250 km Fernsicht

Feldberg1Sonnenaufgang am Feldberg.
Erste Geräusche von der hinter uns liegenden Baustelle zeigen uns an, dass der Tag beginnt. Wir riskieren ein erstes Auge – hinaus zu unserem Sonnendach. Der obere Teil der Bergkuppe mit dem Feldbergturm wird schon von der Morgensonne angeleuchtet. Es dauert nicht lange bis die Sonnenstrahlen auch bis zu uns hinunter auf den Parkplatz reichen.Feldberg3 Gletscher

Eine Skiwiese ist im Sommer, besser gesagt ohne Schnee, kein prickelnder Anblick. Wir erhoffen uns aber einen grandiosen Ausblick vom Gipfel. Nach dem Frühstück ziehen wir die Wanderstiefel an und auf geht’s zur höhsten Erhebung des Schwarzwaldes.

Wir verzichten auf Rucksack und Proviant. Wir vertrauen darauf, dass in einer touristisch sehr gut erschlossenen Gegend genügend Hütten zur Auswahl stehen. Daher haben wir nur eine Flasche Wasser eingepackt. Das wird sich noch als Fehler herausstellen.

Wir machen recht schnell Höhenmeter und es wird klar, wir haben einen von diesen Supertagen mit 250 km Fernsicht erwischt. Oben angekommen können wir im Bergpanorama noch den Mont Blanc eindeutig identifizieren. Meine Kamera gibt das einfach nicht her, um diese grandiose Aussicht lebensecht zu dokumentieren. Das muss man live sehen. Und heute hatten wir mal das Glück zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.

Feldberg4Wir haben das Alpenpanorama vor uns, in einer Ausdehnung, wie man es wahrscheinlich von keinem anderen Ort aus sehen kann. Im Osten können wir die Zugspitze (mit Hilfe der dort aufgestellten Panoramakarte) ausmachen. Das Gebiet von der Schwäbischen Alb bis zum Bodensee und dem bayrischen Voralpenland liegt unter einer dicken Nebelschicht. Von der Zugspitze schweift unser Blick über die im Sonnenlicht gleißenden Gletscherflächen der Schweizer Alpen bis hin zum Mont Blanc, dessen Form wir noch ganz deutlich ausmachen können. Aus dieser Perspektive erhebt sich davor der Schweizer Jura aus den Nebelbänken der Tallagen.
Wir sind überwältigt. Es ist wohl so ein ähnliches Gefühl, das Bergsteiger haben müssen, wenn sie auf dem Dach der Welt, dem Mount Everest, stehen. Der einzige Unterschied ist, dass wir zur Erlangung dieses Gefühls nur einen strammen Spaziergang brauchten.

Feldberg5 BodenseeVom Feldbergturm wandern wir hinüber zum Feldberggipfel. Auch hier eine grandiose Fernsicht. Hier gibt es sogar eine fast 360° Rund-um-Fernsicht. Wir sehen nun auch in das „benebelte“ Rheintal und erkennen die aus dem Nebel aufragenden Vogesen. Im Norden sehen wir auf den in der Sonne liegenden Scharzwaldrücken. Zwischen Schwarzwald und schwäbischer Alb liegt wieder ein weißer Nebel-Teppich; und dann schließt sich das Gebiet zwischen Schwäbischer Alb und Bodensee an.
Feldberg6 GletscherX-mal drehen wir uns im Kreis und doch können wir das Bild nicht in unserem Kopf behalten. Wir halten inne und genießen den Augenblick.
Erst als wir uns aufmachen weiter zu gehen, fällt es uns auf. Auch die anderen Wanderer, die mit uns diesen Ausblick teilen, sprechen so gut wie gar nicht. Es herscht Stille – bis auf die Geräusche die ein leicht böiger Wind mit sich bringt. Es liegt eine Art Ergriffenheit in der Luft.

Wir sind schon gut 150 oder 200 Höhenmeter abgestiegen. Erst da sind wir wieder in einem „Normal-Wander-Modus“.

Feldberg7 RelaxWir wollen nun  eine Hütte ansteuern. Die erste des Weges hatte geschlossen wegen Wassermangel. Die Zweite hat immer am Montag Ruhetag. Wir verlängern unseren Rundweg um weitere 2 x 4 km. Unser Hunger wird langsam „störend“. Wir kommen an und finden einen Zettel an der Tür: es ist heute der 1. Tag der Betriebsferien.
Dafür werden wir mit einem wunderbaren Panoramaweg – der noch mal ganz neue Perspektiven liefert – belohnt.

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Wo ist der Kaiserstuhl?

HöllenthalAm Morgen hat sich wieder viel Nebel über der Rheinebene ausgebreitet. Wieder ist alles Grau in Grau. Unsere Hoffnung ist, dass nur unten auf Höhe des Rheins der Nebel die Sicht versperrt. Wir entscheiden uns der Sonne entgegenzufahren. Wir suchen uns eine Route quer durch den Kaiserstuhl die uns zu den höchsten Punkten führen soll. Doch an den Parkplätzen angekommen finden wir nichts anderes als Graue Suppe. Wir müssen erkennen, auch wenn wir noch 100 oder 200 Höhenmeter aufsteigen, mit Sonne wird das heute nichts werden. Die Sonne wird es nicht schaffen, wie in den letzten Tagen, bis zum Mittag den Nebel aufzulösen.

Kurzerhand disponieren wir um. Wir fahren Richtung Freiburg und dann das Höllental hinauf in den Schwarzwald. Schon kurz vor Freiburg – SONNE –

Indian Summer im Schwarzwald
Indian Summer im Schwarzwald

In Hinterzarten stellen wir unser Mobil ab, schlüpfen in die Wanderstiefel und: auf geht’s, der Sonne entgegen. Und obwohl die Sommersaison schon längst vorbei ist, begegnen uns noch recht viele Wanderer und – ich hasse sie – Mountainbiker.
Irgend wann stehen wir vor der Frage unseren Rundweg weiter zu folgen, oder zum Feldberg abzubiegen. Wir entscheiden uns dagegen, da wir doch erst recht spät aufgebrochen sind und wir berücksichtigen müssen, daß jetzt schon früh die Dämmerung hereinbricht. Aber wir ergattern noch einen Blick in die Rheinebene und sehen dass wir alles richtig gemacht haben, denn die Rheinebene und der Kaiserstuhl liegen unter einer dicken Nebelschicht. Ganz im Hintergrund sind noch die Vogesen schemenhaft zu erkennen.

Hinterzarten2
Blick in die Rheinebene – Im Hintergrund sieht man die Vogese

Die Feldbergidee lässt uns aber nicht los und so fahren wir, nach vier Stunden Wandern und einer Brotzeit im WoMo weiter zum Parkplatz am Feldberg. Kein offizieller Platz, aber es stehen schon 8 Mobile dicht beieinander. Dieses Nest vergrößern wir. Wir sind aber nicht die Letzten die heute kommen und übernachten.

Von Lahr zum Kaiserstuhl

7:30 Uhr. Wir lassen Licht ins Mobil. Alles ist eingenebelt. Alles Grau in Grau. So haben wir uns das nicht vorgestellt. Wo ist der Goldene Herbst? Wo ist der Indian Summer?
Wir brechen von Lahr auf in Richtung Kaiserstuhl, wählen aber eine Route durch den westlichen Rand des Schwarzwaldes.Wir fahren über Seelbach und Schuttertal nach Ettenheim. Je weiter wir in den Schwarzwald hinein kommen, um so mehr lichtet sich der Nebel. Und da ist er! Der Indian Summer. Diese Farben und Farbkombinationen gibt es nicht nur in Kanada. Nein, die gibt es auch hier, hier im Schwarzwald! Man braucht nicht 8000 km nach Kanada zu fliegen.☺ Vor lauter Freude über das Farbenspiel vergesse ich das Fotografieren.

Endingen1Ehe wir uns versehen sind wir schon wieder am Rande der Rheinebene. Der Himmel ist nicht mehr so klar und das Licht ist fahl, die Farben matt… Es tut mir irgendwie in den Augen weh! Wir steuern einen Platz in Endingen am nördlichen Ende des Kaiserstuhls an, packen die Fahrräder aus und radeln los. Wir radeln am Fuße des Kaiserstuhls entlang an nicht enden wollenden Obst- und Gemüsefeldern. Endingen2Das meiste ist bereits abgeerntet. Nur vereinzelt sehen wir noch Apfelbaumreihen an denen noch dunkelrote Äpfel hängen. Bei den Gemüsefeldern gibt es nur noch einige Kohlköpfe und Kürbise zu ernten. Endingen3In einiger Entfernung können wir in dem uns blendenden Licht der Abendsonne die Weinterrassen des Kaiserstuhls nur erahnen.

Richtig Freude will nicht aufkommen, denn der Fahrtwind ist kalt und ich ärgere mich, dass ich auf die wärmere Jacke verzichtet habe. Zurück am Übernachtungsplatz gibt’s einen Riesen-Cappuccino, der etwas entschädigt. Der Plan ist, am nächsten Tag in den Weingärten des Kaiserstuhls zu wandern. Doch es wird anders kommen. Wir wissen es nur noch nicht.

Starenkasten auch für Fußgänger?

Fussgängergeschwindigkeitsüberwachung LahrBaden Württemberg ist für mich schon seit langem das „Starenkästenland“. Ich meine damit die grauen Dinger mit rotem Blitzlicht, die bei Stadtkämmerern sehr beliebt, weil einträglich für die Stadtkasse sind.

Das Stadtkämmerer nun auch Jagd auf zu schnell laufende Fußgänger machen ist mir aber neu.
In Lahr/Schwarzwald steht doch tatsächlich ein Starenkasten neuester Bauart im Bereich der Fußgängerzone! „Was soll denn das?“ frage ich mich. Ich umrunde dieses Ding mit ungläubigem Blick. Ich schüttle den Kopf um zu überprüfen, dass ich auch nicht träume. Noch immer kann ich es nicht glauben. Ich zwicke mich in meinen Allerwertesten. Ja, ich träume nicht. Das ist kein bizarrer Traum. In der Fußgängerzone steht doch tatsächlich ein Blitzer…

Daran knüpfen sich einige „lebenswichtige“ Fragen für Fußgänger:

1. Ist die Laufgeschwindigkeit auf Schrittgeschwindigkeit begrenzt? Oder ist schnelles Gehen oder langsames Rennen noch erlaubt?
2. Wie schnell darf man laufen, ohne geblitzt zu werden? Wieviel Meßtoleranz wird abgezogen?
3. Braucht man als Fußgänger ein Nummernschild, um eindeutig identifizierbar zu sein? Und wo muss man das Nummernschild beantragen?
4. Was passiert, wenn man ohne Nummernschild geblitzt wird?
5. Wie hoch sind die Bußgelder für zu schnelles Laufen?
6. Ab wieviel km/h Geschwindigkeitsübertretung droht der Entzug der Lauferlaubnis? Für wie lange?

Für unsere älteren Mitbürger wäre es sicher auch interessant zu wissen, ob die Regeln auch für Menschen mit Rolator gelten… usw usw.

Einen Selbstversuch zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit und zum Herausfinden ab welcher Geschwindigkeit das Monstrum blitzt, habe ich unterlassen, denn ich ich wollte eine Ausschreibung meiner Person zur Fahndung vermeiden. 😉

Also wer nach Lahr fährt dem sei angeraten, seinen Schrittzähler im Auge zu behalten!

Badische Weinstraße im Spätherbst

Durbach1Die Weinlese ist weitestgehend vorbei. Nur noch ganz späte Sorten und die Trauben für den Eiswein hängen noch. Das satte Grün der Reben hat sich zu einem helleren gelbgrün gewandelt. Durbach2Einzelne Rebstockreihen haben die herbstlich rotbraune Farbe angenommen.
In Richtung Rheinebene haben die Obstbäume ihr Herbstkleid angelegt.
Durbach3In der Nacht ist Nebel aus der Rheinebene aufgestiegen. Er hat aber die Seitentäler des Schwarzwaldes nicht erreicht. So weckt uns die Sonne in Durbach. Als wir weiter Richtung Ortenberg fahren, sehen wir nicht einmal das normalerweise von der Straße gut sichtbare Ortenberger Schloß. Es ist komplett vom Nebel eingehüllt. Nach und nach löst die Herbstsonne den Nebel auf und wir können die Ortenau in herbstlichen Farben genießen. Wir folgen der Badischen Weinstraße, durchfahren Friesenheim und steuern Lahr an.
Seit mehr als 10 Jahren findet in Lahr die Chrisantema statt. Lahr1Die ganze Innenstadt ist mit Chrisantemen geschmückt und es gibt darüber hinaus ein kulturelles und musikalisches Rahmenprogramm das nicht nur Einheimische anlockt, was man an den Kennzeichen etlicher geparkter Reisebusse erkennen kann. Lahr2Besonders stimmungsvoll wirken die Blumenarrangements an Häuserfassaden, vor Toren und Eingängen und auf öffentlichen Plätzen der Fußgängerzone am Abend wenn sie durch farbiges Licht angestrahlt werden.

Natürlich fehlt auch eine Bühne mit Livemusik und Verkaufsstände nicht, die von Flaschenbier über Creps bis Glühwein alles anbieten, was entwerder lustig macht, Hunger vertreibt oder einfach wärmt.

Wir treffen eine Cousine von WoMoline mit ihrer Familie und lassen uns gemeinsam von der fröhlichen Stimmung mitreißen.

Die Donau entlang – von Passau nach Wien #10

Radtouren1An den nächsten beiden Tagen machen wir einige Ausflüge mit dem Fahrrad in die Umgebung. Den Tagesabschluss gestalten wir dann in einem Heurigen. Wir probieren den Wein und natürlich auch die dazu angebotenen Speisen und in einem Weingut bleiben wir an einem Cabernet-Sauvignon hängen der schmeckte uns so gut, dass wir gleich zwei Kisten ordern, die wir am Abfahrtstag abholen wollen. Einen Cabernet-Sauvignon hätte ich in der Wachau nicht erwartet. Die Wachau ist für mich eher mit Zweigelt und grünen Veltliner verbunden. Auch in der Wachau scheinen die Winzer Neues auszuprobieren und sich dem allgemeinen Zeitgeist und Zeitgeschmack anzupassen.

Radtouren3Unser letzter Tag. Sehr angenehme Frühtemperaturen laden uns zum Frühstück im Freien ein. Wir wollen noch einmal nach Dürnstein hinüber fahren und noch ein paar typische Mitbringsel einkaufen. Das Flusskino vermeldet: insgesamt sechs Kreuzfahrtschiffe liegen vor Anker. Wir sehen schon von der anderen Uferseite, dass dort eine kleine Völkerwanderung im Gange ist. Noch wissen wir nicht was uns erwartet.
Als wir am unteren Stadttor den historischen Stadtkern betreten, erkennen wir das ganze Ausmaß der Völkerwanderung. Der gesamte Ortskern ist schlicht und einfach vollkommen überfüllt. In den Restaurants ist kein Platz mehr zu bekommen, in den Souvenirläden schubsen sich die Touristen gegenseitig von den Auslagen weg. Das ganze ist nur noch eine Touristen Abfertigung. Wir sind etwas sprachlos aber auch entsetzt. In Stoßzeiten, insbesondere an Wochenenden, gehört der Ort nicht mehr der einheimischen Bevölkerung sondern nur noch den Touristen. Uns kommen wieder die beklemmenden Gedanken in den Sinn, die uns schon bei unserem Besuch im Kloster Melk durch die Köpfe gingen. Hier geht es zwar nicht um ein UNESCO Weltkulturerbe, aber es geht hier um einen Ort in dem Menschen leben, und die ein recht auf ihre Heimat und ihr Zuhause haben.

Es kann aus unserer Sicht nicht sein, dass ein paar wenige Geschäftsleute (Ladenbesitzer, Gastronomen und Hoteliers), mit ihren Interessen ein ganzes Dorf okkupieren und die Bevölkerung zu eine Geisel ihrer Interessen machen. Ja, ich höre schon wieder das Argument: Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum… sicher, der eine oder andere Arbeitsplatz fällt da schon für die einheimische Bevölkerung ab. Die überwiegende Mehrheit allerdings, verdient auf andere Weise ihren Lebensunterhalt und die müssen Einschränkungen in ihrem Heimatort und ihrem Zuhause hinnehmen.
Etwas ratlos beschließen wir unseren Rückzug, radeln nach Krems und besorgen unsere Mitbringsel dort.

VollmondWir hatten, bis auf die ersten Tage, bestes Wetter auf unserer Tour. Doch nun, vermeldet der Wetterbericht eine deutliche Wetterverschlechterung. Es scheint fast so, als ob Petrus ganz genau weiß, wann unsere Reise zu Ende geht.
Ach, ja; da war noch was: Eine wunderschöne Vollmondnacht bei angenehmen Themperaturen…

Fazit: Eine erlebnisreiche und schöne abwechslungsreiche Tour. Wien werden wir wieder besuchen, um dann mehr ins Detail zu gehen. Genau so interessant wird der Vergleich mit einer ähnlichen Tour nach Prag sein, die wir uns schon fest vorgenommen haben.

Der Liebling im Wohnmobil… manchmal ein Ärgernis

scusi_1043021Das sehr viele Hundebesitzer mit WoMo’s unterwegs sind, dürfte bekannt und unumstritten sein. Eine sehr spezielle Spezies von Hundehaltern fällt mir immer wieder sehr unangenehm auf. Es sind die, die es sich zur Aufgabe gemacht haben ihren Mitmenschen zu zeigen, dass sie diese für das halten, was aus dem Allerwertesten ihres Lieblings herauskommt.

Es ist immer das gleiche Spiel. Herrchen oder Frauchen kommen aus dem Wohnmobil mit angeleintem Liebling. Man muß ja zeigen, daß man alles im Griff hat. Auf einen WoMo-Stellplatz ist man ja schließlich unter Permanentbeobachtung der Nachbarn. Hat man mit dem Liebling eine gewisse Schamentfernung vom eigenen Wohnmobil erreicht, dann wird der Leinenzwang sofort aufgehoben.
Es wird nun Liebling’s Schnuppertrieb bewußt nicht beobachtet und demonstrativ in eine andere Richtung geschaut. Für den außenstehenden Betrachter sieht es so aus, als ob Herrchen/Frauchen etwas noch nie dagewesenes gesehen hat und davon seine/ihre Augen auch nicht mehr lassen kann.

Liebling nimmt dem ungeachtet die Informationen der Hundezeitung auf und kommt zu den Schluß: hier muß ich auch meine Duftmarke absetzen und mitteilen: „Ich war auch da“. Das dies natürlich von Herrchen/Frauchen unbemerkt in der Nähe des Eingangs eines anderen Wohnmobilisten geschieht versteht sich von selbst. Er/Sie haben ja woanders hingeschaut.😠

Schwanzwedelnd überzeugt sich Liebling von der Aufmerksamkeit seines Herrchen/Frauchen. Dieser/Diese weist mit einer gekonnten Handbewegung Liebling an, sein Geschäft doch bitte zu vollenden. Die zwei sind ja ein eingespieltes Team und Liebling rennt von dannen. Etwa 3-5 Wohnmobile weiter dreht sich Liebling um, um Bestätigung für seine Richtungswahl zu erhalten. Die gleiche Handbewegung wie zuvor signalisiert ihm: „Mach schon“ (im wahrsten Sinne des Wortes). Liebling versteht und dreht sich um, nach dem Motto: wenn Herrchen/Frauchen mich nicht sieht, dann sieht mich auch sonst keiner. Vielleicht noch ein paar Schritte zwischen die Womos, Beine etwas auseinander und Hinterteil abgesenkt… und da ist sie: die Tretmiene.

Wie durch telepatische Informationsübertragung koordiniert, drehen Liebling und Herrchen/Frauchen sich gleichzeitig um, um den Heimweg zum eigenen Wohnmobil anzutreten. Die Tagesschau (bzw. Herzkino) fängt ja in 3 Minuten an. Und im nu sind beide verschwunden!

Würden Mütter von kleinen Kindern in ähnlicher Weise ihre Pempers entsorgen… Der Aufschrei der versammelten Gemeinde würde mein Trommelfell zum platzen bringen. Wetten?

Diese spezielle Spezies darauf anzusprechen bringt im Übrigen nichts, denn die entrüstete und lautstarke Antwort lautet: „Nein, so was macht mein Liebling nicht!!!“ Dann bekommt man den Rücken von Herrchen/Frauchen zu sehen und wird von da an durch Nichtbeachtung gestraft.

Kennt jemand erprobte und wirkungsvolle Erziehungsmaßnahmen für  Herrchen/Frauchen?

Die Donau entlang – von Passau nach Wien #9

Langsam wird es Zeit für die Rückreise. Ursprünglicher Plan: Richtung München mit Zwischenstopp Attersee. Ausnahmsweise fahren wir Autobahn, um Strecke zu machen. Kaum sind wir unterwegs, türmen sich Wolken am Alpenhauptkamm auf. Das gefällt uns gar nicht. Das ist das Schöne beim Reisen mit dem Wohnmobil, wir disponieren um, setzen den Blinker nach rechts und biegen ab Richtung Krems und auf geht’s wieder in die Wachau. In dieser Richtung ist nach wie vor blauer Himmel und die Wachau hat uns ohnehin sehr gut gefallen. Zudem haben wir das Gefühl, dass unsere Köpfe so voll mit Eindrücken sind die erstmal verdaut werden müssen. Da hilft bestimmt Relaxen, Radeln, Wein trinken, Heurige besuchen und gutes Wetter in der Wachau. Wir landen wieder in Rossatz aber diesmal auf einem Campingplatz direkt an der Donau mit grandiosem Blick.

Rossatz2 - CampingplatzWir bekommen nur einen Platz in der zweiten Reihe, aber das macht nichts. Auf dem direkt gegenüberliegenden Donauufer liegt Dürnstein. Dürnstein, ein Touristen Wallfahrtsort, vor allem für Flussschiffsreisende, wird architektonisch von einer alten Festung, von der nur noch einige Mauern stehen und einem alten Augustinerkloster beherrscht. Wir nehmen die Fahrradfähre um und den Ort etwas genauer anzuschauen. Wir finden einen fast etwas verträumten Ort vor. Es sind kaum Menschen unterwegs abgesehen von ein paar Fahrradtouristen. Diese scheinen aber mehr an der Wegstrecke selbst als am Ort interessiert zu sein. Uns fallen einige Restaurants auf, die nicht von den Einheimischen sondern von durchreisenden Touristen leben. Doch alles ist leer. Wir wundern uns ein wenig, denn es ist ja immerhin schon Reisezeit und das Wetter ist ebenfalls gut.
Ebenso fallen uns viele Souvenirläden auf, in denen sich außer dem Verkaufspersonal keine weiteren Menschen aufhalten. Ich frage mich: von irgendwas müssen die doch leben?
Des Rätsels Lösung werden wir erst später erfahren.

Hauptattraktion der feilgebotenen Mitbringsel ist alles was irgendwie einen Bezug zu Marillen hat. Neben dem Wein finden sich hier in der Region vor allem Marillenbäume. Da gibt es Marillenmarmelade, Marillenseife, Marillendüfte, Marillenlikör und natürlich Marillenschnaps.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, als in Deutschland und Österreich noch Mark und Schilling (im Verhältnis  1:7 😉) regierten. In Grenznähe gab’s die „Mitbringsel-Läden“ in denen neben allerhand Kitsch der damals in Österreich wesentlich billigere Stroh-Rum und eben der Marillenschnaps angeboten wurde. Diese Läden in Grenznähe sind seit der Einführung des Euro aber weitestgehend verschwunden. Aber viele kennen sicher noch die runde Flasche mit dem Bailoni-Etikett. Und das Stammhaus des Herstellers ist eben nur ein paar Kilometer weiter in Krems.

Dürnstein1Dürnstein2Es ist ein hübscher Ort; eng gedrängt an den Hang gebaut und in gepflegtem Zustand, so wie man es von einem Touristenort erwartet. Wir wenden uns dem Kloster zu. Am Eingang empfängt uns ein Mann der, nach seiner Kleidung zu urteilen, wohl der Gärtner sein muss und gleichzeitig auch noch das Eintrittsgeld kassiert. Wir kommen mit ihm ins Gespräch. Schon sein englischer Akzent lässt mich daran zweifeln, dass der Gärtner wirklich ein Gärtner ist. Er klärt uns darüber auf, dass der Augustinerorden, zu dem dieses Kloster gehört, der älteste Orden in der Katholischen Kirche ist. Er erzählt uns so einiges über das Ordensleben, die wesentlichen Prinzipien des Augustinerordens, das in Dürnstein keine Bruderschaft mehr existiert, das aber ein benachbartes Kloster immer ein Mitglied ihrer Bruderschaft abstellt um in Dürnstein die Seelsorge zu gewährleisten. Während des Gesprächs keimt in mir der Verdacht, dass wir gerade mit eben diesem Ordensbruder sprechen der derzeit diese Aufgabe übernommen hat. Auf kurios sympathische Weise hält unser Gesprächspartner seine Erzählungen über sich selbst in der dritten Person eisern durch und gibt sich nicht zu erkennen. Ja manchmal ist der Gärtner nicht nur der Gärtner, sondern auch der Pastor, der Seelsorger, der Eintrittskartenverkäufer und Fremdenführer. 😊

Wir verlassen Dürnstein und fahren mit unseren Fahrrädern entlang der Weinberge Richtung Krems. Es sind sehr viele Radwanderer unterwegs. In Krems überqueren wir die Donau. Nach einem gepflegten Cappuccino fahren wir zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Für den Rest des Tages machen wir Flusskino. Wir beobachten die Schiffe die hinauf und hinunter fahren. Die meisten sind Personen- oder Flusskreuzfahrtschiffe. Nach und nach legen an der gegenüberliegenden Donauseite die Kreuzfahrtschiffe an. Es ist interessant zu beobachten, wie die Flusskreuzfahrtschiffe die flussabwärts fahren zum Anlegen ein Wendemanöver machen. Im ersten Moment hat man den Eindruck, dass die Schiffe entweder mit dem Bug oder mit dem Heck am Ufer hängen bleiben müssten, doch die Kapitäne haben das gut im Griff und nutzen geschickt die beachtliche Strömung. Bis zur Dunkelheit liegen am gegenüberliegenden Ufer fünf Kreuzfahrtschiffe.
Dürnstein3Eines davon nervt uns ganz schön in der Nacht. Es scheint ein älteres Kreuzfahrtschiff zu sein, denn wir hören die ganze Nacht die Generatoren laufen, was unseren Schlaf etwas beeinträchtigt. Entschädigt wurden wir mit einem grandiosen Ausblick auf Dürnstein bei Nacht.