Rom – Kirchen, Kirchen, Kirchen

Wer nach Rom fährt der kommt an der Besichtigung einiger Kirchen nicht vorbei. Die berühmteste und größte ist unbestritten Sankt Peter im Vatikan, der im deutschsprachigen Raum meist Petersdom genannt wird oder auch Basilica Sancti Petri in Vaticano, Petersbasilika, vatikanische Basilika oder Templum Vaticanum genannt wird.  (Mehr dazu zu lesen gibt es z.B. bei Heinz und Christine von der Anima Mea [weiterlesen…]. Darüber hinaus gibt es so viele Kirchen in Rom, dass man schnell den Überblick verliert.

Auf unseren Streifzügen durch Rom, haben wir in eine ganze Reihe von Kirchen hineingeschaut, eine „Must-See-Liste“ hatten wir aber nicht. Und zu jeder gäbe es etwas zu erzählen. So viel Prunk und Pracht in einer Stadt haben wir noch nie gesehen. Uns quellen die Augen über. Auch wenn ich mir immer wieder vor Augen halte, dass mit einer kurzen Unterbrechung Rom seit rund 1700 Jahren unbestritten das Zentrum christlich-geistlicher Macht ist und mit dieser Macht riesige Vermögen angehäuft wurden (die Kurie soll angeblich mit Abstand größter Immobilienbesitzer in Rom und Italien sein), so bin ich trotzdem erstaunt, wie die Menschen mit der damaligen Technik diese Masse an Kunstwerken bauen und so vollendet ausgestallten konnten.

Wir wollen uns hier nur auf ein paar wenige konzentrieren.

Santa Maria in Trastevere

Rom 6-1 - TravestereTravestere gilt als der volkstümlichste Stadtteil von Rom. Travestere erstreckt sich vom südlichen Tiberknie bis zum Hügel Gianicolo auf dem rechten, dem westlichen Ufer des Tibers. Sehr viele alte Wohngebäude und enge Gassen machen diesen alten Stadtteil, der den meisten Vierteln des historischen Stadtzentrums Roms auf der rechten Tiberseite gegenüberliegt, zum Magneten für Touristen.

In den alten Gemäuern in Trastevere haben sie viele Gastronomiebetriebe neben anderen kulturellen Angeboten angesiedelt. Auch viele Studenten sind in diesem Viertel anzutreffen, denn der Botanische Garten (Eintritt 8 €) der von der Universität betrieben wird und einige akademische Institute sind ganz in der Nähe. Diese einmalige Mischung aus ehemaligem Arbeiterviertel, Szenequartier und Altstadtflair unterscheidet die Atmosphäre zum gegenüberliegenden Tiberufer. Auf der anderen Seite des Tibers spürt man in verschiedenen Ausprägungen das Flair einer Metropole, eines Zentrums der Macht und die Erhabenheit der Selbstinszenierung der Reichen und Schönen.
Trastevere war eines der Arbeiterviertel im alten Rom und war das Viertel der Ausländer und Randgruppen. Ursprünglich lebten dort viele Juden, später siedelten hier auch die ersten Christen Roms. So finden sich in Travestere viele Spuren frühchristlicher Kirchen und Versammlungsorte. In der Folgezeit blieb Trastevere das internationale Viertel Roms. Einwanderer kamen in dieses Gebiet, da es billiger war als die anderen Stadtviertel. Manche nennen Trastevere auch das Dorf in der Stadt.
Und in der Tat, der Flair dieses Stadtteils hat etwas dörfliches, etwas sympatisch provinzielles.

Hier steht die älteste Marienkirche der Welt – Santa Maria in Trastevere. Der Legende nach öffnete sich genau an jener Stelle 38 v. Christus eine Ölquelle, die die hier ansässigen Juden als Zeichen für die nahe Erscheinung des Messias deuteten. Rom 7 - Santa Maria in Trastevere 1Die Kirche selbst wurde 221 unter Papst Calixtus I. begonnen und dürfte auch der erste Ort gewesen sein, an dem die Christen öffentlich ihren Gottesdienst feiern durften. Der heutige Bau stammt aus dem 12. Jahrhundert, als Papst Innozenz II. den Vorgängerbau erneuern ließ.

Sehenswert im Inneren der dreischiffigen Basilika sind die Marmoreinlegearbeiten, auch Kosmatenarbeiten genannt, des Fußbodens sowie die teils vergoldete Kassettendecke. Die Mosaiken in der Apsis stammen aus dem 12. Jahrhundert und gehören zu den schönsten mittelalterlichen Mosaiken Roms.

Santa Maria Maggiore

Rom 8 - Santa Maria Maggiore 1 aussen
Die von Papst Liberius im 4. Jh. errichtete Kirche Santa Maria Maggiore gehört zu den größten Kirchen in Rom. Die Kirche ist exterritorialer Besitz des Vatikans

Es soll in Rom rund 80 Kirchen geben, die der heiligen Mutter Maria geweiht sind. Die größte und bedeutendste von ihnen ist die Kirche Santa Maria Maggiore. Sie gehört zu den 4 Hauptkirchen (Patriarchalbasiliken) Roms. Im Vergleich zum Petersdom im Vatikan ist diese Kirche aber nur ein „Kirchlein“. Trotzdem fühlt man sich im Kirchenschiff recht klein, wenn man seinen Kopf Richtung Decke hebt.
Die Gründung der Kirche geht auf eine Legende zurück, wonach im Jahre 352 sowohl Papst Liberius als auch einem reichen Kaufmann die Mutter Maria in einer Vision erschien und ihnen befahl, an der Stelle, an der es am folgenden Tag schneien würde, ihr zu Ehren eine Kirche zu errichten. Am nächsten Tag schneite es tatsächlich an der Stelle auf dem Esquilin-Hügel, auf dem heute noch Santa Maria Maggiore steht. Das soll angeblich Mitte August gewesen sein!

Die Kirche ist die einzige in der Stadt, in der nachweislich von ihrer Einweihung bis heute ununterbrochen jeden Tag die Heilige Messe gefeiert wird. Die äußere Fassade der Kirche stammt aus der Zeit des Barock. Die großen Schätze der Kirche sind aber die Mosaiken in ihrem Inneren. Einige davon stammen noch aus der Gründungszeit.

Weitere Informationen und Bilder finden sich auf den Seiten des Vatikan:
http://www.vatican.va/various/basiliche/sm_maggiore/ge/storia/interno.htm

Die Lateranbasilika

Rom 9 - Lateranbasilika 1 aussenDie Lateranbasilika, genauer gesagt die Basilica di San Giovanni in Laterano, gehört wie Santa Maria Maggiore ebenfalls zu den 4 Patriarchalbasiliken Roms, in denen es dem Papst vorbehalten bleibt vom Hauptaltar aus die Messe zu zelebrieren. Einst war dort der Sitz einer angesehenen römischen Patrizierfamilie, der Laterani. Daher auch der Name. Das Anwesen gelangte in kaiserlichen Besitz und der erste christliche Kaiser, Konstantin der Große, schenkte es im Jahre 312 den Christen, damit sie dort eine Stätte zur Ausübung der Gottesdienste einrichten konnten. Der Gebäudekomplex wurde immer weiter ausgebaut. Daran konnte auch die Zerstörung durch ein Erdbeben an der Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert nichts ändern. Bis zum Jahre 1309, als die Päpste vorübergehend nach Avignon in Frankreich gingen, war der Lateran der Sitz der Päpste. Also so eine Art Ur- oder Früh-Vatikan. Da er bei der Rückkehr des Papstsitzes nach Rom 1377 in schlechter baulicher Verfassung war, wurde an seiner Stelle der Vatikan als neuer Papstsitz gewählt.

Von den großen und bekannten Kirchen in Rom, die wir besucht haben, gefiel mir die Basilica di San Giovanni in Laterano am besten. Diese Basilika wirkte auf mich heller und freundlicher. Das nimmt etwas von dem Erdrückenden des Prunks. Aber so etwas ist ganz klar Geschmacksache. Sehenswert sind alle. Bei einem Rombesuch sollte man sich bewusst sein, dass man sehr schnell an einen Punkt kommt, den ich als „geistigen „Kultur- und Betrachtungs-Overkill“ oder kurz als Kulturbolemie bezeichnen würde. Dagegen hilft nur:
1. länger in der Stadt bleiben und sich „Verdauungszeit“ gönnen und
2. die Weisheit „Weniger ist mehr“ immer im Auge behalten.

Rom 9 - Lateranbasilika 2 heilige Pforte 1

In dieser Kirche nutzen wir die Chance durch die „Heilige Pforte“ zu schreiten, die nur aller 25 Jahre geöffnet wird oder wenn der Papst ein außerordentliches Heiliges Jahr ausruft, was 2016 schon nach 15 Jahren der Fall war. Rom 9 - Lateranbasilika 3 heilige Pforte 2Angeblich befreit das von allen Sünden. Ein kostenloser Ablass, sozusagen. Also habe ich mich gleich drei mal angestellt um die Heilige Pforte zu durchschreiten. Einmal für mich, einmal für meine Mutter und ein drittes mal, denn doppelt genäht hält besser!
So, nun sind wir sündenfrei!!!!

Können wir nun wieder die Sau rauslassen?

Vaticano International Airport (VIA) – Runway to Heaven

Für den Vatikan haben wir uns einen ganzen Tag auf unserer Reise reserviert. Es ist Mittwoch. Woran wir an diesem Tag nicht gedacht haben ist, dass Mittwochs immer die Generalaudienz auf dem Petersplatz stattfindet, sofern der Papst in Rom weilt. Dann ist eine Besichtigung des Petersdoms nicht vor 13 Uhr oder 14 Uhr möglich. Das hatten wir bei unserer spontanen Entscheidung am Morgen nicht auf dem Schirm. Schon in der Metro Menschenmassen ohne Ende. Nach dem Verlassen der U-Bahn werden wir in einem Strom von Besuchern förmlich in Richtung Vatikan geschoben. Mir ist das schon unangenehm. Es gibt keine Chance den Verkäufern von Besichtigungstouren zu entgehen. Zielsicher sprechen diese Verkäufer in der korrekten Muttersprache ihre „Opfer“ an, denen sie einen Exklusivzugang zum Petersdom nach 14 Uhr und zu den Vatikanischen Museen suggerieren – für 120 € versteht sich. Einer der Verkäufer versucht uns sogar weiszumachen, dass die Sicherheitsleute, die den Zugang zum Petersplatz abriegeln, hoffnungslos überlastet seien, aber er uns einen Weg daran vorbei ermöglichen kann.
Ob sich das Angebot lohnt oder nicht kann ich nicht sagen, denn ich hatte schon in meiner Recherche vor Reiseantritt von diesen „Besichtigungstouren“ gelesen. So war ich nicht überrascht und wusste, dass ich auch so nach 14 Uhr in den Petersdom gelangen würde. 120€ gespart! Es kommt aber ganz anders, dazu später mehr.

Die Shopping-Meile im Vaticano International Airport

Rom - Vatikan 2 PriestermodeladenNachdem uns der dritte Straßenverkäufer versucht einen solch exklusiven Privatführer unterzujubeln, entschließen wir uns nicht mehr mit dem großen Strom der Menschen mitzulaufen. Wir biegen in eine der Seitenstraßen ab und nehmen erstmal die neueste Priestermode in Augenschein. Hier gibt es alles was das Priesterherz begehrt. Aus den edelsten Stoffen Sultanen, Ausgehkleidung, feinste Hemden, Maßschuhe alles für den modebewussten Priester. Auch das exklusive Reisemessbesteck im edlen Koffer ist für einen erklecklichen Geldbetrag zu haben. Die Kurie war noch nie ein Armenhaus und so finden sich hier Dutzende von Läden die alles anbieten was die Geistlichkeit benötigt. Nur die Namen der Läden tragen nicht die uns sonst so bekannten Namen wie Gucci, Benetton, Armani, Louis Vuitton… sie haben aber die gleichen Preise.

 

Ziemlich in der Mitte zwischen Engelsburg und Petersdom treffen wir auf die Strasse, die die beiden Gebäudekomplexe verbindet, die Via della Conciliazione. Sicher hat jeder diese Perspektive schon einmal im Fernsehen gesehen. Das ist aber kein Vergleich zu dem realen 3D Eindruck.

 

Wie staunende kleine Kinder lassen wir dieses Panorama auf uns wirken.

 

Auch Vaticano Airport erfüllt alle gängigen Sicherheitsstandards im internationalen Flugverkehr

Rom - Vatikan 15 - Sicherheitskontrolle 4Wir erreichen die Piazza San Pietro – den Petersplatz. Die Kolonnaden werden mittlerweile als Sicherheitsschleuse für den „Vatikano International Airport“ genutzt. Hunderte von zivilen Sicherheitsleuten versuchen den Ansturm der Gläubigen so zu kanalisieren, dass ein geordneter Zugang zur Generalaudienz möglich bleibt. Sie sind darauf bedacht, dass es vor den Durchleuchtungstationen und Metalldedektoren und den Punkten zur Leibesvisitation und zusätzlicher Gepäcksichtkontrolle der Strom von Gläubigen nicht zum Stillstand kommt. Rom - Vatikan 13 - Sicherheitskontrolle 2Bleibt man dennoch stehen, um z.B. ein Foto zu schießen wird man sofort von den zivilen Sicherheitskräften aufgefordert weiterzugehen. Stillstand scheint für die Sicherheitsleute ein Anzeichen für „Gefahr“ zu sein.
Die Sicherheitskräfte sind extrem nervös, aber nicht unfreundlich. Im Gegensatz zu anderen Hotspots in Rom sieht man im Vatikanstaat nur italienische Polizei, die auch im Vatikanstaat für Ordnung sorgt. Rom - Vatikan 14 - Sicherheitskontrolle 3Kein italienisches Militär, wie im „Rest“ von Rom. Das liegt wohl an der staatlichen Souveränität des Vatikanstaats. Dafür gibt es dann wohl die zivilen Sicherheitsleute.
Wir fühlen uns wie auf dem Flughafen mit Open Air Abfertigungshalle. So taufen wir den Petersplatz um in: Vaticano International Airport. Das passt doch auch irgendwie und der Stadthalter des lieben Gottes verteilt ganz vorne gerade die Bordkarten für den Flug nach „Himmel“ bei der Generalaudienz. 😁😁😁

Die Terrorgefahr ist allgegenwärtig

Wir haben noch drei Stunden, bis wir den Petersdom besichtigen können. Wir kommen auf die Idee, dass wir doch einmal den Vatikanstaat umrunden könnten. Das Staatsgebiet eines Staates in nur einem Tag zu umwandern, das ist nur bei ganz wenigen Zwergstaaten möglich. Warum eigentlich nicht?
Wir verlassen wieder den Vatikanstaat. Beim Blick zurück richte ich meine Kamera mehrfach in Richtung der postierten Sicherheitsdienste und des Militärs aus. Das war keine gute Idee. Im Laufschritt, mit einer Maschinenpistole im Anschlag, stürmt mir ein italienischer Soldat entgegen und fordert mich in schlechtem englisch unmissverständlich auf alle Bilder zu löschen. Ein zweiter Soldat beobachtet uns mit grimmigem Gesicht aus etwa 30 m Entfernung, während ein Dritter in größerer Entfernung besonders aufmerksam das Geschehen in der Umgebung beobachtet, beide ebenfalls mit Maschinenpistole bewaffnet. Jetzt wird mir endgültig klar in welch angespannter Sicherheitssituation wir uns befinden. Ich bin erinnert an die Zeit der Anschläge der RAF Ende der 70er und in den 80er Jahren. Nervöses Militär, nervöse Polizei, Misstrauen bestimmt die Atmosphäre. Jeder könnte ein böser Zeitgenosse sein – ein Terrorist. Die Angst beherrscht die Sicherheitskräfte, die im Ernstfall als erste zur Zielscheibe werden. Es ist die Angst vor einem unsichtbaren Phantom.
Ich beginne zu verhandeln und zeige den Soldaten meine letzten Bilder, die ihm beweisen sollen, dass ich keine Sicherheitskräfte und Sicherheitsmaßnahmen fotografiert (und auch keine Videos angefertigt) habe. Habe ich aber doch. Noch drei Bilder weiter zurück und meine Speicherkarte wäre wohl gelöscht worden. So hatte ich aber Glück.

Nachdem uns auch in Rom und anderswo (z.B. in Pisa) massivste Polizei und Militärpräsenz aufgefallen war, zeigt uns dieser Vorfall, dass die Zeiten für völlig unbeschwerte Kulturreisen erst mal vorbei sind. Auch wenn uns unsere Politiker immer wieder dazu auffordern, uns vom Terror nicht beeinflussen zu lassen, unsere Lebensweise nicht zu verändern, und trotzig so weiterzumachen wie bisher, kann das nicht darüber hinweg täuschen, das Unbeschwertheit, Lebensfreude, Reisefreiheit und ein positives Lebensgefühl unter dem Terror leiden. Die daraus resultierende „Hab-Acht-Haltung“ in unseren Köpfen lässt auch Barrieren in unseren Zusammenleben entstehen.

Ein bitteres Zwischenfazit unserer Reise, das wir hier ziehen müssen.

Impressionen von Petersplatz und der päpstlichen Generalaudienz

Rom - Vatikan 7 - Petersplatz Panorama

So inszeniert sich eine Weltmacht, die jedem klar macht, „Du bist klein“ und will sagen: „Beuge dein Antlitz vor mir!“. Dies ist ein Statement, das auch durch die Bauten römischer Kaiser beabsichtigt war. Uns wird bewusst, wie grandiose Architektur das eigene Selbstverständnis zum großen Ganzen massivst beeinflusst. Die Mächtigen der Welt haben dies zu jeder Zeit zu nutzen gewusst. Das war bei den Ägyptern so, bei den Griechen, Assyrern, Atzteken, Majas und Chinesen und das ist auch so in der Neuzeit, wie z.B. beim Weißen Haus oder dem Bundeskanzleramt in Berlin – um nur zwei Beispiele zu nennen.

Auch wenn das Procedere der Generalaudienz ganz traditionalistisch abläuft, ganz wird auf Moderne Technik doch nicht verzichtet. Dank Public Viewing auf dem Petersplatz können wir nun auch behaupten: „wir haben den Papst gesehen.“ 😉

 

Der erste Regen seit drei Monaten

Wir verfolgen weiter unseren Plan, den Vatikanstaat zu umrunden. Es ist zwar der erste wolkenbedeckte Tag seit langem, aber nach Regen sieht das bisher noch nicht aus. Wir bewegen uns außerhalb des Vatikans an der Mauer, die fast den ganzen Vatikan umschließt auf eine Anhöhe. Hinter der Mauer, die den Vatikanstaat umschließt befinden sich die vatikanischen Gärten mit einem Hubschrauberlandeplatz, was wir aus einigen sichtbaren technischen Einrichtungen schlussfolgern können.
Rom - Vatikan 18 - erster Regen nach 3 MonatenBinnen weniger Minuten wird der Himmel bedrohlich dunkel. Zuerst geben die Wolken ein paar Tropfen und dann einen richtig dicken Wasserschwall frei. Wir können uns gerade noch in einen Hauseingang retten um nicht ganz durchgeweicht zu werden. Der erste Regen seit drei Monaten, wie wir vom Hausmeister erfahren. Er gewährt uns Unterschlupf wie auch einigen anderen Passanten. Für die nächsten zweieinhalb Stunden schüttet es wie aus Kübeln. Dazu kräftige Blitze und der Donnerschlag ist auch nicht von schlechten Eltern. Innerhalb weniger Minuten ist aus einem zwar bedeckten aber durchaus freundlichen Sightseeing Tag eine Weltuntergangsstimmung entstanden.

Der Hausmeister, dessen heutiger Arbeitsplan ganz offensichtlich durch den starken Regen außer Kraft gesetzt wird, nimmt sich die Zeit uns viele  wertvolle Tipps für unsere Romerkundung zu geben. So wird die erzwungene Regenpause noch zu einer recht kurzweiligen Veranstaltung für uns.

Langsam wird der Regen etwas schwächer. Als wir uns entschließen den Weg in Richtung U-Bahn anzutreten ahnen wir noch nicht, dass wir am Ende an der U-Bahnstation pitschnass ankommen werden. So fällt der restliche Vatikan Besuch an diesem Tag den ersten Regen nach dem Hochsommer zum Opfer.

Was haben wir verpasst?

Doch bei Heinz und Christine, deren Romartikel wir schon im letzten Beitrag vorgestellt haben, können wir nachlesen was uns durch diese Regenunterbrechung entgangen ist untert dem Titel:

Wir machen weiter

Von: Heinz und Christine

„Was machen wir heute?“ frage ich den Käptn, während ich im Reiseführer blättere. „Ist mir egal!“ und dann schiebt er noch – wie meist – „was du willst“ hinterher.

Ich denke nach: Heute ist Dienstag, der 4. Oktober. Ein ganz normaler Arbeitstag für die Römer. Also stürmen die schon mal nicht die Sehenswürdigkeiten. Alle Museen sind heute geöffnet. Da gehen die Touristen wenigstens nicht verstärkt in die Vatikanischen Museen, die auch montags zugänglich sind. Zudem ist schönes Wetter, da verteilen sich die Besucherströme auf drinnen und draußen. „Vielleicht sollten wir heute mal in den Vatikan gehen?“

Der Käptn ist sofort einverstanden. Schließlich ist die „Schaltzentrale Gottes“ für ihn ein Hauptgrund, Italiens Hauptstadt zu besuchen.

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Blick über den Tiber zum Petersdom

Und so machen wir uns nach dem Frühstück auf den langen Weg mit Bus, Bahn und Metro bis zur Station Ottaviano-San Pietro. Tatsächlich ist die Metro A heute nicht ganz so überfüllt wie bei unserem Besuch am Sonntag und der Besucherstrom in Richtung Vatikanstadt ist erträglich. Weiterlesen →

Es wäre schön wenn ihr, liebe Leser/innen, die Seiten von Heinz und Christine besucht und ihnen ein „Like“ schenkt oder eine kleine Anerkennung in ihr Logbuch schreibt. 😉

Rom ein kulturhistorischer Superlativ – wie sollen wir das nur angehen?

Nun sind wir in der Nähe von Rom, sitzen in unserem rollenden Gartenplätzchen unter der Markise und genießen ein paar Stücke Kurzgebratenes vom Grill. Unsere Gespräche drehen sich um die große Frage: Wie wollen wir Rom angehen? Natürlich haben wir uns vor Beginn unserer Reise mit Reiseführern und Literatur etwas schlau gemacht. Aber eine Liste abzuhakender Sehenswürdigkeiten ist dabei nicht entstanden. 😉
Rom ist einer der ganz wenigen Orte auf der Welt wo man an einem Tag x-fach Zeitsprünge, nicht nur von mehreren hundert Jahren sondern von x-tausend Jahren, auf einem Fußmarsch machen kann.
So stellt sich natürlich die Frage, ob man ein solch großes Reservoir an kulturhistorischen Stätten unter einem thematischen Aspekt besichtigt z.B. einer kulturhistorischen Epoche, oder ob man sich den räumlichen Gegebenheiten anpasst und geistig in der Geschichte beim Betrachten der Orte umher springt.
Natürlich haben wir eine Vorstellung was wir gerne sehen wollen. Wir haben aber keine Vorstellung was wo liegt, welche Wege und welche Reihenfolge wir gehen sollten.
Wir erinnern uns: Reisen hat etwas mit entdecken zu tun. Genau so wollen wir es tun. Da kommt uns eine kleine Karte von Rom mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und allen U-Bahn Stationen gerade recht, die die nette Stellplatzbetreiberin uns bei der Anmeldung gleich mitgegeben hat.
Mit dieser kleinen Karte in der Hand, unserem Reiseführer als Backup im Rucksack, mit einer Riesenportion Neugier und Entdeckergeist und unserem Reiseleiter Erzengel Raphael wollen wir Rom entdecken.

Rom 1 Stadtplan

Ungefähr einen Monat nach uns sind Christine und Heinz von der Anima Mea, einem Segelschiff, ebenfalls in Rom. Die beiden sind schon seit längerer Zeit mit ihrem Segelschiff Anima Mea, dass sie selbst gebaut haben, unterwegs. Von Hamburg haben sie sich langsam die Atlantikküste bis an die Südspitze Spaniens hinunter gearbeitet und halten sich nun schon geraume Zeit im Mittelmeer auf. Ihre ausgiebigen Landgänge dokumentieren sie in ihrem Blog „Anima Mea – Heinz und Christines Logbuch“ aus der Sicht von Seefahrern. Wir reisen schon seit zwei Jahren virtuell mit Heinz und Christine mit. Christine schreibt mit viel Akribie ihre Erlebnisse an Land und in der Marina in ihr Logbuch. Als ehemalige Lehrerin macht ihr es sichtlich Spaß, zusammengesammelte Informationen über den Zielort „verdaulich“ zusammenzustellen und mit persönlichen Erlebnissen kombiniert zu präsentieren.

Als wir Ihre Berichte von Rom lesen stellen wir fest, dass sie ein ganz ähnliches „Programm“ wie wir in Rom hatten. Nur die Reihenfolge war aufgrund ihres anderen Ausgangsstandortes und anderer Wetterbedingungen etwas anders.
So wollen wir im Folgenden zunächst Heinz und Christine zu Wort kommen lassen.

Es wäre schön wenn ihr, liebe Leser/innen, die Seiten von Heinz und Christine besucht und ihnen die eine oder andere Anerkennung in ihr Logbuch schreibt. 😉

10.Oktober 2016 Wo fangen wir an?

von Heinz und Christine

Diese Frage stellen wir uns, als wir das erste Mal nach Rom fahren wollen.

Unser DUMONT- Reiseführer ROM beschreibt allein 15 verschiedene Entdeckungstouren. Das zeigt, wie groß diese Stadt ist und wie viel sie zu bieten hat!

Für Sonntag, den 2.Oktober, entscheiden wir uns für eine Tour, bei der wir voraussichtlich nirgendwo vor Ticketschaltern Schlange stehen müssen. Wir wollen ganz entspannt erste Eindrücke sammeln, einfach nur Bummeln und dabei das schöne Wetter genießen!

Mit dem Bus rumpeln wir über die mit Schlaglöchern übersäten Straßen von Ostia bis zur Haltestelle Lido Centro. Der ganze Bus fibriert, die Fahrgäste fibrieren mit. Dann fahren wir mit der Stadtbahn bis zur Endstation Piramide. Hier müssen wir in die Metro B/ Station Ostiense umsteigen und Richtung Termini fahren. Dies ist die einzige Station, wo sich die beiden Metro-Linien Roms kreuzen.

Der Bahnsteig in Termini ist an diesem normalen Herbstsonntag so voll, wie die U-Bahn-Station Landungsbrücken in der Silvesternacht. Die Wartenden stehen in drei Reihen hintereinander, zu den Gleisen hin patrouliert ein Sicherheitsposten auf und ab. Wir stehen zunächst in der hintersten Reihe, werden jedoch von den Nachrückenden gnadenlos nach vorne geschoben. Ich suche die Hand des Käptn, da fährt auch schon der Zug der Metro A ein. Er ist brechend voll und kaum jemand steigt aus. [Weiterlesen…]

über 10.Oktober 2016 Wo fangen wir an? — Anima Mea

Abschied vom Bolsenasee

Wir haben in Bolsena viel über die italienische Lebensart gelernt

Bolsena 30 - WoMolines LieblingsblickFür unsere Verhältnisse haben wir uns in dem Gebiet um den Bolsenasee sehr lange aufgehalten. Die Tour bis zum Bolsenasee war schön, keine Frage. Doch das Ambiente, die Menschen, das Klima und vor allem diese Ursprünglichkeit mit diesen liebenswerten Menschen rund um den Bolsenasee, die hat uns gefesselt. Wir hatten und haben ständig das Gefühl, dass hier das Wort Stress erst noch erfunden werden muss. Das heißt nicht, dass die Menschen hier nichts oder wenig arbeiten. Ganz im Gegenteil.
Bolsena 12 - Piazza MatteottiWir unterhalten uns mit dem Eigentümer eines Papierwaren- und Zeitungsladens an der Piazza Matteotti. Er schildert uns seinen Arbeitsalltag. Daraus geht eindeutig hervor, die Menschen hier arbeiten wesentlich länger als bei uns – nicht unbedingt mehr, für ein Salär, für das bei uns viele erst gar nicht antreten würden. Sie arbeiten eigentlich von früh morgens bis spät abends. Ähnliches beobachten wir bei ‚unserem‘ Obst- und Gemüsehändler. Früh am Morgen sehen wir, wie er frische Ware von seinem Lieferwagen in seinen Laden schleppt. Auch mittags, bis in die späten Abendstunden hinein, bedient er seine Kunden. Und als wir nach dem dritten Glas Wein uns in völliger Dunkelheit fröhlich auf den Weg zu unserem Wohnmobil machen, können wir sehen, wie er noch seinen Laden aufräumt und noch mal schnell den Fliesenboden kräftig durchwischt. Das ist kein Acht-Stunden-Tag, genauso wie bei unserem Zeitungsverkäufer.

Also, wo liegt der Unterschied?

Die Menschen hier lassen sich die bei uns obligatorische Arbeitsverdichtung nicht aufzwingen. Ihnen ist der emotionale Kontakt zu ihren Mitmenschen, zur Familie, zu ihren Nachbarn, Kollegen, Kunden und Gästen wichtig. Das erfordert Kommunikation und Kommunikation erfordert Zeit, die sich diese Menschen auch während der Arbeit nehmen.
Zu Hause in deutschen Landen regen sich die wartenden Menschen auf, wenn an der Kasse eines Marktes der Kassierer mit einem Kunden ein Schwätzchen hält. Da fliegen schon mal ein paar böse Worte durch den Verkaufsraum.

Nicht so hier. Hier ist es von allen, auch von den Kunden akzeptiert, dass die Pflege der Sozialbeziehungen dazu gehört und etwas Zeit braucht. Es animiert sogar weitere Kunden in eine nachbarschaftspflegende Kommunikation mit einzusteigen. Das senkt zwar die Produktivität pro Zeiteinheit, aber es steigert die Lebensqualität auch während der Arbeitszeit. Und das ist für die Menschen hier sehr wichtig.
Es ist schon verwunderlich, dass wir Nordlichter während des Urlaubs diese Lebensart so bewundern, aber keinerlei Anstalten machen in unserem eigenen Alltag etwas davon, was wir dort bewundern, zu integrieren. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Möge den Italienern in der Region Tuscia diese Gewohnheit noch lange erhalten bleiben. ☺😉☺😉

Nun sind wir bereit in die ewige Stadt einzutauchen.

Als südlichsten Punkt unserer Tour haben wir Rom ins Auge gefasst. Rom wird verkehrstechnisch oft als eine Katastrophe beschrieben. (Nach unserem Besuch musste ich allerdings feststellen: „Alles Panikmache“ und „Wichtigtuerei“ der Protagonisten – es ist auch nicht schlimmer als in Madrid, Paris, London oder Berlin.)
So stellt sich für uns die Frage, ob wir von Bolsena aus mit dem Regionalzug in ca. 1 1/2 Stunden von Montefiascone nach Rom fahren, oder ob wir uns einen geeigneten Stellplatz in oder in der Nähe von Rom suchen. Es ist für uns nicht wirklich eine Option für jeden Besuchstag in Rom drei Stunden im Zug zu sitzen. Bei einem Besuchstag, wäre das wohl noch in Ordnung, aber einen Tag zu veranschlagen um Rom zu erkunden, ist wie Europa in drei Tagen kennen lernen zu wollen.

Bolsena 41 - Unser letztes Eis in Bolsena

Wir genehmigen uns am Abend das letzte Eis in Bolsena. Am nächsten Morgen folgt das übliche Abfahrritual und wir verlassen Bolsena über einen Bergrücken in Richtung Orvieto.Orvieto 1 Panorama Orvieto liegt markant auf einem Hügel und ist nicht zu übersehen. Weder die reizvoll gelegene Stadt, noch das große Weingut am Wegesrand kann uns zu einem Stop verführen. Orvieto 2 Weingut bei OrvietoOrvieto und das Weingut sparen wir uns für unsere dritte Tour durch Italien auf.

Wir wollen nach Rom. Deshalb werden in einem Einkaufszentrum kurz vor der Autobahn unsere Vorräte noch einmal aufgefüllt, damit wir uns in Rom ausschließlich auf die Stadt und was sie zu bieten hat, konzentrieren können.
In dem Einkaufszentrum begegnet uns etwas, das für mich so typisch italienisch ist, wie Spaghetti, Pizza, Sonne, Strand, Amore und Motorroller:
Fiat 500 - der Porscheschreckein Fiat 500, umgebaut zum Porsche-Schreck.

Wir peilen einen Wohnmobilstellplatz südöstlich von Rom an, nicht weit von Castel Gandolfo entfernt, dem Sommersitz der Päpste. Von hier aus sind wir in 25 Minuten mit dem Regionalzug am Hauptbahnhof in Rom, wo sich auch die beiden einzigen U-Bahnlinien kreuzen , die es in Rom gibt (an einer 3. Linie wird schon seit Jahren gebaut, aber wann die in Betrieb geht, das weis niemand so ganz genau). Ein idealer Ausgangspunkt für unsere Rom Erkundung, wie es scheint.

Autostrada nach RomJe weiter wir Richtung Rom rollen, umso flacher wird die Landschaft um uns herum. Wir verlassen das alpine Gebiet und wir bemerken trotz Klimaanlage, wie die Außentemperaturen ansteigen. Die Hitze wird zunehmend unangenehmer. Es hat hier seit über zweieinhalb Monaten nicht mehr geregnet. Mit jedem Kilometer den wir weiter südlich fahren, präsentiert sich die Natur immer verbrannter. Aus Grün wird langsam Ocker. Was die Trockenheit und die starke Sonneneinstrahlung noch bewirken kann, das sehen wir unvermittelt am Rande der Autobahn. Ein kleiner Steppenbrand. Das scheint hier ein normales Phänomen zu sein. Die Autofahrer jedenfalls schenken dem Feuer kaum Beachtung, genau so wenig wie den Carabinieri, die sich für den Fall eines Falles auch schon mal eingefunden haben und warnend mit Blaulicht auf dem Standstreifen stehen.

Autobahnring RomKurz vor unserem Ziel taucht auf der Schnellstraße ein Traktor mit Hänger auf. Damit muss man in Italien immer mal wieder rechnen. Aufmerksamkeit und gute Bremsen sollte man immer dabei haben. 😉

Gut ausgeruht sind wir, bereit Rom bei vorhergesagten 33 – 35°C zu erobern.

 

Bolsena – ein kleiner Stadtrundgang in Bildern

Bolsena 12 - Piazza MatteottiBolsena ist etruskischen Ursprungs. Durch die Zerstörung 309 v. Chr. durch Konsul Fabius ist davon aber nichts mehr zu sehen. Die heutige Gestalt der Stadt wurde durch Hadrian IV ab 1154 geprägt, der die Stadt mit Türmen versah und zu einer mächtigen Festung ausbaute. In späterer Zeit wurde durch eine italienische Adelsfamilie die Festung restauriert, erweitert und zu einem Schloss umgebaut, ohne allerdings den Festungscharakter zu verändern.

Bolsena 13 - Basilika der heiligen Christina
Basilika am Abend der Festspiele

Neben diesem Wahrzeichen beherbergen die Mauern der Stadt ein weiteres Gebäude von bau-, kunsthistorischer und sakralgeschichtlicher Bedeutung. Die Basilika der heiligen Christina erkunden wir am Sonntag Morgen, genau zwischen der ersten und zweiten Messe. Beide Messen sind sehr gut besucht und es ist kein hoher kirchlicher Feiertag!

Die Basilika ist ein kleines Juwel aus der Renaissance. Der gesamte Gebäudekomplex besteht aus

  • der mittelalterlichen dreischiffigen Basilika, die in der Form eines lateinischen Kreuzes errichtet wurde
  • der Kapelle des Blutwunders, erbaut ab dem Ende des 16. Jahrhunderts und
  • der Gruft der heiligen Christina aus dem 4. Bis 5. Jahrhundert, eine Märtyrerin des christlichen Glaubens.

Ein älterer Herr der so etwas wie ein Museumswärter, Kassierer für die Gruft und Ordner während der Messe zu sein scheint, hat alle Hände voll zu tun, die Touristen an die gebotene Stille und auf die “Bekleidungsvorschriften” hinzuweisen. Obwohl dies durch Piktogramme auf Tafeln an den Eingängen klar ersichtlich ist, scheinen doch etliche Besucher die Piktogrammsymbolik nicht deuten zu können. Etwas amüsiert und mit einer großen Portion Mitleid beobachte ich diesen Herrn, wie er diese Aufgabe mit voller Hingabe wahrnimmt, ohne auch nur ein lauteres Wort, genervte Gestik oder eine finstere Miene zur Durchsetzung seines Auftrags zu nutzen. Letztlich tut das allen Besuchern gut. Die majestätische Stille und die andächtige Stimmung, die durch das Wirken dieses älteren Herrn gewährleistet wird, ermöglicht den Besuchern einen viel intensiveren Zugang zu den Kunstwerken und der spirituellen Aura dieser drei Sakralbauten.

Nächste Station unseres Rundgangs: WoMolines Lieblingsplätzchen.

Hier auf halber Höhe, zwischen See und der Burgfestung könnte sie stundenlang sitzen und das Panorama genießen. Am angenehmsten ist das in den Morgenstunden bis ca. 11 Uhr, wenn die Luft noch nicht „flimmert“ und die Wärme der Sonne und leichte Luftbewegungen noch angenehm die Haut „streicheln“. Hier kann ich WoMoline beruhigt auf der Bank zurücklassen und ein paar Fotos von Bolsena „fangen“ gehen.

Eine kleine Begebenheit am Rande. Ganz in der Nähe der Via De‘ Medici, entdecken wir eine ganz kleine unscheinbare Kirche. Bolsena 40 Via De MediciWir haben schon mehrere dieser “Kleinkirchen” in der Stadt gesehen. Keine war geöffnet. Wir fragen uns, ob diese überhaupt noch genutzt werden, denn das religiöse Leben der Stadt spielt sich eindeutig in der Basilika der Heiligen Christina ab. Abseits der Touristenpfade nähern wir uns vorsichtig der vermeintlichen Zugangstür, um zu erkunden ob denn hier geöffnet ist.

Wie wir ja schon häufiger festgestellt haben, ist das religiöse Leben hier in Mittelitalien viel stärker in den Alltag integriert als bei uns. Da wird schon mal ein schnelles Stoßgebeet zwischen den Marktbesorgungen in der nahen Kirche gen Himmel geschickt oder Bitten für Wohlstand, Reichtum und Gesundheit der “Mutter Maria” unterbreitet.

Auch hier, das Kirchlein ist geschlossen. Wir wollen uns schon wieder zurückziehen, da verfehlt ein Eimer Putzwasser, der gerade aus einem Hausgang fliegt, WoMoline nur um Haaresbreite. Vollkommen aufgelöst und peinlich berührt folgt dem Eimer Wasser eine zu tiefst besorgte ältere Frau, geschätzt so Anfang 70, die sich sogleich wortreich auf italienisch entschuldigt. Wir verstehen ja nichts, aber das ist gar nicht nötig. Die Szenerie, die Intonierung, die Gestik und das besorgte Zugehen auf WoMoline spricht für sich selbst. Ich kann in ihrem markanten faltigen Antlitz das Sinnen nach “Wiedergutmachung” förmlich ablesen. Sie fasst beherzt WoMoline am Arm und geleitet sie zu einer etwa 30 Schritte entfernten Steinbrüstung, wo sie WoMoline wortreich “ihre” Aussicht über die Stadt und den See zeigt. Die Worte ‘bella’ und ‘bello’ und die schweifende Bewegung ihres rechten Arms der zum Horizont deutet weisen eindeutig darauf hin, dass sie diese grandiose Aussicht, die sie vor ihrer Haustür jeden Tag bewundern darf, meint.

Dies ist wieder ein kleines Beispiel, für das, was das Besondere an der italienischen Lebensart ist, die vielfach beschworen aber meist nicht beschrieben wird. Vielleicht lässt sich das auch gar nicht in Worte fassen. Es sind für mich diese Anekdoten, die diese Besonderheit des Lebensgefühls hier illustrieren.


P.S.: Später erfahren wir, dass viele dieser „Kleinkirchen“ heute als Lagerräume oder riesige Abstellkammern genutzt werden. In diesen historisch gewachsenen alten Städten gibt es praktisch keine Ausweichflächen mehr. So ist man gezwungen Ungenutztes einer neuen Verwendung zuzuführen, wenn ein neuer „Flächenbedarf“ entsteht. Dieses Umnutzen macht auch vor ehemaligen Kirchen und Kapellen nicht halt.

Bolsena – wir tauchen ein in die italienische Lebensart.

Bolsena ist ein hübsches Städtchen, das sich an die steilen Hänge des Kraterrandes krallt. Zwischen dem historischen Stadtkern und dem Seeufer reihen sich die schmucken und modernen ein- und zweistöckigen Wohnhäuser und Appartementhäuser neueren Herstellungsdatums. Bolsena 2 - SeepanoramaAn der Strandpromenade finden sich auch ein paar kleine Hotels, die aber nicht höher sind als die dort wachsenden und schattenspendenden Pinien.

Seeseitig habe ich erwartet, viele Freizeitboote und touristische Wassersportangebote vorzufinden. Doch das hält sich alles in überschaubaren Grenzen. Natürlich gibt es ein paar Boote, ein kleines Fährschiff habe ich auch gesichtet, aber die verfügbare Segeloberfläche ist deutlich kleiner als die Seeoberfläche. In bekannten Binnenwassersportressorts, wie z.B. dem Gardasee, Starnberger-, Ammer- oder dem Bodensee Bolsena 4 - Burghabe ich bei gutem Wetter und am Wochenende manchmal den Eindruck, dass die Segeloberfläche die Seeoberfläche übertrifft und Badegäste um einen Stehplatz im Wasser bitten müssen. 😉

Überragt wird die Stadt von einer mächtigen Burg. Die Gassen sind so ausgerichtet, dass sie am Tage meist den wohltuenden Schatten spenden. Trotz des Schattens, das Erklimmen des Burgberges ist zur Mittagszeit eine schweißtreibende Angelegenheit.

Das Leben findet auf Strassen und öffentlichen Plätzen statt

An jedem Tag ist in den Morgenstunden Leben in der Stadt. Wir beobachten bei einem Cappuccino das Treiben am zentralen Platz der Unterstadt, der Piazza Matteotti. Es ist ein Kommen und Gehen. Geparkt wird, so scheint es, wie es gerade gefällt. Alles läuft ganz unaufgeregt ab. In Franken hätten sich schon längst die ortsbekannten Dorfbruddler zusammengefunden und hätten diesen Regelverstößlern ihren ganzen Unmut lautstark entgegengebracht.
Bolsena 5 - Schild Piazza MatteottiNicht so hier. Hier schmettert ein Regelverstößler einem anderen Passanten ein freudiges „Bonjorno“ entgegen, ein anderer Passant winkt ins Straßencafe hinein mit einem unüberhörbaren „Ciao, Enrico“, worauf ein Cafebesucher mit einem Winken und einem lauten „Ciao, Carlo“ den Gruß erwidert. Manchmal beteiligt sich auch der Busfahrer des Stadtbusses, der die Piazza Matteotti auf dem Weg in die “Oberstadt” durchqueren muss, an dem Begrüßungsritual.

Neben uns sitzen mehrere ältere Herren. Sie erzählen sich zum Teil lautstark Wichtiges, vielleicht auch nicht so Wichtiges, vielleicht auch den neuesten Tratsch. Wir wissen es nicht, denn wir verstehen den Inhalt der kreuz und quer laufenden Gespräche nicht. Den Stimmen, der sprachlichen Intonierung und der Gestik entnehmen wir aber pure Lebensfreude.

Bolsena 6 - Piazza HerrenrundeEine ältere Dame parkt ihren Kleinwagen direkt vor dem Cafe, ohne sich Gedanken über die Folgen zu machen. Sie hilft ihrem Mann, der schon etwas gehbehindert ist, aus dem Auto und führt ihren Mann zu dem Tisch der älteren Herren, organisiert einen Stuhl vom Nebentisch, begrüßt beiläufig die anderen Herrn und setzt ihren Mann zu der vergnüglichen Runde. Dann verlässt sie das Cafe und scheint froh zu sein nun etwas Zeit für sich selbst zu haben. Das verursachte Verkehrschaos würdigt sie keines Blickes. Eine viertel Stunde später erscheint sie wieder und entfernt das Verkehrshindernis, lässt aber ihren Mann bei seinen “Kumpels” sitzen.

Bolsena 7 - Piazza MatteottiWir machen erst einmal einen Stadtrundgang und als wir wieder an dem Zentralen Platz zurückkommen, können wir amüsiert beobachten, wie die ältere Dame wiederum vor dem Cafe vorfährt, ihren Mann wieder in den Kleinwagen „einlädt“ und dann die Szenerie mit einem heißen Reifen verlässt. Wie wir am nächsten Tag, bei unserem obligatorischen Cappuccino feststellen, läuft das auch bei einigen anderen Herrn der geselligen Runde so ab. Wir finden es irgendwie niedlich, wie die älteren Herren von ihren Frauen zu ihrem „Frühschoppen“ gebracht und auch wieder abgeholt werden.

Mir geht der Begriff „Pantoffel-Helden“, angesichts des egomanischen Palavers, nicht aus dem Kopf. 😁 (WoMoline wollte diese Bemerkung streichen, doch ich habe darauf bestanden, dass meine Empfindungsbeschreibung erhalten bleibt.) 😉

Erst am Abend fängt das Leben an zu pulsieren

Am nächsten Abend gehen wir die Enotecas in Bolsena erkunden und lassen uns ganz bewusst nicht nur zu einem Tropfen verführen. Die Stimmung am Abend wird durch die mittelalterlichen Festspiele noch bunter und interessanter. Es wird ein Schauspiel in einer Gemeindehalle aufgeführt. Als “Vorspeise” gibt es einen mittelalterlichen Umzug in historischen Kostümen durch die engen Gassen der Stadt. Alles ist vertreten, Soldaten, die Handwerkszünfte, die Opfer der Inquisition – auch “Hexen” genannt, ein Scharfrichter mit Henkersbeil, die Honoratioren, Edelmänner und Edelfrauen, Bauern Leibeigene und Bedienstete, kirchliche Würdenträger und ein “Aussätziger” gezeichnet von der Lepra. Alle schreiten mit strengem Blick (der Leprakranke mit verborgenem Blick) durch die Gassen. Das schreibt die Dramaturgie wohl so vor. Doch ab und an kommt es zum stocken des Umzugs und es ergibt sich ein Augenkontakt mit den Darstellern der historischen Szenerie. So kann der/die eine oder andere Darsteller/in ein grinsen oder gar ein leises Lachen sich nicht verkneifen.

 

Wir fühlen uns irgendwie, wie Bürger Roms im Mittelalter und genießen die fröhlich festliche, vielleicht sogar erhabene, auf jeden Fall aber selbstbewusste Stimmung. Bolsena 9-2 KunstgewerbemarktIm Rahmenprogramm gibt es einen mittelalterlichen Markt mit Kunstgewerbe und an anderer Stelle Marktstände mit kulinarischen Angeboten. Am Rande des kleinen Platzes stolpern wir geradezu in einen kleinen Laden. Es geht um „tierische Spezialitäten“. Salamis und Schinken vom Wildschwein in allen Variationen. Mit allerhand verschiedenen Gewürzen und natürlich als Krönung mit weißen oder schwarzen Trüffeln. Wie schon in der Toskana scheint Tuskia auch ein bevorzugtes Gebiet für die feinen Trüffel zu sein.
Wir werden sofort vom Besitzer zum Probieren seiner Spezialitäten eingeladen. Obwohl er weder englisch oder deutsch spricht, und wir nur ein paar Höflichkeitsfloskeln auf italienisch beherrschen, klappt die Verständigung prächtig. Bei den Details zu seinen Spezialitäten helfen ein paar Produktaufkleber die meist in grausigem englisch, in ein paar Einzelfällen sogar in noch grausigerem deutsch, über die Inhaltsstoffe und verwendeten Gewürze informieren. Bolsena 9 - Salami-SpezialitätenTrotz all der sprachlichen Schwierigkeiten erfahren wir, dass der sehr freundliche und lustige Herr auf der anderen Seite der Ladentheke der Eigentümer nicht nur dieses Ladens, sondern auch einer kleinen Spezialitätenmanufaktur ist. Er legt großen Wert darauf, dass er der “Herr” der ganzen Herstellungskette ist, von der Jagd, der Ernte der Zutaten (Kräuter, “tuto regionale”) über die Wurstherstellung bis hin zum Verkauf. Alles Bio in Hofladenqualität würden wir vielleicht sagen. Und das alles mit sehr viel Liebe und Enthusiasmus sehr professionell präsentiert.
Es ist einfach eine Freude zuzusehen, wie dieser Mann “brennt” für das was er tut, als ob es seit seiner Geburt es niemals in Frage stand, dass genau diese Tätigkeiten an diesem Ort seine Bestimmung sind. Seine leuchtenden Augen verraten uns das. Gepaart mit diesem Wissen schmecken die probierten Schmankerl nicht nur sehr gut sondern außerordentlich.

Bolsena 10 - Enoteca am Abend

So ist es nicht verwunderlich, das eine Spezialität nach der anderen in unserem immer mitgeführten Nyloneinkaufsbeutel verschwindet. Entsprechend herzlich, lautstark und ausgiebig fällt dann auch die Verabschiedung aus, bevor wir uns dem zuwenden, was seit Jahrhunderten immer dazu gehörte und auch heute dazu gehört: dem Wein.

Bolsena 11 - der Weisswein

Ein Nachbar auf dem Wohnmobilstellplatz hatte uns den Tipp gegeben, eine Enoteca nahe der Burg zu besuchen, die ein besonders erlesenes regionales Weinangebot bereithält. Auf einer Mauer sitzend genießen wir unseren Wein, den uns die beiden netten Berlinerinnen, die die gegenüber liegende Enoteca betreiben, empfohlen haben. Es bleibt nicht bei dem einen Glas…

In dieser Stimmung fragen wir uns: “Fühlte es sich zu damaliger Zeit so an, ein Römer zu sein?” Wir glauben ja, auch wenn das Leben zu römischer Zeit oder im Mittelalter sicherlich wesentlich beschwerlicher war als heute. Ich denke mir, dass es für die kleine Oberschicht der „Bürger Roms“ die großen Reichtum angehäuft hatten so war, wie wir es heute in den Mauern dieser Stadt empfinden.

Italien ein Land der heißen Quellen

Es wird uns am heutigen Tage bewusst, dass Italien eine geologisch unruhige Region ist. Wir erhalten durch eine SMS die Nachricht, dass sich wieder einmal ein Erdbeben mit mehreren hundert Toten ereignet hat, kaum 150 km von uns entfernt. Unsere Lieben und Bekannten wollen natürlich wissen, wo wir gerade stecken und ob es uns gut geht.

In diesen geologisch unruhigen Regionen mit sich häufenden Erdbeben und mit aktiven Vulkanen (jeder kennt den Vesuv und Stromboli), da finden sich auch immer wieder heiße Quellen.

Wir haben beschlossen, dass wir weiter landeinwärts fahren wollen. Auch wenn die Gefahr von Nachbeben besteht, so wagen wir uns doch in Richtung des Epizentrums des Erdbebens. Auf unserem Weg liegt Saturnia. Die heißen Quellen von Saturnia locken uns. Es geht über zum Teil abenteuerliche Nebenstraßen, die ab und an hochalpinen Charakter haben, ins Landesinnere. richtung-saturniaMit zunehmender Höhe tauchen immer mehr Olivenhaine auf, die sich mit Reihen von Weinstöcken abwechseln. Malerische Orte, die meist auf den Spitzen der Hügel liegen, säumen den Weg. Erwähnenswert auf dem Weg nach Saturnia ist Magliano in Toscana mit seiner imposanten Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert und Montemerano, einem liebevoll renovierten kleinen Ort, in dem sich einige Großstätter ein Feriendomizil geschaffen haben. In der Nebensaison sieht man aber das Dilemma, dass in vielen kleinen Orten der Region besteht. Es heißt: man sieht nur Katzen und ältere Menschen. Die Jungen gehen weg und die Region vergreist. Die Sozialstruktur kann sich nicht mehr erneuern. Die Lebenskultur der Region stirbt und wird nur kurzzeitig im Jahr durch eine Touristenkultur ersetzt.

Wir können und wollen auch gar nicht alle Orte hier vorstellen. Die ihnen eigene Lebensart der Menschen muss man ohnehin selbst erleben. Wir haben aber immer das Gefühl, die verbliebenen Menschen leben hier im Einklang mit der Natur und ihrer Region. Nicht nur die immer wieder zu sehenden italienischen Fahnen zeugen von einem National- und Regionalstolz, der ein tiefes Bekenntniss zu ihrer Heimat ausdrückt. Wir fragen uns: “Wie lange noch?”

Wir erreichen Saturnia. Schon bevor wir etwas sehen können, nehmen wir den „Duft“ der schwefelhaltigen Quellen wahr.

saturnia-1Die 37° heißen Quellen von Saturnia sind frei zugänglich. Da sie schon lange kein Geheimtipp mehr sind, sind sie von Tagestouristen in der Feriensaison überlaufen. Die offiziellen Parkplätze sind tagsüber voll und auf den bergigen Zufahrtsstraßen wird jede noch so kleine Parkmöglichkeit am Straßenrand genutzt. Mit einem Wohnmobil ist man da nicht wirklich wettbewerbsfähig, außer man ergattert einen freien Platz auf einem der beiden WoMo-Stellplätze.

Das ultimative Badeerlebnis im Sommer versprechen sowieso eher die Abend- und Nachtstunden. In den Becken liegen und in das Himmelszelt mit seinen unzählbaren Sternen schauen, dabei das Rauschen des in die Becken hineinstürzenden Wassers genießen, das ist schon eine Wucht! Einzig der etwas penetrante Geruch nach fauligen Eiern, der schwefelhaltige Quellen immer begleitet,“trübt“ etwas das Sinneserlebnis – zumindest für feine Näschen.😊

Einen Tag zu Gast bei den Kitern und Windsurfern in Talomone

talomone-3Wir fahren ein Stückchen weiter Richtung Süden. Wir lassen das Gebiet um Piombino, (hier fahren u.a. die Fähren nach Elba ab), Folonica, Massa Marittima, die nette Kleinstadt Grosseto und das Naturschutzgebiet Parco Regionale della Maremma aus, bis wir in Talamone ankommen. Hier finden wir wieder einmal einen „One Million Dollar View“. Wir stehen direkt am Meer mit Blick auf Talamone, den Monte Argentario mit dem am Fuße liegenden Porto San Stefano. Der Platz ist ein wahrer Hotspot für Surfer und Kiter. Alle warten auf den ultimativen Wind. Doch er kommt nicht. Das sportbegeisterte Publikum ist ein wohltuendes Kontrastprogramm zu den bespaßungshungrigen Urlaubern 150km weiter nördlich.

Unaufgeregt, ja fast gleichmütig warten sie auf den Wind, den sie für ihre Leidenschaft brauchen. Als dann doch der Wind etwas auffrischt wagen sich die ersten aufs Wasser. Doch nach einer halben Stunde schläft der Wind wieder ein und so schnell wie die Surfer und Kiter auf dem Wasser waren, genau so schnell sind sie wieder verschwunden und sitzen am Strand oder hinter ihren Wohnmobilen im Schatten, warten chipsfutternd auf morgen und auf kräftigeren Wind aus der richtigen Richtung.

Das alles ging so schnell, dass ich zu langsam war die Kamera aus dem WoMo zu holen. So gibt es kein einziges Bild von den coolen wagemutigen Helden der Bucht von Talomone.

talomone-2-porto-san-stefanoWir betrachten das Treiben als „Bay Watchers“ und zwischendurch genehmigen wir uns entsprechende Abkühlung im Wasser. Mit der hereinbrechenden Dämmerung werfen wir unseren Grill an. Bei einem grandiosen Abendpanorama verzehren wir unser Gegrilltes. Nun frischt der Wind wieder kräftig auf, doch für die Surfer und Kiter ist es nun zu dunkel. Wir schauen noch bei einer steifen Brise nach Porto San Stefano und nach Talomone, aber noch schöner ist der Blick in den Himmel zu den vielen leuchtenden Sternen.

Ach ja, von hier stammt auch das aktuelle Hauptbild unserer Seite. Im Hintergrund Porto San Stefano.

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Sand-Strand-Laufen nach San Vincenco

marina-di-castagneto-1Zu unserem Übernachtungsplatz in Marina di Castagneto müssen wir durch ein “Villenviertel” fahren. Wir haben schon die Befürchtung, dass wir wieder auf eine Strandparty-Area wie nördlich von Pisa treffen. Unser angestrebter Übernachtungsplatz liegt genau hinter den sandigen Dünen die den Strand vom grünen Hinterland trennen. Nach dem Abstellen des Wohnmobils stellen wir fest: Der Wind frischt immer stärker auf und nimmt in Böhen auch schon mal Sturmstärke an. Wenn dann auch noch einem aufgewirbelter Sand entgegen fliegt, dann heißt es nur noch: Augen zu, Nüstern zu und Mund schließen, sonst knirscht das Gebiss beim Abendbrot.

marina-di-castagneto-5Am nächsten Morgen beschließen wir einen Strandspaziergang nach San Vincenzo zu machen. Schnell zeigt sich, dass unsere Befürchtung einer Partyarea unbegründet ist. Überwiegend freier Strand, unterbrochen von einzelnen “Sonnenschirm-Areas” mit Bar-Anschluss und ein paar Wassersportangeboten. Die überwiegenden Strandbereiche sind aber frei zugänglich und naturbelassen. Das bedeutet aber auch, dass Seetangreste den Uferbereich zieren und was das idyllische Bild mehr stört, ist allerhand Unrat, den das Meer angeschwemmt und auf der Strandfläche verteilt hat. Ab und an zwingt uns das auch mal zum Slalom laufen.

marina-di-castagneto-3Wesentlicher Unterschied zu unserem Strandspaziergang in Camaiore ist aber der Sand. Der Sand ist nicht ganz so fein wie weiter nördlich. Das hat zur Folge, dass der Sand an der Wasserlinie einen nicht so festen Untergrund bildet und das Laufen am Strand mit Fußabkühlung sehr schnell anstrengend wird, weil die Füße immer wieder tief in den Sand einsinken und sehr viel Kraft der Füße im Untergrund „verpufft“. Das Laufen weiter oberhalb der Wasserlinie macht aber auch keinen Spaß, weil hier der Sand so heiß ist, dass man geschlossene Schuhe braucht um sich nicht die Fußsohlen zu verbrennen. Aber auch im heißen Sand ist das Fortkommen nicht weniger beschwerlich. So werden die geschätzten 10 km zur Herausforderung.

Auf dem Rückweg wird diese Herausforderung, die mit einem kleinen Muskelkater belohnt wird, noch gesteigert. Auf dem Hinweg haben wir noch starken auflandigen Wind von schräg hinten. Das haben wir unterschätzt, denn auf dem Rückweg haben wir Gegenwind von schräg vorne! Das erfordert noch einmal extra Körner!

San Vincenzo selbst ist ein Ort ohne erwähnenswerte Besonderheiten, direkt am Meer gelegen, was in dieser Region eher die Ausnahme ist. Der Ort ist, so unser Eindruck, geprägt von vielen Sommerhäusern, die wahrscheinlich nicht ganzjährig bewohnt sind. Außerhalb der Sommersaisonmonate dürfte dieser Ort in eine Art Winterschlaf verfallen.
marina-di-castagneto-2Die Atmosphäre die wir erleben ist entspannt, dem Kommerz auf ein erträgliches Maß entrückt und die Menschen, die wir auf unserem Spaziergang beobachten, fast ausnahmslos Italiener, wirken zufrieden und entschleunigt. Keiner muss hier etwas, keiner produziert oder inszeniert sich. Die Kinder haben ihren Spaß an Wasser und Sand, rennen mit Schwimmflügelchen oder Schwimmringen ins Wasser und wieder hinaus, probieren ihre Schwimmbretter aus, marina-di-castagneto-4vergnügen sich mit ihren aufblasbaren Badetieren oder bauen im Sand einen Hafen für ihre Spielzeugboote. Ein paar andere sind mit Surfbrettern oder kleinen Segelbooten unterwegs, aber alles ist entspannt. Das ist uns sympatisch und angenehm. Auf der ganzen Strecke sind uns drei oder vier Strandverkäufer begegnet. Das war’s an Kommerz, wenn man von den paar Strandbars einmal absieht.

Hier lässt es sich aushalten – aber bitte den Sonnenschutzfaktor 30 und die Sonnenbrille nicht vergessen!

Wein, Oliven und Zypressenalleen – Toskana pur zwischen Cecina und Piombino

volterra-ruckblickWir verlassen das malerische Volterra und fahren weiter in Richtung Meer. Eine recht steile und enge Straße schlängelt sich den Berg hinunter, die meine ganze Aufmerksamkeit erfordert. An einer Ausweiche noch mal anhalten und einen Blick zurückwerfen… Ciao Volterra.

Wir befinden uns am Nordende der Maremma. Umgangssprachlich wird unter der Maremma die gesamte südliche Toskana und Teile des nördlichen Latiums verstanden. Im engeren Sinne umfasst die Maremma aber nur den flachen, von den Hügelketten der Monti dell’Uccellina unterbrochenen Küstenstreifen zwischen dem Golf von Follonica, den Flussläufen der Bruna und des Ombrone sowie der Lagune von Orbetello am Monte Argentario. Dieses Gebiet war eine zusammenhängende, mit dem Tyrrhenischen Meer verbundene Sumpflandschaft. In der Maremma gelegene Orte führen daher häufig den Beinamen Marittima zum Ortsnamen, auch wenn sie gar nicht am Meer liegen.

Wir wollen nun die Maremma in mehreren Tagesetappen durchqueren bis nach Talamone, das südlich des heutigen Naturparkes Uccellina liegt. Nebenbei bemerkt, Talamone war in der Renaissance der Hafen der freien Stadt Siena.

maremma-1-nordWir fahren Richtung Cecina. Der Talgrund ist kaum besiedelt. Auf Cecina und Cecina Mare haben wir keinen “Bock”. Also biegen wir kurz vor Cecina nach links ab in die erste Hügelkette nach dem Meeresstrand. Kleine, touristisch nahezu unbekannte Orte säumen unseren Weg.

Montescudaio, Guardistallo, Casale Maritimo, Bibbona, Bolgheri oder Castagneto Carducci alle sind sie einen Besuch wert. Auch wenn in den beiden  letzteren Orten der Tourismus inzwischen das Ortsbild beginnt stark zu verfälschen, so sind in der gesamten Hügelkette noch viele “Geheimtipps” verborgen, die mit etwas Zeit und Muse entdeckt werden wollen. Ich war schon mehrfach in den letzen 25 Jahren in dieser Region. maremma-2-nordEs scheint sich kaum etwas zu verändern – als ob die Zeit stehen geblieben ist. Selbst die Schlaglöcher in den Straßen sind gefühlt noch die Gleichen wie damals.

Wie dem auch sei, hier geht Tourismus auf jeden Fall etwas langsamer und etwas stiller vonstatten. Nicht wie in Viareggio, Forte dei Marmi und den anderen mondänen Badeorten weiter nördlich, sondern bedächtig und ruhig, so wie man sich klischeehaft italienische Lebensart vorstellt. Natürlich ist auch hier das Leben von den Marinas die im Sommer aus den Nähten platzen beeinflusst. Halligalli spielt sich aber eher punktuell am Meer ab.

maremma-3-nord-zypressenalle-bolgheriDie wahrscheinlich längste Zypressenallee in der Toskana führt von der Via Aurelia (SS 1) über vier Kilometer ins Landesinnere nach Bolgheri. Für Bolgheri gilt die Beschaulichkeit während der Sommermonate nicht mehr. Fast in jedem Haus gibt es etwas zu essen, Kunsthandwerk zu kaufen oder eine Weindegustation. Von hier kommt der Sassicia, ein Rotwein der zu den Besten der Region zählt. Dieser hat auch seinen Preis. Der Wein besteht überwiegend aus Cabernet Sauvignon Trauben und einem kleinen Anteil Cabernet Franc und wird natürlich im Eichenfass ausgebaut. Die geschützte Bezeichnung Sassicia heißt so viel wie steiniger Boden. Weinliebhaber die sich in dieser Gegend aufhalten, sollten am Abend bei untergehender Sonne sich ein Gläschen davon gönnen. Die italienische Abendatmosphäre in Bolgheri brennt das Geschmackserlebnis des Weines tief in die Gehirnwindungen ein.

Nach weiteren zehn Kilometern erreichen wir Castagneto Carducci, das bis 1907 Castegnato Marittima hieß. Nach dem der Italiener Carlo Carducci 1906 den Literaturnobelpreis erhielt, wurde ein Jahr später sein Heimatort kurzerhand in Castagneto Carducci umbenannt.

Man stelle sich mal vor, in Deutschland wäre Kreuzau in der Rureifel, der Lebensort von Heinrich Böll, bekannter Maßen ebenfalls Literaturnobelpreisträger, einfach in Böll umgetauft worden. Auf so eine Idee ist wahrscheinlich erst gar niemand gekommen. Und wenn doch, dann wäre diese Person geteert und gefedert worden. In Italien scheint so etwas ohne weiteres möglich zu sein, wie wir das ja schon in Viareggio mit dem Stadtteil Torre del Lago Puccini gesehen haben, in dessen Namen der Komponist Puccini verewigt wurde. Andere Kulturen, andere Sitten.

Der auf knapp 200m über dem Meeresspiegel liegende Ort bietet an mehreren Stellen eine wunderbare Aussicht über das Meer. Das Ortsbild wird beherrscht von einem Kastell, das noch heute bewohnt und in Familienbesitz ist und daher auch nicht besichtigt werden kann.

Wir entscheiden uns nun wieder ans Meer nach Marina di Castagneto zu fahren und dort für die nächsten zwei Tage etwas Strandentspannung zu genießen.

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