Camping Anno dazumal – und was daraus geworden ist.

Eigentlich wollte ich mich an der Blogparade von ReisenMobil gar nicht beteiligen, denn zum gestellten Thema „Camping Anno dazumal“ kann ich wirklich nichts beitragen. Ich habe einfach keinerlei Erfahrung aus dieser Zeit. Dafür habe ich aus dieser Zeit noch eine Menge von Vorurteilen und Klischees in meinem Hirn 😉😈. So habe ich zunächst die liebe Einladung von Angelika zur Teilnahme abgelehnt. Doch beim Nachdenken über das gestellte Thema fällt mir auf, dass die Aussensicht auf das Thema, also die Vorurteile und Klischees, auch ein Aspekt des Themas: „Camping Anno dazumal“ ist.

Die Vorurteile und Klischees

Ich bin ein Wirtschaftswunderkind und wie bei vielen in meiner Generation ging es im Elternhaus vor allem darum, die Zeit davor, die dunkle Zeit, möglichst zu vergessen. Pfadfindertum wurde mir als Relikt aus der braunen Vergangenheit nahe gebracht. Freizeiten mit Zeltromantik gehörte in die Ecke zweifelhafter Jugendorganisationen, wie die „HJ“, „Bund deutscher Mädels“ oder das „Deutsche Jungvolk“. Etwas später folgten die langhaarigen, arbeitsscheuen Hippies, die auf griechischen Inseln oder an anderen Stränden wild campten und anstößige Hasch- und (Sex-)Parties feierten, das ging ja schon gar nicht! 😂 Klar, heute können wir darüber lachen, nachdem es einige dieser „wilden“ 68iger sogar schon in Ministerämter geschafft haben.

Ein „ordentlicher“ Urlaub, das war Übernachtung mit Frühstück im Fremdenzimmer, in einer Pension oder, wer es sich leisten konnte, im Hotel. Im Dunstkreis dieser Glaubenssätze und den in Rundfunk, Fernsehen und in der Werbung (von TUI und Neckermann) vermittelten Leitbildern der deutschen Urlaubskultur der 60iger Jahre wuchs ich auf.

Ich möchte keinem eingefleischten Camper zu nahe treten, aber campen hatte damals im prosperierenden Westen auch irgendwie das Image des „Arme-Leute-Urlaubs“.
Ich erinnere mich noch gut an westliche Propagandasendungen im Fernsehen, das dem Wessi die Lebenswirklichkeit im Osten näher bringen (und in Wirklichkeit nur die Überlegenheit des westlichen Wirtschaftssystems demonstrieren) sollte. Da wurde Camping a la DDR auf Rügen vorgestellt mit der DDR-Variante eines Reisemobils. Es war der legendäre Trabbi mit Dachzelt. Kurz gesagt, der entlockte uns Wirtschaftswunderkindern nur ein mitleidiges Lächeln. Etwas zugespitzt gesagt: ein Flieger nach Mallorca war ja wohl das Mindeste!

Als ich dann, mit meiner ersten Freundin und ihren Eltern, auch noch eine äußerst ungute Ersterfahrung in einem VW-Buschen mit Hubdach bei Sturm, Hagel und ungemütlichsten Temperaturen hatte, war das Thema Camping für weitere 30 Jahre abgehakt.

Bissig satirische Filme wie Gerhard Polts „Man spricht deutsch“ Ende der 80iger Jahre, schien den tradierten Vorurteilen noch eines draufzusatteln.

Nichts ließ darauf schließen, dass ich diese Klischees und Vorurteile jemals hinterfragen würde.

Campingvarianten – Camper ist nicht gleich Camper

Dass es heute einen riesigen Unterschied zwischen Campern und Wohnmobilisten gibt, das wurde mir erst vor wenigen Jahren klar.

Der Camper ist an eine gewisse Infrastruktur gebunden, die üblicherweise Campingplatz heißt. Egal ob mit dem Zelt oder Caravan unterwegs, das Reisekonzept geht von einem eher festen Standort aus, von dem, je nach Interessen, die Umgegend erkundet wird. Es entspricht in seiner Struktur letztlich dem Hotel mit dem Unterschied, die „eigenen vier Wände“ dabei zu haben und recht naturnah und eher „minimalistisch“ zu leben.
Davon weichen einige, eher sportlich motivierte Campertypen ab, die z.B. mit Rad, Kajak, Kanu oder einfach nur mit den Wanderstiefeln unterwegs sind. Sie sind als „Streckencamper“ unterwegs, bei denen das tägliche Auf- und Abbauen der Unterkunft (meist ein Iglu-Zelt) mit zum Camper-Alltag gehört. Das sind echte Minimalisten, vor denen ich genau so Respekt habe wie vor den spirituell motivierten Pilgern auf dem Jakobsweg nach Santiago di Compostela.

Und wenn wir schon beim Versuch einer Camper-Klassifikation sind, dann fällt mir noch eine Gruppe von Sportskanonen ein, die der HippieKultur entwachsen ist und sich oft mit selbst ausgebauten Bussen oder Kleinlastern an den Hotspots der jeweiligen Trendsportarten zusammenfinden. Manche dieser Trend- oder Extremsportlerfahrzeuge erkennt man schon an den auf dem Dach gestapelten Surfbrettern und Masten oder an den aufgeflanschten Kajaks. Andere verbergen ihre Sportgeräte im Innern, wie Kitesurfer, Gleitschirm- oder Drachenflieger. Den meisten ist jedoch gemein, dass ihr Fokus auf der Ausübung ihres Sportes liegt und das Campen nur Mittel zum Zweck ist. Hauptsache, man kann Schlafen und Kaffeekochen, mehr ist an Comfort nicht nötig und man ist unmittelbar am Ort des Geschehens unter Gleichgesinnten. Und ist das Bus-chen gar zu klein, es gibt ja auch mobile Campingtoiletten, die man noch auf den Dachträger schnallen kann. 😉

Und dann gibt es noch die stetig wachsende Gemeinde der echten „Streckencamper“, die ich lieber Wohnmobilisten oder Landyachter nenne, zu denen wir uns zählen. Diese sind aus unserer Sicht meist keine Camper, sondern Reisende im ursprünglichen Sinne eines „Entdeckers“. Sie sind unterwegs entlang einer mehr oder weniger ausgearbeiteten Route, manche folgen auch nur ihrer inneren Stimme. Ihre Freiheit ist die Freiheit des Kommen und Gehens, wann immer ihnen der Sinn danach steht. Früher nannten wir solche Menschen „Zigeuner“. (Da in Deutschland der Begriff als diskriminierend und politisch inkorrekt gilt, nehme ich ihn sofort wieder zurück! 😉😂😉)
Ihr Credo ist nicht die so oft zitierte Freiheit beim Camping, sondern eher die Unabhängigkeit oder Autonomie von zivilisatorischer Infrastruktur, ohne dabei auf einen gewissen Komfortstandard wie Strom, ‚fließend‘ Wasser, (voll und immer) funktionsfähige Küche, ein Bad mit WC und Dusche, die wohlige Wärme einer Heizung und ein „steinhausähnliches“ Wohnraumdesign verzichten zu müssen. Für manche gehört auch noch der Fernseher, die ‚vollintegrierte‘ Nespressomaschiene und Sateliteninternet zu diesem Komfortstandard.

Campen – Damals und Heute: Ein Beispiel

Das was vor 40 oder 50 Jahren als Camping bezeichnet wurde hat sich seitdem so differenziert, dass es das Camping, wie es einmal war, heute wahrscheinlich nur noch für ein paar Puristen und Nostalgiker gibt.

wohnmobil-damals-und-heuteEin Beispiel für Campen damals und heute läuft uns vor wenigen Tagen mitten in Italien über den Weg. Freunde, mit einem fast 50 Jahre alten VW Bus, mit modernem Vorzelt und neuzeitlichem Camping Equipment, kreuzen unseren Weg.
Wir bekommen die Veränderung in den zurückliegenden 50 Jahren nun lebendig vorgeführt. Schon die Volumenunterschiede der beiden Fahrzeuge zeigen die Entwicklung auf.
Wir sind in 15 Minuten „betriebsbereit“. Auf die Keile fahren, Gas an, Boiler und wenn erforderlich Heizung an, Schuhabstreifer, Tisch und Stühle raus, Markise raus, Dachfenster auf – FERTIG.

wohnmobil-umraeumenDie 50 Jahre ältere Version benötigt da schon deutlich mehr Tätigkeiten, um aus dem Fahrmodus in den Wohnmodus zu kommen. Auch wenn alles perfekt durchorganisiert ist und jeder Handgriff sitzt, das ist erst einmal Arbeit 😈. Das ist für uns noch Camping und damit nichts für uns. Erst die moderne Technik schuf die Bedingungen, die uns zum Camping der Unterart Landyachting gebracht hat. Wie wir zu Wohnmobilisten wurden, dies ist aber eine andere Geschichte und ist unter: „über uns – Wie alles begann“ nachzulesen.

Auf Campingplätzen fühlen wir uns nur bedingt wohl, auch wenn wir ab und an die Infrastruktur auf langen Reisen, wie z.B eine Waschmaschine oder eine großzügige Dusche, gerne nutzen. Insbesondere fühlen wir uns auf solchen Plätzen unwohl, wo in den Vorgärten der Dauercamper, der gute alte deutsche Gartenzwerg regiert und die Campingplatzordung zum Heiligtum, einer Art Evangelium, erklärt worden ist. Da geht uns schon zu viel Freiheit wieder verloren. Auf diesen Plätzen können wir nicht gehen oder kommen wann wir wollen. Es gibt Öffnungszeiten, Ruhezeiten, Zeiten für Ein- und Ausfahrt, Melde- und was weiß ich nicht noch für Zeiten. Auch Schwimmbad, Beach-Volleyballplatz, Campingplatzsupermarkt, Campingplatzrestaurant, Gästeanimation und Kinderbespassung brauchen wir nicht.
Wir bevorzugen Wohnmobilstellplätze oder freies Stehen mit allen Vor- und Nachteilen.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen!

Dann begegnet uns noch eine Campingvariante der besonderen Art. Omnibus mit 3-stöckigem Caravan = Schlafanhänger mit 14 x 3 Schlafkojen und Küchenfahrzeug (nicht im Bild), der auch diesen MonsterWohnwagen zieht. Diese Campingvariante mit „Kuschelfaktor“ nennt sich Rotel.

rotel

 

Was hat sich in all den Jahren nicht verändert? – Das Lebensgefühl!

Wir erleben auf dem Campingplatz mit unseren Freunden (sie brauchen ja die sanitäre Infrastruktur) drei schöne gemeinsame Tage mitten in Italien, mit Kulturprogramm, Radausflug, Grillen, Vino, Käse, Trauben, langen Gesprächen, Lachen und viel Spaß bis spät in die Nacht.

Trotz aller Veränderungen in den letzten 50 Jahren gibt es mit Sicherheit nach wie vor dieses Lebensgefühl, das heute wie damals als eine Freiheit empfunden wird, die es im Alltag meist nicht gibt. Die Formen, wie dies gelebt wird, sind, auch Dank der modernen Technik, vielfältiger und individueller geworden.
Und so ist die Gemeinde auch stetig gewachsen.

Wir sehen uns. Irgend wo und irgend wann, mit einem Glas Rotwein in der Hand, sonnigem Gemüt und der Freude am Reisen und Entdecken.

 

Advertisements

Ein kurzes Lebenszeichen…

Ja, wir haben schon des längerem nichts mehr veröffentlicht. Uns erreichten auch schon e-mails mit dem Tenor: „Lebt der Blog noch?“ Oder: „Habt ihr eine Schreibblokade?“

Wir haben schon wieder eine ganze Menge an Material für unsere Reisegeschichten gesammelt. In Deutschland und derzeit in Italien. Also der Blog wird weiterleben.
Auch die zweite Frage: „Schreibblokade“ beantworte ich mit „ja“.

Was in unserem Land in den letzten 10 oder 12 Monaten passiert ist, das lässt uns nicht unbeeindruckt.
Mit wieviel Heuchelei und Desinformation ein gegen einander Ausspielen von Kulturen und Regionen und Religionen inszeniert wird, das macht uns fassungslos.
Aber angesichts der Dramen um uns herum – Türkei, Flüchtlinge, Terroranschläge, Fremdenfeindlichkeit, Grenzen-zu-Diskussionen usw. fällt es mir schwer, gegen diese gemachte Hetze anzuschreiben.

Also Schreibblockade? Ja, so könnte man das nennen. Angesichts der Themen und Dramen die uns von den Medien ständig aufs Auge gedrückt werden, ist das Reisethema und Reisegeschichten momentan ohnehin nicht der „Burner“.

Man sieht es ja schon an den favorisierten Reisezielen der Deutschen in diesem Jahr. Da rangiert Urlaub bei Oma inzwischen vor Türkei, Ägypten oder Tunesien. Da geht man Menschenaufläufen in Großstädten und in der Nähe von Hot-Spots lieber durch Urlaub in der Einsamkeit im Bayerischen Wald aus dem Weg. Wir schreiben auch (und man sieht es im Untertitel) über „Reisefreiheit“ und mit der ist es, mit der Angst im Nacken, nicht weit her.
Wir haben zwar vor einigen Jahren die Grenzen und die Grenzkontrollen in Europa abgeschafft. Dafür haben wir noch mehr Grenzen in unserem Hirn aufgebaut und ebenso in unseren Herzen. Ganz ehrlich, da ist mir der freundliche österreichische Grenzer lieber als die Reiseblockade in unseren Hirnen. Denn die Reisen, besser gesagt die Reisenden, die verbinden Gesellschaften. Eine nicht mehrheitlich getragene und erzwungene Zuwanderung, die spaltet Gesellschaften, wie wir an vielen Beobachtungen in den letzten 10 Monaten feststellen konnten und können.

Wir sehen ganz aktuell hier in Italien, wie die von perfiden Interessen gesteuerte Politik, dieses Europa, aber auch das Dorf abseits der großen Entwicklungen, bereits verändert hat.
Ich möchte diese Veränderungen nicht bewerten. Aber sie sind da, jeder kann sie sehen, wenn er hinschaut. Doch die, die genau hinschauen, stellen fest, dies wird alles von Mittelmaß-Politikern und ihren Nachplapperjournalisten ignoriert. Und wer sich nicht an diese Linie hält wird in Deutschland in die Naziecke gestellt und übelst diffamiert. Das „Wir-schaffen-das“-Totschlagargument als Besänftigung und Lösungsansatz zugleich reicht mir nicht aus.

Wir sehen hier in Italien bei den touristischen Hot Spots die Nervosität der Sicherheitskräfte, die Angst, die an diesen Stellen spürbar ist. Ich stelle bei mir selbst fest, daß ich nicht so unbeschwert am Schiefen Turm von Pisa vorbei laufe, weil mein interessierter Blick immer wieder auf die zusätzlich postierten Soldaten mit vor der Brustkorb getragener Schnellfeuerwaffe fällt. Ich nehme wahr, wie angespannt diese Soldaten die Szenerie beobachten, wie nervös sie sind, während die ganz normale Polizei, die schon immer für den geordneten Ablauf an solchen Plätzen gesorgt hat, versucht einen relaxten, gastfreundlichen Eindruck, quasi als Kompensation, bei den Touristen zu hinterlassen.

Wir lassen uns aber nicht unter kriegen. Wir gehen morgen trotzdem nach Rom, natürlich mit der gebotenen Wachsamkeit und Vorsicht.

So lange wir aber noch unter dem Eindruck dieser Spannung und auch der Wut über unsere (von uns selbst gewählten Volksvertretern 😠) stehen, werden wir die entstandenen Texte nicht in die Schlussredaktion nehmen, denn sie transportieren noch zu viel schlechte Emotionen und noch sind wir nicht in der Lage diese schlechten Emotionen durch besser geeignete Formulierungen zu ersetzen.

Deshalb liebe Leser, habt noch etwas Geduld.

Liebe Grüße von WoMolix und WoMoline aus der Nähe von Rom

„WoMolix’s Reisen mit dem Wohnmobil“ feiert seinen ersten Geburtstag.

Am 11. Juni letzten Jahres wurde der erste Reiseartikel veröffentlicht. Happy Birthday 1xNun ist ein Jahr vergangen und in diesem Jahr erblickten knapp 70 weitere Reiseartikel das Licht der Welt. Nicht ganz 9.000 mal wurde die Webseite aufgerufen und es hat sich inzwischen eine Gemeinde von über 100 Followern gebildet, obwohl wir auf den Kommunikationskanal Facebook bisher verzichtet haben. Seit März diesen Jahres weist die Statistik jeden Monat über 1000 Aufrufe aus und es werden seit Februar 350+ Besucher monatlich vom Statistiktool gezählt.

Wir durften aber auch erleben, dass das Internet ein sehr sensibles und eitles Ding ist. Als ich mich öffentlich zu einigen seltsamen Dingen im Netz, wie den Blog-Awards sehr kritisch äußerte, oder als ich eine seltene, aber sehr penetrante Spezies, von wohnmobilfahrenden Hundebesitzern sarkastisch-kabaretistisch aufs Korn nahm, da wurde uns sehr schnell von einem Teil der Netzgemeinde die Freundschaft, mit zum Teil bösen Kommentaren, gekündigt. Interessanterweise hat sich das aber auf die Zugriffszahlen kaum ausgewirkt.

Um ehrlich zu sein, mit soviel Interesse hätten wir nie und nimmer gerechnet. Wir haben dies auch nicht angestrebt. Der Blog sollte ursprünglich nur uns helfen, die vielen, vielen Reiseeindrücke, Gedanken, Empfindungen und Gefühle zu verarbeiten, zu sortieren, zu strukturieren und für uns festzuhalten. Das war die ursprüngliche Motivation.

Ich war aber auch davon überzeugt, dass wir der Welt noch etwas zu sagen haben. Deshalb haben wir unsere Reisen nicht in einer Word-Datei für uns dokumentiert, sondern tun das in diesem Blog.

Ich nehme diesen 1. Geburtstag zum Anlass, nochmals über die eigentliche Triebfeder, die uns zum Reisen gebracht hat, nachzudenken.
Der Auslöser, es jetzt und nicht erst irgend wann in der Zukunft zu tun, war der plötzliche und vollkommen unerwartete Tod eines sehr netten Nachbarn, mit dem wir noch am Abend auf der Terrasse herumgeflachst hatten und am nächsten Morgen wurde er im Sarg aus dem Haus getragen.
Nach dem Motto, was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen, haben wir entschieden, unseren Lebenstraum jetzt zu realisieren. Dabei hat uns die Frage geholfen: „Wer hat verfügt, dass Lebenswünsche erst auf die Zeit nach dem Erwerbsleben zu verschieben sind?“
Es ist einer dieser Glaubenssätze die uns jeden Tag eingetrichtert werden, von Politik, Medien und Interessensvertretern, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken ob dieser Glaubenssatz wirklich stimmt.

Um es kurz zu machen, wir sind der Meinung: Nein, er stimmt nicht! Die Nutznießer dieses Glaubenssatzes sind die, die am Hamsterrad viel Geld verdienen, in dem die meisten Menschen in den Industriestaaten stecken. Wir profitieren von diesem Glaubenssatz nicht! Also über Bord damit!

Und so stimmt der Satz den wir sozusagen als „Glaubensbekenntnis“ zu unserem Lebenstraum formuliert haben und auf unserer Willkommensseite publizierten noch immer:

Wir sind ausgestiegen aus dem Konsumterror, aus dem “immer mehr”, “immer höher”, ”immer weiter”. Wir haben für uns erkannt, dass das unreflektierte Streben nach materiellem Wachstum, uns in immer größere Abhängigkeiten zwingt (und vermutlich auch zwingen soll), Abhängigkeiten, die wir gar nicht wollen und die uns die Zeit zum Leben unserer Lebenswünsche stehlen.

Die Konsequenz ist, dass die Brötchen die wir backen, kleiner geworden sind, aber wir bekommen dafür das Einzige was man mit Geld nicht kaufen kann: wertvolle LebensZEIT die wir als

Zeit zum Reisen

nutzen, um uns unseren Lebenswunsch zu erfüllen:

… noch etwas von der schönen Welt zu sehen, Landschaften erkunden und die Natur genießen, den Duft der Jahreszeiten riechen, Kultur und Traditionen der besuchten Regionen respektvoll wahrnehmen, Kulinarisches entdecken und schmecken und die spirituelle Kraft besonderer Orte erfühlen.

Angesichts der vielen Besucher und die wohlwollenden, anerkennenden Kommentare, hat sich unsere ursprüngliche Motivation deutlich erweitert.

Stellvertretend für die vielen lieben Worte die wir lesen durften, sei hier eine email die uns in den letzten Tagen von unserer vielleicht rüstigsten Leserin erreichte, zitiert.

Ingrid von http://steinfisch.wordpress.com schrieb:

Guten Tag,
mein Name ist Ingrid, eine Seniorin von 73 Jahren.
Sofort habe ich mich in euren wundervollen Blog verliebt! 😀
Ich werde ihm folgen, mit der Zeit Blog-Einträge nachlesen, auf die ich mich jetzt schon freue. …

Diese Mail hat uns besonders berührt. Unser Blog ist gerade einmal ein Jahr alt und hat eine lebenserfahrene und gestandene Verehrerin, die sich in ihn verliebt hat. Ist das nicht schön?

Aus Mails und Kommentaren, wie diesem durften wir lernen, dass wir mit unseren Veröffentlichungen ganz offensichtlich vielen Menschen Freude bereiten. Freude ist unserem Wissen nach, neben der Liebe, das Einzige was sich durch Teilen vermehrt. Was gibt es also Schöneres, als durch Teilen die Freude zu vermehren. 😊
Und vielleicht ist es uns auch ein wenig durch unser Vorleben gelungen, dass das was wir hier dokumentieren, anderen Inspiration gibt, Ihren Lebenstraum (was immer das auch sein mag) in die Realität zu bringen.

Liebe Leser/innen und liebe (Mit-)Kommentatoren:
„Ihr seid uns ans Herz gewachsen!“

Für eure Treue, eure Wertschätzung und Anteilnahme,
die ihr uns entgegenbringt
ganz, ganz lieben Dank.

 

Herzlichst

WoMolix und WoMoline

„Slow Travel: Wider den To-Do-Listen“ oder: „Meine Reise ist nicht Deine Reise“

Dieser Artikel ist inspiriert von gleich zwei Blogparaden die sich für uns wunderbar ergänzen. Zum einen läd Florian vom Flocblog unter dem Titel ‚Meine Reise ist nicht deine Reise‚ zur Beteiligung ein. Wunderschön dazu passend haben die beiden Berliner John & Mark von 1 THING TO DO das Thema Slow Travel: Wider den To-Do-Listen zur Diskussion gestellt und auch noch einen kleinen Online Slow Travel Test, eher als Spielerei gedacht, zur Klassifizierung von Reisetypen entwickelt.

Gleich zu Beginn: Es gibt so viele Arten zu reisen wie es Reisende gibt und Reisender ist potentiell jeder der auf diesem Planeten lebt. Wir haben schon viele Reiseformen ausprobiert und alle haben ihre Berechtigung. Wer ein Jahr lang geackert hat verreist, um sich einen Tapetenwechsel am Teutonengrill mit dosierter Eventgestaltung zu gönnen. Ein anderer findet seine Entspannung bei einem Aktivurlaub im Hochgebirge. Wieder andere Reisen weil ihr Job das erfordert. Und wieder andere REISEN UM ZU REISEN.

Reisen: Was ist das überhaupt?

Reisen ist eine sehr individuelle und sehr persönliche Angelegenheit. So findet sich bei Wikipedia, dass der Ausdruck „Reise“ in seiner altdeutschen Form ‚Aufbruch‘ bedeutete und „bezeichnete somit das Sich-Aufmachen, Sich-auf-den-Weg-machen und den zu begehenden Weg gleichermaßen.“ In seiner Urbedeutung war Reisen ‚zweckgerichtet‘ und enthielt den Aspekt des Entdeckens und Eroberns. Berühmte Reisende der Geschichte, wie z.B. Marc O‘ Polo, Alexander der Große oder Alexander von Humboldt stehen für diesen Aspekt des Reisens.

Reisen war in der Geschichte auch immer etwas sehr exclusives und nur wenigen begüterten Zeitgenossen vorbehalten.
Nicht ganz. Wie wir heute wissen, gab es schon in der Bronzezeit „Handelsreisende“ die schon damals zum Zwecke des Handels (Broterwerbs) von einem Ort zum anderen reisten und zu kulturellem Austausch und zum Wissenstransfer wesentlich beitrugen. Alte Handelsrouten wie die Weihrauchstraße, die Seidenstraße oder auch die Bernsteinstraße zeugen davon.

Der Begriff ‚Reise‘ metaphorisch verstanden, ist ein Bild für die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen, also seinen Entwicklungsprozess. Der umgangssprachlich verwendete Terminus: „Reisen bildet“ verbindet den Aspekt der physischen Fortbewegung mit seinem Prozess der persönlichen „Reifung“.

Slow Travel: Neuer Wein in alten Schläuchen?

Entdecken, kulturelle Interaktion und persönliche Entwicklung sind schon drei wesentliche Aspekte, die wir mit dem Begriff „Slow Travel“ verbinden und die seit Alters her wesensbestimmende Merkmale des Reisens sind.

Was hat Pauschaltourismus und Geschäftsreisen mit Reisen zu tun?
Was hat Pauschaltourismus und Geschäftsreisen mit Reisen zu tun?

Im Gegensatz dazu ist die heutige (Pauschal-)Urlaubsreise, egal wie schnell man physisch unterwegs ist, eine Reiseform, bei der das besichtigt wird, was andere „entdeckt“ haben und was Geschäftsleute für ein größeres Publikum für vermarktbar halten. Der Ablauf ist im wesentlichen durch ein vorgegebenes Programm festgelegt und kulturelle Begegnungen beschränken sich auf kurzweilig gestaltete Folkloredarbietungen oder Shopping-Touren. Außer bei ein paar Reiseformaten mit Lern- oder „Selbsterfahrungscharakter“ haben diese Reiseformen kaum bildende oder persönlichkeitsentwickelnde Aspekte. Der Zweck der temporären ‚Ortsveränderung‘ besteht eher in der Erholung oder der Stärkung und Wiederherstellung der Arbeitskraft der Reisenden. Es ist also eine Korrekturmaßnahme für eine insgesamt ungesunde Lebensweise im Alltagsleben.

Slow Travel ist somit in unserm Verständnis nicht zwingend mit Erholung, sich nicht kümmern müssen oder bedient werden verbunden. Im Gegenteil! Slow Travel fordert vom Reisenden die volle Verantwortung für die eigene Existenz in jeder Sekunde der Reise zu übernehmen. Das heißt, sich nicht führen lassen, sondern geführt von der eigenen „Inneren Stimme“, (manche werden sagen: geführt vom Bauch) den weiteren Weg der Reise selbst zu bestimmen. Dadurch wird „Slow Travel“ auch zu einer sehr individualistisch geprägten Reiseform.

Was hat Slow Travel nun mit dem nicht Vorhandensein von Must-See oder To-Do-Listen zu tun?

Hofburg, Heldenplatz und Östreichische Nationalbibliothek ein Must-See?
Hofburg, Heldenplatz und Östreichische Nationalbibliothek ein Must-See?

Je individualistischer eine Reise ist, um so mehr muß geplant werden. Slow Travel ist nicht eine Fahrt ins Blaue ohne Vorbereitung. Ganz in Gegenteil. Beim Slow Travel, so wie wir es verstehen, sind To-Do Listen erforderlich, um sich auf unterschiedliche, mögliche oder wahrscheinliche Situationen vorzubereiten. Diese To-Do-Listen haben eher den Charakter einer Expeditionsvorbereitung im kleinen Maßstab. Auch Must-See-Listen müssen sein. Sie haben aber nur die Bedeutung von Hintergrundinformationen für die Reisevorbereitungen.

Wer aus solchen Listen ein Tick-in-a-box-Management der „abgearbeiteten“ Sehenswürdigleiten macht, der ist kein Reisender, schon gar kein „Slow Traveler“, der ist ein von Marketingkampagnen geprägter Live-Style-Depp, dem es wichtiger ist, daß er nach der Reise seinem Umfeld erzählen kann, dass er die meisten, die schönsten, die außergewöhnlichsten, skurilsten und am teuersten zu bereisenden Sehenswürdigkeiten von allen Anwesenden gesehen hat und dies auch eindrucksvoll mit Bildern und Selfies auf seinem i-phone nachweist.

Was ist dann so „slow“ beim“Slow Travel“?

Wir widersprechen der These des wohl bekanntesten Protagonisten des Slow Travel, dem britischen Autor Dan Kieran. Er postuliert, dass Reisen im Sinne des Slow Travel besonders langsam sein müsse. So langsam wie nur irgend möglich. Er entdeckte England und vor allem sich selbst ganz neu, indem er mit einem Milchwagen durchs Land fuhr.
So zitiert „Die Welt“ Dan Kieran, „nur so [mit dieser Langsamkeit] könne man in eine Beziehung mit seiner Umwelt treten und der Reise durch ein waches Bewußtsein eine Tiefe verleihen, die sie sonst wahrscheinlich nicht erreicht hätte.“

Wir denken, dass eine bewußt langsam durchgeführte Reise als Methode zum (wieder-)erlernen von Achtsamkeit und Wahrnehmungsfähigkeit der eigenen Bedürfnisse, als auch der Umwelt hilfreich sein kann. Vergleichbare Fähigkeiten lassen sich aber ebenso gut in einem Meditations-, Yoga- oder Selbsterfahrungsworkshop erarbeiten und entwickeln.

Im Grunde ist der der Begriff „Slow Travel“ falsch gewählt. Die Konzepte, die für uns hinter „Slow Travel“ stehen, wenden sich gegen die stresserzeugende Reisehetze die von durchgestylten Touristikprogrammen erzeugt werden. Als Kontra-Wort dient „slow“.

Melk2Ein Beispiel, wie Touristen durch eine Attraktion „hindurchgetrieben“ werden, haben wir in einem Artikel über das Weltkulturerbe Kloster Melk vor nicht allzu langer Zeit beschrieben. Das ist alles andere als „slow“. Es waren so viele Touristen, dass eine geordnete Besichtigung des Weltkulturerbes nur durch eine sehr stringente Organisation für alle überhaupt möglich war. Das führt zwangsläufig zu Hetze und Eile. Die Standardisierung des Ablaufs ermöglicht zwar das „Durchschleusen“ von vielen Menschen, aber wir konnten beobachten, dass im Grunde keiner zufrieden war und sein konnte.
Melk5Einigen war der Zeitrahmen zu kurz bemessen, die wirkten gehetzt. Für andere war der Zeitrahmen viel zu lang. Die klinkten sich aus und standen als wandelndes Verkehrshindernis gelangweilt den anderen im Weg. Wieder andere verleihen ihrer Überforderung dadurch Ausdruck, dass sie sich bis zum nächsten Cafe, Restaurant oder Pommes Bude „durchgeschlagen“ haben und sichtlich erschöpft ein Weißbier reinziehen, bis der Tross der Reisegruppe planmäßig weiter zieht.

Diese Beobachtung zeigt im Grunde das Dilemma. Reisen ist etwas Individuelles. Und jeder braucht seine Zeit, um das was er erlebt aufzunehmen und zu verarbeiten. Das lässt sich einfach nicht standardisieren.
Der statistische Durchschnitt wird nur demjenigen gerecht, der genau dem statistischen Durchschnitt entspricht und das ist häufig kein Einziger. Jeder Mensch hat seinen eigenen Rhythmus. Dieser Rhythmus ist abhängig von der physischen und psychischen Tagesform. Die Aufnahmefähigkeit für Neues hängt u.a. ab vom Anspannungsgrad der vorangegangenen Tage, vom Wetter, den aktuellen Interessen, der Tagesstimmung, den Menschen, die einen gerade umgeben und noch vielem anderen mehr. Diesen Rhythmus muss ein Slow Traveler zunächst erst einmal wahrnehmen können (viele können das gar nicht mehr!) und dann adäquate Entscheidungen für den Fortgang der Reise treffen.

Was für den einen slow ist, kann für den anderen very fast sein und umgekehrt. Beim Slow Travel geht es aus unserer Sicht um eine relative Reisegeschwindigkeit. Es geht um eine Reisegeschwindigkeit die zum eigenen Lebensrythmus passt. Dabei ist es vom Grundsatz her egal, ob man zu Fuß, mit dem Rucksack oder mit einer Miles and More Card im Flugzeug unterwegs ist.
Es geht nach unserer Auffassung beim Slow Travel darum, die Reisegeschwindigkeit im Außen mit der Lebensgeschwindigkeit im Innen in Einklang zu bringen.

Wie setzen wir Slow Travel für uns um?

Feldberg2 PanoramaEin wichtiger Lebenswunsch von uns ist: noch etwas von der schönen Welt zu sehen, Landschaften erkunden und die Natur genießen, den Duft der Jahreszeiten riechen, Kultur und Traditionen der besuchten Regionen respektvoll wahrnehmen, Kulinarisches entdecken und schmecken und die spirituelle Kraft besonderer Orte erfühlen.
Und nicht zuletzt zu den Menschen, die gerade in unserer unmittelbaren Umgebung sind, in Beziehung zu treten. Sie und ihren Lebensstil kennen zu lernen und aus der Begegnung Inspiration für unsere eigene Existenz zu gewinnen.

So ähnlich sieht unser Wohnmobil aus.
So ähnlich sieht unser Wohnmobil aus.

Wir haben für uns entdeckt, dass dieser Lebenswunsch besonders gut mit einem Wohnmobil realisierbar ist, ohne uns in ständig neue Abhängigkeiten von Verkehrsmitteln, Hotels, Reiseveranstalter usw. verheddern zu müssen. Mit einem Wohnmobil lässt sich die Welt recht komfortabel dem eigenen Rhythmus folgend erkunden. So ist die Harmonisierung des Rhythmus von Womoline und Womolix die uns bestimmende Abhängigkeit, die wir freiwillig gewählt haben und die wir wollen. Die fremdbestimmten Abhängigkeiten sind, so unsere Erfahrung, bei keiner anderen Reiseform so gering wie bei dem Reisen mit dem Wohnmobil. Davon ausgenommen sind vielleicht die Hard Core Backpacker, aber wir reisen komfortabler :-).
Damit wir bei unseren Reisen, die üblicher Weise zwischen 4 und 40 Tagen dauern, nicht „vom rechten Weg“ abkommen haben wir eine einfache Methode gefunden, die uns hilft „Kurs“ zu halten.
Zumindest bei den längeren Reisen haben wir ein Motto, das uns bei unserer Reise führt, ähnlich dem Kometen der die drei Weisen aus dem Morgenland nach Betlehem führte. Alles andere überlassen wir unserer Intuition und unserem Rythmus. Ein solches Motto kann z. B. die Mandelblüte an der Deutschen Weinstraße im zeitigen Frühjahr sein, wie hat sich McPom nach der Wende entwickelt, wie war das Lebensgefühl zur Hochzeit der K&K Monarchie oder Pilgerwege zur heiligen Pforte in Rom.
Und dann gehen wir auf Spurensuche.

Feldberg7 RelaxDahinter steht die Sehnsucht nach einem Leben, das dem eigenen Rhythmus folgt, das unnötige Abhänigkeiten eliminiert und sich auf das Wesentliche im Leben konzentriert: die Liebe und das „GlücklichSein“– kurzum ein eigenverantwortliches Leben führen und ebenso zu Reisen. Und ganz nebenbei machen wir die spannenste Reise: Die Reise zu uns selbst. Und da stimmen wir mit Dan Kieran wieder überein.

Wie alles begann – Die Vorgeschichte zu diesem Blog

Es war im Jahre 2010, als es mich (Womolix) sowohl physisch als auch psychisch aus meinem bisherigen Leben gerissen hat. Es folgte eine recht schwere Zeit, nicht nur für mich, sondern auch für Womoline. Als ich nach ungefähr einem dreiviertel Jahr wieder einigermaßen auf den Beinen war, hatte sich Womoline eine Auszeit redlich verdient.
Das Angebot eines alten Freundes, der seit mehr als 30 Jahren in Australien lebt, kam da gerade Recht. Peter hatte schon vor einiger Zeit seinen Wohnsitz in Sidney aufgegeben und war seitdem mit dem Wohnmobil in Australien unterwegs. Er lud Womoline ein, mit ihm eine Weile durch Australien zu fahren. Flug gebucht, nach Sidney geflogen, dort von Peter abgeholt und 2 1/2 Monate Australien mit dem Wohnmobil und einem erfahrenen Guide genossen. Den Reisebericht zu dieser Reise findet ihr hier.

Womoline hatte schon mit ihren Ex-Mann eine Wohnmobilerfahrung in England gemacht, von der sie immer wieder gerne erzählt. Ich hingegen konnte mir einen Urlaub auf einem Campingplatz oder in einem Wohnmobil bis dato praktisch nicht vorstellen. Meine einzige Erfahrung war eine Übernachtung in einem VW-Bus als ich noch keine 20 war. Als wirklich prickelnd habe ich das damals nicht erlebt. Doch Womolines Erzählungen aus Australien machten mich immer neugieriger und offener eine solche Urlaubsform oder Reiseform selbst einmal auszuprobieren.

Das Thema köchelte so vor sich hin bis sich ganz unerwartet 2013 die Möglichkeit ergab, das Wohnmobil einer Freundin für einen Urlaub zu nutzen.
Womoline war noch nie in Italien. Ich auch schon lange nicht mehr. Mit Italien verbinden sich bei mir überwiegend gute Erinnerungen. Unbedarft und vielleicht auch ein bisschen naiv, begann ich eine Tour durch Italien zu planen. München , Inntal, Brenner, Gardasee, Modena, La Spezia, die Blumenriviera hinunter, durch die Toskana, dann hinüber zur Adria wieder hinauf nach Venedig als krönender Abschluss. Das war der Plan.

Erfahrene Wohnmobilisten erkennen sofort, dass dieser Plan für knapp drei Wochen einfach Unsinn war. Schon das Wetter machte uns zu Beginn dieser Reise einen dicken Strich durch die Rechnung.
Dennoch war es gut so, dass ich diesen unsinnigen Versuch einer vollkommen überzogenen Planung gemacht habe. Im Vergleich mit dem tatsächlichen Ablauf der Reise erkannten wir die wirklichen Vorteile, die sich durch die Reiseform mit dem Wohnmobil für uns ergeben.
Obwohl alles anders kam als wir gedacht hatten, erlebten wir einen sehr schönen und intensiven Urlaub. Einen Urlaub für Körper, Geist und Seele.
Das besondere an dieser Fahrt war: nicht der Urlaub zwang uns seine Struktur auf wie bei einer Pauschalreise, Cluburlaub oder Kreuzfahrt. Der Urlaub folgte unserem Rhythmus, unseren ganz individuellen Bedürfnissen nach Ruhe und Anspannung, nach Aktivität und Erholung, nach geistiger Forderung und tiefer Entspannung, nach ausgelassener Geselligkeit und spiritueller Selbstzufriedenheit… .

Die Idee, die Welt mit dem Wohnmobil zu erkunden war geboren. Eine Idee für den Ruhestand, der ja in ein paar Jahren sowieso auf uns zukommt – so dachten wir. Ein schönes Ziel auf das es sich lohnt hinzuarbeiten. Das Projekt für den Ruhestand war geboren.
Doch die Idee einer „Beschäftigung“ für den Ruhestand wurde viel schneller Realität als wir zu diesem Zeitpunkt ahnten.
Vielleicht stimmt es wirklich, dass unsere Gedanken die Realität viel stärker formen als wir gemeinhin glauben. Unsere Gespräche drehten sich fortan immer häufiger um Themen, was wir noch nicht gesehen hatten, was wir uns gerne noch anschauen wollten, und und und… .
Und wir beschwörten geradezu die Unabhängigkeit und die Freiheit dies in „unserem Rhythmus“ zu tun. Eben dann im Ruhestand.

Und die Beschäftigung damit, das immer wieder Hervorholen dieser Gedanken, führte zu weiteren Fragen die nach einer Antwort suchten. Fragen, des Wie? Fragen des Womit? Fragen des wie Lange, in welchem Zeitraum?… Letztlich alles Fragen der Organisation und der Realisierung der Idee, des Lebenstraums. Und im Laufe der Zeit fanden sich auch Antworten. Es fanden sich sogar Antworten auf Fragen, die man sich noch gar nicht gestellt hatte. Die Beschäftigung mit diesen Fragen, das Sammeln von Informationen, das ständige sich abgleichen der eigenen Vorstellung mit denen des anderen, schaffte in unseren Köpfen eine so hohe Aufmerksamkeit, dass wir Chancen und Möglichkeiten der Realisierung erkannten und sie zwei Jahre später auch nutzten. (soviel sei hier schon verraten)

Das war im Spätherbst letzten Jahres. Uns lief ganz unerwartet ein Wohnmobil über den Weg. Es war ein Samstag Morgen. Wir wussten am Morgen noch nicht, dass wir am Abend einen Kaufvertrag für ein Wohnmobil in der Tasche hatten.

Und im Frühjahr dieses Jahres wurde es zugelassen. Und da war auch auf einmal die Idee, Erlebtes aufzuschreiben. Es entstand die Idee Erlebtes mit anderen zu teilen, Es entstand die Idee vielleicht auch anderen einen Weg (unseren) zu zeigen wie man aus dem „Immer Höher“, „Immer Größer“, „Immer Weiter“ aussteigen kann.
Getreu dem Motto: Wenn du mit anderen zur See fahren willst, dann lehre den Menschn nicht wie man ein Schiff baut, sondern wecke die Sehnsucht nach dem Meer.

Und welche Sehnsucht wollen wir wecken?

Die Sehnsucht nach einem Leben, das dem eigenen Rhythmus folgt, das unnötige Abhänigkeiten eliminiert – kurzum ein eigenverantwortliches Leben zu führen und nicht nur zu träumen.

 

Kommentare bitte auf dieser Seite

Willkommen auf der Webseite von WoMolix und WoMoline

Wir sind ein Paar, das beschlossen hat, Lebenswünsche nicht mehr in die Zukunft zu verschieben.

Wir sind ausgestiegen aus dem Konsumterror, aus dem „immer mehr“, „immer höher“, “ immer weiter“. Wir haben für uns erkannt, dass das unreflektierte Streben nach materiellem Wachstum uns in immer größere Abhängigkeiten zwingt (und vermutlich auch zwingen soll), Abhängigkeiten die wir eigentlich gar nicht wollen und die uns die Zeit zum Leben unserer Lebenswünsche stiehlt.

Ein wichtiger Lebenswunsch von uns ist: noch etwas von der schönen Welt zu sehen, Landschaften erkunden und die Natur genießen, den Duft der Jahreszeiten riechen, Kultur und Traditionen der besuchten Regionen respektvoll wahrnehmen, Kulinarisches entdecken und schmecken, und die spirituelle Kraft besonderer Orte erfühlen.

Wir haben entdeckt, dass dieser Lebenswunsch besonders gut mit einem Wohnmobil möglich ist, ohne sich in ständig neue Abhängigkeiten von Verkehrsmitteln, Hotels, Reiseveranstalter usw verheddern zu müssen.  Mit einem Wohnmobil lässt sich die Welt dem eigenen Rhythmus folgend erkunden. So ist die Harmonisierung des Rhythmus von Womoline und Womolix die uns bestimmende Abhängigkeit,  die wir freiwillig gewählt haben, und die wir wollen. Die fremdbestimmten Abhängigkeiten, sind, so unsere Erfahrung, bei keiner anderen Reiseform so gering wie bei dem Reisen mit dem Wohnmobil.

Womolix und Womoline
Womolix und Womoline

Kommentare bitte auf dieser Seite