MuseenKultur und historische Architektur – pur

Viel Vergnügen… und
Fröhliche Ostern

Fahrt durch eine der ältesten Kulturlandschaften Europas zur Lagune von Venedig

Wir verlassen Verona und orientieren uns Richtung Osten, immer am Fuße der Alpen entlang nach Vicenza und weiter Richtung Padua. Wir fahren durch eine reiche und wirtschaftlich erfolgreiche Region Italiens. Padua ist wie Verona eine sehr alte Stadt. Einer Sage zufolge soll Padua schon fast 1200 Jahre v. Chr. von einem Trojaner gegründet worden sein. Historisch gesicherte Belege sind aber erst 800 Jahre später datiert. Dennoch ist Padua damit eine der ältesten Städte Italiens und kann, neben vielen historischen Gebäuden mit beeindruckender Architektur, mit dem drittgrößten Innenstadtplatz Europas (nach dem Roten Platz in Moskau und dem Place de la Concorde in Paris) aufwarten. Auch ein UNESCO Weltkulturerbe kann Padua bieten – der älteste noch bestehende botanische Universitätsgarten.

Doch das wird alles überstrahlt von dem kaum 50 km entfernt liegenden Venedig. Zu Unrecht wie wir finden. Aber das Kuriositätenkabinett Venedig mit seinen Geschichten und dem, in den Geschichtsbüchern über Jahrhunderte dokumentierten „welt“-politischen Einfluss, ist einfach in den Köpfen der Menschen tief verankert. So wird diese Region uni sono mit dem Hinterland der Lagunenstadt identifiziert und gleichgesetzt. Diese Region hat aber noch so viel mehr zu bieten als nur Venedig. Diese Region, begünstigt von dem mediterranen Klima, ist übersät mit Kulturschätzen und einer reichen und wechselvollen Geschichte und ebenso vielen Geschichten, Sagen und Anekdoten.

Wir wollen Wasser. So haben wir die Wahl. Entweder fahren wir zur Abano Therme, 10 km südlich von Padua, in den Euganenischen Hügeln. Ein altes Heilbad in dem schon im Altertum Nerven- und Rheumaleiden mit dem leicht radioaktiven Heilwasser behandelt wurden. Unsere Nerven und Gelenke scheinen uns aber noch hinreichend in Ordnung zu sein und so entscheiden wir uns in Richtung Venedig zu orientieren. Wir steuern Venedig nicht auf dem direkten Weg an, sondern fahren ‚außen‘ herum über den Flughafen von Venedig und dem Badeort Jesolo nach Punta Sabbioni, um dann Venedig sozusagen von der Seeseite her zu erkunden.

Venedig 1 - LaguneBevor wir die lange Landzunge hinunter nach Punta Sabbioni fahren, decken wir uns noch in einem nahen Einkaufszentrum mit einigen Lebensmitteln ein und tanken müssen wir auch noch. Die Landstraße zieht sich scheinbar endlos in die Länge. Immer häufiger können wir einzelne Blicke in die Lagune von unserer erhöhten Sitzposition im Wohnmobil erhaschen. Seeseitig versperren uns ein Dünen- und Baumgürtel den Blick zum Mittelmeer. Wir freuen uns: endlich Wasser, endlich Meer! und wir riechen die Meerluft – das Salz in der Luft… Wenn das nicht dem Altersrheuma vorbeugt was kann dann noch helfen??

Wir beschließen, dass wir nicht sofort zu einer Venedig Tour aufbrechen sondern uns erst einmal eine Ruhepause gönnen und den vielen Eindrücken der letzten Tage Raum geben.  Die Sonne und die scheinbar milden Temperaturen verleiten uns am nächsten Tag zu einer ausgiebigen Radtour anzutreten. So entscheiden wir uns erst einmal die Mittelmeerseite der Landzunge zu erkunden. Wir fahren mit den Rädern zum westlichsten Punkt und beobachten den heute spärlichen Schiffsverkehr hinein und heraus aus der Lagune. Wir warten eine Weile am äußersten Aussichtspunkt auf einen Kreuzfahrer. Aber nicht einmal ein kleines Containerschiff lässt sich am Horizont erblicken.

Venedig 4 Lagune Panorama
Panorama vom äußersten Punkt der Landzunge

Im weiteren Verlauf unserer Erkundungsfahrt müssen wir aber sehr schnell feststellen, dass unsere Tourenräder für den sandigen Untergrund der Wege entlang des Strandes, besser gesagt in bzw. hinter den Sanddünen, völlig ungeeignet sind und wir mehr die Fahrräder schieben als dass wir fahren. Das macht die Unternehmung zu einer echt anstrengenden Tour. So haben wir uns eine Auszeit am Strand redlich verdient. Venedig 4 Lagune StrandDoch der kalte Wind von der Seeseite lässt uns recht schnell auskühlen. Das zwingt uns zu einem Ortswechsel und wir erkunden nun die andere Seite der Landzunge zur Lagune hin. Hier ist es windgeschützt und dem entsprechend angenehm warm. Wir lassen die Seele ausgiebig baumeln und harren der Dinge.
Was uns wohl in Venedig erwartet? Dabei werden wir von diesem gefiederten Kerl ständig beobachtet. Venedig 4 Lagune VogelUnd wir? Wir beobachten den Fischer in der Lagune, der in seinem Motorboot vor sich hindümpelt und darauf wartet, dass sich was an seiner Angelrute tut.

Venedig 3 - Lagune mit Angler

Wir genießen und chillen… . Langsam beginne ich zu begreifen, was die junge Generation mit diesem Begriff meint. 😉

Gegen Abend finden wir doch noch einen Ort von dem man Venedig wenigstens erahnen kann. Sicher sind wir uns nicht, aber mit dem Teleobjektiv gelingt es uns ein „markantes Bild“ von der Siluette Venedigs zu schießen. Erst im Wohnmobil können wir auf dem großen Bildschirm erkennen, dass die Aktion erfolgreich war.

Venedig 4 Lagune Venedig

Wir lassen den Tag ausnahmsweise in einem Touristen-Lokal ausklingen, denn hier am Ende der Welt gibt es nichts anderes.

Verona: „Cäsar meets Shakespeare“

Wenn ich an Verona denke, dann fällt mir spontan die Arena (das Veroneser Collosseum 😉), der Balkon von Romeo und Julia und die alljährlich stattfindenden Festspiele ein.
Verona ist aber weit mehr. Die 250.000 Einwohner zählende Stadt am Fuße der südlichen Alpen (nur noch 59 m über dem Meeresspiegel gelegen) kann auf eine fast 2500 jährige Geschichte zurückblicken und war ab 89 v. Chr. römische Kolonie. Das Stadtbild wird dominiert von der Römerzeit und der Zeit danach.

Verona1 - FestungsmauernDer Wohnmobilparkplatz liegt unweit der Festungsanlagen. Wir entscheiden uns, den Weg in die Innenstadt zu Fuß zu gehen. Die Stadtmauer ist umgeben von einer parkähnlichen Anlage durch die wir bis zu einem der Stadttore gemütlich hindurch schlendern. Diese Wehranlagen haben heute eher den Charakter einer Ruine. Die Befestigungsanlagen sind aber so renoviert, dass man einen guten Eindruck von der Mächtigkeit der früheren Verteidigungsanlagen bekommt. R
Wir erreichen das Stadttor. Hier lässt sich der frühere Reichtum von Verona schon an der Fassade erkennen. Wir orientieren uns Richtung Innenstadt und frönen erst einmal italienischer Lebensart bei einem Cappuccino und einem süßen Teilchen in einer am Wege liegenden Konditorei.

Was uns im Stadtbild auffällt ist, dass in Italien wesentlich mehr kleine Motorräder und Motorroller unterwegs sind als bei uns. An nahezu jeder Ecke findet sich ein Pulk abgestellter Motorroller. Verona3Das spiegelt sich auch in der typischen Geräuschkulisse einer italienischen Mittelstadt wieder. Der Lärm von vor allem älteren Motorrollern unterscheidet sich doch sehr deutlich von der Geräuschkulisse bei uns
zuhause.
Wir kommen zu dem großen Platz, auf dem die weltberühmte Arena steht. Ein zweistöckiger Bau a la Kolosseum beherrscht den optischen Eindruck dieses Platzes.
Die vielen Strassenrestaurants zu unserer Linken, die um die vorbeiziehenden Touristen werben, lassen die typischen Auswüchse des modernen Tourismus deutlich werden. Das hat nichts mehr mit dem mittelalterlichen Flair der Kulisse zu tun. Wir kümmern uns nicht weiter darum.
Verona4 - ArenaWenn man den Platz betritt, dann erscheint die Arena noch filigran, da sie die umliegenden Häuser kaum überragt. Je weiter man sich der Arena nähert, erkennt man die riesigen Dimensionen dieses altertümlichen Bauwerks. Verona6 - ArenaAuch ist der davorliegende Platz für eine mittelalterliche Stadt dieser Größe sehr gross bemessen.

Es ist klar, dass die verantwortlichen Tourismusmanager von Verona und findige Geschäftsleute versuchen, diese Besonderheit, den Mythos von Romeo und Julia, genau so wie die römische Geschichte entsprechend in Szene zu setzen. Und so verwundert es nicht, dass uns römische Soldaten und Gladiatoren dazu bewegen wollen, Karten für die Festspiele zu kaufen oder wenigstens die Arena, natürlich gegen einen entsprechenden Obulus, von innen zu bewundern. Verona5 - römische SoldatenWir gehen nicht auf das Angebot ein, da wir gesehen haben, dass die meisten Kulissen für die diesjährigen Festspiele noch außerhalb der Arena lagern und es von innen nicht wesentlich mehr zu sehen gibt wie von außen.
Die römischen Soldaten erinnern mich an die „Hundertschaften“ von Mozarts, die in Wien versuchen Konzert und Opernkarten unter die Touristen zu bringen. Trotzdem vermitteln sie, wenn auch ein klischeehaftes Bild, von Verona vor 2000 Jahren.
Wir ziehen weiter in die historische Innenstadt. Die Marken, Labels und Namen sind die Gleichen wie in anderen Städten in Westeuropa und wohl inzwischen auch darüberhinaus. Wir sind daran nicht interessiert und wir konzentrieren unser Augenmerk auf die Bausubstanz oberhalb das Erdgeschosses und auf die Seitenstraßen. Hier kommt das Flair Veronas rüber.
Balkon Romeo und JuliaGanz unverhofft stehen wir vor einer kleinen Tafel, die uns auf den berühmtesten Balkon aller Balkone hinweist. Den legendären Balkon aus Shakespeares Romeo und Julia. Erst später erfahren wir, dass dieses Gebäude schlicht und einfach gar nichts mit der literarischen Vorlage zu tun hat und auch der Balkon erst nachträglich angebracht wurde. Neudeutsch würde man sagen: ein Fake!
So generieren findige Tourismus-Manager touristische Pilgerströme 😆

Verona7 - GauklerIm Straßenbild fallen uns immer wieder „Gaukler“ und Künstler vor allem aus der Kategorie „lllusionisten“ und venezianischer Karneval auf. Es scheint so, als ob es aktuell ein Treffen dieser Künstler in der Fußgängerzone gibt. Kurz  vor der berühmten Piazza  treffen wir auf diese llusionisten. Mit offenem Mund umrunden wir die Beiden. Ungläubig schauen wir uns und die umstehenden Passanten an. Nein, das ist doch nicht möglich, doch die Dame scheint regungslos zu schweben. Auch nach einer weiteren Umrundung wird unsere ins Gesicht geschriebene Frage: „wie geht das?“ nicht beantwortet.

Wir wenden uns der Piazza delle Erbe zu. Der Platz ist gesäumt von Bauwerken verschiedener Jahrhunderte und diente in der mittelalterlichen Stadtrepublik als Versammlungsort und Marktplatz. Es ist gerade Markt. Wir lassen uns einfach treiben und genießen diesen Flair südländischer Märkte. Wir lassen uns Zeit und atmen die Aura dieses Platzes ein. Inmitten des Platzes eröffnet sich uns ein 360°-Panorama, das uns die wechselvolle Geschichte dieses Ortes erahnen lässt. Trotz des geschäftigen Treibens auf dem Marktplatz strahlt das Gebäudepanorama eine erhabene Ruhe aus. Aus dem trüben Norden kommend, ist das genau die richtige Atmosphäre bei milden Temperaturen und Sonnenschein unsere „hektischen Nordländerbewegungen“ an südländisches Dolce Vita anzupassen.

Zusehends verlangsamen wir unsere Erkundungsgeschwindigkeit und unsere Aufmerksamkeit für Details und für nicht sofort ins Auge springendes steigt in gleichem Maße.

Verona12Verona11 Fenster Verona13

Langsam kommen wir in Italien richtig an.

8. März: Weltfrauentag

Heute ist Weltfrauentag und so melde ich, WoMoline, mich mal wieder zu Wort.

„One Billion Rising“ ist eine weltweite Veranstaltung bei der viele Frauen auf die Straße gehen, um auf sich und die damit verbundenen Diskriminierungen, Schmerzen etc. aufmerksam zu machen. Eine wirklich gute und wichtige Sache.

4.Salzburg.-Refugees-Welcom-Rising-via-@BarbaraSieberth-twitter-1024x768Verlassen wir die große Welt und andere Kulturen. Wie sieht es aus wenn wir nur bei uns bleiben? Mal ganz ehrlich. Lügen wir uns nicht in die eigene Tasche, wenn wir die Verantwortung für unsere Verletzungen auf das Männliche schieben? Wie oft verletzen wir das Weibliche immer wieder selbst, indem wir uns selbst abwerten? Es sind nicht die Männer, wir tun das selbst – oft genug! Geht mal in euch, mit offenem und ehrlichem Herzen und spürt hin, ganz tief in euch hinein. Es ist die Zeit in der wir immer mehr lernen dürfen, die volle Verantwortung für uns selbst zu übernehmen. Nehmen wir doch den heutigen Tag als Gelegenheit, um eine bewusste Entscheidung zu treffen:

„Ab sofort höre ich damit auf, mich immer wieder selbst zu verletzen!“

Appell an uns Frauen – Quelle unbekannt:

Um dich herum sind viele Frauen. Jede ist anders und doch verbindet uns alle das „Frau-Sein“. Sieh sie dir an, eine nach der anderen.

  • Vor dir sitzt eine Frau, die wie du oft mit sich und ihrem Aussehen hadert.
  • Vor dir sitzt eine Frau, die wie du oft ihr Bestes gibt und sich doch oft für nicht gut genug hält.
  • Vor dir sitzt eine Frau, die wie du glaubt, wenn sie sich nur genug anstrengt, wird sie endlich liebenswert.
  • Vor dir sitzt eine Frau, die wie du geringschätzig über sich selbst denkt und versucht zu verbergen, wie ungenügend sie in Wahrheit zu sein glaubt.
  • Vor dir sitzt eine Frau, die wie du unglücklich darüber ist, dass ihr Körper ist wie er ist – und die glaubt sie wäre glücklicher, wenn sie anders aussähe.
  • Vor dir sitzt eine Frau, die wie du viel zu selten gehört hat, was für eine wunderschöne Frau sie ist.
  • Vor dir sitzt eine Frau, die wie du mit ihrer Sexualität hadert, zu oft oder zu selten Sex hat, oftmals anders als sie es sich wünscht, und die dennoch nicht in der Lage ist zu sagen, was sie wirklich will.
  • Vor dir sitzt eine Frau, die wie du Verluste und Brüche in ihrem Leben erlebt hat und die dennoch tapfer ihren Weg geht.
  • Vor dir sitzt eine Frau, die sich wie du nach einem erfüllten Leben sehnt, die oft hingefallen ist und doch immer wieder aufsteht.
  • Vor dir sitzt eine Frau, die sich nach Liebe sehnt, sich dafür aufopfert und sich selbst dafür oftmals aufgegeben hatte – so wie du.
  • Vor dir sitzt eine Frau, die vollste Hochachtung für den Weg, den sie geht, verdient hat – genauso wie du.
  • Und vor dir sitzt eine Frau, die ihren Weg sucht, ihn findet, ihn wieder verliert und schließlich erkennt: All das ist der Weg. So wie du.

Wann immer du von nun an eine Frau siehst, erinnere dich an diese Zeilen. Es gibt keinen Grund zu bewerten oder gar zu verurteilen. Spüre den Frieden in deinem Herzen und fühle, wie wir alle miteinander verbunden sind. So können wir einander ehren, unser „Frau-sein“ achten und uns vor dem einzigartigen Weg, den jede von uns geht, verneigen.

Namastè

WoMoline

Ab nach Italien – der Sonne entgegen

Alles gepackt, alles verstaut und uns mit allem noch mal vertraut gemacht. Nach dem „Winterschlaf“ ist das Mobil gepackt und alles an seinem angestammten Platz. Trotzdem geistert zu Beginn einer Saison immer wieder die Frage durch den Kopf: „Auch nichts vergessen?“ Aber irgend wann kommt dann die Einsicht: Und wenn wir doch noch was vergessen haben sollten und es ist so wichtig, dann können wir das auch noch unterwegs besorgen, oder es ist doch nicht so wichtig. Es gibt vielleicht eine Ausnahme. Das sind die erforderlichen Dokumente und Reisepapiere. Aber selbst die haben wir schon vergessen und es ist auch nichts passiert. 🙂
Unsere Reise kann beginnen. Noch am Morgen haben wir durchs Radio erfahren, Schlechtwetter Richtung Salzburg und Kärnten, aber das stört uns nicht weiter, denn wir wollen ja Richtung Kufstein und dann über den Brenner. Wir haben uns aufgrund der Wettervorhersage entschieden, die Toskana nicht direkt anzusteuern. Der Wetterbericht verheißt auf der Adriaseite in den nächsten Tagen besseres und vor allem wärmeres Wetter. Also entscheiden wir uns, unsere geplante Route zu kippen und uns zunächst erst einmal Richtung Venezien und Adria zu orientieren. Wir freuen uns auf das so lange vermisste sonnige Wetter, das uns erwartet – hoffentlich. Wir wollen erst mal Strecke machen und kommen bis Rovereto auf Höhe des Gardasees, wo wir die Autobahn verlassen und uns hinter den Sportanlagen einen Stellplatz für unsere erste Übernachtung suchen. Rovereto2Den Stellplatz der in unserem Führer beschrieben ist finden wir nicht sofort. Aber wir sehen auf der obersten Ebene eines Parkhauses oder Parkplatzes?!? schon ein paar Wohnmobile stehen mit Blick zum örtlichen Stadion. Wir verhalten uns nach dem Motto der Neulinge: mache nach, was die anderen auch tun, dann wirst du nicht so falsch liegen. Wir fahren hinauf. An den Kennzeichen erkennen wir, dass diese WoMos ebenfalls unterwegs (und nicht einfach nur ‚abgestellt‘) sind und dass die Wohnmobile für eine Übernachtung vorbereitet sind. Wir stellen uns mit etwas Abstand dazu.

Rovereto0Gegen später noch ein kleiner Schwatz mit den Nachbarn, die sich ebenfalls vor die Tür ihres rollenden Eigenheims gewagt haben. Beim Blick über die Brüstung hinunter auf die Sportanlagen sehen wir den Stellplaz – fast direkt unter uns. Eingezäunt und mit Kamaras gesichert, neuester Bauart mit noch jungem Gras zwischen den Rasensteinen und einem richtig gut getarnten Einfahrtstor. Kein einziger nutzt diesen Stellplatz. Ich zähle die Wohnmobile hier oben, Es sind mindestens 10 – und die haben die Einfahrt auch übersehen? Oder wollen die die Übernachtungsgebühren sparen? Kopfschüttelnd (auch über unser eigenes Unvermögen) begeben wir uns zur Nachtruhe.
Rovereto1Am nächsten Morgen entschließen wir uns das nächste Teilstück bis nach Verona auf der Landstraße zurückzulegen. Es klart recht schnell auf und wir erfreuen uns an dem Anblick üppigster Obst- und Weinanfplanzungen auf dem Talboden. Den Kontrast bilden die abrupt ansteigenden Felshänge der südlichen Alpen mit ihrer kargen Vegetation. Jedes noch so kleine Fleckchen, dass sich bewirtschaften lässt, wird genutzt. Wir riechen förmlich dass reifende Obst. Wir genießen den Ausblick während wir doch immer wieder von der recht mitgenommenen Landstraße kräftig durchgeschüttelt werden.

Stellplatz VeronaDer rechte Rückspiegel quittiert dies recht schnell mit einer beleidigten Klappbewegung in Richtung Seitenscheibe. Das zwingt uns zu einem ersten ungeplanten kurzen Boxenstopp. Gut, dass ich in meiner Werkzeugkiste ein paar Spanngurte habe. Eine provisorische Fixierung des Rückspiegels mit einem kleinen Spanngurt am Scheibenwischer löst das Problem kurzfristig und begrenzt den Zeitverlust auf eine ¼ Stunde. Wir tuckern weiter Richtung Verona. Wir schauen uns an, grinsen und steuern wortlos den Stellplatz an, auf dem wir unser WoMo-Diplom gemacht haben.