Der Kampf mit der Schranke – unsere „Feuertaufe als Wohnmobilisten“

Die heutige Geschichte ist schon eine Weile her, aus der Zeit, als wir noch mit einem geliehenen Wohnmobil unterwegs waren. Wie bei jedem Hobby kommt irgendwann der Zeitpunkt, da wächst man aus der blutigen Anfängerzeit heraus.
Bei manchen Sportarten gibt es feste Rituale für die Neulinge, wie zum Beispiel die Taufe bei den Balonfahrern oder … . Bei anderen Hobbys geht das nicht so formal zu. Da sind es dann eher die kuriosen Erlebnisse die jeder in seiner Anfängerzeit irgendwann erlebt und gemeistert hat. Und so ein Ereignis wird dann zur „Feuertaufe“ erklärt und gerne bei einem geselligen Beisammensein zum Besten gegeben. So ist das auch bei uns mit dem Wohnmobilreisen.

Stellplatz Verona
Das ist ein etwas neueres Bild von der Stellplatzeinfahrt. Inzwischen ist die Schrankenanlage etwas modernisiert worden.

Unser Navi führt aus zielsicher zum Stellplatz in Verona. Dort angekommen sehen wir eine verschlossene Schranke und schräg dahinter ein größeres Gartenhaus, das aussieht wie die Unterkunft eines Parkplatzwächters. Nichts tut sich. Also aussteigen und nachschauen, wie das hier funktioniert. Erst jetzt erkennen wir, dass dies eine „unbemannte“ Einfahrt ist, ohne Schrankenwärter. Also müssen wir herausfinden, wie die Schranke aufgeht. An dem „Schrankenwärterhäuschen“ hängen allerlei Informationen und Schilder, doch zumeist in italienischer Sprache, dessen wir nicht mächtig sind. Dank der vielen Piktogramme auf den Aushängen, (dem Erfinder der Piktogramme nochmals einen herzlichen Dank), finden wir jedoch schnell heraus, dass das Ganze mit einem Chip funktioniert. Dieser dient als „Berechtigungsschein“ zur Ausfahrt nach Bezahlung der Gebühren an einen Kassenautomat.
Aha, toll, das ist so ähnlich wie bei uns zu Hause in der Sauna. Alles klar, nur wo bekommt man den Chip her?

Inzwischen stehen hinter uns zwei Franzosen mit ihrem Wohnmobil, die leider weder italienisch, noch englisch, noch deutsch sprechen. Das Problem „Wie kommen wir auf den Stellplatz“ ist daher praktisch nicht gemeinsam zu lösen.
Es kommen zwei nette Wohnmobilfahrer auf uns zu, die unweit der Schrankenanlage stehen und uns offensichtlich beobachtet haben, wie wir etwas hilflos vor der Schranke stehen. Sie bestätigen uns noch einmal unsere Erkenntnis mit dem Chip und zeigen uns auch den unscheinbaren Knopf, der eher wie ein Not-Aus-Schalter aussieht, an dem Pfosten, an dem die Schranke montiert ist.

Ok! Alles klar. Knopf gedrückt – die Schranke geht auf und der Chip fällt aus einem unscheinbaren Schlitz heraus.
Wir haben etwas seitlich der Einfahrt geparkt. Jetzt aber schnell ins Mobil… Aufschließen – Einsteigen – Motor anlassen – Anfahren… genau in diesem Moment schließt sich die Schranke wieder! Mich beschleicht der Verdacht, dass hier etwas verdammt krumm läuft.

Der Knopf für den Chip ist so montiert, dass es unmöglich ist, ohne Aussteigen den Knopf zu bedienen. Also raus aus dem Mobil, hin zum Knopf, noch mal drücken. Doch nichts tut sich. Auch die um uns herum stehenden versuchen sich an dem Knopf. Doch das Ergebnis bleibt das Gleiche. Nichts bewegt sich.

Mir schießt ein schrecklicher Gedanke durch den Kopf: Sind wir vielleicht Opfer von „Versteckte Kamera“??? Neben der Einfahrt steht ein Mast, der mir bis jetzt noch nicht aufgefallen ist. Ich schaue nach oben. Ein kleiner rechteckiger Kasten hängt dort, genau ausgerichtet auf den Bereich der Einfahrt vor der Schranke. Ist das etwa ein Indiz für die Richtigkeit meines Gedankens?  – Nein, ich hoffe nicht.

Ich habe an dem vermeintlichen Schrankanwärterhäuschen eine Metallbox gesehen, die mich an eine antiquierte Gegensprechanlage erinnert. Die erscheint mir die Rettung zu sein.

Ich gehe dort hin und drücke den Notfallknopf. Das Ding reagiert auch in der von mir erwarteten Weise: Erst ein kräftiges Rauschen, dann ein tütelütelüt und dann –
Nichts!

Nochmals der gleiche Versuch. Kräftiges Rauschen, tütelütelüt und dann – … wieder nichts!

OK, wir sind in Italien. Da sollte man keine preußische Pünkltichkeit mit zusammenknallenden Absätzen erwarten. Aber auch nach zwei weiteren Versuchen bleibt die Gegensprechanlage stumm.

Aus den zwei Franzosen sind inzwischen vier geworden und zwei Wohnmobile. Somit stehen nun schon acht Personen um die Schranke herum und sind mit der Situation überfordert.

Ich hoffe nun inständig, dass irgend ein bekannter Fernsehmoderator aus einem Gebüsch hervorkrabbelt und uns aus der misslichen Lage befreit. Doch diese Hoffnung erfüllt sich … . NICHT!.

Mühselig kann ich den Franzosen vermitteln, dass ein weiteres herumstehen nichts bringt und ich weiterfahren möchte. Was auch immer die Franzosen verstanden haben, der hinter mir stehende Franzose fährt sein Wohnmobil zurück, damit ich rückwärts aus der Einfahrt heraus rangieren kann.

So ungeübt, wie ich mit dem rangieren noch bin, schaffe ich es nicht aufs erste mal rückwärts aus dem Einfahrtbereich heraus zu rangieren. So muss ich noch einmal auf die Schranke zu fahren. WoMoline, die immer noch neben der Schranke steht, um mir gegebenenfalls Rangierhilfe zu geben, drückt (wahrscheinlich ist es göttliche Eingebung 😊) genau in dem Moment als ich das Wohnmobil vor der Schranke zum Stehen bringe, auf den ominösen Knopf.

Sesam, Sesam, Sesam öffne dich!

Ich bin ziemlich verdutzt als sich vor meinen Augen die Schranke nach oben bewegt und meine Gesichtszüge wirken wie eingegfrohren. Meine Kinlade bewegt sich etwa halb so schnell nach unten, wie sich die Schranke nach oben bewegt.
Irgendwie komme ich mir noch bescheuerter vor als zuvor. Da ist mir der Moderator von „Verstehen Sie Spaß“ doch noch lieber. Nun steht WoMoline mit 2 Chips da, ich schaue ungläubig die Schranke an und die Umstehenden beginnen nach und nach in ein Lachen einzustimmen. Dem können wir uns auch nicht einziehen.

Ist das unsrere Feuertaufe als Wohnmobilisten?

Mir fällt ein Sketch von „Mr. Been“ ein. In diesem versucht er auf seine typische Art und Weise den hohen Parkgebühren zu entgehen und sinnt nach einem Weg, wie er die Parkhausschranke überlisten kann. Der dann folgende Kampf mit der Schranke hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem soeben Erlebten. Hier das Video:

Mir geht der Gedanke durch den Kopf, daß die Geschichten des Mr. Been gar nicht so an den Haaren herbeigezogen sind, wie es oft den Anschein hat. Nur eine kleine Kontextverschiebung – nicht Einfahrt in einen Stellplatz, sondern Ausfahrt aus einem Parkhaus – nicht Unwissenheit sondern berechnendes Kalkül – und fertig ist der Sketch.

 

Wir haben uns langsam wieder „beruhigt“, unser Wohnmobil abgestellt und die üblichen Ankunftsrituale durchgeführt. Einer Besichtigung von Verona steht nichts mehr im Wege.

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17 Gedanken zu “Der Kampf mit der Schranke – unsere „Feuertaufe als Wohnmobilisten“

  1. Hallo,
    wirkich sehr super geschrieben. Wir haben mit Italien noch keine Erfahrung, touren im Moment durch Spanien und möchten uns für deinen regelmäßigen Besuch auf unserem Blog bedanken.
    Gruß aus Torre del Mar,
    Karin und Bernd

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    • Danke für das Lob 😃. Die spannenden und die lustigen Geschichten, „schreibt“ das Leben selbst… Ich habs nur aufgeschrieben…
      Ich besuche eure Seite, denn so kann ich ein wenig „mitfahren“, als Schwarzfahrer sozusagen😉. Das hält unseren Wunsch wach, da auch mal hin zu fahren… Weiterhin gute Fahrt.
      LG WoMolix und WoMoline.

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  2. Schön geschrieben, uns auch schon passiert. Italien ist dafür bekannt viel Schranken und Technik, Knöpfe und Anlagen aber nichts funktioniert. Wir nehmen um solche Plätze einen riesen Bogen, stehen lieber irgendwo im Freien, da wir die Dusche nach aussen verlagert haben ist das wunderbar….und im Winter ein genuss….schön Warm draussen duschen und dann ins warme Mobil….und einen Kaffee trinken.

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  3. Lieber Womolix,
    das Schöne ist ja, dass man in solchen Situationen nie allein und unbeobachtet ist. Nein, im Gegenteil: häufig scheint es als hätten sich alle nur denkbaren Wohnmobilisten der Gegend verabredet und sich getroffen, nur um einen selbst über die Schulter zu gucken. Da kann man sich eigentlich nur „blamieren“ und Leergeld zahlen. Aber toll Story und noch besser erzählt!
    Viele Grüße,
    Mario

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    • Oh, ja, da hast Du Recht. Man fühlt sich beobachtet, obwohl gar keiner hinschaut. Man fühlt sich aber trotzdem wie auf dem Laufsteg und man wird die Angst nicht los, das einem gleich die Hose aufreißt oder die BH-Schnalle ihren Dienst versagt.😂😂
      Den meisten Stress machen wir uns in unserem Kopf selbst. 😀😀😀😄😄😄
      Womolix

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    • Ja, wir sind wieder gut rausgekommen. Aber ich gebe zu, während des ganzen Aufenthalts hatte ich so ein komisches Grummeln in der Magengegend, dass da noch was kommen könnte. 😱😵 Es ist dann aber doch alles gut gegangen…

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