Schon mal was von Tuscia gehört? Wo Italien noch ursprünglich ist!

Bolsena 1 KarteTuscia, ein Schreibfehler? Sollte das nicht Toskana heißen? Nein, Tuscia nennt sich das Gebiet wo Toscana, Umbrien und Latium zusammentreffen. Herzstück des Gebietes ist der Bolsenasee auf dem Gebiet der Region Latium. Der Bolsenasee ist ein alter Vulkankrater. Der sehr dunkle, fast schwarze grobe Sand an den Ufern des Sees lässt an dem vulkanischen Ursprung keine Zweifel aufkommen. Die Orte rund um den See und darüber hinaus sind zwar touristisch erschlossen, aber sanft und sie wirken noch so ursprünglich wie die Toscana vor 35 oder 40 Jahren.

Diese Region hat eine mindestens 1000jährige touristische Tradition. Alle Pilger die nach Rom wollten und aus dem Norden kamen, mussten hier durch. Auch wir haben etliche Pilger auf Schusters Rappen, mit Rucksack und modernen Wanderstöcken, durch Bolsena und Montifiscone wandern und Quartier suchen gesehen.

Aus Montefiascone kommt auch der, bei Weinkennern bekannte Wein „Est!Est!Est!“, der aus einer alten Weinsorte hergestellt wird, die erst wieder seit Anfang der 70iger Jahre angebaut wird. Seit Mitte der 80iger Jahre ist auch der Wein aus diesen Trauben wieder erhältlich. Der Name des Weins geht auf einen deutschen Bischof zurück, der sich um 1111 n.Chr. auf Pilgerreise befand und seinen Diener immer voraus schickte, um die  Herbergen mit den besten Tropfen zu erkunden. Bei diesem Wein war der Diener so begeistert, dass er die Nachricht für seinen Herrn gleich drei mal an die Wand der Herberge schrieb: Est! Est! Est!, was so viel heißt wie: „Hier ist es! Hier ist es! Hier ist es!“

Aber warum ist diese Region noch so ursprünglich geblieben? Ich habe drei Erklärungen anzubieten.

Erklärung 1: Die Region lag lange Zeit abseits der Hotspots der modernen Tourismusentwicklung in der Toskana. Dadurch konnte sich der „moderne“ Tourismus langsamer und organischer entwickeln.

Erklärung 2: Im Gegensatz zur Toskana, insbesondere der Küstenregion hat die Region Tuscia durch die Wallfahrtstradition schon viel länger „Erfahrung“ mit dem Tourismus.

Erklärung 3: In der Toskana hat sehr viel auswärtiges Geld die Entwicklung vorangetrieben. Man kann das in vielen Orten, die sehr gut restauriert sind, sehen. Viele leerstehende Immobilien wurden von Norditalienerin, Florentinern und auch Deutschen aufgekauft und wiederhergerichtet, oder es wurden schmucke Sommerhäuser gebaut, was auch Einkommen in der Toskana geschaffen hat. Es hat aber auch dazu geführt, dass diese Immobilien nicht mehr dauerhaft durch die selben Menschen bewohnt sind. So verändert sich die Nachbarschaftsstruktur nachhaltig. Und das ist für den aufmerksamen „Reisenden“ spürbar.

Bolsena 3 - NachbarschaftIn der Region Tuscia sind vor allem die historischen Innenstädte, so unsere Beobachtung, noch durch Einheimische bewohnt und belebt, was man besonders ab Einbruch der Dunkelheit in den engen Gassen der Orte beobachten kann. Die Menschen treffen sich vor ihren Haustüren zu einem Schwätzchen, trinken vielleicht auch einen Schluck zusammen und bekräftigen so jeden Tag aufs Neue ihre Gemeinschaft. Ganz wichtig sind dabei auch die Allimentaris, Bars, Enotecas und die Tabakläden die immer wieder als Kommunikationsschnittstellen dienen. In den hoch entwickelten Touristen Hotspots ist teilweise diese identitätsstiftende Infrastruktur verloren gegangen, bzw durch effizient arbeitende Touristenangebote ersetzt worden.

Ich glaube es ist eine Kombination aus den drei Erklärungsversuchen, warum wir Tuscia noch so ursprünglich wahrnehmen. Wir hoffen, dass die Erklärungsversuche eins und zwei verhindern, dass die Fehlentwicklungen, die in der Toskana zu beobachten sind, sich hier nicht wiederholen.

Wer die Toscana ursprünglich erleben will, der ist in der Region Tuscia rund um den Bolsenasee gut aufgehoben. Wir sind glücklich, dieses Gebiet gefunden zu haben und verleben eine wunderbar entschleunigte Zeit.

Bei diesem Panorama verweilen wir gern für ein paar Tage.

Bolsena 2 - Seepanorama

Italien ein Land der heißen Quellen

Es wird uns am heutigen Tage bewusst, dass Italien eine geologisch unruhige Region ist. Wir erhalten durch eine SMS die Nachricht, dass sich wieder einmal ein Erdbeben mit mehreren hundert Toten ereignet hat, kaum 150 km von uns entfernt. Unsere Lieben und Bekannten wollen natürlich wissen, wo wir gerade stecken und ob es uns gut geht.

In diesen geologisch unruhigen Regionen mit sich häufenden Erdbeben und mit aktiven Vulkanen (jeder kennt den Vesuv und Stromboli), da finden sich auch immer wieder heiße Quellen.

Wir haben beschlossen, dass wir weiter landeinwärts fahren wollen. Auch wenn die Gefahr von Nachbeben besteht, so wagen wir uns doch in Richtung des Epizentrums des Erdbebens. Auf unserem Weg liegt Saturnia. Die heißen Quellen von Saturnia locken uns. Es geht über zum Teil abenteuerliche Nebenstraßen, die ab und an hochalpinen Charakter haben, ins Landesinnere. richtung-saturniaMit zunehmender Höhe tauchen immer mehr Olivenhaine auf, die sich mit Reihen von Weinstöcken abwechseln. Malerische Orte, die meist auf den Spitzen der Hügel liegen, säumen den Weg. Erwähnenswert auf dem Weg nach Saturnia ist Magliano in Toscana mit seiner imposanten Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert und Montemerano, einem liebevoll renovierten kleinen Ort, in dem sich einige Großstätter ein Feriendomizil geschaffen haben. In der Nebensaison sieht man aber das Dilemma, dass in vielen kleinen Orten der Region besteht. Es heißt: man sieht nur Katzen und ältere Menschen. Die Jungen gehen weg und die Region vergreist. Die Sozialstruktur kann sich nicht mehr erneuern. Die Lebenskultur der Region stirbt und wird nur kurzzeitig im Jahr durch eine Touristenkultur ersetzt.

Wir können und wollen auch gar nicht alle Orte hier vorstellen. Die ihnen eigene Lebensart der Menschen muss man ohnehin selbst erleben. Wir haben aber immer das Gefühl, die verbliebenen Menschen leben hier im Einklang mit der Natur und ihrer Region. Nicht nur die immer wieder zu sehenden italienischen Fahnen zeugen von einem National- und Regionalstolz, der ein tiefes Bekenntniss zu ihrer Heimat ausdrückt. Wir fragen uns: “Wie lange noch?”

Wir erreichen Saturnia. Schon bevor wir etwas sehen können, nehmen wir den „Duft“ der schwefelhaltigen Quellen wahr.

saturnia-1Die 37° heißen Quellen von Saturnia sind frei zugänglich. Da sie schon lange kein Geheimtipp mehr sind, sind sie von Tagestouristen in der Feriensaison überlaufen. Die offiziellen Parkplätze sind tagsüber voll und auf den bergigen Zufahrtsstraßen wird jede noch so kleine Parkmöglichkeit am Straßenrand genutzt. Mit einem Wohnmobil ist man da nicht wirklich wettbewerbsfähig, außer man ergattert einen freien Platz auf einem der beiden WoMo-Stellplätze.

Das ultimative Badeerlebnis im Sommer versprechen sowieso eher die Abend- und Nachtstunden. In den Becken liegen und in das Himmelszelt mit seinen unzählbaren Sternen schauen, dabei das Rauschen des in die Becken hineinstürzenden Wassers genießen, das ist schon eine Wucht! Einzig der etwas penetrante Geruch nach fauligen Eiern, der schwefelhaltige Quellen immer begleitet,“trübt“ etwas das Sinneserlebnis – zumindest für feine Näschen.😊

Einen Tag zu Gast bei den Kitern und Windsurfern in Talomone

talomone-3Wir fahren ein Stückchen weiter Richtung Süden. Wir lassen das Gebiet um Piombino, (hier fahren u.a. die Fähren nach Elba ab), Folonica, Massa Marittima, die nette Kleinstadt Grosseto und das Naturschutzgebiet Parco Regionale della Maremma aus, bis wir in Talamone ankommen. Hier finden wir wieder einmal einen „One Million Dollar View“. Wir stehen direkt am Meer mit Blick auf Talamone, den Monte Argentario mit dem am Fuße liegenden Porto San Stefano. Der Platz ist ein wahrer Hotspot für Surfer und Kiter. Alle warten auf den ultimativen Wind. Doch er kommt nicht. Das sportbegeisterte Publikum ist ein wohltuendes Kontrastprogramm zu den bespaßungshungrigen Urlaubern 150km weiter nördlich.

Unaufgeregt, ja fast gleichmütig warten sie auf den Wind, den sie für ihre Leidenschaft brauchen. Als dann doch der Wind etwas auffrischt wagen sich die ersten aufs Wasser. Doch nach einer halben Stunde schläft der Wind wieder ein und so schnell wie die Surfer und Kiter auf dem Wasser waren, genau so schnell sind sie wieder verschwunden und sitzen am Strand oder hinter ihren Wohnmobilen im Schatten, warten chipsfutternd auf morgen und auf kräftigeren Wind aus der richtigen Richtung.

Das alles ging so schnell, dass ich zu langsam war die Kamera aus dem WoMo zu holen. So gibt es kein einziges Bild von den coolen wagemutigen Helden der Bucht von Talomone.

talomone-2-porto-san-stefanoWir betrachten das Treiben als „Bay Watchers“ und zwischendurch genehmigen wir uns entsprechende Abkühlung im Wasser. Mit der hereinbrechenden Dämmerung werfen wir unseren Grill an. Bei einem grandiosen Abendpanorama verzehren wir unser Gegrilltes. Nun frischt der Wind wieder kräftig auf, doch für die Surfer und Kiter ist es nun zu dunkel. Wir schauen noch bei einer steifen Brise nach Porto San Stefano und nach Talomone, aber noch schöner ist der Blick in den Himmel zu den vielen leuchtenden Sternen.

Ach ja, von hier stammt auch das aktuelle Hauptbild unserer Seite. Im Hintergrund Porto San Stefano.

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Sand-Strand-Laufen nach San Vincenco

marina-di-castagneto-1Zu unserem Übernachtungsplatz in Marina di Castagneto müssen wir durch ein “Villenviertel” fahren. Wir haben schon die Befürchtung, dass wir wieder auf eine Strandparty-Area wie nördlich von Pisa treffen. Unser angestrebter Übernachtungsplatz liegt genau hinter den sandigen Dünen die den Strand vom grünen Hinterland trennen. Nach dem Abstellen des Wohnmobils stellen wir fest: Der Wind frischt immer stärker auf und nimmt in Böhen auch schon mal Sturmstärke an. Wenn dann auch noch einem aufgewirbelter Sand entgegen fliegt, dann heißt es nur noch: Augen zu, Nüstern zu und Mund schließen, sonst knirscht das Gebiss beim Abendbrot.

marina-di-castagneto-5Am nächsten Morgen beschließen wir einen Strandspaziergang nach San Vincenzo zu machen. Schnell zeigt sich, dass unsere Befürchtung einer Partyarea unbegründet ist. Überwiegend freier Strand, unterbrochen von einzelnen “Sonnenschirm-Areas” mit Bar-Anschluss und ein paar Wassersportangeboten. Die überwiegenden Strandbereiche sind aber frei zugänglich und naturbelassen. Das bedeutet aber auch, dass Seetangreste den Uferbereich zieren und was das idyllische Bild mehr stört, ist allerhand Unrat, den das Meer angeschwemmt und auf der Strandfläche verteilt hat. Ab und an zwingt uns das auch mal zum Slalom laufen.

marina-di-castagneto-3Wesentlicher Unterschied zu unserem Strandspaziergang in Camaiore ist aber der Sand. Der Sand ist nicht ganz so fein wie weiter nördlich. Das hat zur Folge, dass der Sand an der Wasserlinie einen nicht so festen Untergrund bildet und das Laufen am Strand mit Fußabkühlung sehr schnell anstrengend wird, weil die Füße immer wieder tief in den Sand einsinken und sehr viel Kraft der Füße im Untergrund „verpufft“. Das Laufen weiter oberhalb der Wasserlinie macht aber auch keinen Spaß, weil hier der Sand so heiß ist, dass man geschlossene Schuhe braucht um sich nicht die Fußsohlen zu verbrennen. Aber auch im heißen Sand ist das Fortkommen nicht weniger beschwerlich. So werden die geschätzten 10 km zur Herausforderung.

Auf dem Rückweg wird diese Herausforderung, die mit einem kleinen Muskelkater belohnt wird, noch gesteigert. Auf dem Hinweg haben wir noch starken auflandigen Wind von schräg hinten. Das haben wir unterschätzt, denn auf dem Rückweg haben wir Gegenwind von schräg vorne! Das erfordert noch einmal extra Körner!

San Vincenzo selbst ist ein Ort ohne erwähnenswerte Besonderheiten, direkt am Meer gelegen, was in dieser Region eher die Ausnahme ist. Der Ort ist, so unser Eindruck, geprägt von vielen Sommerhäusern, die wahrscheinlich nicht ganzjährig bewohnt sind. Außerhalb der Sommersaisonmonate dürfte dieser Ort in eine Art Winterschlaf verfallen.
marina-di-castagneto-2Die Atmosphäre die wir erleben ist entspannt, dem Kommerz auf ein erträgliches Maß entrückt und die Menschen, die wir auf unserem Spaziergang beobachten, fast ausnahmslos Italiener, wirken zufrieden und entschleunigt. Keiner muss hier etwas, keiner produziert oder inszeniert sich. Die Kinder haben ihren Spaß an Wasser und Sand, rennen mit Schwimmflügelchen oder Schwimmringen ins Wasser und wieder hinaus, probieren ihre Schwimmbretter aus, marina-di-castagneto-4vergnügen sich mit ihren aufblasbaren Badetieren oder bauen im Sand einen Hafen für ihre Spielzeugboote. Ein paar andere sind mit Surfbrettern oder kleinen Segelbooten unterwegs, aber alles ist entspannt. Das ist uns sympatisch und angenehm. Auf der ganzen Strecke sind uns drei oder vier Strandverkäufer begegnet. Das war’s an Kommerz, wenn man von den paar Strandbars einmal absieht.

Hier lässt es sich aushalten – aber bitte den Sonnenschutzfaktor 30 und die Sonnenbrille nicht vergessen!

Wein, Oliven und Zypressenalleen – Toskana pur zwischen Cecina und Piombino

volterra-ruckblickWir verlassen das malerische Volterra und fahren weiter in Richtung Meer. Eine recht steile und enge Straße schlängelt sich den Berg hinunter, die meine ganze Aufmerksamkeit erfordert. An einer Ausweiche noch mal anhalten und einen Blick zurückwerfen… Ciao Volterra.

Wir befinden uns am Nordende der Maremma. Umgangssprachlich wird unter der Maremma die gesamte südliche Toskana und Teile des nördlichen Latiums verstanden. Im engeren Sinne umfasst die Maremma aber nur den flachen, von den Hügelketten der Monti dell’Uccellina unterbrochenen Küstenstreifen zwischen dem Golf von Follonica, den Flussläufen der Bruna und des Ombrone sowie der Lagune von Orbetello am Monte Argentario. Dieses Gebiet war eine zusammenhängende, mit dem Tyrrhenischen Meer verbundene Sumpflandschaft. In der Maremma gelegene Orte führen daher häufig den Beinamen Marittima zum Ortsnamen, auch wenn sie gar nicht am Meer liegen.

Wir wollen nun die Maremma in mehreren Tagesetappen durchqueren bis nach Talamone, das südlich des heutigen Naturparkes Uccellina liegt. Nebenbei bemerkt, Talamone war in der Renaissance der Hafen der freien Stadt Siena.

maremma-1-nordWir fahren Richtung Cecina. Der Talgrund ist kaum besiedelt. Auf Cecina und Cecina Mare haben wir keinen “Bock”. Also biegen wir kurz vor Cecina nach links ab in die erste Hügelkette nach dem Meeresstrand. Kleine, touristisch nahezu unbekannte Orte säumen unseren Weg.

Montescudaio, Guardistallo, Casale Maritimo, Bibbona, Bolgheri oder Castagneto Carducci alle sind sie einen Besuch wert. Auch wenn in den beiden  letzteren Orten der Tourismus inzwischen das Ortsbild beginnt stark zu verfälschen, so sind in der gesamten Hügelkette noch viele “Geheimtipps” verborgen, die mit etwas Zeit und Muse entdeckt werden wollen. Ich war schon mehrfach in den letzen 25 Jahren in dieser Region. maremma-2-nordEs scheint sich kaum etwas zu verändern – als ob die Zeit stehen geblieben ist. Selbst die Schlaglöcher in den Straßen sind gefühlt noch die Gleichen wie damals.

Wie dem auch sei, hier geht Tourismus auf jeden Fall etwas langsamer und etwas stiller vonstatten. Nicht wie in Viareggio, Forte dei Marmi und den anderen mondänen Badeorten weiter nördlich, sondern bedächtig und ruhig, so wie man sich klischeehaft italienische Lebensart vorstellt. Natürlich ist auch hier das Leben von den Marinas die im Sommer aus den Nähten platzen beeinflusst. Halligalli spielt sich aber eher punktuell am Meer ab.

maremma-3-nord-zypressenalle-bolgheriDie wahrscheinlich längste Zypressenallee in der Toskana führt von der Via Aurelia (SS 1) über vier Kilometer ins Landesinnere nach Bolgheri. Für Bolgheri gilt die Beschaulichkeit während der Sommermonate nicht mehr. Fast in jedem Haus gibt es etwas zu essen, Kunsthandwerk zu kaufen oder eine Weindegustation. Von hier kommt der Sassicia, ein Rotwein der zu den Besten der Region zählt. Dieser hat auch seinen Preis. Der Wein besteht überwiegend aus Cabernet Sauvignon Trauben und einem kleinen Anteil Cabernet Franc und wird natürlich im Eichenfass ausgebaut. Die geschützte Bezeichnung Sassicia heißt so viel wie steiniger Boden. Weinliebhaber die sich in dieser Gegend aufhalten, sollten am Abend bei untergehender Sonne sich ein Gläschen davon gönnen. Die italienische Abendatmosphäre in Bolgheri brennt das Geschmackserlebnis des Weines tief in die Gehirnwindungen ein.

Nach weiteren zehn Kilometern erreichen wir Castagneto Carducci, das bis 1907 Castegnato Marittima hieß. Nach dem der Italiener Carlo Carducci 1906 den Literaturnobelpreis erhielt, wurde ein Jahr später sein Heimatort kurzerhand in Castagneto Carducci umbenannt.

Man stelle sich mal vor, in Deutschland wäre Kreuzau in der Rureifel, der Lebensort von Heinrich Böll, bekannter Maßen ebenfalls Literaturnobelpreisträger, einfach in Böll umgetauft worden. Auf so eine Idee ist wahrscheinlich erst gar niemand gekommen. Und wenn doch, dann wäre diese Person geteert und gefedert worden. In Italien scheint so etwas ohne weiteres möglich zu sein, wie wir das ja schon in Viareggio mit dem Stadtteil Torre del Lago Puccini gesehen haben, in dessen Namen der Komponist Puccini verewigt wurde. Andere Kulturen, andere Sitten.

Der auf knapp 200m über dem Meeresspiegel liegende Ort bietet an mehreren Stellen eine wunderbare Aussicht über das Meer. Das Ortsbild wird beherrscht von einem Kastell, das noch heute bewohnt und in Familienbesitz ist und daher auch nicht besichtigt werden kann.

Wir entscheiden uns nun wieder ans Meer nach Marina di Castagneto zu fahren und dort für die nächsten zwei Tage etwas Strandentspannung zu genießen.

Ungewöhnliche Wohnmobile

Gestern entdeckte ich bei Paul von passport-diary.com einen nette Zusammenstellung von ungewöhnlichen Wohnmobilen. Wenn man unterwegs ist entdeckt man immer wieder einmal die eine oder andere Kuriosität. Die Kuriositäten die Paul zusammengestellt hat sind aber schon außergewöhnlich. Viel Spaß beim stöbern.

http://passport-diary.com/verrueckte-campingbusse-18-unewoehnlichste-wohmobile-der-welt/

By on 5. Januar 2017

(…)

1. Verrückte Campingbusse: Citroen

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2. Verrücktes Wohnmobil: Trabi Go!

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3. Verrückte Campingbusse: Atomic Camper

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4. Verrücktes Wohnmobil: Flugzeug Camper

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5. Verrückte Campingbusse: VW T2 – Stretchlimo

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6. Verrücktes Wohnmobil: Ape Camper

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7. Verrückte Campingbusse: Oldtimer Camper

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8. Verrücktes Wohnmobil: Vintage Bus

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9. Verrückte Campingbusse: Schiff-Camper

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10. Verrücktes Wohnmobil: Wohnmobil Truck

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11. Verrückte Campingbusse: Schulbus Ausbau

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13. Verrücktes Wohnmobil: GM Futurliners

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14. Verrückte Campingbusse: Extremer Familien Camper

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15. Verrücktes Wohnmobil: Camper Schloss

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16. Verrückte Campingbusse: Motorhome

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17. Verrücktes Wohnmobil: Etagenbulli

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18. Verrückte Campingbusse: Unimog Camper

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Das war die Liste meiner Top 18 der verrücktesten Wohnmobile. Ich habe nicht schlecht gestaunt. (..)

 

 

 

Volterra – von etruskischen Mauern zur mittelalterlichen Festung

Das touristische Volterra lassen wir hinter uns und wenden uns dem historischen Volterra zu.

Im 4. Jahrhundert v. Chr. entstand das heutige Volterra aus der Verbindung mehrerer kleiner etruskischer Ansiedlungen. Diese können bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgt werden. In dieser Zeit bauten die Etrusker eine etwa sieben Kilometer lange Ringmauer, die in Teilen der heutigen Stadtmauer entspricht. Ein Stadttor aus dieser Zeit, die Porta all’Arco ist bis heute erhalten geblieben.
Das etruskische Volterra war eine der ältesten und größten der zwölf Bundesstädte Etruriens. Nach der Unterwerfung der Etrusker durch die Römer im 1. Jahrhundert n.  Chr. war Volterra eine römische Stadt mit den damals gültigen Stadtrechten. Volterras Lage (mehr als 500m ü.d.M) machte den Ort zu einer starken natürlichen Festung.
Aus der etruskischen Zeit ist nicht mehr viel zu finden, wenn man von Grundmauern und dem erhalten gebliebenen Stadttor absieht. So beginnt unsere Zeitreise im römischen Amphietheater, dem Teatro Romano, dessen Bau in die Zeit des bekannten Kaiser Augustus fällt.
volterra-11-teatro-romanoDie Ausmaße sind mit rund 2000 Sitzplätzen beachtlich. Ein Großteil der damaligen Bevölkerung fand also im Teatro Romano Platz. Angesichts der Tatsache, dass es zu dieser Zeit weder Fernsehen noch Internet gab, war das wohl der „Gemeinschaftsfernsehraum“ für das „Herzkino“ am Sonntagabend.
Unterhalb der teilweise rekonstruierten Bühne liegen die Thermenanlagen, die aus späterer Zeit stammen.

Der obere Zugang zum Theatro Romano liegt an einer Parkanlage von der man zu einer gewaltigen Festungsanlage blickt. volterra-12-festungDiese entstand, soweit wir das recherchieren konnten ab dem 14. Jahrhundert, als Volterra unter die Herrschaft von Florenz kam. Das ist auch die Zeit des Aufstiegs der Medici-Familie. So verwundert es nicht, dass die Festungsanlage auf das Wirken der Medici zurückgeht. In dieser Region für uns inzwischen keine Überraschung mehr.
Am vorangegangenen Wochenende wurde ein Mittelalterfest abgehalten. Vergleichbare Veranstaltungen finden sich zu Hauf zu dieser Jahreszeit in der Region. In irgendeinem Ort in der Umgebung ist immer etwas los. Oft bildet dann ein Feuerwerk den Abschluss oder den Höhepunkt einer solchen Veranstaltung. Doch wir sind zwei Tage zu spät dran.
Wir sehen nur noch die Reste der Veranstaltung im Park. Das macht aber nichts, wir werden noch bei einigen Stationen auf dieser Reise eine Chance bekommen, einem solchen Fest beizuwohnen.volterra-13-1-santa-maria-assunta-aussen

Indes versuchen wir uns das mittelalterliche Leben vorzustellen. Ähnlich wie in Pisa fällt es uns schwer. Dennoch erfreuen wir uns an den restaurierten Gebäuden und kehren noch einmal in das 12. und 13. Jahrhundert zurück als Volterra eine Republik war. Aus dieser Zeit stammen einige der Volterra prägenden Gebäude.volterra-13-santa-maria-assunta

Der Dom Santa Maria Assunta aus dem frühen 12. Jahrhundert mit einer Kassettendecke und mit Granit vortäuschender Stuckverkleidung der Säulen, liegt unscheinbar und etwas versteckt im alten Zentrum. Wir stolpern förmlich in die Kirche hinein. Denn sie liegt eng verwinkelt und versteckt an einem kleinen Platz. Dem Dom gegenüber steht, ähnlich wie in Pisa, eine Taufkirche (Baptisterium). volterra-13-5-santa-maria-assunta-taufkircheAber hier gibt es keine Großzügigkeit. An die Seitenmauern sind z.T. Gebäude angebaut. Topographisch ist der Platz in Volterra begrenzt und daher sehr wertvoll.

volterra-13-3-santa-maria-assunta-beichtstuhlIm Dom gleich zwei Überraschungen.
Zunächst der HeizPilz, den bei uns outdoorfanatische Cafebetreiber in den Wintermonaten für ungetrübtes Biergartenfeeling einsetzen, steht hier neben dem Beichtstuhl. Wir rätseln. Immerhin ist es noch immer August!
Da geht man schon mal gerne in die Kirche, um sich abzukühlen, nicht um sich aufzuheizen. Wir schauen uns um, ob wir einen Beichtvater finden, um näheres zu erfahren. Doch leider: Niemand da.
Wir geben uns mit der Hilfserklärung zufrieden, dass der Beichtvater „Eisbeine“ hat.

Dann die zweite Überraschung.
Wir kennen alle den Marienkult der katholischen Kirche. In Darstellungen sind wir an Maria mit dem Kind auf dem Arm gewöhnt, das sehr häufig Gesichtszüge eines Erwachsenen aufweist (!). Es ist selbstverständlich und unreflektiert. Es ist eben so. volterra-13-4-santa-maria-assunta-vater-u-sohnDahinter stehen natürlich spirituelle Deutungen und Symboliken, doch das ist uns gar nicht mehr so bewusst. Und Vieles wurde in Laufe der Zeit auch umgedeutet, um z.B. den Machtanspruch des Patriarchats zu untermauern und bestimmte Rollenbilder in der Gesellschaft zu etablieren. Das alles, und noch viel mehr, wird uns schlagartig bewusst als wir vor einer Statue stehen die uns darauf hinweist, dass es zu Jesus auch einen weltlichen Vater gibt.
Schlagartig werden uns viele Wiedersprüche in den Wurzeln unserer christlichen Kultur bewusst. Dies nun auszuführen würde das Thema sprengen. Diese Statue mit Jesus Christus auf dem Arm seines leiblichen Vaters Josef – ach ich vergesse, da gibt es ja noch die „unbefleckte Empfängnis“ – initiiert bei uns eine Menge an Reflektion und Diskussion darüber.
Das allein macht den Besuch in Volterra schon wertvoll für uns. In Pisa im Touristengedränge wäre eine solche Erfahrung, solch ein Anstoß undenkbar. Auch wenn in Volterra schon sehr viel touristisch gestylt ist, es gibt noch genügend Ecken in denen man in eine vergangene Kultur, die uns selbst geprägt hat, eintauchen kann – vorausgesetzt, man geht mit offenen Sinnen durch die Welt.

Unweit des Doms führt unser Weg zwangsläufig am Hauptplatz der Stadt, der Piazza dei Priori vorbei. Hier steht der älteste erhaltene Kommunalpalast der Toskana, der Palazzo dei Priori. Weitere „Sehenswürdigkeiten“ wie Privatpaläste und Wohntürme aus dem 12. und 13. Jahrhundert, wie der Palazzo Pretorio, der als Gefängnis dienende Torre del Porcellino oder der prachtvolle Palazzo Incontri-Viti säumen unseren Weg.

Gipfeltreffen: D – NL in Italien. Wenn 6 Meter einfach zu lang sind!

verbot-fuer-fahrzeuge-uber-6mWir erreichen Volterra. Schon von weitem erhaschen wir die ersten Blicke auf die Festungsstadt, die auf etruskischen Grundmauern steht. Unser Navigationsgerät hat uns bisher gut geführt. Doch jetzt, wo wir kurz vor unserem nächsten Stellplatz sind, kann ich im rechten Auge gerade noch ein halbüberwuchertes Schild erkennen, das die Länge der Fahrzeuge auf 6 Meter begrenzt. Ja, sogar das neue Navi hat es angezeigt, aber ich schaue ja nicht ständig dort hin. Was der dezente Ton kurz zuvor, den ich vernommen habe, zu bedeuten hat ist mir noch nicht bewusst. Gut, nicht weiter schlimm, wir haben ja auch nur 5,99 m plus Fahrradhalter – aber der zählt nicht. Oder? Zum Umkehren ist es ohnehin schon zu spät. Ich bin schon durch und es wird wirklich eng.

Mir kommt ein holländischer Audi neuester Bauart entgegen. Der Audi und wir mit unserem Wohnmobil, das geht so ohne weiteres nicht aneinander vorbei. Einer muss zurücksetzen. Wir haben ungefähr 10% Gefälle. Wir kommen von oben der Holländer will hinauf. Dem Holländer wird richtig unwohl. Er traut sich nicht ein paar Meter bis in die nächste Einfahrt zurückzusetzen. Ich wiederum blockiere die soeben durchfahrene Spitzkehre und an ein Rückwärtsfahren meinerseits ist angesichts der hinter mir stehenden Fahrzeuge auch nicht mehr zu denken. So inszenieren ein deutsches WoMo und ein holländischer Flachland-Tyroler-Audi einen riesigen Verkehrsstau. Doch die Italiener, die als forsche Autofahrer und als impulsiv gelten, nehmen die Situation mit Gleichmut hin. Ich zirkele millimeterweise unser Womo an den Fahrbahnrand. Doch je weiter ich dem Holländer „auf die Pelle“ rücke, umso ängstlicher wird er und schließlich stellt er jegliche Co-operation ein und bewegt sich nicht mehr von der Stelle. Nicht einmal zum Einklappen seiner Seitenspiegel ist er mehr zu bewegen (oder ist er noch nicht mit allen Schalterchen und Hebelchen vertraut und weiß nicht, wie man bei laufendem Motor die „Ohren anlegt“?). Da ich kein holländisch kann, verkneife ich mir ihm den Tipp zugeben doch mal in der Bedienungsanleitung nachzuschauen. 😋

Irgendwie gelingt es mir, unser Wohnmobil an der Seitenabsperrung der Strasse, einem Baum mit tief hängenden Ästen und dem Holländer vorbei zu manövrieren ohne etwas zu beschädigen. Die wartenden Italiener tun alles, um mir den erforderlichen Rangierraum zu ermöglichen. Das funktioniert hervorragend und reibungslos mit nur ein paar Handzeichen. Auf zwei oder drei Zentimeter genau, mit eingeklappten Seitenspiegeln, bin ich bisher auch noch nicht gefahren. Das Sommerwetter hat mich heute noch nicht zum Schwitzen gebracht, diese 20 Meter rangieren aber schon. 😎

So, und nun ein nicht ganz ernst gemeinter Appel an alle Holländer mit nagelneuem Audi:
1. Bitte, bitte lest eure Bedienungsanleitung bevor ihr losfahrt.
2. Bitte übt Rückwärtsfahren und Anfahren am Berg. Auch in Holland gibt es erhöhte Bahnübergänge, wo man so was üben kann… 😉

(Für alle, die mir nun wieder Rassismus vorwerfen wollen, das ist nur ein sarkastisch-kabarettistische Anmerkung… )

Durch die Arnoebene hinauf nach Volterra und wie man(n) mit einer Zapfsäule kommuniziert ;-)

arnoebene-2Wir verlassen Lucca in östlicher Richtung, also landeinwärts, und folgen ein kurzes Stück der Arno-Ebene. Danach durchqueren wir die Ebene um dann in die Hügellandschaft Richtung Volterra hinein zu fahren. Anfangs fahren wir durch ein nicht sehr attraktives Gebiet in dem sich einzelne Reihen mit Wein, ein paar Olivenbäume, mit etwas Landwirtschaft abwechseln. Dazwischen immer wieder kleine Dörfer die beim Durchfahren auf uns nicht wirklich attraktiv wirken. Wir könnten auch irgendwo im Oberrheintal sein. arnoebeneAlles ist eben nur etwas heißer, verbrannter. Nur ein paar vereinzelte in der Landschaft stehende Pinien und Wacholderbäume lassen einen südlicheren Flair als in der Oberrheinebene aufkommen.

Wir müssen tanken.  Die erfahrenen Italienreisenden wissen, die bei uns praktisch ausgestorbene Bedienungstankstelle, mit dem freundlichen Tankwart an der Zapfsäule mit den Profi-Scheibenreinigungsutensilien und einer immer offenen Hand für ein Trinkgeld, gibt es in Italien noch. Die Tanke-Selbstbedienung ist in Italien nun auch schon lange nicht mehr unbekannt. Manchmal gibt’s Tanken mit und ohne Tankwart sogar an der gleichen Tankstelle. Zapfsäulen links = mit Bedienung; Zapfsäulen rechts = ohne. Dafür hat sich, nach meiner Beobachtung vor allem in ländlichen Gebieten, die sog. 24h Tankstelle, die nur noch mit einem Tankautomaten ausgestattet ist, etabliert. Bei uns eher eine Seltenheit.
Unser Tank ist restlos leer. Das einzige was wir finden sind Tankstellen mit diesen Tank-Automaten und Kreditkarten-Anschluss. Ich brauche jedoch erst einmal eine ganze Weile um zu begreifen wie diese Dinger funktionieren. Es gibt zwar eine mit Piktogrammen gespickte Erklärung zur Benutzung dieser Tanksäulen am Tankwarthäuschen, das natürlich nicht besetzt ist. Wäre ja auch widersinnig, wenn neben dem Blechknecht dann doch noch ein Tankwart anwesend wäre um den Blechknecht zu überwachen. Die Menüführung der Tanksäulen verhält sich  aber komplett anders wie beschrieben. Die auf dem Plakat am Tankwarthäuschen angekündigte mehrsprachige Menüführung und die mehrsprachige Hilfefunktion, auf die hoffe ich vergebens. Wer hier nicht „eingeweiht“ ist, hat Pech gehabt. Das ist Italien.
Man sollte sich nicht darüber ärgern, höchstens wundern. Bringt man genügend Zeit mit, dann findet sich ein netter freundlicher und hilfsbereiter Italiener oder eine Italienerin die zwar nichts anderes sprechen als italienisch aber trotzdem bringen es diese liebenswerten Menschen immer wieder fertig, einem die Information zu geben die man wirklich braucht.
Sie freuen sich, dass sie einem helfen konnten. Und wir freuen uns dass wir Kontakt mit diesem freundlichen Menschen haben. Ein Winken, ein arrivederci, und jeder geht wieder mit einem Lächeln und einem guten Gefühl seines Weges. So funktioniert Völkerverständigung auch ohne Sprache.

Nachdem wir die Ebene durchquert haben wird es hügeliger. toskanabildImmer größer werden die Olivenhaine. Dann wieder ganze Hügel mit Wein. Hier ein Weingut dort ein Weingut und eines gepflegter als das andere. Müssten wir uns jetzt dadurch probieren, wir kämen als „ölige Alkoholiker“ wieder nach Hause. Und jedes Gut, das was auf sich hält, das hat eine hübsch gestaltete Einfahrt, ein Tor, einen Torbogen möglichst gesäumt von Zypressen, wie sie so typisch für die Toskana sind. Das sieht ganz genauso aus, wie auf dem Bild, das wir in unserem Esszimmer hängen haben. Unser Herz geht auf und wir können uns überhaupt nicht satt sehen. Ein entzücktes „Schau Mal“ jagt das andere.

Zu Unrecht steht Lucca im Schatten von Pisa

von-pisa-nach-luccaEtwas enttäuscht verlassen wir Pisa. Die Berühmtheit der Stadt und die Auszeichnung als UNESCO-Welterbe schaffen Erwartungen die weder der schiefe Turm  noch die Basilika oder gar die gesamte Stadt erfüllen kann. So ist das: übersteigerte Erwartungen führen zu Enttäuschungen. 😈

Nach nicht einmal einer halben Stunde Fahrzeit und einer Entfernung von rund 20 km erreichen wir den Stellplatz in Lucca. Er liegt nur ein paar hundert Meter von der Stadtmauer entfernt, die die Altstadt umschließt. Diesmal entscheiden wir uns die Stadt mit den etruskischen Wurzeln nicht mit dem Rad  zu erkunden, sondern zu Fuß die Stadt zu „entdecken“. lucca-1-stadtmauerNach einem kurzen Marsch in sengender Sonne, erreichen wir das Stadttor und sehen uns einer mächtigen Stadtmauer gegenüber, die wir sofort als eine Verteidigungsanlage identifizieren. Sie hat den Charakter eines mittelalterlichen, militärischen Sicherungskomplexes und wurde im Zeitraum von 1504 bis 1645 erbaut. Wer sich solch mächtige Verteidigungsmauern leistet, der hat auch Wertvolles zu verteidigen.

Nachdem wir das Stadttor passiert haben, sehen wir was zu verteidigen war. Die Stadt muss eine sehr reiche Stadt gewesen sein, deren Reichtum wohl auf die Textilverarbeitung und den Textilhandel zurückgeht. Dies bezeugen zumindest einige bildliche Darstellungen in der Kirche San Michele und in der Kathedrale San Martino. Dieser Reichtum schafft Neider, die sich diesem Reichtum gerne bemächtigt hätten. lucca-2-2In der Tat, Lucca war neben Florenz und Pisa einer der wichtigen Metropolen in dieser Region im Mittelalter und ein „Gegenspieler“ von Pisa. Die Geschichte ist kompliziert und zum Teil auch verworren, erfordert gar ein halbes Geschichtsstudium. Aber ein Name fällt immer wieder bei Freund und Feind: „Medici“ und „Florenz“. Diese Familie aus Florenz, das werden wir noch im Verlauf der weiteren Reise immer wieder sehen, sind nicht nur sehr erfolgreiche Kaufleute und Politiker gewesen, nein, sie haben mit ihrem Wirken einen ganzen Kulturkreis über lange Zeit geprägt. Auch die Franzosen, die Habsburger, die reichen norditalienischen Provinzen, Könige, Kaiser und die Kurie haben den geschichtlichen Verlauf dieser Stadt direkt oder indirekt beeinflusst und zu einer bewegten und wechselvollen Geschichte werden lassen

lucca-2-1Wir wenden uns erst einmal dem historischen Stadtkern zu und schlendern eher etwas ziellos eine Straße entlang. Im Gegensatz zu Pisa, wo wir eine Belebtheit nur um den schiefen Turm herum wahrnehmen konnten, vor allem durch Touristen, finden wir in Lucca eine Belebtheit der Stadt, die wir angesichts des Datums, Ende August, nicht erwartet hätten. Wir waren der Meinung, alles was Beine hat und nicht vor Ort unbedingt gebraucht wird, versammelt sich irgendwo an der Küste. Ja, auch in Lucca sind einige kulturhistorisch interessierte Touristen aus aller Welt unterwegs. Aber wir beobachten auch ein ganz normales alltägliches Leben in dieser Stadt mit Menschen die hier leben, mit Menschen die hier arbeiten, mit Menschen die einkaufen, mit Menschen die es sich in den Cafés und Bars gut gehen lassen und mit sehr vielen Studenten, denn Lucca ist auch eine Universitätsstadt. Trotz der hohen Temperaturen von weit über 30 Grad ein sehr angenehmes Flair, wenn man im Schatten sitzt. 😉

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Wir schlendern durch die Stadt und kommen leicht vom geraden Weg ab. Eigentlich haben wir nach einem Kaffee gesucht und nun stehen wir unvermittelt vor einer Kirche die unsere Aufmerksamkeit erregt. Wir halten es zunächst für die Kathedrale San Martino. Doch nach einer Überprüfung unseres Standortes auf der kleinen Karte, die es am Stellplatz kostenlos gab,  stellen wir fest, dass wir vor der Kirche San Michele in Forno stehen.
In dem gleißenden Licht fällt es uns zunächst gar nicht auf. Ein Blick in Richtung Himmel tut richtig weh in den Augen und so weist uns der kleine Stadtplan darauf hin, das wir vor einer Engelskirche stehen. Hoch oben auf dem First des Kirchenschiffs kann man das eher schemenhaft erkennen. Doch der Zoom holt für uns den Engel heran. – Also, so stellten sich die Menschen im Mittelalter einen Engel vor. Der weicht doch stark von den Engelsdarstellungen des „Kitsch- Barock“ mit Puttenengel & Co. ab. 😉 . So heißt es dann auch in der Bibel bei Engelserscheinungen: „Fürchtet Euch nicht, …“ Man stellte sich damals einen Engel wohl eher als eine kraft- und machtvolle Figur vor.

Wie von Geisterhand werden wir zu einem weiteren Platz geführt. Ein altes römisches Amphitheater bildete die Grundlage für die Piazza dell’anfiteatro. Ohne Reiseführer wäre uns das überhaupt nicht aufgefallen. Heute ist es einfach einen großer Platz in der Stadt und wenn man genau hinschaut so erkennt man auch noch Reste des alten Theaters, die in die heutigen Gebäude integriert wurden. lucca-6-eisAngesichts der Hitze kommt uns ein Eis gerade recht. Die Gelati-Tradition Italiens geht meines Wissens nach auf die Römer zurück. Sie ließen vor 2000 Jahren Schnee- und Eisblöcke im Apennin „ernten“ und nach Rom bringen, wo diese in der „römischen Unterwelt“ den Katakomben gelagert wurden, bis sie, bzw das was noch nicht weggeschmolzen war, zu einem Vorläufer des heutigen Gelato verarbeitet wurden.
Bei diesen Temperaturen ist eine solche Erfrischung immer willkommen 😉

Nun aber zur Kathedrale San Martino. Auch hier sind wir beeindruckt von der Schönheit und der reichen künstlerischen Ausgestaltung der Kirche.

Wir verlassen San Martino, seitlich des Ausgangs an der Wand auf einmal das:

lucca-7-8-kathedrale-san-martino-labyrinthEin eindeutiger Bezug zum „Labyrinth von Chartres“. Wäre es nicht so heiß und wir so müde, dann wären wir noch einmal zurückgegangen, um gezielt nach weiteren Bezügen zu suchen.
Es ist schon früher Nachmittag und inzwischen unerträglich heiß. Wir entschließen uns zurück zu gehen, und das zu tun, was die Italiener um diese Uhrzeit üblicherweise auch tun – ein kühles Plätzchen suchen und möglichst nichts tun.

Es ist ca. 19 Uhr und das Leben ist längst in die Stadt zurückgekehrt, da überkommt uns die „Pizza Lust“. Wir haben auf unserem Rückweg einen kleinen Pizza-To-Go Laden ganz in der Nähe des Stellplatzes entdeckt. Unsere Erwartung ist nicht groß. Doch nach dem die Pizza auf unseren Campingtisch liegt und wir die ersten Bissen vertilgt haben, sind wir uns einig: so eine gute Pizza „Togo“ hatten wir noch nie gegessen und zu einem Preis, den ich angesichts der hohen Qualität für unmoralisch niedrig halte.

lucca-8-1-lucca-bei-nachtFrisch gestärkt schwingen wir uns auf unsere Drahtesel. Langsam beginnt die Dämmerung herein zu brechen und wir haben vor, auf der Stadtmauer mit unseren Fahrrädern die Stadt zu umrunden. Ja, das geht, denn die Stadtmauer ist eigentlich eine Doppelmauer. Der dazwischen liegende Raum ist mit Erde aufgefüllt und so ergibt sich ein großer Rundweg um die historische Altstadt mit einer durchschnittlichen Breite von etwa 15 bis 30 Meter. Das suggeriert dem Betrachter von außen eine sehr dicke Stadtmauer (erkennbar z,B. an den langen Durchgängen der vier Stadttore) die, mit den Augen des Mittelalters betrachtet, uneinnehmbar erscheint. lucca-8-2-lucca-bei-nachtDieser Rundweg um die Stadt ermöglicht einem Einblicke und Perspektiven, die sonst bei diesen historischen Stadtkernen meist nicht möglich sind. Die angelegten Grünanlagen auf der Stadtmauer dienen vielen Studenten als „Lesesaal“ zum studieren von Büchern oder Informationen auf ihren Tablets oder zum chillen. Eine friedlich junge Atmosphäre die wir auf der Stadtmauer wahrnehmen. Einzelne Gebäude an oder ‚auf‘ der Stadtmauer dienen heute als Bar oder Restaurant, wo man zum Abschluss des Tages noch einen Rotwein aus der Region oder auch mehr bei angenehmen 27 Grad im leichten Sommerkleid genießen kann. Das machen wir auch und fallen dann gegen Mitternacht in unsere Kojen.

Lucca hat uns sehr gut gefallen und entschädigt uns für unsere Enttäuschung in Pisa. Rückblickend betrachtet, hätten wir uns noch mehr Zeit für Lucca nehmen sollen und so steht fest: „Lucca wir kommen wieder!“