Dolce Vita und Feste feiern in Bracciano

Braccianosee 1Bracciano liegt ungefähr 40 km nordwestlich von Rom an einem See, der nach dieser Stadt benannt ist. Die Stadt liegt auf dem Kraterrand eines alten Vulkans. Unser Übernachtungsplatz liegt etwa auf halber Höhe zwischen den Stadtzentrum und dem See. Im Gegensatz zu Bolsena sind hier in Bracciano die Kraterhänge wesentlich steiler und auch höher. Wer hier herumspazieren möchte, sollte vernünftiges Schuhwerk dabei haben. Den Weg vom See in die Stadt oder umgekehrt mit Flip Flops zu bewältigen, gleicht dem Versuch, den Watzmann mit Stöckelschuhen zu bezwingen. Auch Radfahren ohne maximalelektrische Unterstützung kann man getrost vergessen. Aufgrund der hier herrschenden schlechten Straßenverhältnisse, macht Radfahren am Braccianosee ohnehin keinen Spaß. Aber das alles stört uns erst einmal nicht, denn wir wollen relaxen und wenn es uns gar zu heiß wird, auch mal am Kiesstrand in dem kristallklaren Wasser baden gehen.

Alles ist hier beschaulich. Von der Hektik der Großstadt ist hier nichts mehr zu spüren. Bracciano 1 WoMoKatzeAls wir vom See zurück kommen, ist uns eine Wohnmobil-Katze zugelaufen und beansprucht einen unserer Campingstühle. Die Kleine wird uns so lange wie hier sind auch nicht mehr aus den Augen lassen. Die scheue Mutterkatze ist aber immer in der Nähe und macht uns durch ihr misstrauisches Beobachten klar, dass sie uns die Augen auskratzt, wenn wir ihrem Nachwuchs etwas zuleide tun. Um keinen Konflikt mit der Mutterkatze zu riskieren 😉, wird das kleine Wollknäuel von uns während unseres Aufenthalts gut versorgt und darf in unseren Campingstühlen schlafen.

Das öffentliche Leben ist fast eine Kopie zu Bolsena. Das können wir bei unseren morgendlichen Cappuccinopausen in der Stadt feststellen. Wie in Bolsena beobachten wir ein äußerst aktives Gemeindeleben auf den öffentlichen Plätzen und Straßen.

 

 

Man kennt sich, man pflegt die Beziehungen wann immer sich eine Möglichkeit dazu bietet. Ob im Kaffee, auf dem Wochenmarkt, im Alimentari oder einfach im Vorbeigehen auch hier in Bracciano ist den Menschen das wichtig.

Bracciano 2 RenovierungsstauIn der Stadt selbst lässt sich ein noch recht großer Renovierungsrückstau beobachten. Auch ist das historische Gesamtensemble nicht mehr so lückenlos wie in Bolsena vorhanden. Bausünden aus der Nachkriegszeit stören deutlich das Gesamtbild. Die alles überragende Burg von Bracciano macht hier eine Ausnahme. Sie ist frisch renoviert und zu einem Museum ausgebaut. Bracciano 3 BurganlageAn vielen Stellen in der Stadt kann man erkennen, das nach und nach die alte Bausubstanz wieder in einem sanierten Zustand gebracht wird. Das wird aber noch viele Jahre in Anspruch nehmen.

Am Wochenende ist Straßenfest mit Kunsthandwerkermarkt, Feuerschlucker und Darbietungen unterschiedlichster Vereine der Stadt wie z.B. den Cheerleders, die von einem Platz zum nächsten ziehen und Einwohner wie Gäste mit ihrem Können beeindrucken. An nahezu jeder Straßenkreuzung  hat sich  eine Musikgruppe platziert. Nachdem sich alle Musiker eingespielt haben, wird es je nach Standort der Zuhörer streckenweise sehr laut und ziemlich schräg. Auch die Gaumenfreuden kommen bei diesem Stadtfest nicht zu kurz.

Bracciano 4 AperetivoWir genehmigen uns erstmal einen gepflegten Aperitivo und schauen von unserem exponierten Sitzplatz dem Treiben in der Stadt zu. Gerne hätten wir noch ein oder zwei Gläschen mehr zu uns genommen, doch wir müssen an den Rückweg und den steilen Weg hinunter zu unserem Wohnmobil denken, den wir auf jeden Fall unfallfrei in der Dunkelheit bewältigen wollen.

Zu diesen Stadtfesten in den Sommermonaten, so sagt man uns, gehört in Italien normalerweise immer ein Feuerwerk dazu. Die Zeit bis zum Beginn lassen wir uns von diesen Jazz Old Stars vertreiben.

 

 

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Wie die italienische Finanzpolizei unsere Reisepläne durchkreuzt

Wir haben nördlich von Roms Flughafen bis hinauf nach Santa Marinella eine ganze Reihe von Wohnmobilstellplätzen direkt am Meer ausfindig gemacht. Doch welchen wir auch immer ansteuern, alle Einfahrttore sind geschlossen, niemand da. Ja, die Feriensaison ist vorbei. Wir können uns aber nicht vorstellen, das jetzt schon um Rom herum, total tote Hose ist. Gut, es ist 12 Uhr vorbei und es könnte ja Siesta sein. Doch dort wo Badebetrieb herrscht, haben wir so etwas noch nicht erlebt.

Dann füllen wir eben erstmal im nächsten Conad Superstore in Ladispoli unsere Vorräte und unseren Kühlschrank wieder auf und hoffen darauf dass wir etwas später mehr Glück haben.

Wir Rumpeln wieder die Küstenstraße entlang, die mehr aus Schlaglöchern besteht als aus Fahrbahnbelag. Hier sollen sich gleich vier Wohnmobilstellplätze in Meeresnähe befinden. Hurra, gleich beim ersten ist das Tor geöffnet. Wir fahren hinein doch alles sieht leer aus. An den Dünen steht ein größeres Holzhaus und daneben liegen viele Sportboote auf dem Sand. Sonst ist nichts zu sehen, alles ist ruhig. Komisch!

Wir fahren weiter in das Areal hinein. Auf einmal kommt uns ein korpulenter Herr mittleren Alters entgegen, der uns wie ein Flugfeldlotse auf einem Flughafen mit sich überkreuzenden Armbewegungen signalisiert, dass wir anhalten sollen. Wir haben verstanden, drehen um und verlassen das Gelände wieder. Die Szenerie wiederholt sich fast identisch auch am nächsten Platz. Der übernächste Platz ist verrammelt wie schon zur Mittagszeit. Wir rumpeln weiter über die reparaturbedürftigen Küstenstraßen zum nächsten Platz. guardia_di_finanzaAuch hier wieder geöffnet, aber niemand da. An den vorangegangenen Plätzen war uns ein kleiner weißer Zettel an den Informationsschildern an den Zufahrtstoren aufgefallen, den wir aber bisher keine Beachtung geschenkt haben. WoMoline steigt aus um Informationen über das, was hier vorgeht, zu erhalten. Den Text versteht sie nicht, aber die Unterschrift ist eindeutig: Guardia di Finanza

Die italienische Finanzpolizei, Guardia di Finanza, ist zuständig für das Thema Steuerhinterziehung in Italien. Schon seit vielen Jahren versucht die italienische Finanzpolizei durch Zuordnung von Luxusgütern, wie z.B. sündhaft teuren Sportwagen, Sportbooten und Freizeityachten, wertvollem Schmuck der z.b. bei Casinobesuchen oder Kulturveranstaltungen getragen wird, nachzuweisen, dass diese Güter mit dem bei den Finanzbehörden angegebenen Einkommen nicht hätten bezahlt werden können. guardia-di-finanza-autoAuf diese Weise versucht die Finanzpolizei Steuerhinterzieher dingfest zu machen. Dazu werden immer wieder an geeigneten Orten entsprechende Razzien durchgeführt. Davon war schon immer mal wieder in den Medien zu lesen. Ganz offensichtlich sind wir in eine solche flächendeckende Razzia geraten, bei der alle Strandbäder eines Küstenabschnitts, die auch Sportboote in Verwahrung haben, gleichzeitig von den Finanzbehörden „besucht“ werden.

Wir entscheiden uns keine weiteren Experimente zu machen. Wir fahren zum Braccianosee und hoffen auf eine ähnlich schöne Zeit, wie wir sie in Bolsena hatten.

Braccianosee 1

 

Die Sommerfrische der Päpste – Castel Gandolfo

Nach so viel Rom brauchen wir eine Auszeit. Gehirn Lüften ist angesagt. Wir sind abgefüllt mit Eindrücken, Kultur und Erlebnissen. Rom ist anstrengend und doch haben wir nur an der Oberfläche gekratzt.

Wir wollen noch einmal zum Meer und ein paar Tage nichts tun, bevor wir uns langsam wieder auf die Heimreise machen. Den südlichsten Punkt unserer dieser Italientour haben wir auf jeden Fall erreicht. Da unser Übernachtungsplatz vor den Toren Roms nur etwa 6 km von Castel Gandolfo entfernt liegt, beschließen wir noch einen kleinen Umweg über den Sommersitz der Päpste zu machen und dort unseren Cappuccino einzunehmen.

Auf der Fahrt dorthin sind wir entsetzt, wie viel Müll sich links und rechts der Straße angesammelt hat. Aber dazu werde ich noch gesondert etwas schreiben. Doch kaum erreichen wir die Ortsgrenze ist alles wieder picobello. Hier sind Touristen aus aller Welt unterwegs und siehe da: der Reinigungsdienst funktioniert wieder.

Castel Gandolfo 1 - Blick zum MeerCastel Gandolfo liegt auf einer Anhöhe mit fantastischem Rundblick aufs Meer, vorausgesetzt es herrscht klare Sicht. Auf der anderen Seite blickt man hinunter zum Lago Albano. Auf dem höchsten Punkt des Ortes steht der Palazzo Pontificio, der Sommersitz der Päpste – zumindest bis vor ein paar Jahren. Von hier aus hat man nicht nur den Blick zum Meer sondern gleichzeitig auch zum Lago Albano.

Der Weg hinauf zum höchsten Punkt ist gepflastert mit Läden, die das Interesse der Massentouristen wecken sollen, aber kaum geeignet sind, um die Bedürfnisse des täglichen Bedarfs der Einheimischen zu decken. Von Kunsthandwerk bis Trüffelsalami ist fast alles zu haben was noch den letzten Platz eines Touristenkoffers füllen kann. Dazwischen mischen sich Möchtegern-Kunstgalerien, Kunthandwerk-, Andenkenläden und natürlich Restaurants und Cafés. Es ist recht wenig los. Wir führen das drauf zurück, dass die großen Ferien in Italien bereits beendet sind. Doch das ist nicht der Grund, wie wir alsbald erfahren werden.

Auf dem kleinen Platz direkt vor dem Palazzo Pontificio lassen wir uns in einem Cafe nieder um unseren morgendlichen Cappuccino einzunehmen. Nur wenige Plätze sind besetzt. Wir kommen mit einem anderen Gast des Cafes ins Gespräch, der sehr gut deutsch spricht. Es stellt sich heraus, dass er und die anderen Gäste des Cafes Handelstreibende des Ortes sind. Die Nachbarhändler der Anwesenden bewachen solange ihre Läden solange sie im Café sind und würden sie holen, wenn sich doch ein Kunde in ihren Laden verirrt.

Wir erfahren, das aktuell der erimitierte Papst, „unser“ Kardinal Ratzinger, in Castel Gandolfo zugegen ist. Das sei an der Beflaggung am Palazzo Pontificio zu erkennen, erklärt man uns. Als Kardinal Ratzinger noch Papst war, da kamen die Touristen, genau so wie bei seinen Vorgängern, in Scharen. Doch heutzutage, mit dem neuen Papst ist der Touristenstrom deutlich abgeebbt. Papst Franziskus, der bekanntlich mit vielen vatikanischen Traditionen gebrochen hat, hat auch den traditionellen Rückzug des Papstes in den heißen Sommermonaten nach Castel Gandolfo nicht in sein Pontifikat mit übernommen und meidet Castel Gandolfo. So müssen die Handelstreibenden erkennen, dass ein erimitierter Papst,der sich nach seiner Abdankung zunächst nach Castel Gandolfo zurückgezogen hatte, kein Zugpferd für ihr Geschäft ist und die Traditionsbrüche des neuen Papstes für sie „geschäftsschädigend“ wirken. Unser Gesprächspartner witzelt, dass es durchaus sein könne, dass Franziskus nur deshalb nicht nach Castel Gandolfo kommt, weil er sonst auf den Ex-Papst Benedikt treffen würde. Mit dem für die Italiener typischen Humor, meint er, das Problem würde sich ja dann irgendwann mal durch „Gottes Abruf“ lösen. Sein verschmitztes Lachen verrät uns, dass er diese Aussage selbst nicht glaubt.

Knapp einen Monat nach unserem Besuch kündigt Papst Franziskus offiziell an, die Sommerresidenz künftig nicht mehr nutzen zu wollen und die Papst Wohnung wird zu einem Museum umgewandelt.

Um ganz ehrlich zu sein, Castel Gandolfo gibt nicht viel mehr her als einen „Cappuccino-Ausflug“ mit Ausblick zum Meer, und wenn man Glück hat, mit einem netten Plausch im Cafe. Alles andere hatten wir schon. Der Ort und die Pfarrkirche San Tommaso da Villanova sind ganz nett anzuschauen, aber wir sind uns einig: den Umweg hätten wir uns sparen können.

Das antike Rom (1)

Wer sich mit Rom beschäftigt, dem kommt auch immer das alte, das antike Rom in den Sinn. Das Bild über das antike Rom in unserem Kopf ist geprägt durch den Geschichtsunterricht, den wir in der Schule alle genießen durften. Ebenso haben die, in den Medien verbreiteten Bilder der stummen Zeugen aus Stein der römischen Geschichte, wie z.B. das Colosseum, unsere visuelle Vorstellung vom alten Rom geprägt. Noch viel mehr prägend sind die Bilder in unserem Kopf von Geschichten über „Cäsaren“, römische Stadthalter und Feldherren, Senatoren, Prätorianern und Gladiatoren, wie sie uns immer wieder durch Hollywood mehr oder weniger realistisch präsentiert werden.

Wer kennt sie nicht die Blockbuster: „Quo Vadis?“ mit Peter Ustinov oder „Ben Hur“ mit Charlton Heston in den Hauptrollen? Wer kennt es nicht, das in der Filmgeschichte berühmt gewordene Wagenrennen in dem Monumentalfilm Ben Hur? Im antiken Rom wurden diese Rennen im Circus Maximus zur Volksunterhaltung veranstaltet. Die in Hollywood filmisch aufbereiteten Bilder lassen uns glauben, dass zu damaliger Zeit die Pferderennen ein wesentlich dramatischeres Spektakel waren, als es bei den heutigen Veranstaltungen in Baden-Baden Iffezheim, Berlin Hoppegarten oder in Ascot in zu beobachten ist.

Rom 10 Circus MaximusAuf einem unserer Streifzüge durch Rom sind wir auch an diesem Circus Maximus vorbeigekommen. Mein Bild von der Arena ist natürlich ganz klar von dem erwähnten Film „Ben Hur“ geprägt. Doch als wir das Gelände in Rom bei 35 Grad ablaufen, bekommen wir erst einen Eindruck, wie riesig dieses Veranstaltungsgelände für die damalige Zeit war. Diese Weitläufigkeit hätte ich nach dem filmischen Vorbild nicht erwartet. Auch das Forum Romanum, das sich vom Circus Maximus bis hin zum Colosseum erstreckt, hat riesige Ausmaße; auf jeden Fall größer als ich mir das vorgestellt habe.

Wir hatten schon zu Beginn unserer Reise entschieden, dass wir das antike Rom nur streifen wollen, um einen kulturhistorischen Bulimieanfall vorzubeugen. So belassen wir es bei einigen visuellen Eindrücken.

Zum Glück gibt es da ja Heinz und Christine. Die haben bei ihren Streifzügen einen Monat später das antike Rom genauer unter ihre Lupe genommen.

Unter der Überschrift: Über sieben Hügel musst du gehen beschreiben Heinz und Christine einen Teil des antiken Roms:

Das weiß wohl jeder: Das antike Rom erstreckte sich über sieben Hügel. Ihre Namen kennt sicher nicht jeder: Palatino, Capitolino, Aventino, Celio, Esquilino, Viminale, Quirinale. Die Fläche dieses antiken Stadtgebiets beträgt 143 Quadratkilometer, wogegen die Gesamtfläche Roms heute 1285 Quadratkilometer beträgt. Was auch jeder weiß: Rom wurde der Sage nach von Romulus und Remus gegründet. [weiterlesen]

In einem weiteren Beitrag beschäftigen sich Heinz und Christine mit dem Monte Paladino und dem Forum Romanum bishin zum Colosseum unter dem Titel:
Zum Nabel der Welt

wandern wir von der Keimzelle Roms auf den Palatin hinunter zum Forum Romanum. Dort erstreckt sich im 7. Jahrh. vor Christus zwischen dem Monte Palatino und dem Monte Capitolino eine sumpfige Ebene. Zunächst werden hier die Toten begraben. Doch 600 vor Christus beginnt der römische König Lucius Tarquinius Priscus mit dem Bau der Cloaca Maxima. [weiterlesen]

 

Rom – Kirchen, Kirchen, Kirchen

Wer nach Rom fährt der kommt an der Besichtigung einiger Kirchen nicht vorbei. Die berühmteste und größte ist unbestritten Sankt Peter im Vatikan, der im deutschsprachigen Raum meist Petersdom genannt wird oder auch Basilica Sancti Petri in Vaticano, Petersbasilika, vatikanische Basilika oder Templum Vaticanum genannt wird.  (Mehr dazu zu lesen gibt es z.B. bei Heinz und Christine von der Anima Mea [weiterlesen…]. Darüber hinaus gibt es so viele Kirchen in Rom, dass man schnell den Überblick verliert.

Auf unseren Streifzügen durch Rom, haben wir in eine ganze Reihe von Kirchen hineingeschaut, eine „Must-See-Liste“ hatten wir aber nicht. Und zu jeder gäbe es etwas zu erzählen. So viel Prunk und Pracht in einer Stadt haben wir noch nie gesehen. Uns quellen die Augen über. Auch wenn ich mir immer wieder vor Augen halte, dass mit einer kurzen Unterbrechung Rom seit rund 1700 Jahren unbestritten das Zentrum christlich-geistlicher Macht ist und mit dieser Macht riesige Vermögen angehäuft wurden (die Kurie soll angeblich mit Abstand größter Immobilienbesitzer in Rom und Italien sein), so bin ich trotzdem erstaunt, wie die Menschen mit der damaligen Technik diese Masse an Kunstwerken bauen und so vollendet ausgestallten konnten.

Wir wollen uns hier nur auf ein paar wenige konzentrieren.

Santa Maria in Trastevere

Rom 6-1 - TravestereTravestere gilt als der volkstümlichste Stadtteil von Rom. Travestere erstreckt sich vom südlichen Tiberknie bis zum Hügel Gianicolo auf dem rechten, dem westlichen Ufer des Tibers. Sehr viele alte Wohngebäude und enge Gassen machen diesen alten Stadtteil, der den meisten Vierteln des historischen Stadtzentrums Roms auf der rechten Tiberseite gegenüberliegt, zum Magneten für Touristen.

In den alten Gemäuern in Trastevere haben sie viele Gastronomiebetriebe neben anderen kulturellen Angeboten angesiedelt. Auch viele Studenten sind in diesem Viertel anzutreffen, denn der Botanische Garten (Eintritt 8 €) der von der Universität betrieben wird und einige akademische Institute sind ganz in der Nähe. Diese einmalige Mischung aus ehemaligem Arbeiterviertel, Szenequartier und Altstadtflair unterscheidet die Atmosphäre zum gegenüberliegenden Tiberufer. Auf der anderen Seite des Tibers spürt man in verschiedenen Ausprägungen das Flair einer Metropole, eines Zentrums der Macht und die Erhabenheit der Selbstinszenierung der Reichen und Schönen.
Trastevere war eines der Arbeiterviertel im alten Rom und war das Viertel der Ausländer und Randgruppen. Ursprünglich lebten dort viele Juden, später siedelten hier auch die ersten Christen Roms. So finden sich in Travestere viele Spuren frühchristlicher Kirchen und Versammlungsorte. In der Folgezeit blieb Trastevere das internationale Viertel Roms. Einwanderer kamen in dieses Gebiet, da es billiger war als die anderen Stadtviertel. Manche nennen Trastevere auch das Dorf in der Stadt.
Und in der Tat, der Flair dieses Stadtteils hat etwas dörfliches, etwas sympatisch provinzielles.

Hier steht die älteste Marienkirche der Welt – Santa Maria in Trastevere. Der Legende nach öffnete sich genau an jener Stelle 38 v. Christus eine Ölquelle, die die hier ansässigen Juden als Zeichen für die nahe Erscheinung des Messias deuteten. Rom 7 - Santa Maria in Trastevere 1Die Kirche selbst wurde 221 unter Papst Calixtus I. begonnen und dürfte auch der erste Ort gewesen sein, an dem die Christen öffentlich ihren Gottesdienst feiern durften. Der heutige Bau stammt aus dem 12. Jahrhundert, als Papst Innozenz II. den Vorgängerbau erneuern ließ.

Sehenswert im Inneren der dreischiffigen Basilika sind die Marmoreinlegearbeiten, auch Kosmatenarbeiten genannt, des Fußbodens sowie die teils vergoldete Kassettendecke. Die Mosaiken in der Apsis stammen aus dem 12. Jahrhundert und gehören zu den schönsten mittelalterlichen Mosaiken Roms.

Santa Maria Maggiore

Rom 8 - Santa Maria Maggiore 1 aussen
Die von Papst Liberius im 4. Jh. errichtete Kirche Santa Maria Maggiore gehört zu den größten Kirchen in Rom. Die Kirche ist exterritorialer Besitz des Vatikans

Es soll in Rom rund 80 Kirchen geben, die der heiligen Mutter Maria geweiht sind. Die größte und bedeutendste von ihnen ist die Kirche Santa Maria Maggiore. Sie gehört zu den 4 Hauptkirchen (Patriarchalbasiliken) Roms. Im Vergleich zum Petersdom im Vatikan ist diese Kirche aber nur ein „Kirchlein“. Trotzdem fühlt man sich im Kirchenschiff recht klein, wenn man seinen Kopf Richtung Decke hebt.
Die Gründung der Kirche geht auf eine Legende zurück, wonach im Jahre 352 sowohl Papst Liberius als auch einem reichen Kaufmann die Mutter Maria in einer Vision erschien und ihnen befahl, an der Stelle, an der es am folgenden Tag schneien würde, ihr zu Ehren eine Kirche zu errichten. Am nächsten Tag schneite es tatsächlich an der Stelle auf dem Esquilin-Hügel, auf dem heute noch Santa Maria Maggiore steht. Das soll angeblich Mitte August gewesen sein!

Die Kirche ist die einzige in der Stadt, in der nachweislich von ihrer Einweihung bis heute ununterbrochen jeden Tag die Heilige Messe gefeiert wird. Die äußere Fassade der Kirche stammt aus der Zeit des Barock. Die großen Schätze der Kirche sind aber die Mosaiken in ihrem Inneren. Einige davon stammen noch aus der Gründungszeit.

Weitere Informationen und Bilder finden sich auf den Seiten des Vatikan:
http://www.vatican.va/various/basiliche/sm_maggiore/ge/storia/interno.htm

Die Lateranbasilika

Rom 9 - Lateranbasilika 1 aussenDie Lateranbasilika, genauer gesagt die Basilica di San Giovanni in Laterano, gehört wie Santa Maria Maggiore ebenfalls zu den 4 Patriarchalbasiliken Roms, in denen es dem Papst vorbehalten bleibt vom Hauptaltar aus die Messe zu zelebrieren. Einst war dort der Sitz einer angesehenen römischen Patrizierfamilie, der Laterani. Daher auch der Name. Das Anwesen gelangte in kaiserlichen Besitz und der erste christliche Kaiser, Konstantin der Große, schenkte es im Jahre 312 den Christen, damit sie dort eine Stätte zur Ausübung der Gottesdienste einrichten konnten. Der Gebäudekomplex wurde immer weiter ausgebaut. Daran konnte auch die Zerstörung durch ein Erdbeben an der Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert nichts ändern. Bis zum Jahre 1309, als die Päpste vorübergehend nach Avignon in Frankreich gingen, war der Lateran der Sitz der Päpste. Also so eine Art Ur- oder Früh-Vatikan. Da er bei der Rückkehr des Papstsitzes nach Rom 1377 in schlechter baulicher Verfassung war, wurde an seiner Stelle der Vatikan als neuer Papstsitz gewählt.

Von den großen und bekannten Kirchen in Rom, die wir besucht haben, gefiel mir die Basilica di San Giovanni in Laterano am besten. Diese Basilika wirkte auf mich heller und freundlicher. Das nimmt etwas von dem Erdrückenden des Prunks. Aber so etwas ist ganz klar Geschmacksache. Sehenswert sind alle. Bei einem Rombesuch sollte man sich bewusst sein, dass man sehr schnell an einen Punkt kommt, den ich als „geistigen „Kultur- und Betrachtungs-Overkill“ oder kurz als Kulturbolemie bezeichnen würde. Dagegen hilft nur:
1. länger in der Stadt bleiben und sich „Verdauungszeit“ gönnen und
2. die Weisheit „Weniger ist mehr“ immer im Auge behalten.

Rom 9 - Lateranbasilika 2 heilige Pforte 1

In dieser Kirche nutzen wir die Chance durch die „Heilige Pforte“ zu schreiten, die nur aller 25 Jahre geöffnet wird oder wenn der Papst ein außerordentliches Heiliges Jahr ausruft, was 2016 schon nach 15 Jahren der Fall war. Rom 9 - Lateranbasilika 3 heilige Pforte 2Angeblich befreit das von allen Sünden. Ein kostenloser Ablass, sozusagen. Also habe ich mich gleich drei mal angestellt um die Heilige Pforte zu durchschreiten. Einmal für mich, einmal für meine Mutter und ein drittes mal, denn doppelt genäht hält besser!
So, nun sind wir sündenfrei!!!!

Können wir nun wieder die Sau rauslassen?

Vaticano International Airport (VIA) – Runway to Heaven

Für den Vatikan haben wir uns einen ganzen Tag auf unserer Reise reserviert. Es ist Mittwoch. Woran wir an diesem Tag nicht gedacht haben ist, dass Mittwochs immer die Generalaudienz auf dem Petersplatz stattfindet, sofern der Papst in Rom weilt. Dann ist eine Besichtigung des Petersdoms nicht vor 13 Uhr oder 14 Uhr möglich. Das hatten wir bei unserer spontanen Entscheidung am Morgen nicht auf dem Schirm. Schon in der Metro Menschenmassen ohne Ende. Nach dem Verlassen der U-Bahn werden wir in einem Strom von Besuchern förmlich in Richtung Vatikan geschoben. Mir ist das schon unangenehm. Es gibt keine Chance den Verkäufern von Besichtigungstouren zu entgehen. Zielsicher sprechen diese Verkäufer in der korrekten Muttersprache ihre „Opfer“ an, denen sie einen Exklusivzugang zum Petersdom nach 14 Uhr und zu den Vatikanischen Museen suggerieren – für 120 € versteht sich. Einer der Verkäufer versucht uns sogar weiszumachen, dass die Sicherheitsleute, die den Zugang zum Petersplatz abriegeln, hoffnungslos überlastet seien, aber er uns einen Weg daran vorbei ermöglichen kann.
Ob sich das Angebot lohnt oder nicht kann ich nicht sagen, denn ich hatte schon in meiner Recherche vor Reiseantritt von diesen „Besichtigungstouren“ gelesen. So war ich nicht überrascht und wusste, dass ich auch so nach 14 Uhr in den Petersdom gelangen würde. 120€ gespart! Es kommt aber ganz anders, dazu später mehr.

Die Shopping-Meile im Vaticano International Airport

Rom - Vatikan 2 PriestermodeladenNachdem uns der dritte Straßenverkäufer versucht einen solch exklusiven Privatführer unterzujubeln, entschließen wir uns nicht mehr mit dem großen Strom der Menschen mitzulaufen. Wir biegen in eine der Seitenstraßen ab und nehmen erstmal die neueste Priestermode in Augenschein. Hier gibt es alles was das Priesterherz begehrt. Aus den edelsten Stoffen Sultanen, Ausgehkleidung, feinste Hemden, Maßschuhe alles für den modebewussten Priester. Auch das exklusive Reisemessbesteck im edlen Koffer ist für einen erklecklichen Geldbetrag zu haben. Die Kurie war noch nie ein Armenhaus und so finden sich hier Dutzende von Läden die alles anbieten was die Geistlichkeit benötigt. Nur die Namen der Läden tragen nicht die uns sonst so bekannten Namen wie Gucci, Benetton, Armani, Louis Vuitton… sie haben aber die gleichen Preise.

 

Ziemlich in der Mitte zwischen Engelsburg und Petersdom treffen wir auf die Strasse, die die beiden Gebäudekomplexe verbindet, die Via della Conciliazione. Sicher hat jeder diese Perspektive schon einmal im Fernsehen gesehen. Das ist aber kein Vergleich zu dem realen 3D Eindruck.

 

Wie staunende kleine Kinder lassen wir dieses Panorama auf uns wirken.

 

Auch Vaticano Airport erfüllt alle gängigen Sicherheitsstandards im internationalen Flugverkehr

Rom - Vatikan 15 - Sicherheitskontrolle 4Wir erreichen die Piazza San Pietro – den Petersplatz. Die Kolonnaden werden mittlerweile als Sicherheitsschleuse für den „Vatikano International Airport“ genutzt. Hunderte von zivilen Sicherheitsleuten versuchen den Ansturm der Gläubigen so zu kanalisieren, dass ein geordneter Zugang zur Generalaudienz möglich bleibt. Sie sind darauf bedacht, dass es vor den Durchleuchtungstationen und Metalldedektoren und den Punkten zur Leibesvisitation und zusätzlicher Gepäcksichtkontrolle der Strom von Gläubigen nicht zum Stillstand kommt. Rom - Vatikan 13 - Sicherheitskontrolle 2Bleibt man dennoch stehen, um z.B. ein Foto zu schießen wird man sofort von den zivilen Sicherheitskräften aufgefordert weiterzugehen. Stillstand scheint für die Sicherheitsleute ein Anzeichen für „Gefahr“ zu sein.
Die Sicherheitskräfte sind extrem nervös, aber nicht unfreundlich. Im Gegensatz zu anderen Hotspots in Rom sieht man im Vatikanstaat nur italienische Polizei, die auch im Vatikanstaat für Ordnung sorgt. Rom - Vatikan 14 - Sicherheitskontrolle 3Kein italienisches Militär, wie im „Rest“ von Rom. Das liegt wohl an der staatlichen Souveränität des Vatikanstaats. Dafür gibt es dann wohl die zivilen Sicherheitsleute.
Wir fühlen uns wie auf dem Flughafen mit Open Air Abfertigungshalle. So taufen wir den Petersplatz um in: Vaticano International Airport. Das passt doch auch irgendwie und der Stadthalter des lieben Gottes verteilt ganz vorne gerade die Bordkarten für den Flug nach „Himmel“ bei der Generalaudienz. 😁😁😁

Die Terrorgefahr ist allgegenwärtig

Wir haben noch drei Stunden, bis wir den Petersdom besichtigen können. Wir kommen auf die Idee, dass wir doch einmal den Vatikanstaat umrunden könnten. Das Staatsgebiet eines Staates in nur einem Tag zu umwandern, das ist nur bei ganz wenigen Zwergstaaten möglich. Warum eigentlich nicht?
Wir verlassen wieder den Vatikanstaat. Beim Blick zurück richte ich meine Kamera mehrfach in Richtung der postierten Sicherheitsdienste und des Militärs aus. Das war keine gute Idee. Im Laufschritt, mit einer Maschinenpistole im Anschlag, stürmt mir ein italienischer Soldat entgegen und fordert mich in schlechtem englisch unmissverständlich auf alle Bilder zu löschen. Ein zweiter Soldat beobachtet uns mit grimmigem Gesicht aus etwa 30 m Entfernung, während ein Dritter in größerer Entfernung besonders aufmerksam das Geschehen in der Umgebung beobachtet, beide ebenfalls mit Maschinenpistole bewaffnet. Jetzt wird mir endgültig klar in welch angespannter Sicherheitssituation wir uns befinden. Ich bin erinnert an die Zeit der Anschläge der RAF Ende der 70er und in den 80er Jahren. Nervöses Militär, nervöse Polizei, Misstrauen bestimmt die Atmosphäre. Jeder könnte ein böser Zeitgenosse sein – ein Terrorist. Die Angst beherrscht die Sicherheitskräfte, die im Ernstfall als erste zur Zielscheibe werden. Es ist die Angst vor einem unsichtbaren Phantom.
Ich beginne zu verhandeln und zeige den Soldaten meine letzten Bilder, die ihm beweisen sollen, dass ich keine Sicherheitskräfte und Sicherheitsmaßnahmen fotografiert (und auch keine Videos angefertigt) habe. Habe ich aber doch. Noch drei Bilder weiter zurück und meine Speicherkarte wäre wohl gelöscht worden. So hatte ich aber Glück.

Nachdem uns auch in Rom und anderswo (z.B. in Pisa) massivste Polizei und Militärpräsenz aufgefallen war, zeigt uns dieser Vorfall, dass die Zeiten für völlig unbeschwerte Kulturreisen erst mal vorbei sind. Auch wenn uns unsere Politiker immer wieder dazu auffordern, uns vom Terror nicht beeinflussen zu lassen, unsere Lebensweise nicht zu verändern, und trotzig so weiterzumachen wie bisher, kann das nicht darüber hinweg täuschen, das Unbeschwertheit, Lebensfreude, Reisefreiheit und ein positives Lebensgefühl unter dem Terror leiden. Die daraus resultierende „Hab-Acht-Haltung“ in unseren Köpfen lässt auch Barrieren in unseren Zusammenleben entstehen.

Ein bitteres Zwischenfazit unserer Reise, das wir hier ziehen müssen.

Impressionen von Petersplatz und der päpstlichen Generalaudienz

Rom - Vatikan 7 - Petersplatz Panorama

So inszeniert sich eine Weltmacht, die jedem klar macht, „Du bist klein“ und will sagen: „Beuge dein Antlitz vor mir!“. Dies ist ein Statement, das auch durch die Bauten römischer Kaiser beabsichtigt war. Uns wird bewusst, wie grandiose Architektur das eigene Selbstverständnis zum großen Ganzen massivst beeinflusst. Die Mächtigen der Welt haben dies zu jeder Zeit zu nutzen gewusst. Das war bei den Ägyptern so, bei den Griechen, Assyrern, Atzteken, Majas und Chinesen und das ist auch so in der Neuzeit, wie z.B. beim Weißen Haus oder dem Bundeskanzleramt in Berlin – um nur zwei Beispiele zu nennen.

Auch wenn das Procedere der Generalaudienz ganz traditionalistisch abläuft, ganz wird auf Moderne Technik doch nicht verzichtet. Dank Public Viewing auf dem Petersplatz können wir nun auch behaupten: „wir haben den Papst gesehen.“ 😉

 

Der erste Regen seit drei Monaten

Wir verfolgen weiter unseren Plan, den Vatikanstaat zu umrunden. Es ist zwar der erste wolkenbedeckte Tag seit langem, aber nach Regen sieht das bisher noch nicht aus. Wir bewegen uns außerhalb des Vatikans an der Mauer, die fast den ganzen Vatikan umschließt auf eine Anhöhe. Hinter der Mauer, die den Vatikanstaat umschließt befinden sich die vatikanischen Gärten mit einem Hubschrauberlandeplatz, was wir aus einigen sichtbaren technischen Einrichtungen schlussfolgern können.
Rom - Vatikan 18 - erster Regen nach 3 MonatenBinnen weniger Minuten wird der Himmel bedrohlich dunkel. Zuerst geben die Wolken ein paar Tropfen und dann einen richtig dicken Wasserschwall frei. Wir können uns gerade noch in einen Hauseingang retten um nicht ganz durchgeweicht zu werden. Der erste Regen seit drei Monaten, wie wir vom Hausmeister erfahren. Er gewährt uns Unterschlupf wie auch einigen anderen Passanten. Für die nächsten zweieinhalb Stunden schüttet es wie aus Kübeln. Dazu kräftige Blitze und der Donnerschlag ist auch nicht von schlechten Eltern. Innerhalb weniger Minuten ist aus einem zwar bedeckten aber durchaus freundlichen Sightseeing Tag eine Weltuntergangsstimmung entstanden.

Der Hausmeister, dessen heutiger Arbeitsplan ganz offensichtlich durch den starken Regen außer Kraft gesetzt wird, nimmt sich die Zeit uns viele  wertvolle Tipps für unsere Romerkundung zu geben. So wird die erzwungene Regenpause noch zu einer recht kurzweiligen Veranstaltung für uns.

Langsam wird der Regen etwas schwächer. Als wir uns entschließen den Weg in Richtung U-Bahn anzutreten ahnen wir noch nicht, dass wir am Ende an der U-Bahnstation pitschnass ankommen werden. So fällt der restliche Vatikan Besuch an diesem Tag den ersten Regen nach dem Hochsommer zum Opfer.

Was haben wir verpasst?

Doch bei Heinz und Christine, deren Romartikel wir schon im letzten Beitrag vorgestellt haben, können wir nachlesen was uns durch diese Regenunterbrechung entgangen ist untert dem Titel:

Wir machen weiter

Von: Heinz und Christine

„Was machen wir heute?“ frage ich den Käptn, während ich im Reiseführer blättere. „Ist mir egal!“ und dann schiebt er noch – wie meist – „was du willst“ hinterher.

Ich denke nach: Heute ist Dienstag, der 4. Oktober. Ein ganz normaler Arbeitstag für die Römer. Also stürmen die schon mal nicht die Sehenswürdigkeiten. Alle Museen sind heute geöffnet. Da gehen die Touristen wenigstens nicht verstärkt in die Vatikanischen Museen, die auch montags zugänglich sind. Zudem ist schönes Wetter, da verteilen sich die Besucherströme auf drinnen und draußen. „Vielleicht sollten wir heute mal in den Vatikan gehen?“

Der Käptn ist sofort einverstanden. Schließlich ist die „Schaltzentrale Gottes“ für ihn ein Hauptgrund, Italiens Hauptstadt zu besuchen.

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Blick über den Tiber zum Petersdom

Und so machen wir uns nach dem Frühstück auf den langen Weg mit Bus, Bahn und Metro bis zur Station Ottaviano-San Pietro. Tatsächlich ist die Metro A heute nicht ganz so überfüllt wie bei unserem Besuch am Sonntag und der Besucherstrom in Richtung Vatikanstadt ist erträglich. Weiterlesen →

Es wäre schön wenn ihr, liebe Leser/innen, die Seiten von Heinz und Christine besucht und ihnen ein „Like“ schenkt oder eine kleine Anerkennung in ihr Logbuch schreibt. 😉

Rom ein kulturhistorischer Superlativ – wie sollen wir das nur angehen?

Nun sind wir in der Nähe von Rom, sitzen in unserem rollenden Gartenplätzchen unter der Markise und genießen ein paar Stücke Kurzgebratenes vom Grill. Unsere Gespräche drehen sich um die große Frage: Wie wollen wir Rom angehen? Natürlich haben wir uns vor Beginn unserer Reise mit Reiseführern und Literatur etwas schlau gemacht. Aber eine Liste abzuhakender Sehenswürdigkeiten ist dabei nicht entstanden. 😉
Rom ist einer der ganz wenigen Orte auf der Welt wo man an einem Tag x-fach Zeitsprünge, nicht nur von mehreren hundert Jahren sondern von x-tausend Jahren, auf einem Fußmarsch machen kann.
So stellt sich natürlich die Frage, ob man ein solch großes Reservoir an kulturhistorischen Stätten unter einem thematischen Aspekt besichtigt z.B. einer kulturhistorischen Epoche, oder ob man sich den räumlichen Gegebenheiten anpasst und geistig in der Geschichte beim Betrachten der Orte umher springt.
Natürlich haben wir eine Vorstellung was wir gerne sehen wollen. Wir haben aber keine Vorstellung was wo liegt, welche Wege und welche Reihenfolge wir gehen sollten.
Wir erinnern uns: Reisen hat etwas mit entdecken zu tun. Genau so wollen wir es tun. Da kommt uns eine kleine Karte von Rom mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und allen U-Bahn Stationen gerade recht, die die nette Stellplatzbetreiberin uns bei der Anmeldung gleich mitgegeben hat.
Mit dieser kleinen Karte in der Hand, unserem Reiseführer als Backup im Rucksack, mit einer Riesenportion Neugier und Entdeckergeist und unserem Reiseleiter Erzengel Raphael wollen wir Rom entdecken.

Rom 1 Stadtplan

Ungefähr einen Monat nach uns sind Christine und Heinz von der Anima Mea, einem Segelschiff, ebenfalls in Rom. Die beiden sind schon seit längerer Zeit mit ihrem Segelschiff Anima Mea, dass sie selbst gebaut haben, unterwegs. Von Hamburg haben sie sich langsam die Atlantikküste bis an die Südspitze Spaniens hinunter gearbeitet und halten sich nun schon geraume Zeit im Mittelmeer auf. Ihre ausgiebigen Landgänge dokumentieren sie in ihrem Blog „Anima Mea – Heinz und Christines Logbuch“ aus der Sicht von Seefahrern. Wir reisen schon seit zwei Jahren virtuell mit Heinz und Christine mit. Christine schreibt mit viel Akribie ihre Erlebnisse an Land und in der Marina in ihr Logbuch. Als ehemalige Lehrerin macht ihr es sichtlich Spaß, zusammengesammelte Informationen über den Zielort „verdaulich“ zusammenzustellen und mit persönlichen Erlebnissen kombiniert zu präsentieren.

Als wir Ihre Berichte von Rom lesen stellen wir fest, dass sie ein ganz ähnliches „Programm“ wie wir in Rom hatten. Nur die Reihenfolge war aufgrund ihres anderen Ausgangsstandortes und anderer Wetterbedingungen etwas anders.
So wollen wir im Folgenden zunächst Heinz und Christine zu Wort kommen lassen.

Es wäre schön wenn ihr, liebe Leser/innen, die Seiten von Heinz und Christine besucht und ihnen die eine oder andere Anerkennung in ihr Logbuch schreibt. 😉

10.Oktober 2016 Wo fangen wir an?

von Heinz und Christine

Diese Frage stellen wir uns, als wir das erste Mal nach Rom fahren wollen.

Unser DUMONT- Reiseführer ROM beschreibt allein 15 verschiedene Entdeckungstouren. Das zeigt, wie groß diese Stadt ist und wie viel sie zu bieten hat!

Für Sonntag, den 2.Oktober, entscheiden wir uns für eine Tour, bei der wir voraussichtlich nirgendwo vor Ticketschaltern Schlange stehen müssen. Wir wollen ganz entspannt erste Eindrücke sammeln, einfach nur Bummeln und dabei das schöne Wetter genießen!

Mit dem Bus rumpeln wir über die mit Schlaglöchern übersäten Straßen von Ostia bis zur Haltestelle Lido Centro. Der ganze Bus fibriert, die Fahrgäste fibrieren mit. Dann fahren wir mit der Stadtbahn bis zur Endstation Piramide. Hier müssen wir in die Metro B/ Station Ostiense umsteigen und Richtung Termini fahren. Dies ist die einzige Station, wo sich die beiden Metro-Linien Roms kreuzen.

Der Bahnsteig in Termini ist an diesem normalen Herbstsonntag so voll, wie die U-Bahn-Station Landungsbrücken in der Silvesternacht. Die Wartenden stehen in drei Reihen hintereinander, zu den Gleisen hin patrouliert ein Sicherheitsposten auf und ab. Wir stehen zunächst in der hintersten Reihe, werden jedoch von den Nachrückenden gnadenlos nach vorne geschoben. Ich suche die Hand des Käptn, da fährt auch schon der Zug der Metro A ein. Er ist brechend voll und kaum jemand steigt aus. [Weiterlesen…]

über 10.Oktober 2016 Wo fangen wir an? — Anima Mea

Abschied vom Bolsenasee

Wir haben in Bolsena viel über die italienische Lebensart gelernt

Bolsena 30 - WoMolines LieblingsblickFür unsere Verhältnisse haben wir uns in dem Gebiet um den Bolsenasee sehr lange aufgehalten. Die Tour bis zum Bolsenasee war schön, keine Frage. Doch das Ambiente, die Menschen, das Klima und vor allem diese Ursprünglichkeit mit diesen liebenswerten Menschen rund um den Bolsenasee, die hat uns gefesselt. Wir hatten und haben ständig das Gefühl, dass hier das Wort Stress erst noch erfunden werden muss. Das heißt nicht, dass die Menschen hier nichts oder wenig arbeiten. Ganz im Gegenteil.
Bolsena 12 - Piazza MatteottiWir unterhalten uns mit dem Eigentümer eines Papierwaren- und Zeitungsladens an der Piazza Matteotti. Er schildert uns seinen Arbeitsalltag. Daraus geht eindeutig hervor, die Menschen hier arbeiten wesentlich länger als bei uns – nicht unbedingt mehr, für ein Salär, für das bei uns viele erst gar nicht antreten würden. Sie arbeiten eigentlich von früh morgens bis spät abends. Ähnliches beobachten wir bei ‚unserem‘ Obst- und Gemüsehändler. Früh am Morgen sehen wir, wie er frische Ware von seinem Lieferwagen in seinen Laden schleppt. Auch mittags, bis in die späten Abendstunden hinein, bedient er seine Kunden. Und als wir nach dem dritten Glas Wein uns in völliger Dunkelheit fröhlich auf den Weg zu unserem Wohnmobil machen, können wir sehen, wie er noch seinen Laden aufräumt und noch mal schnell den Fliesenboden kräftig durchwischt. Das ist kein Acht-Stunden-Tag, genauso wie bei unserem Zeitungsverkäufer.

Also, wo liegt der Unterschied?

Die Menschen hier lassen sich die bei uns obligatorische Arbeitsverdichtung nicht aufzwingen. Ihnen ist der emotionale Kontakt zu ihren Mitmenschen, zur Familie, zu ihren Nachbarn, Kollegen, Kunden und Gästen wichtig. Das erfordert Kommunikation und Kommunikation erfordert Zeit, die sich diese Menschen auch während der Arbeit nehmen.
Zu Hause in deutschen Landen regen sich die wartenden Menschen auf, wenn an der Kasse eines Marktes der Kassierer mit einem Kunden ein Schwätzchen hält. Da fliegen schon mal ein paar böse Worte durch den Verkaufsraum.

Nicht so hier. Hier ist es von allen, auch von den Kunden akzeptiert, dass die Pflege der Sozialbeziehungen dazu gehört und etwas Zeit braucht. Es animiert sogar weitere Kunden in eine nachbarschaftspflegende Kommunikation mit einzusteigen. Das senkt zwar die Produktivität pro Zeiteinheit, aber es steigert die Lebensqualität auch während der Arbeitszeit. Und das ist für die Menschen hier sehr wichtig.
Es ist schon verwunderlich, dass wir Nordlichter während des Urlaubs diese Lebensart so bewundern, aber keinerlei Anstalten machen in unserem eigenen Alltag etwas davon, was wir dort bewundern, zu integrieren. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Möge den Italienern in der Region Tuscia diese Gewohnheit noch lange erhalten bleiben. ☺😉☺😉

Nun sind wir bereit in die ewige Stadt einzutauchen.

Als südlichsten Punkt unserer Tour haben wir Rom ins Auge gefasst. Rom wird verkehrstechnisch oft als eine Katastrophe beschrieben. (Nach unserem Besuch musste ich allerdings feststellen: „Alles Panikmache“ und „Wichtigtuerei“ der Protagonisten – es ist auch nicht schlimmer als in Madrid, Paris, London oder Berlin.)
So stellt sich für uns die Frage, ob wir von Bolsena aus mit dem Regionalzug in ca. 1 1/2 Stunden von Montefiascone nach Rom fahren, oder ob wir uns einen geeigneten Stellplatz in oder in der Nähe von Rom suchen. Es ist für uns nicht wirklich eine Option für jeden Besuchstag in Rom drei Stunden im Zug zu sitzen. Bei einem Besuchstag, wäre das wohl noch in Ordnung, aber einen Tag zu veranschlagen um Rom zu erkunden, ist wie Europa in drei Tagen kennen lernen zu wollen.

Bolsena 41 - Unser letztes Eis in Bolsena

Wir genehmigen uns am Abend das letzte Eis in Bolsena. Am nächsten Morgen folgt das übliche Abfahrritual und wir verlassen Bolsena über einen Bergrücken in Richtung Orvieto.Orvieto 1 Panorama Orvieto liegt markant auf einem Hügel und ist nicht zu übersehen. Weder die reizvoll gelegene Stadt, noch das große Weingut am Wegesrand kann uns zu einem Stop verführen. Orvieto 2 Weingut bei OrvietoOrvieto und das Weingut sparen wir uns für unsere dritte Tour durch Italien auf.

Wir wollen nach Rom. Deshalb werden in einem Einkaufszentrum kurz vor der Autobahn unsere Vorräte noch einmal aufgefüllt, damit wir uns in Rom ausschließlich auf die Stadt und was sie zu bieten hat, konzentrieren können.
In dem Einkaufszentrum begegnet uns etwas, das für mich so typisch italienisch ist, wie Spaghetti, Pizza, Sonne, Strand, Amore und Motorroller:
Fiat 500 - der Porscheschreckein Fiat 500, umgebaut zum Porsche-Schreck.

Wir peilen einen Wohnmobilstellplatz südöstlich von Rom an, nicht weit von Castel Gandolfo entfernt, dem Sommersitz der Päpste. Von hier aus sind wir in 25 Minuten mit dem Regionalzug am Hauptbahnhof in Rom, wo sich auch die beiden einzigen U-Bahnlinien kreuzen , die es in Rom gibt (an einer 3. Linie wird schon seit Jahren gebaut, aber wann die in Betrieb geht, das weis niemand so ganz genau). Ein idealer Ausgangspunkt für unsere Rom Erkundung, wie es scheint.

Autostrada nach RomJe weiter wir Richtung Rom rollen, umso flacher wird die Landschaft um uns herum. Wir verlassen das alpine Gebiet und wir bemerken trotz Klimaanlage, wie die Außentemperaturen ansteigen. Die Hitze wird zunehmend unangenehmer. Es hat hier seit über zweieinhalb Monaten nicht mehr geregnet. Mit jedem Kilometer den wir weiter südlich fahren, präsentiert sich die Natur immer verbrannter. Aus Grün wird langsam Ocker. Was die Trockenheit und die starke Sonneneinstrahlung noch bewirken kann, das sehen wir unvermittelt am Rande der Autobahn. Ein kleiner Steppenbrand. Das scheint hier ein normales Phänomen zu sein. Die Autofahrer jedenfalls schenken dem Feuer kaum Beachtung, genau so wenig wie den Carabinieri, die sich für den Fall eines Falles auch schon mal eingefunden haben und warnend mit Blaulicht auf dem Standstreifen stehen.

Autobahnring RomKurz vor unserem Ziel taucht auf der Schnellstraße ein Traktor mit Hänger auf. Damit muss man in Italien immer mal wieder rechnen. Aufmerksamkeit und gute Bremsen sollte man immer dabei haben. 😉

Gut ausgeruht sind wir, bereit Rom bei vorhergesagten 33 – 35°C zu erobern.

 

Bolsena – ein kleiner Stadtrundgang in Bildern

Bolsena 12 - Piazza MatteottiBolsena ist etruskischen Ursprungs. Durch die Zerstörung 309 v. Chr. durch Konsul Fabius ist davon aber nichts mehr zu sehen. Die heutige Gestalt der Stadt wurde durch Hadrian IV ab 1154 geprägt, der die Stadt mit Türmen versah und zu einer mächtigen Festung ausbaute. In späterer Zeit wurde durch eine italienische Adelsfamilie die Festung restauriert, erweitert und zu einem Schloss umgebaut, ohne allerdings den Festungscharakter zu verändern.

Bolsena 13 - Basilika der heiligen Christina
Basilika am Abend der Festspiele

Neben diesem Wahrzeichen beherbergen die Mauern der Stadt ein weiteres Gebäude von bau-, kunsthistorischer und sakralgeschichtlicher Bedeutung. Die Basilika der heiligen Christina erkunden wir am Sonntag Morgen, genau zwischen der ersten und zweiten Messe. Beide Messen sind sehr gut besucht und es ist kein hoher kirchlicher Feiertag!

Die Basilika ist ein kleines Juwel aus der Renaissance. Der gesamte Gebäudekomplex besteht aus

  • der mittelalterlichen dreischiffigen Basilika, die in der Form eines lateinischen Kreuzes errichtet wurde
  • der Kapelle des Blutwunders, erbaut ab dem Ende des 16. Jahrhunderts und
  • der Gruft der heiligen Christina aus dem 4. Bis 5. Jahrhundert, eine Märtyrerin des christlichen Glaubens.

Ein älterer Herr der so etwas wie ein Museumswärter, Kassierer für die Gruft und Ordner während der Messe zu sein scheint, hat alle Hände voll zu tun, die Touristen an die gebotene Stille und auf die “Bekleidungsvorschriften” hinzuweisen. Obwohl dies durch Piktogramme auf Tafeln an den Eingängen klar ersichtlich ist, scheinen doch etliche Besucher die Piktogrammsymbolik nicht deuten zu können. Etwas amüsiert und mit einer großen Portion Mitleid beobachte ich diesen Herrn, wie er diese Aufgabe mit voller Hingabe wahrnimmt, ohne auch nur ein lauteres Wort, genervte Gestik oder eine finstere Miene zur Durchsetzung seines Auftrags zu nutzen. Letztlich tut das allen Besuchern gut. Die majestätische Stille und die andächtige Stimmung, die durch das Wirken dieses älteren Herrn gewährleistet wird, ermöglicht den Besuchern einen viel intensiveren Zugang zu den Kunstwerken und der spirituellen Aura dieser drei Sakralbauten.

Nächste Station unseres Rundgangs: WoMolines Lieblingsplätzchen.

Hier auf halber Höhe, zwischen See und der Burgfestung könnte sie stundenlang sitzen und das Panorama genießen. Am angenehmsten ist das in den Morgenstunden bis ca. 11 Uhr, wenn die Luft noch nicht „flimmert“ und die Wärme der Sonne und leichte Luftbewegungen noch angenehm die Haut „streicheln“. Hier kann ich WoMoline beruhigt auf der Bank zurücklassen und ein paar Fotos von Bolsena „fangen“ gehen.

Eine kleine Begebenheit am Rande. Ganz in der Nähe der Via De‘ Medici, entdecken wir eine ganz kleine unscheinbare Kirche. Bolsena 40 Via De MediciWir haben schon mehrere dieser “Kleinkirchen” in der Stadt gesehen. Keine war geöffnet. Wir fragen uns, ob diese überhaupt noch genutzt werden, denn das religiöse Leben der Stadt spielt sich eindeutig in der Basilika der Heiligen Christina ab. Abseits der Touristenpfade nähern wir uns vorsichtig der vermeintlichen Zugangstür, um zu erkunden ob denn hier geöffnet ist.

Wie wir ja schon häufiger festgestellt haben, ist das religiöse Leben hier in Mittelitalien viel stärker in den Alltag integriert als bei uns. Da wird schon mal ein schnelles Stoßgebeet zwischen den Marktbesorgungen in der nahen Kirche gen Himmel geschickt oder Bitten für Wohlstand, Reichtum und Gesundheit der “Mutter Maria” unterbreitet.

Auch hier, das Kirchlein ist geschlossen. Wir wollen uns schon wieder zurückziehen, da verfehlt ein Eimer Putzwasser, der gerade aus einem Hausgang fliegt, WoMoline nur um Haaresbreite. Vollkommen aufgelöst und peinlich berührt folgt dem Eimer Wasser eine zu tiefst besorgte ältere Frau, geschätzt so Anfang 70, die sich sogleich wortreich auf italienisch entschuldigt. Wir verstehen ja nichts, aber das ist gar nicht nötig. Die Szenerie, die Intonierung, die Gestik und das besorgte Zugehen auf WoMoline spricht für sich selbst. Ich kann in ihrem markanten faltigen Antlitz das Sinnen nach “Wiedergutmachung” förmlich ablesen. Sie fasst beherzt WoMoline am Arm und geleitet sie zu einer etwa 30 Schritte entfernten Steinbrüstung, wo sie WoMoline wortreich “ihre” Aussicht über die Stadt und den See zeigt. Die Worte ‘bella’ und ‘bello’ und die schweifende Bewegung ihres rechten Arms der zum Horizont deutet weisen eindeutig darauf hin, dass sie diese grandiose Aussicht, die sie vor ihrer Haustür jeden Tag bewundern darf, meint.

Dies ist wieder ein kleines Beispiel, für das, was das Besondere an der italienischen Lebensart ist, die vielfach beschworen aber meist nicht beschrieben wird. Vielleicht lässt sich das auch gar nicht in Worte fassen. Es sind für mich diese Anekdoten, die diese Besonderheit des Lebensgefühls hier illustrieren.


P.S.: Später erfahren wir, dass viele dieser „Kleinkirchen“ heute als Lagerräume oder riesige Abstellkammern genutzt werden. In diesen historisch gewachsenen alten Städten gibt es praktisch keine Ausweichflächen mehr. So ist man gezwungen Ungenutztes einer neuen Verwendung zuzuführen, wenn ein neuer „Flächenbedarf“ entsteht. Dieses Umnutzen macht auch vor ehemaligen Kirchen und Kapellen nicht halt.

Bolsena – wir tauchen ein in die italienische Lebensart.

Bolsena ist ein hübsches Städtchen, das sich an die steilen Hänge des Kraterrandes krallt. Zwischen dem historischen Stadtkern und dem Seeufer reihen sich die schmucken und modernen ein- und zweistöckigen Wohnhäuser und Appartementhäuser neueren Herstellungsdatums. Bolsena 2 - SeepanoramaAn der Strandpromenade finden sich auch ein paar kleine Hotels, die aber nicht höher sind als die dort wachsenden und schattenspendenden Pinien.

Seeseitig habe ich erwartet, viele Freizeitboote und touristische Wassersportangebote vorzufinden. Doch das hält sich alles in überschaubaren Grenzen. Natürlich gibt es ein paar Boote, ein kleines Fährschiff habe ich auch gesichtet, aber die verfügbare Segeloberfläche ist deutlich kleiner als die Seeoberfläche. In bekannten Binnenwassersportressorts, wie z.B. dem Gardasee, Starnberger-, Ammer- oder dem Bodensee Bolsena 4 - Burghabe ich bei gutem Wetter und am Wochenende manchmal den Eindruck, dass die Segeloberfläche die Seeoberfläche übertrifft und Badegäste um einen Stehplatz im Wasser bitten müssen. 😉

Überragt wird die Stadt von einer mächtigen Burg. Die Gassen sind so ausgerichtet, dass sie am Tage meist den wohltuenden Schatten spenden. Trotz des Schattens, das Erklimmen des Burgberges ist zur Mittagszeit eine schweißtreibende Angelegenheit.

Das Leben findet auf Strassen und öffentlichen Plätzen statt

An jedem Tag ist in den Morgenstunden Leben in der Stadt. Wir beobachten bei einem Cappuccino das Treiben am zentralen Platz der Unterstadt, der Piazza Matteotti. Es ist ein Kommen und Gehen. Geparkt wird, so scheint es, wie es gerade gefällt. Alles läuft ganz unaufgeregt ab. In Franken hätten sich schon längst die ortsbekannten Dorfbruddler zusammengefunden und hätten diesen Regelverstößlern ihren ganzen Unmut lautstark entgegengebracht.
Bolsena 5 - Schild Piazza MatteottiNicht so hier. Hier schmettert ein Regelverstößler einem anderen Passanten ein freudiges „Bonjorno“ entgegen, ein anderer Passant winkt ins Straßencafe hinein mit einem unüberhörbaren „Ciao, Enrico“, worauf ein Cafebesucher mit einem Winken und einem lauten „Ciao, Carlo“ den Gruß erwidert. Manchmal beteiligt sich auch der Busfahrer des Stadtbusses, der die Piazza Matteotti auf dem Weg in die “Oberstadt” durchqueren muss, an dem Begrüßungsritual.

Neben uns sitzen mehrere ältere Herren. Sie erzählen sich zum Teil lautstark Wichtiges, vielleicht auch nicht so Wichtiges, vielleicht auch den neuesten Tratsch. Wir wissen es nicht, denn wir verstehen den Inhalt der kreuz und quer laufenden Gespräche nicht. Den Stimmen, der sprachlichen Intonierung und der Gestik entnehmen wir aber pure Lebensfreude.

Bolsena 6 - Piazza HerrenrundeEine ältere Dame parkt ihren Kleinwagen direkt vor dem Cafe, ohne sich Gedanken über die Folgen zu machen. Sie hilft ihrem Mann, der schon etwas gehbehindert ist, aus dem Auto und führt ihren Mann zu dem Tisch der älteren Herren, organisiert einen Stuhl vom Nebentisch, begrüßt beiläufig die anderen Herrn und setzt ihren Mann zu der vergnüglichen Runde. Dann verlässt sie das Cafe und scheint froh zu sein nun etwas Zeit für sich selbst zu haben. Das verursachte Verkehrschaos würdigt sie keines Blickes. Eine viertel Stunde später erscheint sie wieder und entfernt das Verkehrshindernis, lässt aber ihren Mann bei seinen “Kumpels” sitzen.

Bolsena 7 - Piazza MatteottiWir machen erst einmal einen Stadtrundgang und als wir wieder an dem Zentralen Platz zurückkommen, können wir amüsiert beobachten, wie die ältere Dame wiederum vor dem Cafe vorfährt, ihren Mann wieder in den Kleinwagen „einlädt“ und dann die Szenerie mit einem heißen Reifen verlässt. Wie wir am nächsten Tag, bei unserem obligatorischen Cappuccino feststellen, läuft das auch bei einigen anderen Herrn der geselligen Runde so ab. Wir finden es irgendwie niedlich, wie die älteren Herren von ihren Frauen zu ihrem „Frühschoppen“ gebracht und auch wieder abgeholt werden.

Mir geht der Begriff „Pantoffel-Helden“, angesichts des egomanischen Palavers, nicht aus dem Kopf. 😁 (WoMoline wollte diese Bemerkung streichen, doch ich habe darauf bestanden, dass meine Empfindungsbeschreibung erhalten bleibt.) 😉

Erst am Abend fängt das Leben an zu pulsieren

Am nächsten Abend gehen wir die Enotecas in Bolsena erkunden und lassen uns ganz bewusst nicht nur zu einem Tropfen verführen. Die Stimmung am Abend wird durch die mittelalterlichen Festspiele noch bunter und interessanter. Es wird ein Schauspiel in einer Gemeindehalle aufgeführt. Als “Vorspeise” gibt es einen mittelalterlichen Umzug in historischen Kostümen durch die engen Gassen der Stadt. Alles ist vertreten, Soldaten, die Handwerkszünfte, die Opfer der Inquisition – auch “Hexen” genannt, ein Scharfrichter mit Henkersbeil, die Honoratioren, Edelmänner und Edelfrauen, Bauern Leibeigene und Bedienstete, kirchliche Würdenträger und ein “Aussätziger” gezeichnet von der Lepra. Alle schreiten mit strengem Blick (der Leprakranke mit verborgenem Blick) durch die Gassen. Das schreibt die Dramaturgie wohl so vor. Doch ab und an kommt es zum stocken des Umzugs und es ergibt sich ein Augenkontakt mit den Darstellern der historischen Szenerie. So kann der/die eine oder andere Darsteller/in ein grinsen oder gar ein leises Lachen sich nicht verkneifen.

 

Wir fühlen uns irgendwie, wie Bürger Roms im Mittelalter und genießen die fröhlich festliche, vielleicht sogar erhabene, auf jeden Fall aber selbstbewusste Stimmung. Bolsena 9-2 KunstgewerbemarktIm Rahmenprogramm gibt es einen mittelalterlichen Markt mit Kunstgewerbe und an anderer Stelle Marktstände mit kulinarischen Angeboten. Am Rande des kleinen Platzes stolpern wir geradezu in einen kleinen Laden. Es geht um „tierische Spezialitäten“. Salamis und Schinken vom Wildschwein in allen Variationen. Mit allerhand verschiedenen Gewürzen und natürlich als Krönung mit weißen oder schwarzen Trüffeln. Wie schon in der Toskana scheint Tuskia auch ein bevorzugtes Gebiet für die feinen Trüffel zu sein.
Wir werden sofort vom Besitzer zum Probieren seiner Spezialitäten eingeladen. Obwohl er weder englisch oder deutsch spricht, und wir nur ein paar Höflichkeitsfloskeln auf italienisch beherrschen, klappt die Verständigung prächtig. Bei den Details zu seinen Spezialitäten helfen ein paar Produktaufkleber die meist in grausigem englisch, in ein paar Einzelfällen sogar in noch grausigerem deutsch, über die Inhaltsstoffe und verwendeten Gewürze informieren. Bolsena 9 - Salami-SpezialitätenTrotz all der sprachlichen Schwierigkeiten erfahren wir, dass der sehr freundliche und lustige Herr auf der anderen Seite der Ladentheke der Eigentümer nicht nur dieses Ladens, sondern auch einer kleinen Spezialitätenmanufaktur ist. Er legt großen Wert darauf, dass er der “Herr” der ganzen Herstellungskette ist, von der Jagd, der Ernte der Zutaten (Kräuter, “tuto regionale”) über die Wurstherstellung bis hin zum Verkauf. Alles Bio in Hofladenqualität würden wir vielleicht sagen. Und das alles mit sehr viel Liebe und Enthusiasmus sehr professionell präsentiert.
Es ist einfach eine Freude zuzusehen, wie dieser Mann “brennt” für das was er tut, als ob es seit seiner Geburt es niemals in Frage stand, dass genau diese Tätigkeiten an diesem Ort seine Bestimmung sind. Seine leuchtenden Augen verraten uns das. Gepaart mit diesem Wissen schmecken die probierten Schmankerl nicht nur sehr gut sondern außerordentlich.

Bolsena 10 - Enoteca am Abend

So ist es nicht verwunderlich, das eine Spezialität nach der anderen in unserem immer mitgeführten Nyloneinkaufsbeutel verschwindet. Entsprechend herzlich, lautstark und ausgiebig fällt dann auch die Verabschiedung aus, bevor wir uns dem zuwenden, was seit Jahrhunderten immer dazu gehörte und auch heute dazu gehört: dem Wein.

Bolsena 11 - der Weisswein

Ein Nachbar auf dem Wohnmobilstellplatz hatte uns den Tipp gegeben, eine Enoteca nahe der Burg zu besuchen, die ein besonders erlesenes regionales Weinangebot bereithält. Auf einer Mauer sitzend genießen wir unseren Wein, den uns die beiden netten Berlinerinnen, die die gegenüber liegende Enoteca betreiben, empfohlen haben. Es bleibt nicht bei dem einen Glas…

In dieser Stimmung fragen wir uns: “Fühlte es sich zu damaliger Zeit so an, ein Römer zu sein?” Wir glauben ja, auch wenn das Leben zu römischer Zeit oder im Mittelalter sicherlich wesentlich beschwerlicher war als heute. Ich denke mir, dass es für die kleine Oberschicht der „Bürger Roms“ die großen Reichtum angehäuft hatten so war, wie wir es heute in den Mauern dieser Stadt empfinden.

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