Kurioses: Wohin nur mit dem Selfie-Stick?

selfie-podolski-mullerSpätestens seit dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft kennt jeder den Begriff „Selfie“. Das sind die komischen Bilder, bei denen Fußballspieler,  wie Lukas P., Thomas M., Schweini und sogar die Bundesmutti breit grinsend sich mit ihrem Mobile selbst fotografieren.

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Die entstandenen Bilder, deren Informationswert gegen Null geht und auch künstlerisch
und gestalterisch den Wert Null deutlich unterschreiten, werden dann umgehend in sozialen Netzwerken der allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Damit sich die Fotografen nicht ständig die Schultergelenke auskugeln, wurde der Selfie Stick entwickelt. Diese bahnbrechende Entwicklung der Neuzeit entlastet die sozialen Sicherungssysteme von immensen Kosten für die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der Schultergelenke, die durch das ständige Ausstecken der Arme zur Positionierung des Smartphones nachhaltig geschädigt werden.

Für Selfie Sticks, ursprünglich nur für Erinnerungsfotos entwickelt, wurden von den Anwendern weitere Anwendungsmöglichkeiten entdeckt. Man sieht vor allem in touristischen Gebieten immer wieder oft asiatisch aussehende Nutzer des Selfie Sticks die sich beim Gehen auf Gehwegen und in Fußgängerzonen offensichtlich selbst filmen und live in den sozialen Medien „auf Sendung“ sind.

Dadurch entstehen wiederum zusätzliche Gefahren, wie wir nicht nur einmal beobachten konnten. Wir vermuten, dass schon einige Stadtverwaltungen über die Entfernung von Straßenschildern nachdenken, denn es kommt immer wieder zu schwerwiegenden Kollisionen zwischen sich selbst filmenden Selfie Stick Besitzern und Verkehrsschildern, Fußgängerampeln und Fahrradständern, die auf Gehwegen unsinnigerweise platziert sind.

Durch die steigenden Zahlen an Selfie Junkies, steigt wiederum das Risiko von Kollisionen von Selfie Junkies mit Selfie Junkies. Frontalzusammenstösse von Selfie Junkies führen wiederum zu noch schwereren Verletzungen wie z.B. ausgestochene Augen, durchstochene Ohren oder aber eben komplett aufgespießte Selfie Junkies. Die Verletzungsmuster dürften etwa ähnlich die der Ritter des Mittelalters sein.

Diese Entwicklung hat auf jeden Fall, in touristischen Gebieten, zu einem signifikanten Anstieg schwer verunfallter Fußgänger und daraus folgend der Krankentransportzahlen geführt. Dadurch wird die Bemessungsgrundlage für die Anzahl von Krankenwagen pro 1000 Einwohner wiederum deutlich nach oben getrieben und damit die Sozialetats belastet.

Sicher hat jeder schon einmal einen Selfie Junkie gesehen. Doch wie die geschilderte Entwicklung zeigt, ist dringend politischer Handlungsbedarf angesagt. Eine gesetzliche Regelung oder noch besser eine entsprechende EU-Richtlinie ist dringend erforderlich, damit in Europa Selfie-verunfallte einheitlich behandelt werden.

rom-1-selfie-stickEine Lösungsmöglichkeit für eine EU einheitliche Lösung bestünde darin, dass das sich Bewegen mit einem Selfie Stick grundsätzlich untersagt wird. Doch was tut man, wenn man sich eine Stadt anschauen möchte, oder ein zutiefst menschliches Bedürfnis einen Selfie Stick-Besitzer zwingt ein Notdurfthäuschen aufzusuchen. Wohin dann mit dem Selfie Stick? Das Bewegen mit einem Selfie Stick wäre ja dann verboten! und ist dann womöglich sogar unter Strafe gestellt!

Doch dieser Selfie Stick-Besitzer hat dafür eine elegante Lösung:

😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂

 

P.s. Wir sind noch nicht Selfiekrank aber unser WoMo 😝

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Wie von Populisten die Reisefreiheit ausgehebelt wird.

Auf unserer Wunschliste steht schon seit langem Tschechien und die Hauptstadt Prag zu erkunden. Doch schon seit geraumer Zeit habe ich etwas Bauchgrummeln bei diesem Reiseziel. Ich muss zugeben ich wusste bisher nicht genau warum, aber unterbewusst hält mich etwas zurück, das spüre ich genau.

In einem weiteren Artikel werde ich mich noch mit den von uns beobachteten dramatischen Veränderungen im Jahr 2016 aus unserer Sicht als „Reisende“ beschäftigen. Soviel sei aber schon hier gesagt: Wer genau hinschaut, der sieht viele Anzeichen, dass das unbeschwerte aufeinander Zugehen der Menschen in Europa zusehends leidet. Die Unbeschwertheit mit der wir in den Jahren zuvor gereist sind, wollte sich in diesem Reisejahr nicht einstellen und ich befürchte das wird sich auch nicht im Jahr 2017 ändern.

Wenn ich Meldungen wie die Folgende lese, dann erscheint meine Skepsis wohl auch berechtigt:

„Präsident Milos Zeman rief sein Volk jüngst auf, sich zu bewaffnen, weil Tschechien höchste Gefahr drohe. In einem Live-Chat des Boulevardblatts „Blesk“ erklärte sich der 72-Jährige bereit, höchstselbst mit der Waffe in der Hand die Grenze gegen die „Illegalen“ zu verteidigen. Auch seine Frau besitze auf seinen Rat hin bereits einen Waffenschein.

Um die Prager Burg, den Sitz des Präsidenten, vor Terroristen zu schützen, müssen sich seit geraumer Zeit alle Touristen einer genauen Untersuchung unterziehen. Auf der Zugangsstraße zur Burg bilden sich täglich lange Schlangen von Menschen. Ein „ideales Ziel“ für Terroristen, bemerkte am Mittwoch sarkastisch ein Kommentator des Nachrichtenportals „Aktualne.cz“.“

DIE WELT – online 5.1.2017 zittiert aus: „Warum ein Lidl-Werbeprospekt einen Shitstorm auslöste“


Da ruft der Tschechische Präsident zur Bürgerbewaffnung auf!

Woher weis ich, dass seine Bürger zwischen Migranten, Touristen und Reisenden unterscheiden (können)? Ich habe Zweifel, es gibt mir auf jeden Fall kein gutes Gefühl und wird mich mit einer sehr aufmerksamen „Hab-Acht-Haltung“ reisen lassen.
Wenn die Bürger in Tschechien nur noch bedingt den Schutz ihrer staatlichen Verwaltung erwarten dürfen, so gilt das für mich als Reisenden erst recht. Also ist das Meiden potentieller Anschlagsziele von Terroristen der beste Selbstschutz in Tschechien. Für ängstliche Menschen, die kein Zutrauen zu ihrer eigenen Spürnase haben, ist das schon ein guter Grund das Reiseziel Prag und vieles drüber hinaus zu meiden. So ängstlich sind wir nicht.
grenze-tschechien-sicherheitsbereichWenn aber ein Gemeinwesen wie der Tschechische Staat allen Bürgern die Legitimation erteilen will, alles Fremde im Ernstfall mit Waffengewalt vom tschechischen Territorium fern zu halten, dann überdenken auch wir unsere Reisepläne!

Es mag sein, dass formaljuristisch die Reisefreiheit in Europa weiterhin besteht. In den Köpfen wird sie, nicht nur von den Populisten, systematisch abgeschafft!

So wird die Reisefreiheit in Europa klangheimlich wieder abgeschafft!
Nur der Euro bleibt – Wie lange noch?

Vom Fluch und Segen des Schiefen Turm zu Pisa

pisa-3-turmWer kennt ihn nicht, den schiefen Turm?

Es gibt noch mehr schiefe Türme in Italien, wenn man genau hinsieht.
Richtig, der in Pisa dürfte eigentlich gar nicht mehr stehen, er müsste längst umgefallen sein. Und doch, er steht – allen Wissenschaftlern und Bausachverständigen zum Trotz – immer noch.

Als ein italienischer Minister, damals zuständig für die Förderung und Entwicklung des beginnenden modernen Urlaubstourismus, den schiefen Turm zum Logo seiner PR-Aktivitäten kürte, da war es um Pisa geschehen. Keiner konnte damals ahnen, dass diese Entscheidung aus dem schiefen Turm einen Mega-Hot-Spot des internationalen Tourismus machen würde. Heute steht der Schiefe Turm zu Pisa fast synonym für Italien, so wie der Eifelturm für Paris und die Tower Bridge für London steht. Das brachte und bringt natürlich einiges Geld in die Stadt und darüber freut man sich auch.

Man baute einen großen Parkplatz ganz in der Nähe zum Schiefen Turm, damit die Touristen bequem und schnell zu ihrem heiß ersehnten „Must See“ gelangen können. Zwischen Parkplatz und Schiefen Turm positionierten sich die inzwischen legendär gewordenen „fliegenden“ afrikanischen Souvenierhändler als „unüberwindliche Barriere“.

Am Rande des Platzes und in den Straßen zum Arno sind die Restaurants, Trattorias, die Sandwich- und Tabakverkäufer ansässig, die ihr Geschäft machen, während die Touristen auf ihre Einlassuhrzeit für den Turm oder den Duomo Santa Maria Assunta warten.

pisa-8-arnoufer-in-pisaBis auf die andere Seite des Arnos schaffen es nur noch ein Bruchteil der Touristen.

Das ist der Fluch des Schiefen Turms. Pisa wird bei der ganz überwiegenden Mehrheit der Touristen auf den Turm und vielleicht noch den Duomo und die Taufkirche (die im übrigen die größte Taufkirche der Welt ist), reduziert. Und so schnell die Touristen gekommen sind, so schnell sind sie auch wieder weg. Dabei hat Pisa noch einiges mehr zu bieten. Aber dafür müssten die Touristen in ihrem (vorgegebenen) Zeitplan mehr Zeit haben.

Die Zeit hätten sie während der Wartezeit bis zum Einlass auch. Statt dessen beschäftigen sich viele Touristen damit, ein oder mehrere Fotos zu kreieren, bei dem die Liebste oder gar die ganze Reisegruppe das Umstürzen des Turms verhindern. 😈

pisa-7-2-menschenmassenDie Menschenmassen sind einfach überdimensional. Die Aura und die Energie des Platzes oder die im Duomo ist nicht mehr zu erfassen oder zu erfühlen. Während in vielen anderen Städten, die einstmals großzügige Raumaufteilung um diese gewaltigen Sakralbauten herum im Laufe der Jahrhunderte zugebaut wurde, blieb in Pisa diese Großzügigkeit erhalten. Wir haben das „Must See“ abgearbeitet ;-). Es war der verzweifelte Versuch diese Einmaligkeit eines großzügig angelegten mittelalterlichen Ensembles rational wie emotional und spirituell zu erfassen und in seiner ganzen Großartigkeit wahrzunehmen. Das Bild dieser Großzügigkeit ist in unseren Köpfen gespeichert. Ein Gefühl können wir aber, aufgrund der Menschenmassen, nicht damit verbinden. Wir haben es gesehen. Mehr war beim besten Willen nicht möglich und insgeheim haben wir auch nicht mehr erwartet aber touristisch naiv erhofft. – Und nun ist gut!

Den „Rest“ von Pisa haben wir mit dem Rad erkundet. In den verschlungenen Gassen kann man zum Teil nur erahnen wie mächtig diese Stadt einmal war. Eine sehr alte Stadt in der sich Baustile verschiedenster Epochen erhalten haben. Manchmal nebeneinander, manchmal sogar in ein und dem selben Gebäude. Immer wieder wurde angebaut, umgebaut oder erweitert.

Beim Betrachten der Fassaden kommt mir der Gedanke, dass hier nie großflächig umgestaltet wurde. Was noch zu gebrauchen war, wurde weiter genutzt. So haben sich über die Jahrhunderte unermessliche Kunstschätze in dieser Stadt angesammelt, die an und in Gebäuden und in diversen Museen bewundert werden können.

Einen kleinen „spirituellen“ Eindruck vom Duomo erhält man, wenn man zur „Mini-Ausführung“ der Kirche Santa Maria del Spina am Arnoufer fährt. Da hier kaum Touristen sind, bekommt man die Ruhe und die Zeit, um die filigranen Steinmetzarbeiten auf sich wirken zu lassen.

Das entschädigt zwar ein bisschen für den Rummel am Schiefen Turm und im Duomo, aber unser Fazit für Pisa fällt trotzdem enttäuschend aus. Pisa stellt alles was wir an UNESCO Welterbestätten gesehen haben negativ in den Schatten. Wenn das, was hier abgeht, der Preis für diesen UNESCO-Titel ist, dann sollten diese UNESCO-Auszeichnungen sofort wieder abgeschafft werden. Denn dann ist dieser Titel ein geschickt eingefädeltes Marketinginstrument zur Ausbeutung, Entweihung und Kommerzialisierung von Kulturgütern. Das ist nicht Aufgabe der UNO und dafür finanzieren wir auch die UNO nicht mit unseren Steuerbeiträgen!.

pisa-11-aquaeduktAuf der Rückfahrt zu unser Wohnmobil fahren wir ein gutes Stück an einer alten römischen Wasserleitung entlang. Wir sind irgendwie von der gesellschaftlichen Schaffenskraft der alten Römer fasziniert. Was für uns selbstverständlich ist, Frischwasser aus der Wasserleitung, das war zu dieser Zeit eine ingenieurtechnische Meisterleistung. Hut ab! Hier bleiben wir staunend stehen. Auch wenn der Aquädukt heute nicht mehr in Betrieb ist, so erscheint doch vor unserem geistigen Auge ein Bild des Lebens vor mehr als 1000 Jahren. Solch ein „Eintauchen“ in die goldene Zeit der Römer war uns den ganzen  Tag über in Pisa nicht vergönnt. Diese Erfahrung ist für uns ein weiteres Indiz,  dass solche „Auszeichnungen“ wie UNESCO-Welterbestätte eher Fluch als Segen sind und ihr Nutzen dringend hinterfragt werden muss.

Die längste Partymeile Europas – und ihre Schattenseite

Es ist Wochenenende und noch immer August (wo sich scheinbar ganz Italien am Strand trifft). Wir hätten es uns denken können. Alle Stellplätze in Meernähe sind belegt. Nun ist alles klar, es wird eng mit den WoMo-Übernachtungsplätzen.

Doch in Lido di Camaiore haben wir Glück. Auf dem offiziellen Stellplatz ist zwar alles belegt, doch direkt nebenan befindet sich ein Parkplatz für Pkws an der Rückseite eines 5 Sterne Hotels. Hier stehen schon einige Wohnmobile, die wohl auch vor verschlossener Schranke standen und hierher ausgewichen sind. An der Einfahrt befindet sich der Hinweis „No Camping“ dies  scheint aber niemanden zu stören. Uns nun auch nicht. Wir werden bald erfahren warum die Polizei, wenn sie vorbeifährt, immer in die andere Richtung schaut. 😉

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Lido di Camaiore – „Strandpromenade“

Zunächst aber erst einmal ans Meer! An der Uferstraße reihen sich die Bagnos (Strandbäder) auf wie Perlen auf einer Schnur. Egal in welche Richtung wir uns bewegen, ein Blick aufs Meer ist nur schwer zu erhaschen. Jetzt zur Nachmittagszeit scheint hier alles noch verschlafen zu sein. Die Parkplätze sind zwar gut gefüllt, doch der Verkehr an der Promenade hält sich in Grenzen. Anders an der Grenzlinie zwischen Meer und Strand. So weit das Auge reicht: Horizont, Wasser, Sand und Menschen. Das was Italiener im Augusto so lieben. Frühestens um 10 Uhr an den Strand, braten und chillen im Bagno unter Sonnenschutz-einrichtungen, ab und an einen Strandspaziergang machen und wenn es gar zu heiß wird, den Body im Meer abkühlen. Wem das zu langweilig ist, der geht am nächsten Tag in ein anderes Bagno, in dem die Gäste mit gutem Essen, Strandbarromantik oder mit sportlichen Wasser- und Land-Bespaßungsangeboten unterhalten werden. Die, die dafür noch keinen Animateur brauchen, sieht man dann auch schon mal in Joggingschuhen und Jogging-Dress die Strandpromenade bei 35 Grad+ hinauf und hinunterhetzen. Natürlich, wie es sich für einen Italienet gehört, immer mit Knopf im Ohr und I-Phone mit Fitnesssensor am Oberarm mit Gummiband fixiert.😂

Der Bär beginnt erst zu toben, wenn sich die Sonne wieder dem Horizont nähert. Dann aber richtig.

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Viareggio – Seaside: Sand, Wasser, Menschen

Am frühen Abend verschwinden die Strandschönheiten für kurze Zeit, um sich aufzubrezeln. Dann werden die Ferraris, Masseratis und Lamborghinis aus den Garagen für den nächtlichen Showcorso geholt und die Auspuffanlagen werden schon einmal vorgeröhrt und -geglüht. Je dunkler es wird um so mehr (meist Italiener) sind auf den Beinen. Mit Kind und Kegel, so scheint es.

Gut, ich übertreibe ein bisschen. Das ist eher der Standard in Viareggio. In abgespeckter Form gilt es aber für die gesamten 40km, die sich allabendlich in den Sommermonaten zur längsten Partymeile Europas verwandeln.

Und nun die Schattenseite:

Die Aufbrezelzeit ist vorbei und die uns umgebenden Italiener sind schon längst auf dem Catwalk unterwegs. Mehrere uralt PKWs, mit den noch ganz alten schwarzen italienischen Autokennzeichen, fahren auf den Parkplatz. Dass diese Dinger überhaupt noch fahren, grenzt an ein Wunder. Bei diesen mindestens 30-40ig Jahre alten Vehikeln gilt wohl die alte VW-Käfer-Regel: was nicht dran ist, das kann auch nicht kaputt gehen.

lido-di-camaiore-2-fluechtlings-womosSie stellen sich in die verbliebenen Zwischenräume die die Wohnmobile noch frei gelassen haben und die Insassen beginnen nach und nach den Fahrzeuginhalt auszuräumen. Es sieht so aus, als ob sie ihre gesamte Habe aus dem hinteren Teil des Fahrzeugs in den vorderen umräumen oder im nahen Gebüsch verstecken. Und tatsächlich die Fahrzeuginsassen richten sich improvisierte Schlafkojen ein. Sie sind von Erscheinungsbild her Nordafrikaner. Man hat sich ja schon an die meist illegalen Strandverkäufer von Sonnenbrillen, Hüten, Schals, Strandbekleidung und inzwischen auch „Selfy Sticks“ gewöhnt, die kennt man schon seit 30ig Jahren. Doch das sind meist Schwarzafrikaner. Diese scheinen mir eher Lybier, Ägypter, Algerier oder Marokkaner zu sein. Flüchtlinge?

Menschen, die vor zwei oder drei Jahren noch die Insel Lampedusa und die italienischen Küsten „überschwämmten“? Damals erklärte unsere Regierung das, mit dem Verweis auf  „europäische Verträge“, zum inneritalienischen Problem, bevor auf einen Schlag mehr als 900 Menschen an einem Tag im Mittelmeer versanken. Sind das diese Menschen?

Mir erscheint das so. Es sind, wie sich später herausstellt, Menschen die ihre Hilfsdienste in den Strandbetrieben anbieten und für einen Hungerlohn versuchen, sich existentiell über Wasser zu halten. Die, die jetzt Party machen, können das nur, weil es auf der anderen, der unsichtbaren Schattenseite, diese Menschen gibt, die die Drecksarbeit machen und dann noch in völlig ungeeigneten Fahrzeugen auf dem Parkplatz „wohnen“. Sie kochen dort mit CampingGaz-Kochern, breiten ihren Gebetsteppich aus, gehen dort ihren religiösen Ritualen nach und nutzen die Infrastruktur des gegenüber liegenden Wohnmobilstellplatzes für rudimentäre Körperhygiene und zur Verrichtung ihrer Notdurft.

Nun ist uns klar, warum die Polizei, immer wenn sie vorbeikommt – und das tut sie während unserer Anwesenheit oft – immer „zufällig“ zur anderen Straßenseite schaut. Diese armen Menschen sind schon zu bedeutend für das perfekt funktionierende Bespaßungssystem vorne am Strand geworden. Auch dort am Strand ist der Preis ein bedeutendes Wettbewerbsargument. Wenn an der Preisschraube nicht mehr gedreht werden kann, dann kann der Profit nur durch drücken der (Lohn-)kosten noch erhöht oder erhalten werden. Und damit sich an der „schönen heilen Welt“ auch ja nichts ändert, wird eben auch „offiziell“ weggeschaut!

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Viareggio – Strandpromenade

Die meisten dort vorne auf der Partymeile ahnen nicht einmal etwas von dem, was sich an den versteckten Plätzen in der dritten oder vierten Straßenreihe, abseits der Strandpromenade, abspielt. Und die, die doch etwas mitbekommen, wie so manche unserer Parkplatznachbarn, die wollen das vielleicht auch gar nicht so genau wissen. Es ist ja schließlich Urlaubszeit und zu der passen keine Probleme, die man durch den eigenen Hunger nach Party irgendwie vielleicht auch selbst ein wenig mit verursacht hat.

Toscana, wir kommen!

Wir fahren nach Parma, in die Stadt des gleichnamigen Schinkens und des wahrscheinlich größten industriellen Nudelherstellers in Italien. Schon von der Autobahn aus ist der Schriftzug dieses „Spagetthi-Produzenten“ zu sehen – Barilla! . Wir greifen auch immer wieder mal auf die Produkte dieses Herstellers zurück, wenn wir aber in Italien sind, dann sind die Nudeln aus den Nudel- und Tortelinimanufakturen, die in traditioneller Handwekskunst hergestellt und frisch über die Ladentheke gehen, für uns die erste Wahl.

parma-la-spezia-1-gewitterWir hatten vier Stellplätze identifiziert. Wir müssen aber feststellen, dass die Stadtverwaltung an den alten Plätzen Hinweisschilder auf den vierten Platz, den „Neuen“ angebracht hat. An dem vierten Platz angekommen, stellen wir fest, dass dieser Übernachtungsplatz direkt hinter der Lärmschutzwand einer vielbefahrenen Stadtautobahn liegt. Zudem scheint sich eine größere Gewitterfront in der Poebene aufzubauen. So entscheiden wir uns für die Weiterfahrt nach La Spezia, das manchmal auch als das Tor zur Toskana bezeichnet wird.parma-la-spezia-4-hoehe Warum, das wird uns bald deutlich. Von etwa 50 m ü.d.M steigt unsere Fahrstrecke erst einmal auf fast 750 m an, um dann noch steiler wieder auf Meereshöhe abzufallen. Wir fahren dabei zunächst an Reisfeldern vorbei, später prägen Mais und Korn die Landschaft. parma-la-spezia-3-1-landschaftNachdem wir einige Höhenmeter hinter uns gebracht haben geht es durch ein „wildes“ Tal und eine eher dünn besiedelte Region. Atemberaubende Ausblicke bieten sich uns. Die sehr enge Autobahn verlangt meine ganze Konzentration, so dass es zu photo-graphischen Exzessen nicht kommt, zumal Parkplätze auch Mangelware sind. Am frühen Abend kommen wir im Hafen von La Spezia an. Ein nicht sehr attraktiver Übernachtungsplatz erwartet uns dort. Aber das ist uns egal, dieser Ort soll ja nur der Ausgangspunkt unserer Tour sein. Wir verzichten sogar auf eine kleine Erkundungsfahrt mit den Rädern. Es ist uns einfach nicht nach Industrie- und Militärhafenromantik.

Kampf der Kulturen im Duomo!

modena-4-duomoWir besuchen die Kathedrale von Modena, die im romanischen Baustil errichtet und 1184 geweiht wurde. Die Kathedrale ist ein bedeutendes romanisches Bauwerk in Europa und ist von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Der Duomo (so die triviale Ausschilderung in der Stadt) San Geminiano ist insoweit sehenswert, weil diese Sakralarchitektur sich über drei Halbebenen erstreckt. Diese Architektur zeigt dem Gläubigen wer hier „oben“ steht und wer „unten“. Auf der untersten Ebene steht der „Sünder“. Dementsprechend sind drei „Gebetsräume“ (Kapellen) die in einander übergehen für die Sünder auch auf der untersten Ebene platziert. Hinter dem Altar geht es einige Stufen hinunter, was man auf dem folgenden Bild nicht erkennen kann.

modena-6-duomo-innenDie Gemeinschaft der Gläubigen, also der „Gut“en Menschen ist auf der mittleren Ebene angesiedelt. Von hier aus ist der Blick der Gläubigen immer auf den Platz der Sünder UND auf die Ebene der über ihnen stehenden gerichtet – nämlich den weltlichen und kirchlichen Führern und Fürsten. Wenn man sich in eine Bank im Raum der Gläubigen setzt, so ist man gezwungen den Blick leicht nach oben zu richten in die Kapelle oberhalb des Altars. Die Priester und Würdenträger sind fast versteckt aber deutlich erhöht. Die Optik dieser Architektur schafft nicht nur eine Entrückung, sondern auch eine „untertänige“ Distanz, die wohl nie zu überwinden sein wird.
Eine wie ich finde, nicht alltägliche Architektur-Symbolik. Ob sich die Architekten zu damaliger Zeit das so gedacht haben, weiß ich nicht. Aber mir drängt sich dieser Gedanke beim Betrachten auf.

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Kapellen auf der unteren Ebene

Wir zählen etliche Personen, meist Frauen, die in inniger Zwiesprache mit etwas Höherem in den Bankreihen der „Sünder“ verharren in den drei unteren Kapellen.

Ich fotografiere nur im Museumsmodus, also ohne Blitz- und Klickgeräusche, um die Gläubigen in ihrer Zwiesprache nicht zu stören.

Ich bin schon wieder am Gehen, da fällt mir ein junges muslimisches Touristenpärchen auf, das deutlich durch die Verschleierung des weiblichen Parts als solches identifizierbar ist. Irgend etwas in mir sagt: „Warte“.

Ort des Fotoschootings
Ort des Fotoschootings

Es folgt ein Fotoshooting vor dem Altar einer der Gebetskapellen. Das Pärchen hält sich zwar an die gebotene Stille des Ortes, das „ungehemmte“ Posieren vor den Statuen stört aber trotzdem und wirkt auf mich sehr respektlos. Dem Gesichtsausdruck des Pärchens nach zu urteilen, ist das wohl auch beabsichtigt. Ich traue mich nicht, diese Situation in einem Bild festzuhalten. Die gestörten Gläubigen sind ebenfalls irritiert, lassen aber das Pärchen unkommentiert gewähren und ziehen sich nach einem hastig ausgeführten Kreuzzeichen und einem Knicks vor dem Altar zurück. Der Gesichtsausdruck der betenden Gläubigen scheint mir stille Beleidigung auszudrücken.

Nachtrag 16. Oktober: um Missverständnissen, die es wohl gegeben hat, vorzubeugen. Ich habe diese Situation nicht wie häufiger zu beobachtendes touristisches Fehlverhalten wahrgenommen, sondern als eine gezielte und bewusste Provokation der Anwesenden.

Liebe Leser/innen, was wäre passiert wenn es umgekehrt gewesen wäre? Wenn ein christliches Pärchen so in einer Moschee in Fes, Kairo, Riadh oder Teheran ein Fotoshooting veranstaltet hätten?

Ich bin sicher, es hätte mindestens Morddrohungen gegeben, wie bei den Mohammed-Karikaturen, wahrscheinlicher sind aber inzwischen Attentate (wie bei Charly Hebdo)!

Mir zeigt dieser Vorfall mittlerweile Viererlei:

1. Viele lassen sich durch falsch verstandenes Selbstbewusstsein mancher Muslime in die Defensive drängen; auch ich, das muss ich selbstkritisch feststellen, denn auch ich bin in der Situation passiv geblieben.

2. Es hat sich schon sehr viel mehr durch die Flüchtlingsproblematik und den damit zusammenhängenden Ursachen bei uns (in Europa) verändert, als Medien und Politiker zugeben wollen. Man versucht die größeren Zusammenhänge und Interessen (z.B. billige Arbeitskräfte für die Niedriglohnsektoren nicht nur in Deutschland) hinter moralischen und humanistischen Argumenten zu verstecken. Diese Dissonanz wird von vielen Menschen wahrgenommen und beeinflusst ihr Handeln; meines wohl auch, auch wenn mir das nicht immer bewusst ist.

3. Es rächt sich sich nun, dass eine ehrliche und offene Diskussion in den Gesellschaften der Europäischen Union über das, was die Menschen wirklich wollen, wie sie leben wollen, konsequent unterdrückt und durch reine Wirtschafts- und Wachstumsargumente niedergebügelt wurde und wird.
Wir selbst haben in Ermangelung einer Klarheit über unsere eigenen Werte und unsere Wünsche an das Funktionieren unserer Gesellschaften keine Argumentationen und Handlungsmuster mehr parat, wenn diese Werte, Rituale und Traditionen respektlos behandelt und übergangen werden.
Nun bekommen wir die Quittung für diese amerikanisierende Oberflächlichkeit, die Law and Order über Menschlichkeit und Empathie stellt.

4. Nicht wenige Muslime glauben inzwischen, dass sie sich den Respekt den sie Jahrzehnte von den westlichen Kulturen vermissten, nun erkämpfen müssen, nach dem alttestamentarischen Prinzip: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ und sie glauben in diesem Sinne handeln zu dürfen! Dazu gehört auch, sich respektlos gegenüber den Traditionen des Abendlandes im Abendland zu zeigen. Förderlich für einen gegenseitigen Respekt ist das Verhalten nicht, aber angesichts der Vorgeschichte und unserem politisch respektlosen Verhalten in den letzten 50 Jahren in den arabischen Ländern ist das für mich nachvollziehbar.

Solche Ereignisse sind sicherlich noch nicht der Regelfall. Gott sei Dank! Die Tatsache, dass solche Ereignisse sich häufen, nicht mehr nur einzelne Anekdoten darstellen, von uns sehr wachsam und bewusst wahrgenommen werden und es wert erscheint, diese Ereignisse auch darzustellen und zum Thema eines Artikels zu machen, zeigt, wie viel Veränderung schon stattgefunden hat und wie schlecht unsere Gesellschaft auf diese Veränderungen vorbereitet ist.

Erst einmal Kühlschrank auffüllen in Modena

Das machen wir eigentlich immer so, wenn wir unterwegs sind. Wir nehmen nur das, was uns zu Hause im Kühlschrank verderben würde mit. Alle anderen Nahrungsmittel besorgen wir uns im Zielgebiet. Wir wollen ja schließlich das Land und die Regionen kennen lernen und dazu gehören auch die landestypischen Speisen, die landwirtschaftlichen Produkte und ihre Zutaten. Daher verlassen wir die Autobahn, fahren nach Modena hinein und machen erst einmal eine Stadtrundfahrt mit dem Rad. Die Stadt macht insgesamt einen renovierungsbedürftigen Eindruck. Die Nähe zu dem Edelsportwagenhersteller Ferrari und dem Formel 1 Rennstall Scuderia Ferrari scheint in Modena nicht die notwendigen Einnahmen generiert zu haben, die es braucht, um eine mittelalterliche Stadt erhalten zu können.

Wir hätten erwartet, dass wir das Zentrum der Edel-Essig Herstellung in einem besseren Zustand vorfinden würden. Einzig die kulturhistorischen Gebäude und die sie umgebenden Plätze sind hübsch herausgeputzt und mit Straßencafes, Pizzerien und Ristorantes mit Außenbestuhlung und Windschutz gepflastert. In die Seitenstraßen der Seitenstraßen schaut man besser nicht. 😉

modena-1-markthallenUnser Interesse gilt aber zunächst einmal nicht dem Sightseeing, sondern wir suchen Essbares für den Kühlschrank.

Neinnnnnn! unser Kühlschrank vertilgt keine Schinken, Käse und Nudeln. Das Essbare ist für uns! Der Kühlschrank soll es nur für uns aufbewahren und wieder ausspucken wenn wir Hunger haben. Er ist so wie jeder andere Kühli auch. 😉😉
Zielsicher leitet uns unser Reiseleiter Erzengel Raphael zu den örtlichen Markthallen. Raphael ist einfach genial. Wir lieben diese Markthallen in den südlichen Ländern mit ihrem umfangreichen Angebot und ihrem geschäftigen Treiben.
Wir schauen uns erst einfach nur um bis uns die Augen übergehen und wir nicht mehr wissen was wir wirklich alles einkaufen sollen. modena-2-markthallenWir brauchen einen Plan sonst quillt unser Kühlschrank  über. 😁 Auch haben wir nur eine Satteltasche für die Räder mitgenommen, so dass es auch an Transportkapazität mangelt. 😕

Eine Käsetheke hat es uns besonders angetan. Neben ein paar Allerweltsprodukten entscheiden wir uns für Brot, Käse, Tauben, Obst, etwas Gemüse für eine schmackhafte Soße oder Pesto und Wein.

modena-3-nudelmanufakturEin paar Straßen weiter findet auch ein kleines Fläschchen Aceto Balsamico und eine große Portion Spaghetti aus der Nudelmanufaktur den Weg in unsere Satteltasche. Es ist einfach ein tolles Gefühl im Womo solch leckere Dinge dabei zu haben und wenn einem gerade danach ist einfach anzuhalten und sie genüsslich zu verspeisen.

Nach unserer Erkundungstour durch Modena haben wir natürlich von den unterschiedlichen Käsestücken schon mal genascht. Zusammen mit den Weintrauben und etwas Brot- ein Traum.

Erst mal Einstimmen auf Italien.

Die Anfahrt bei wechselhaftem aber trockenen Wetter verläuft problemlos. Wie bei unserer letzten Tour nach Italien kommen wir bis Rovereto, etwa auf Höhe des nördlichen Endes des Gardasees. roveretoWir treffen gegen 17 Uhr ein und machen sofort die Fahrräder bereit, um noch eine kleine Stadttour zu machen. Rovereto ist ein kleines, oberitalienisches Städtchen, dass stark in seiner historischen Bausubstanz vom venezianischen Einfluss geprägt ist, aber trotzdem seine alpenländische Tradition nicht verbirgt. Die Stadt kann kann nicht wirklich mit kulturhistorischen oder kunsthistorischen Besonderheiten aufwarten. Zu erwähnen wäre ein altes Kastell und ein militärhistorisches Museum, das interessiert uns aber nicht. Ein Streifzug durch die alten Gassen ist der Ort aber allemal wert.

Die Stadt beginnt sich nach der sommerlichen Mittagsruhe gerade wieder wiederzubeleben. Straßencafes und die typisch italienischen Bar’s füllen sich von Viertelstunde zu Viertelstunde immer mehr und die Bedienungen beeilen sich, einen Aperitivo nach dem anderen, zu servieren. Genau das richtige Ambiente, um sich in die italienische Lebensart wieder hinein zu finden. ☺

Rovereto2Die Nacht ist etwas unruhig, was entweder an dem Vollmond, an dem starken Regen in der Nacht, (der kräftig auf unser WoMoDach hämmert) oder an den vorbeidonnernden Güterzügen liegen kann. Die Vorfreude auf die nun kommenden 4 Wochen in Italien vertreibt die verbliebene Restmüdigkeit am nächsten Morgen sehr schnell. ☺

Camping Anno dazumal – und was daraus geworden ist.

Eigentlich wollte ich mich an der Blogparade von ReisenMobil gar nicht beteiligen, denn zum gestellten Thema „Camping Anno dazumal“ kann ich wirklich nichts beitragen. Ich habe einfach keinerlei Erfahrung aus dieser Zeit. Dafür habe ich aus dieser Zeit noch eine Menge von Vorurteilen und Klischees in meinem Hirn 😉😈. So habe ich zunächst die liebe Einladung von Angelika zur Teilnahme abgelehnt. Doch beim Nachdenken über das gestellte Thema fällt mir auf, dass die Aussensicht auf das Thema, also die Vorurteile und Klischees, auch ein Aspekt des Themas: „Camping Anno dazumal“ ist.

Die Vorurteile und Klischees

Ich bin ein Wirtschaftswunderkind und wie bei vielen in meiner Generation ging es im Elternhaus vor allem darum, die Zeit davor, die dunkle Zeit, möglichst zu vergessen. Pfadfindertum wurde mir als Relikt aus der braunen Vergangenheit nahe gebracht. Freizeiten mit Zeltromantik gehörte in die Ecke zweifelhafter Jugendorganisationen, wie die „HJ“, „Bund deutscher Mädels“ oder das „Deutsche Jungvolk“. Etwas später folgten die langhaarigen, arbeitsscheuen Hippies, die auf griechischen Inseln oder an anderen Stränden wild campten und anstößige Hasch- und (Sex-)Parties feierten, das ging ja schon gar nicht! 😂 Klar, heute können wir darüber lachen, nachdem es einige dieser „wilden“ 68iger sogar schon in Ministerämter geschafft haben.

Ein „ordentlicher“ Urlaub, das war Übernachtung mit Frühstück im Fremdenzimmer, in einer Pension oder, wer es sich leisten konnte, im Hotel. Im Dunstkreis dieser Glaubenssätze und den in Rundfunk, Fernsehen und in der Werbung (von TUI und Neckermann) vermittelten Leitbildern der deutschen Urlaubskultur der 60iger Jahre wuchs ich auf.

Ich möchte keinem eingefleischten Camper zu nahe treten, aber campen hatte damals im prosperierenden Westen auch irgendwie das Image des „Arme-Leute-Urlaubs“.
Ich erinnere mich noch gut an westliche Propagandasendungen im Fernsehen, das dem Wessi die Lebenswirklichkeit im Osten näher bringen (und in Wirklichkeit nur die Überlegenheit des westlichen Wirtschaftssystems demonstrieren) sollte. Da wurde Camping a la DDR auf Rügen vorgestellt mit der DDR-Variante eines Reisemobils. Es war der legendäre Trabbi mit Dachzelt. Kurz gesagt, der entlockte uns Wirtschaftswunderkindern nur ein mitleidiges Lächeln. Etwas zugespitzt gesagt: ein Flieger nach Mallorca war ja wohl das Mindeste!

Als ich dann, mit meiner ersten Freundin und ihren Eltern, auch noch eine äußerst ungute Ersterfahrung in einem VW-Buschen mit Hubdach bei Sturm, Hagel und ungemütlichsten Temperaturen hatte, war das Thema Camping für weitere 30 Jahre abgehakt.

Bissig satirische Filme wie Gerhard Polts „Man spricht deutsch“ Ende der 80iger Jahre, schien den tradierten Vorurteilen noch eines draufzusatteln.

Nichts ließ darauf schließen, dass ich diese Klischees und Vorurteile jemals hinterfragen würde.

Campingvarianten – Camper ist nicht gleich Camper

Dass es heute einen riesigen Unterschied zwischen Campern und Wohnmobilisten gibt, das wurde mir erst vor wenigen Jahren klar.

Der Camper ist an eine gewisse Infrastruktur gebunden, die üblicherweise Campingplatz heißt. Egal ob mit dem Zelt oder Caravan unterwegs, das Reisekonzept geht von einem eher festen Standort aus, von dem, je nach Interessen, die Umgegend erkundet wird. Es entspricht in seiner Struktur letztlich dem Hotel mit dem Unterschied, die „eigenen vier Wände“ dabei zu haben und recht naturnah und eher „minimalistisch“ zu leben.
Davon weichen einige, eher sportlich motivierte Campertypen ab, die z.B. mit Rad, Kajak, Kanu oder einfach nur mit den Wanderstiefeln unterwegs sind. Sie sind als „Streckencamper“ unterwegs, bei denen das tägliche Auf- und Abbauen der Unterkunft (meist ein Iglu-Zelt) mit zum Camper-Alltag gehört. Das sind echte Minimalisten, vor denen ich genau so Respekt habe wie vor den spirituell motivierten Pilgern auf dem Jakobsweg nach Santiago di Compostela.

Und wenn wir schon beim Versuch einer Camper-Klassifikation sind, dann fällt mir noch eine Gruppe von Sportskanonen ein, die der HippieKultur entwachsen ist und sich oft mit selbst ausgebauten Bussen oder Kleinlastern an den Hotspots der jeweiligen Trendsportarten zusammenfinden. Manche dieser Trend- oder Extremsportlerfahrzeuge erkennt man schon an den auf dem Dach gestapelten Surfbrettern und Masten oder an den aufgeflanschten Kajaks. Andere verbergen ihre Sportgeräte im Innern, wie Kitesurfer, Gleitschirm- oder Drachenflieger. Den meisten ist jedoch gemein, dass ihr Fokus auf der Ausübung ihres Sportes liegt und das Campen nur Mittel zum Zweck ist. Hauptsache, man kann Schlafen und Kaffeekochen, mehr ist an Comfort nicht nötig und man ist unmittelbar am Ort des Geschehens unter Gleichgesinnten. Und ist das Bus-chen gar zu klein, es gibt ja auch mobile Campingtoiletten, die man noch auf den Dachträger schnallen kann. 😉

Und dann gibt es noch die stetig wachsende Gemeinde der echten „Streckencamper“, die ich lieber Wohnmobilisten oder Landyachter nenne, zu denen wir uns zählen. Diese sind aus unserer Sicht meist keine Camper, sondern Reisende im ursprünglichen Sinne eines „Entdeckers“. Sie sind unterwegs entlang einer mehr oder weniger ausgearbeiteten Route, manche folgen auch nur ihrer inneren Stimme. Ihre Freiheit ist die Freiheit des Kommen und Gehens, wann immer ihnen der Sinn danach steht. Früher nannten wir solche Menschen „Zigeuner“. (Da in Deutschland der Begriff als diskriminierend und politisch inkorrekt gilt, nehme ich ihn sofort wieder zurück! 😉😂😉)
Ihr Credo ist nicht die so oft zitierte Freiheit beim Camping, sondern eher die Unabhängigkeit oder Autonomie von zivilisatorischer Infrastruktur, ohne dabei auf einen gewissen Komfortstandard wie Strom, ‚fließend‘ Wasser, (voll und immer) funktionsfähige Küche, ein Bad mit WC und Dusche, die wohlige Wärme einer Heizung und ein „steinhausähnliches“ Wohnraumdesign verzichten zu müssen. Für manche gehört auch noch der Fernseher, die ‚vollintegrierte‘ Nespressomaschiene und Sateliteninternet zu diesem Komfortstandard.

Campen – Damals und Heute: Ein Beispiel

Das was vor 40 oder 50 Jahren als Camping bezeichnet wurde hat sich seitdem so differenziert, dass es das Camping, wie es einmal war, heute wahrscheinlich nur noch für ein paar Puristen und Nostalgiker gibt.

wohnmobil-damals-und-heuteEin Beispiel für Campen damals und heute läuft uns vor wenigen Tagen mitten in Italien über den Weg. Freunde, mit einem fast 50 Jahre alten VW Bus, mit modernem Vorzelt und neuzeitlichem Camping Equipment, kreuzen unseren Weg.
Wir bekommen die Veränderung in den zurückliegenden 50 Jahren nun lebendig vorgeführt. Schon die Volumenunterschiede der beiden Fahrzeuge zeigen die Entwicklung auf.
Wir sind in 15 Minuten „betriebsbereit“. Auf die Keile fahren, Gas an, Boiler und wenn erforderlich Heizung an, Schuhabstreifer, Tisch und Stühle raus, Markise raus, Dachfenster auf – FERTIG.

wohnmobil-umraeumenDie 50 Jahre ältere Version benötigt da schon deutlich mehr Tätigkeiten, um aus dem Fahrmodus in den Wohnmodus zu kommen. Auch wenn alles perfekt durchorganisiert ist und jeder Handgriff sitzt, das ist erst einmal Arbeit 😈. Das ist für uns noch Camping und damit nichts für uns. Erst die moderne Technik schuf die Bedingungen, die uns zum Camping der Unterart Landyachting gebracht hat. Wie wir zu Wohnmobilisten wurden, dies ist aber eine andere Geschichte und ist unter: „über uns – Wie alles begann“ nachzulesen.

Auf Campingplätzen fühlen wir uns nur bedingt wohl, auch wenn wir ab und an die Infrastruktur auf langen Reisen, wie z.B eine Waschmaschine oder eine großzügige Dusche, gerne nutzen. Insbesondere fühlen wir uns auf solchen Plätzen unwohl, wo in den Vorgärten der Dauercamper, der gute alte deutsche Gartenzwerg regiert und die Campingplatzordung zum Heiligtum, einer Art Evangelium, erklärt worden ist. Da geht uns schon zu viel Freiheit wieder verloren. Auf diesen Plätzen können wir nicht gehen oder kommen wann wir wollen. Es gibt Öffnungszeiten, Ruhezeiten, Zeiten für Ein- und Ausfahrt, Melde- und was weiß ich nicht noch für Zeiten. Auch Schwimmbad, Beach-Volleyballplatz, Campingplatzsupermarkt, Campingplatzrestaurant, Gästeanimation und Kinderbespassung brauchen wir nicht.
Wir bevorzugen Wohnmobilstellplätze oder freies Stehen mit allen Vor- und Nachteilen.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen!

Dann begegnet uns noch eine Campingvariante der besonderen Art. Omnibus mit 3-stöckigem Caravan = Schlafanhänger mit 14 x 3 Schlafkojen und Küchenfahrzeug (nicht im Bild), der auch diesen MonsterWohnwagen zieht. Diese Campingvariante mit „Kuschelfaktor“ nennt sich Rotel.

rotel

 

Was hat sich in all den Jahren nicht verändert? – Das Lebensgefühl!

Wir erleben auf dem Campingplatz mit unseren Freunden (sie brauchen ja die sanitäre Infrastruktur) drei schöne gemeinsame Tage mitten in Italien, mit Kulturprogramm, Radausflug, Grillen, Vino, Käse, Trauben, langen Gesprächen, Lachen und viel Spaß bis spät in die Nacht.

Trotz aller Veränderungen in den letzten 50 Jahren gibt es mit Sicherheit nach wie vor dieses Lebensgefühl, das heute wie damals als eine Freiheit empfunden wird, die es im Alltag meist nicht gibt. Die Formen, wie dies gelebt wird, sind, auch Dank der modernen Technik, vielfältiger und individueller geworden.
Und so ist die Gemeinde auch stetig gewachsen.

Wir sehen uns. Irgend wo und irgend wann, mit einem Glas Rotwein in der Hand, sonnigem Gemüt und der Freude am Reisen und Entdecken.

 

„WoMolix’s Reisen mit dem Wohnmobil“ feiert seinen ersten Geburtstag.

Am 11. Juni letzten Jahres wurde der erste Reiseartikel veröffentlicht. Happy Birthday 1xNun ist ein Jahr vergangen und in diesem Jahr erblickten knapp 70 weitere Reiseartikel das Licht der Welt. Nicht ganz 9.000 mal wurde die Webseite aufgerufen und es hat sich inzwischen eine Gemeinde von über 100 Followern gebildet, obwohl wir auf den Kommunikationskanal Facebook bisher verzichtet haben. Seit März diesen Jahres weist die Statistik jeden Monat über 1000 Aufrufe aus und es werden seit Februar 350+ Besucher monatlich vom Statistiktool gezählt.

Wir durften aber auch erleben, dass das Internet ein sehr sensibles und eitles Ding ist. Als ich mich öffentlich zu einigen seltsamen Dingen im Netz, wie den Blog-Awards sehr kritisch äußerte, oder als ich eine seltene, aber sehr penetrante Spezies, von wohnmobilfahrenden Hundebesitzern sarkastisch-kabaretistisch aufs Korn nahm, da wurde uns sehr schnell von einem Teil der Netzgemeinde die Freundschaft, mit zum Teil bösen Kommentaren, gekündigt. Interessanterweise hat sich das aber auf die Zugriffszahlen kaum ausgewirkt.

Um ehrlich zu sein, mit soviel Interesse hätten wir nie und nimmer gerechnet. Wir haben dies auch nicht angestrebt. Der Blog sollte ursprünglich nur uns helfen, die vielen, vielen Reiseeindrücke, Gedanken, Empfindungen und Gefühle zu verarbeiten, zu sortieren, zu strukturieren und für uns festzuhalten. Das war die ursprüngliche Motivation.

Ich war aber auch davon überzeugt, dass wir der Welt noch etwas zu sagen haben. Deshalb haben wir unsere Reisen nicht in einer Word-Datei für uns dokumentiert, sondern tun das in diesem Blog.

Ich nehme diesen 1. Geburtstag zum Anlass, nochmals über die eigentliche Triebfeder, die uns zum Reisen gebracht hat, nachzudenken.
Der Auslöser, es jetzt und nicht erst irgend wann in der Zukunft zu tun, war der plötzliche und vollkommen unerwartete Tod eines sehr netten Nachbarn, mit dem wir noch am Abend auf der Terrasse herumgeflachst hatten und am nächsten Morgen wurde er im Sarg aus dem Haus getragen.
Nach dem Motto, was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen, haben wir entschieden, unseren Lebenstraum jetzt zu realisieren. Dabei hat uns die Frage geholfen: „Wer hat verfügt, dass Lebenswünsche erst auf die Zeit nach dem Erwerbsleben zu verschieben sind?“
Es ist einer dieser Glaubenssätze die uns jeden Tag eingetrichtert werden, von Politik, Medien und Interessensvertretern, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken ob dieser Glaubenssatz wirklich stimmt.

Um es kurz zu machen, wir sind der Meinung: Nein, er stimmt nicht! Die Nutznießer dieses Glaubenssatzes sind die, die am Hamsterrad viel Geld verdienen, in dem die meisten Menschen in den Industriestaaten stecken. Wir profitieren von diesem Glaubenssatz nicht! Also über Bord damit!

Und so stimmt der Satz den wir sozusagen als „Glaubensbekenntnis“ zu unserem Lebenstraum formuliert haben und auf unserer Willkommensseite publizierten noch immer:

Wir sind ausgestiegen aus dem Konsumterror, aus dem “immer mehr”, “immer höher”, ”immer weiter”. Wir haben für uns erkannt, dass das unreflektierte Streben nach materiellem Wachstum, uns in immer größere Abhängigkeiten zwingt (und vermutlich auch zwingen soll), Abhängigkeiten, die wir gar nicht wollen und die uns die Zeit zum Leben unserer Lebenswünsche stehlen.

Die Konsequenz ist, dass die Brötchen die wir backen, kleiner geworden sind, aber wir bekommen dafür das Einzige was man mit Geld nicht kaufen kann: wertvolle LebensZEIT die wir als

Zeit zum Reisen

nutzen, um uns unseren Lebenswunsch zu erfüllen:

… noch etwas von der schönen Welt zu sehen, Landschaften erkunden und die Natur genießen, den Duft der Jahreszeiten riechen, Kultur und Traditionen der besuchten Regionen respektvoll wahrnehmen, Kulinarisches entdecken und schmecken und die spirituelle Kraft besonderer Orte erfühlen.

Angesichts der vielen Besucher und die wohlwollenden, anerkennenden Kommentare, hat sich unsere ursprüngliche Motivation deutlich erweitert.

Stellvertretend für die vielen lieben Worte die wir lesen durften, sei hier eine email die uns in den letzten Tagen von unserer vielleicht rüstigsten Leserin erreichte, zitiert.

Ingrid von http://steinfisch.wordpress.com schrieb:

Guten Tag,
mein Name ist Ingrid, eine Seniorin von 73 Jahren.
Sofort habe ich mich in euren wundervollen Blog verliebt! 😀
Ich werde ihm folgen, mit der Zeit Blog-Einträge nachlesen, auf die ich mich jetzt schon freue. …

Diese Mail hat uns besonders berührt. Unser Blog ist gerade einmal ein Jahr alt und hat eine lebenserfahrene und gestandene Verehrerin, die sich in ihn verliebt hat. Ist das nicht schön?

Aus Mails und Kommentaren, wie diesem durften wir lernen, dass wir mit unseren Veröffentlichungen ganz offensichtlich vielen Menschen Freude bereiten. Freude ist unserem Wissen nach, neben der Liebe, das Einzige was sich durch Teilen vermehrt. Was gibt es also Schöneres, als durch Teilen die Freude zu vermehren. 😊
Und vielleicht ist es uns auch ein wenig durch unser Vorleben gelungen, dass das was wir hier dokumentieren, anderen Inspiration gibt, Ihren Lebenstraum (was immer das auch sein mag) in die Realität zu bringen.

Liebe Leser/innen und liebe (Mit-)Kommentatoren:
„Ihr seid uns ans Herz gewachsen!“

Für eure Treue, eure Wertschätzung und Anteilnahme,
die ihr uns entgegenbringt
ganz, ganz lieben Dank.

 

Herzlichst

WoMolix und WoMoline

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