Fahrt durch eine der ältesten Kulturlandschaften Europas zur Lagune von Venedig

Wir verlassen Verona und orientieren uns Richtung Osten, immer am Fuße der Alpen entlang nach Vicenza und weiter Richtung Padua. Wir fahren durch eine reiche und wirtschaftlich erfolgreiche Region Italiens. Padua ist wie Verona eine sehr alte Stadt. Einer Sage zufolge soll Padua schon fast 1200 Jahre v. Chr. von einem Trojaner gegründet worden sein. Historisch gesicherte Belege sind aber erst 800 Jahre später datiert. Dennoch ist Padua damit eine der ältesten Städte Italiens und kann, neben vielen historischen Gebäuden mit beeindruckender Architektur, mit dem drittgrößten Innenstadtplatz Europas (nach dem Roten Platz in Moskau und dem Place de la Concorde in Paris) aufwarten. Auch ein UNESCO Weltkulturerbe kann Padua bieten – der älteste noch bestehende botanische Universitätsgarten.

Doch das wird alles überstrahlt von dem kaum 50 km entfernt liegenden Venedig. Zu Unrecht wie wir finden. Aber das Kuriositätenkabinett Venedig mit seinen Geschichten und dem, in den Geschichtsbüchern über Jahrhunderte dokumentierten „welt“-politischen Einfluss, ist einfach in den Köpfen der Menschen tief verankert. So wird diese Region uni sono mit dem Hinterland der Lagunenstadt identifiziert und gleichgesetzt. Diese Region hat aber noch so viel mehr zu bieten als nur Venedig. Diese Region, begünstigt von dem mediterranen Klima, ist übersät mit Kulturschätzen und einer reichen und wechselvollen Geschichte und ebenso vielen Geschichten, Sagen und Anekdoten.

Wir wollen Wasser. So haben wir die Wahl. Entweder fahren wir zur Abano Therme, 10 km südlich von Padua, in den Euganenischen Hügeln. Ein altes Heilbad in dem schon im Altertum Nerven- und Rheumaleiden mit dem leicht radioaktiven Heilwasser behandelt wurden. Unsere Nerven und Gelenke scheinen uns aber noch hinreichend in Ordnung zu sein und so entscheiden wir uns in Richtung Venedig zu orientieren. Wir steuern Venedig nicht auf dem direkten Weg an, sondern fahren ‚außen‘ herum über den Flughafen von Venedig und dem Badeort Jesolo nach Punta Sabbioni, um dann Venedig sozusagen von der Seeseite her zu erkunden.

Venedig 1 - LaguneBevor wir die lange Landzunge hinunter nach Punta Sabbioni fahren, decken wir uns noch in einem nahen Einkaufszentrum mit einigen Lebensmitteln ein und tanken müssen wir auch noch. Die Landstraße zieht sich scheinbar endlos in die Länge. Immer häufiger können wir einzelne Blicke in die Lagune von unserer erhöhten Sitzposition im Wohnmobil erhaschen. Seeseitig versperren uns ein Dünen- und Baumgürtel den Blick zum Mittelmeer. Wir freuen uns: endlich Wasser, endlich Meer! und wir riechen die Meerluft – das Salz in der Luft… Wenn das nicht dem Altersrheuma vorbeugt was kann dann noch helfen??

Wir beschließen, dass wir nicht sofort zu einer Venedig Tour aufbrechen sondern uns erst einmal eine Ruhepause gönnen und den vielen Eindrücken der letzten Tage Raum geben.  Die Sonne und die scheinbar milden Temperaturen verleiten uns am nächsten Tag zu einer ausgiebigen Radtour anzutreten. So entscheiden wir uns erst einmal die Mittelmeerseite der Landzunge zu erkunden. Wir fahren mit den Rädern zum westlichsten Punkt und beobachten den heute spärlichen Schiffsverkehr hinein und heraus aus der Lagune. Wir warten eine Weile am äußersten Aussichtspunkt auf einen Kreuzfahrer. Aber nicht einmal ein kleines Containerschiff lässt sich am Horizont erblicken.

Venedig 4 Lagune Panorama
Panorama vom äußersten Punkt der Landzunge

Im weiteren Verlauf unserer Erkundungsfahrt müssen wir aber sehr schnell feststellen, dass unsere Tourenräder für den sandigen Untergrund der Wege entlang des Strandes, besser gesagt in bzw. hinter den Sanddünen, völlig ungeeignet sind und wir mehr die Fahrräder schieben als dass wir fahren. Das macht die Unternehmung zu einer echt anstrengenden Tour. So haben wir uns eine Auszeit am Strand redlich verdient. Venedig 4 Lagune StrandDoch der kalte Wind von der Seeseite lässt uns recht schnell auskühlen. Das zwingt uns zu einem Ortswechsel und wir erkunden nun die andere Seite der Landzunge zur Lagune hin. Hier ist es windgeschützt und dem entsprechend angenehm warm. Wir lassen die Seele ausgiebig baumeln und harren der Dinge.
Was uns wohl in Venedig erwartet? Dabei werden wir von diesem gefiederten Kerl ständig beobachtet. Venedig 4 Lagune VogelUnd wir? Wir beobachten den Fischer in der Lagune, der in seinem Motorboot vor sich hindümpelt und darauf wartet, dass sich was an seiner Angelrute tut.

Venedig 3 - Lagune mit Angler

Wir genießen und chillen… . Langsam beginne ich zu begreifen, was die junge Generation mit diesem Begriff meint. 😉

Gegen Abend finden wir doch noch einen Ort von dem man Venedig wenigstens erahnen kann. Sicher sind wir uns nicht, aber mit dem Teleobjektiv gelingt es uns ein „markantes Bild“ von der Siluette Venedigs zu schießen. Erst im Wohnmobil können wir auf dem großen Bildschirm erkennen, dass die Aktion erfolgreich war.

Venedig 4 Lagune Venedig

Wir lassen den Tag ausnahmsweise in einem Touristen-Lokal ausklingen, denn hier am Ende der Welt gibt es nichts anderes.

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Verona: „Cäsar meets Shakespeare“

Wenn ich an Verona denke, dann fällt mir spontan die Arena (das Veroneser Collosseum 😉), der Balkon von Romeo und Julia und die alljährlich stattfindenden Festspiele ein.
Verona ist aber weit mehr. Die 250.000 Einwohner zählende Stadt am Fuße der südlichen Alpen (nur noch 59 m über dem Meeresspiegel gelegen) kann auf eine fast 2500 jährige Geschichte zurückblicken und war ab 89 v. Chr. römische Kolonie. Das Stadtbild wird dominiert von der Römerzeit und der Zeit danach.

Verona1 - FestungsmauernDer Wohnmobilparkplatz liegt unweit der Festungsanlagen. Wir entscheiden uns, den Weg in die Innenstadt zu Fuß zu gehen. Die Stadtmauer ist umgeben von einer parkähnlichen Anlage durch die wir bis zu einem der Stadttore gemütlich hindurch schlendern. Diese Wehranlagen haben heute eher den Charakter einer Ruine. Die Befestigungsanlagen sind aber so renoviert, dass man einen guten Eindruck von der Mächtigkeit der früheren Verteidigungsanlagen bekommt. R
Wir erreichen das Stadttor. Hier lässt sich der frühere Reichtum von Verona schon an der Fassade erkennen. Wir orientieren uns Richtung Innenstadt und frönen erst einmal italienischer Lebensart bei einem Cappuccino und einem süßen Teilchen in einer am Wege liegenden Konditorei.

Was uns im Stadtbild auffällt ist, dass in Italien wesentlich mehr kleine Motorräder und Motorroller unterwegs sind als bei uns. An nahezu jeder Ecke findet sich ein Pulk abgestellter Motorroller. Verona3Das spiegelt sich auch in der typischen Geräuschkulisse einer italienischen Mittelstadt wieder. Der Lärm von vor allem älteren Motorrollern unterscheidet sich doch sehr deutlich von der Geräuschkulisse bei uns
zuhause.
Wir kommen zu dem großen Platz, auf dem die weltberühmte Arena steht. Ein zweistöckiger Bau a la Kolosseum beherrscht den optischen Eindruck dieses Platzes.
Die vielen Strassenrestaurants zu unserer Linken, die um die vorbeiziehenden Touristen werben, lassen die typischen Auswüchse des modernen Tourismus deutlich werden. Das hat nichts mehr mit dem mittelalterlichen Flair der Kulisse zu tun. Wir kümmern uns nicht weiter darum.
Verona4 - ArenaWenn man den Platz betritt, dann erscheint die Arena noch filigran, da sie die umliegenden Häuser kaum überragt. Je weiter man sich der Arena nähert, erkennt man die riesigen Dimensionen dieses altertümlichen Bauwerks. Verona6 - ArenaAuch ist der davorliegende Platz für eine mittelalterliche Stadt dieser Größe sehr gross bemessen.

Es ist klar, dass die verantwortlichen Tourismusmanager von Verona und findige Geschäftsleute versuchen, diese Besonderheit, den Mythos von Romeo und Julia, genau so wie die römische Geschichte entsprechend in Szene zu setzen. Und so verwundert es nicht, dass uns römische Soldaten und Gladiatoren dazu bewegen wollen, Karten für die Festspiele zu kaufen oder wenigstens die Arena, natürlich gegen einen entsprechenden Obulus, von innen zu bewundern. Verona5 - römische SoldatenWir gehen nicht auf das Angebot ein, da wir gesehen haben, dass die meisten Kulissen für die diesjährigen Festspiele noch außerhalb der Arena lagern und es von innen nicht wesentlich mehr zu sehen gibt wie von außen.
Die römischen Soldaten erinnern mich an die „Hundertschaften“ von Mozarts, die in Wien versuchen Konzert und Opernkarten unter die Touristen zu bringen. Trotzdem vermitteln sie, wenn auch ein klischeehaftes Bild, von Verona vor 2000 Jahren.
Wir ziehen weiter in die historische Innenstadt. Die Marken, Labels und Namen sind die Gleichen wie in anderen Städten in Westeuropa und wohl inzwischen auch darüberhinaus. Wir sind daran nicht interessiert und wir konzentrieren unser Augenmerk auf die Bausubstanz oberhalb das Erdgeschosses und auf die Seitenstraßen. Hier kommt das Flair Veronas rüber.
Balkon Romeo und JuliaGanz unverhofft stehen wir vor einer kleinen Tafel, die uns auf den berühmtesten Balkon aller Balkone hinweist. Den legendären Balkon aus Shakespeares Romeo und Julia. Erst später erfahren wir, dass dieses Gebäude schlicht und einfach gar nichts mit der literarischen Vorlage zu tun hat und auch der Balkon erst nachträglich angebracht wurde. Neudeutsch würde man sagen: ein Fake!
So generieren findige Tourismus-Manager touristische Pilgerströme 😆

Verona7 - GauklerIm Straßenbild fallen uns immer wieder „Gaukler“ und Künstler vor allem aus der Kategorie „lllusionisten“ und venezianischer Karneval auf. Es scheint so, als ob es aktuell ein Treffen dieser Künstler in der Fußgängerzone gibt. Kurz  vor der berühmten Piazza  treffen wir auf diese llusionisten. Mit offenem Mund umrunden wir die Beiden. Ungläubig schauen wir uns und die umstehenden Passanten an. Nein, das ist doch nicht möglich, doch die Dame scheint regungslos zu schweben. Auch nach einer weiteren Umrundung wird unsere ins Gesicht geschriebene Frage: „wie geht das?“ nicht beantwortet.

Wir wenden uns der Piazza delle Erbe zu. Der Platz ist gesäumt von Bauwerken verschiedener Jahrhunderte und diente in der mittelalterlichen Stadtrepublik als Versammlungsort und Marktplatz. Es ist gerade Markt. Wir lassen uns einfach treiben und genießen diesen Flair südländischer Märkte. Wir lassen uns Zeit und atmen die Aura dieses Platzes ein. Inmitten des Platzes eröffnet sich uns ein 360°-Panorama, das uns die wechselvolle Geschichte dieses Ortes erahnen lässt. Trotz des geschäftigen Treibens auf dem Marktplatz strahlt das Gebäudepanorama eine erhabene Ruhe aus. Aus dem trüben Norden kommend, ist das genau die richtige Atmosphäre bei milden Temperaturen und Sonnenschein unsere „hektischen Nordländerbewegungen“ an südländisches Dolce Vita anzupassen.

Zusehends verlangsamen wir unsere Erkundungsgeschwindigkeit und unsere Aufmerksamkeit für Details und für nicht sofort ins Auge springendes steigt in gleichem Maße.

Verona12Verona11 Fenster Verona13

Langsam kommen wir in Italien richtig an.

Ab nach Italien – der Sonne entgegen

Alles gepackt, alles verstaut und uns mit allem noch mal vertraut gemacht. Nach dem „Winterschlaf“ ist das Mobil gepackt und alles an seinem angestammten Platz. Trotzdem geistert zu Beginn einer Saison immer wieder die Frage durch den Kopf: „Auch nichts vergessen?“ Aber irgend wann kommt dann die Einsicht: Und wenn wir doch noch was vergessen haben sollten und es ist so wichtig, dann können wir das auch noch unterwegs besorgen, oder es ist doch nicht so wichtig. Es gibt vielleicht eine Ausnahme. Das sind die erforderlichen Dokumente und Reisepapiere. Aber selbst die haben wir schon vergessen und es ist auch nichts passiert. 🙂
Unsere Reise kann beginnen. Noch am Morgen haben wir durchs Radio erfahren, Schlechtwetter Richtung Salzburg und Kärnten, aber das stört uns nicht weiter, denn wir wollen ja Richtung Kufstein und dann über den Brenner. Wir haben uns aufgrund der Wettervorhersage entschieden, die Toskana nicht direkt anzusteuern. Der Wetterbericht verheißt auf der Adriaseite in den nächsten Tagen besseres und vor allem wärmeres Wetter. Also entscheiden wir uns, unsere geplante Route zu kippen und uns zunächst erst einmal Richtung Venezien und Adria zu orientieren. Wir freuen uns auf das so lange vermisste sonnige Wetter, das uns erwartet – hoffentlich. Wir wollen erst mal Strecke machen und kommen bis Rovereto auf Höhe des Gardasees, wo wir die Autobahn verlassen und uns hinter den Sportanlagen einen Stellplatz für unsere erste Übernachtung suchen. Rovereto2Den Stellplatz der in unserem Führer beschrieben ist finden wir nicht sofort. Aber wir sehen auf der obersten Ebene eines Parkhauses oder Parkplatzes?!? schon ein paar Wohnmobile stehen mit Blick zum örtlichen Stadion. Wir verhalten uns nach dem Motto der Neulinge: mache nach, was die anderen auch tun, dann wirst du nicht so falsch liegen. Wir fahren hinauf. An den Kennzeichen erkennen wir, dass diese WoMos ebenfalls unterwegs (und nicht einfach nur ‚abgestellt‘) sind und dass die Wohnmobile für eine Übernachtung vorbereitet sind. Wir stellen uns mit etwas Abstand dazu.

Rovereto0Gegen später noch ein kleiner Schwatz mit den Nachbarn, die sich ebenfalls vor die Tür ihres rollenden Eigenheims gewagt haben. Beim Blick über die Brüstung hinunter auf die Sportanlagen sehen wir den Stellplaz – fast direkt unter uns. Eingezäunt und mit Kamaras gesichert, neuester Bauart mit noch jungem Gras zwischen den Rasensteinen und einem richtig gut getarnten Einfahrtstor. Kein einziger nutzt diesen Stellplatz. Ich zähle die Wohnmobile hier oben, Es sind mindestens 10 – und die haben die Einfahrt auch übersehen? Oder wollen die die Übernachtungsgebühren sparen? Kopfschüttelnd (auch über unser eigenes Unvermögen) begeben wir uns zur Nachtruhe.
Rovereto1Am nächsten Morgen entschließen wir uns das nächste Teilstück bis nach Verona auf der Landstraße zurückzulegen. Es klart recht schnell auf und wir erfreuen uns an dem Anblick üppigster Obst- und Weinanfplanzungen auf dem Talboden. Den Kontrast bilden die abrupt ansteigenden Felshänge der südlichen Alpen mit ihrer kargen Vegetation. Jedes noch so kleine Fleckchen, dass sich bewirtschaften lässt, wird genutzt. Wir riechen förmlich dass reifende Obst. Wir genießen den Ausblick während wir doch immer wieder von der recht mitgenommenen Landstraße kräftig durchgeschüttelt werden.

Stellplatz VeronaDer rechte Rückspiegel quittiert dies recht schnell mit einer beleidigten Klappbewegung in Richtung Seitenscheibe. Das zwingt uns zu einem ersten ungeplanten kurzen Boxenstopp. Gut, dass ich in meiner Werkzeugkiste ein paar Spanngurte habe. Eine provisorische Fixierung des Rückspiegels mit einem kleinen Spanngurt am Scheibenwischer löst das Problem kurzfristig und begrenzt den Zeitverlust auf eine ¼ Stunde. Wir tuckern weiter Richtung Verona. Wir schauen uns an, grinsen und steuern wortlos den Stellplatz an, auf dem wir unser WoMo-Diplom gemacht haben.

 

Der Kampf mit der Schranke – unsere „Feuertaufe als Wohnmobilisten“

Die heutige Geschichte ist schon eine Weile her, aus der Zeit, als wir noch mit einem geliehenen Wohnmobil unterwegs waren. Wie bei jedem Hobby kommt irgendwann der Zeitpunkt, da wächst man aus der blutigen Anfängerzeit heraus.
Bei manchen Sportarten gibt es feste Rituale für die Neulinge, wie zum Beispiel die Taufe bei den Balonfahrern oder … . Bei anderen Hobbys geht das nicht so formal zu. Da sind es dann eher die kuriosen Erlebnisse die jeder in seiner Anfängerzeit irgendwann erlebt und gemeistert hat. Und so ein Ereignis wird dann zur „Feuertaufe“ erklärt und gerne bei einem geselligen Beisammensein zum Besten gegeben. So ist das auch bei uns mit dem Wohnmobilreisen.

Stellplatz Verona
Das ist ein etwas neueres Bild von der Stellplatzeinfahrt. Inzwischen ist die Schrankenanlage etwas modernisiert worden.

Unser Navi führt aus zielsicher zum Stellplatz in Verona. Dort angekommen sehen wir eine verschlossene Schranke und schräg dahinter ein größeres Gartenhaus, das aussieht wie die Unterkunft eines Parkplatzwächters. Nichts tut sich. Also aussteigen und nachschauen, wie das hier funktioniert. Erst jetzt erkennen wir, dass dies eine „unbemannte“ Einfahrt ist, ohne Schrankenwärter. Also müssen wir herausfinden, wie die Schranke aufgeht. An dem „Schrankenwärterhäuschen“ hängen allerlei Informationen und Schilder, doch zumeist in italienischer Sprache, dessen wir nicht mächtig sind. Dank der vielen Piktogramme auf den Aushängen, (dem Erfinder der Piktogramme nochmals einen herzlichen Dank), finden wir jedoch schnell heraus, dass das Ganze mit einem Chip funktioniert. Dieser dient als „Berechtigungsschein“ zur Ausfahrt nach Bezahlung der Gebühren an einen Kassenautomat.
Aha, toll, das ist so ähnlich wie bei uns zu Hause in der Sauna. Alles klar, nur wo bekommt man den Chip her?

Inzwischen stehen hinter uns zwei Franzosen mit ihrem Wohnmobil, die leider weder italienisch, noch englisch, noch deutsch sprechen. Das Problem „Wie kommen wir auf den Stellplatz“ ist daher praktisch nicht gemeinsam zu lösen.
Es kommen zwei nette Wohnmobilfahrer auf uns zu, die unweit der Schrankenanlage stehen und uns offensichtlich beobachtet haben, wie wir etwas hilflos vor der Schranke stehen. Sie bestätigen uns noch einmal unsere Erkenntnis mit dem Chip und zeigen uns auch den unscheinbaren Knopf, der eher wie ein Not-Aus-Schalter aussieht, an dem Pfosten, an dem die Schranke montiert ist.

Ok! Alles klar. Knopf gedrückt – die Schranke geht auf und der Chip fällt aus einem unscheinbaren Schlitz heraus.
Wir haben etwas seitlich der Einfahrt geparkt. Jetzt aber schnell ins Mobil… Aufschließen – Einsteigen – Motor anlassen – Anfahren… genau in diesem Moment schließt sich die Schranke wieder! Mich beschleicht der Verdacht, dass hier etwas verdammt krumm läuft.

Der Knopf für den Chip ist so montiert, dass es unmöglich ist, ohne Aussteigen den Knopf zu bedienen. Also raus aus dem Mobil, hin zum Knopf, noch mal drücken. Doch nichts tut sich. Auch die um uns herum stehenden versuchen sich an dem Knopf. Doch das Ergebnis bleibt das Gleiche. Nichts bewegt sich.

Mir schießt ein schrecklicher Gedanke durch den Kopf: Sind wir vielleicht Opfer von „Versteckte Kamera“??? Neben der Einfahrt steht ein Mast, der mir bis jetzt noch nicht aufgefallen ist. Ich schaue nach oben. Ein kleiner rechteckiger Kasten hängt dort, genau ausgerichtet auf den Bereich der Einfahrt vor der Schranke. Ist das etwa ein Indiz für die Richtigkeit meines Gedankens?  – Nein, ich hoffe nicht.

Ich habe an dem vermeintlichen Schrankanwärterhäuschen eine Metallbox gesehen, die mich an eine antiquierte Gegensprechanlage erinnert. Die erscheint mir die Rettung zu sein.

Ich gehe dort hin und drücke den Notfallknopf. Das Ding reagiert auch in der von mir erwarteten Weise: Erst ein kräftiges Rauschen, dann ein tütelütelüt und dann –
Nichts!

Nochmals der gleiche Versuch. Kräftiges Rauschen, tütelütelüt und dann – … wieder nichts!

OK, wir sind in Italien. Da sollte man keine preußische Pünkltichkeit mit zusammenknallenden Absätzen erwarten. Aber auch nach zwei weiteren Versuchen bleibt die Gegensprechanlage stumm.

Aus den zwei Franzosen sind inzwischen vier geworden und zwei Wohnmobile. Somit stehen nun schon acht Personen um die Schranke herum und sind mit der Situation überfordert.

Ich hoffe nun inständig, dass irgend ein bekannter Fernsehmoderator aus einem Gebüsch hervorkrabbelt und uns aus der misslichen Lage befreit. Doch diese Hoffnung erfüllt sich … . NICHT!.

Mühselig kann ich den Franzosen vermitteln, dass ein weiteres herumstehen nichts bringt und ich weiterfahren möchte. Was auch immer die Franzosen verstanden haben, der hinter mir stehende Franzose fährt sein Wohnmobil zurück, damit ich rückwärts aus der Einfahrt heraus rangieren kann.

So ungeübt, wie ich mit dem rangieren noch bin, schaffe ich es nicht aufs erste mal rückwärts aus dem Einfahrtbereich heraus zu rangieren. So muss ich noch einmal auf die Schranke zu fahren. WoMoline, die immer noch neben der Schranke steht, um mir gegebenenfalls Rangierhilfe zu geben, drückt (wahrscheinlich ist es göttliche Eingebung 😊) genau in dem Moment als ich das Wohnmobil vor der Schranke zum Stehen bringe, auf den ominösen Knopf.

Sesam, Sesam, Sesam öffne dich!

Ich bin ziemlich verdutzt als sich vor meinen Augen die Schranke nach oben bewegt und meine Gesichtszüge wirken wie eingegfrohren. Meine Kinlade bewegt sich etwa halb so schnell nach unten, wie sich die Schranke nach oben bewegt.
Irgendwie komme ich mir noch bescheuerter vor als zuvor. Da ist mir der Moderator von „Verstehen Sie Spaß“ doch noch lieber. Nun steht WoMoline mit 2 Chips da, ich schaue ungläubig die Schranke an und die Umstehenden beginnen nach und nach in ein Lachen einzustimmen. Dem können wir uns auch nicht einziehen.

Ist das unsrere Feuertaufe als Wohnmobilisten?

Mir fällt ein Sketch von „Mr. Been“ ein. In diesem versucht er auf seine typische Art und Weise den hohen Parkgebühren zu entgehen und sinnt nach einem Weg, wie er die Parkhausschranke überlisten kann. Der dann folgende Kampf mit der Schranke hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem soeben Erlebten. Hier das Video:

Mir geht der Gedanke durch den Kopf, daß die Geschichten des Mr. Been gar nicht so an den Haaren herbeigezogen sind, wie es oft den Anschein hat. Nur eine kleine Kontextverschiebung – nicht Einfahrt in einen Stellplatz, sondern Ausfahrt aus einem Parkhaus – nicht Unwissenheit sondern berechnendes Kalkül – und fertig ist der Sketch.

 

Wir haben uns langsam wieder „beruhigt“, unser Wohnmobil abgestellt und die üblichen Ankunftsrituale durchgeführt. Einer Besichtigung von Verona steht nichts mehr im Wege.