Die Zeit danach!

Das Weihnachten 2020 war für viele sicher ein anderes Weihnachtsfest, als all die Jahre zuvor. Corona, Lockdown, Ausgangsbeschränkungen haben dafür gesorgt, dass dem so ist. Aber ehrlich, wenn ich mich umsehe, umhöre war es wirklich so viel anders? Wurde nicht trotzdem zu viel gegessen, getrunken, Geschenke gekauft? Äußerlich betrachtet wie immer, nur die Rahmenbedingungen haben sich etwas verändert. Aber wie sieht es innerlich aus? Was bewirkt die Weihnachtsbotschaft in unseren Herzen? Was bedeutet sie für uns? Warum feiern wir Christen dieses Fest? Die uns auferlegten Beschränkungen könnten wir dazu nutzen, mal in die Ruhe zu kommen und genau über diese und andere Fragen nachzudenken. „Wir wünschen ein besinnliches Fest“ – steht auf fast jedem Weihnachtsgruß. Werde besinnlich!

Wie gesagt, die Festtage sind vorbei. Und jetzt? Was nehmen wir mit ins neue Jahr, die Zeit danach?

Udo Jürgens hat hierzu ein wundervolles Lied gesungen. Seine Botschaft stammt aus dem Jahr 2003! Wüsste man das nicht, es könnte auch dieses Weihnachtsfest gewesen sein.

Und hier der Text dazu:

Es werde Licht

Jede Weihnacht seh’n wir Bilder
Von den Kindern dieser Welt,
Die im Schatten steh’n,
Weil sie vergessen sind.
Zuerst geh’n sie uns zu Herzen,
Und dann geh’n sie aus dem Sinn,
Und den Rest des Jahres
Sind wir wieder blind…

Und wir kommen die besuchen,
Die wir Monate nicht seh’n.
Und wir leihen ihnen
Ein paar Stunden Glück.
Und dann müssen wir rasch weiter,
Vorher gibt’s noch ein Geschenk,
Und dann lassen wir im Dunkeln
Sie zurück…

Es werde Licht!
Es werde Liebe
In allen Herzen erdenweit

Es werde Licht!
Es werde Menschlichkeit,
Nicht nur zur Weihnachtszeit,
Nicht nur zur Weihnachtszeit…

Weihnachtsbäume werden größer,
Die Pakete werden mehr,
Noch ein Puppenhaus
Und ein Computerspiel!
Und die Schränke werden voller
Und die Seelen bleiben leer,
Weil wir Dinge schenken,
Aber kaum Gefühl…

Es werde Licht!
Es werde Liebe
In allen Herzen erdenweit

Es werde Licht!
Es werde Menschlichkeit,
Nicht nur zur Weihnachtszeit,
Nicht nur zur Weihnachtszeit…

Es werde Licht!

Gitarren-Solo…

Es werde Licht!
Es werde Menschlichkeit,
Nicht nur zur Weihnachtszeit,
Nicht nur zur Weihnachtszeit…

Komponist: Udo Jürgens
Texter: Wolfgang Hofer

Udo Jürgens singt: „Und die Schränke werden voller und die Seelen bleiben leer, weil wir Dinge schenken,
aber kaum Gefühl…“ – Liebe, Geborgenheit, Nähe, Vertrauen, Zufriedenheit, Miteinander, Füreinander, Verständnis, Toleranz – alles Gefühle, nach denen wir uns sehnen, die es aber nicht zu kaufen gibt.  

Warum schenken wir uns nicht das, was wirklich wichtig für uns ist – 365 Tage!? lang – bis zum nächsten Weihnachten?

Und so passt ein Text aus Brasilien wunderbar zu dieser Frage und zum Anliegen von Udo Jürgens:

Es werde Menschlichkeit, nicht nur zur Weihnachtszeit!

Jedes Mal, wenn zwei Menschen einander verzeihen, ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn ihr Verständnis zeigt für eure Mitmenschen, ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn ihr einem Menschen helft, ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn ihr beschließt ehrlich zu sein, ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn du versuchst deinem Leben einen neuen Sinn zu geben, ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn irgendwo ein Kind geboren wird, ist Weihnachten.

Jedes Mal, wenn du jemanden mit den Augen des Herzens ansiehst, ist Weihnachten.

Denn dann ist geboren die Liebe, denn dann ist geboren der Friede,

denn dann ist geboren die Freude,

denn dann ist geboren das göttliche Licht in Dir!

Text aus Brasilien

Herzensgrüße Monika Roth
alias WoMoline

  • Lebensberatung – Durch Klarheit ins bewusste Sein
  • Psychologische Astrologie/Astrocoaching,
  • Quantenheilung-Matrixtransformation,
  • Arbeit mit dem Inneren Kind,
  • Aufstellung deines persönlichen Kraftfeldes,
  • Engelarbeit
  • monatlicher Frauenkreis „Im Licht der Mondin“ usw.

Gedanken zur Wintersonnwende

Die Nacht des  21.12. ist die längste und dunkelste Nacht des Jahres.  Die Sonne hat ihren tiefsten Stand erreicht und die Welt scheint den Atem anzuhalten. Die Natur liegt im Tiefschlaf und die Menschen sehnen die Rückkehr des Lichts herbei. Die beiden Kräfte, Licht und Dunkelheit, tragen ihren Kampf um die Vorherrschaft aus. Diese Herrschaftsteilung stellt das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit, Innen und Außen, Wachstum und Rückzug sicher. Diese ständig wechselnde Herrschaft zeigt, dass alles ewig währt und das Rad des Lebens sich beständig weiterdreht.

In der Tiefe dieser Nacht wird das Licht neu geboren. In früheren Zeiten galt die Wintersonnwende auch als Mutternacht, weil man sich vorstellte, dass das Licht durch die Bewegungen im Schoß der Mutter Erde oder der großen Göttin hervorgebracht wird. Es ist eine Zeit der Einkehr, der Stille, der Weihung und Segnung für das, was sich uns im neuen Jahreszyklus offenbaren wird.

„Jupiter und Saturn“, Grafik: Werner J. Neuner

In diesem Jahr bekommt die Wintersonnwende noch eine besondere Qualität – die Konjunktion von Jupiter und Saturn. Die ganze virtuelle Welt quillt über von Heilsbotschaften. Ich bin sehr an das besondere Datum 21.12.2012 erinnert. Manchmal komme ich aus dem Staunen gar nicht mehr raus, was manche aus der Esoterik-Szene diesen beiden Gestirnen an Qualitäten zuordnen. Ja ich stimme zu, es ist ein ganz besonderes Ereignis und – das habt ihr alle schon seit langem bemerkt – wir befinden uns in einer herausfordernden aber auch spannenden Zeitqualität. Aber wir können es drehen und wenden wie wir wollen, diese angekündigte, neue heile Welt entsteht nur wenn Heilung in uns selbst stattfindet.

Das, was wir um uns herum erleben, sind nicht „widrige Umstände“, sondern ist das Ergebnis von dem, was in uns selbst stattfindet. Alles, was existiert, entsteht von „innen nach außen“. Das ist eine kosmische Gesetzmäßigkeit!!! Wenn wir eine kollektive Krise im Außen erleben, ist dies das Ergebnis einer kollektiven Krise im Inneren und diese gilt es zu heilen. Wenn du diese Heilung bei dir beginnst, leistest du einen enormen Beitrag zur Heilung der Welt!

Saturn-Jupiter aus meiner Sicht auf den Punkt gebracht: Geh raus aus dem Werten und Urteilen und nimm immer bewusster eine wertfreie Haltung ein, das verändert deine Sichtweise, lässt dich toleranter, offener, großzügiger werden und in deiner Persönlichkeit wachsen. …. zum Beispiel!   

Der heutige Tag ist eine gute Gelegenheit, damit anzufangen, denn die Wintersonnwende dient auch als Vorbereitung auf die Rauhnächte. Wenn in den frühen Abendstunden am südwestlichen Sternenhimmel dieses Ereignis Saturn Konjunktion Jupiter stattfindet, nimm dieses Licht in dir auf bete und meditiere. Danach kannst du das nachfolgende Ritual machen.

Feuerritual:

Wenn du magst, mach ein Ritual zum Loslassen. Geh in dich und schreib auf, was du alles loslassen möchtest. Alte Muster, die dir nicht mehr dienen, Ängste, materiellen Ballast, Menschen, die nicht mehr in dein Leben passen – nimm dir ausreichend Zeit. Dann übergib den Zettel der transformierenden Kraft des Feuers.

Räucherritual:

Nimm eine fertige Räuchermischung oder mische dir selbst eine. Hülle dich in den Rauch ein und bitte darum, dass alles was dir nicht mehr dient, jetzt weiche.

Segenswasser sprengen:

Ich nehme hier immer eine Flasche mit Zerstäuber, mische klares gutes Wasser mit Essenzen und segne es bevor ich mich darin bade und es zerstäube. Dabei lade ich die Liebe und das Segenslicht ein.

Auch wenn es nicht erlaubt ist, dass wir uns sehen, so können wir uns doch miteinander im Herzen verbinden und auf dieser energetischen Ebene zusammen sein.

Ich freue mich auf unsere Begegnung auf dieser Ebene.

Herzensgrüße Monika Roth
alias WoMoline

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Gedankenreise in die Adventszeit

Die Zeit rast dahin und  schon ist  der 2. Adventsonntag vorbei. Trotz Corona ist vieles so wie immer. Wie verbringen die meisten Menschen die Zeit bis zur Heiligen Nacht? In der Arbeit muss noch so viel erledigt werden, dann müssen Geschenke eingekauft werden, der Speiseplan fürs Fest muss überlegt werden, dann dekorieren, einkaufen und und, und. Hört sich nicht gerade entspannt an, oder? Warum machen wir aus dieser besinnlichen Zeit so einen Stress?

In meiner  Kindheit sind wir zusammen in den Wald gegangen, haben Tannenzweige gesammelt und unsere Mutter hat den Adventskranz gebunden hat. Die Kerzen und die Schleifen waren immer rot. Die Schleifen waren vom vergangen Jahr und wurden aufgebügelt. Das war immer eine schöne gemeinsame Aktion, an die ich gerne zurückdenke. Dann haben wir jeden Abend in der Stube zusammengesessen, die Kerze/n am Adventskranz angezündet, gesungen und gebetet. Die Zeit war eine andere. Aber letztlich bestimmen wir immer, wie wir unsere wertvolle Lebenszeit mit was verbringen.

Was für einen Sinn hat die Adventszeit?

Das Symbol der Adventszeit ist der Adventskranz – ein Kreis mit vier Kerzen. Verbindet man diese vier Kerzen mit zwei Linien die durch den Mittelpunkt gehen, erhält man ein Symbol was wohl zu den ältesten der Welt zählt. Mal einen Kreis und zieh die Linien durch und du wirst erkennen, wie oft dir dieses Symbol schon begegnet ist.

Ursprünglich haben diese vier Wochen der Adventszeit eine ganz besondere Qualität. Es ist die Zeit, in der wir uns auf die Wiedergeburt des Lichtes, auf die Geburt des göttlichen Kindes in der „Weih-Nacht“ vorbereiten. Das göttliche Kind das jedes Jahr zur Weih-Nacht neu geboren wird, ist das göttliche Kind in jedem von uns!! Symbolisch ist daher die Adventszeit der Spiegel unserer eigenen Entwicklung als Mensch. 

Wir können die Adventszeit auch mit einem 28-Tage-Prozess gleichsetzen. Die vier Sonntage symbolisieren die heilige Zahl Vier, die wir bei den Jahreszeiten, den Himmelsrichtungen und den Elementen wiederfinden. Jede Kerze symbolisiert eine Himmelsrichtung und eines der Elemente und das Anzünden der Kerzen ist zugleich ihre Aktivierung. Die Elemente entsprechen diversen Eigenschaften in uns und wir sind immer wieder aufgefordert, diese zu entwickeln.

Die 1. Kerze steht für das Element Luft – Einheit.  Ein neuer Funke will sich in dir entzünden, du bist heiter, herzlich, natürlich.
Die 1.  Kerze steht auch für die Vergangenheit. Es geht um das Aufräumen, das Entschleunigen, die Seele will sich erholen. Du kannst das vergangene Jahr reflektieren und segnen. Denn alles was war sind deine Erfahrungen und ein Teil deines Lebens.

Die 2. Kerze steht für das Element Wasser – Zweiheit. Du bist mitfühlend, still, sensibel, du fühlst dich und deine Ideen.
Die 2. Kerze steht auch für die Gegenwart, dein Bedürfnis zu sein, dich angenommen fühlen – in erster Linie von dir selbst! – aber auch Geborgenheit und liebevolle Beziehungen zu erfahren.

Die 3. Kerze steht für das Element Feuer – Dreiheit. Du bist begeistert, schöpferisch und du handelst aktiv.
Die 3. Kerze steht auch für die Zukunft. Frage dich: In welchem Selbst- und Gottvertrauen bist du? Denke dabei an die Worte von Jesus: Dir geschieht nach deinem Glauben. Was denkst du über dich und das Leben. Am 1. Advent hast du Vergangenes gesegnet. Egal was grad in deinem Leben ist, denke mit einem inneren Lächeln an die Zukunft und erwarte das Beste was immer das für dich sein mag.

Die 4. Kerze steht für das Element Erde – Ganzheit. Du bist stark, konsequent, gewissenhaft  – aus all den Elementen und Qualitäten können nun die unendlichen Möglichkeiten des Göttlichen aus der Dreiheit entstehen. Am 4. Advent sollten wir in Frieden sein und das Licht in unserem Inneren spüren. Dann sind wir für die Weih-Nacht, in der das göttliche Kind in uns geboren wird, wundervoll vorbereitet.

Du kannst dir überlegen, was du in deinem Leben verändern möchtest, was dich daran hindert und welche neuen Gedanken, welches Gefühl, welche Qualitäten du in diesen 28 Tagen in deinem Leben manifestieren möchtest. Wenn du immer wieder das Symbol des Adventskranzes betrachtest wirst du erkennen, dass der einzige Ort wo du deine Mitte finden kannst, im Zentrum ist.

Ansonsten befinden wir uns mitten in der vorweihnachtlichen Fastenzeit, dem sogenannten Adventsfasten. Das Fasten soll dazu dienen, Körper, Geist und Seele zu reinigen und sich ganz auf das göttliche Ereignis, die Geburt Jesu zu konzentrieren. Deswegen ist die Fastenzeit nicht nur eine Zeit des Verzichts von Nahrungsmitteln, sondern eine Zeit der Reinigung und geistigen Reifung. Vielleicht nehmt ihr euch jeden Tag einige Minuten Zeit nach innen zu gehen, in euer Herz zu atmen und die Verbindung nach oben und nach unten zu fühlen. Lasst euer inneres Licht leuchten und entfacht das heilende und wärmende Feuer in euch. Es ist eine Zeit der Ruhe, der Entschleunigung, der Innenschau, des Los-lassens und des Sein-lassens.

Ich wünsche allen Leserinnen und -lesern, dass diese Anregungen dazu inspirieren, die Adventszeit bewusst als Zeit der Stille und inneren Einkehr zu verbringen.

Herzensgrüße Monika Roth
alias WoMoline

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„Schiffchenkino“ in Lenz bei Malchow

Wir fahren weiter nach Malchow. Den Stellplatz, den wir uns ausgesucht haben, ist voll. Also fahren wir ein paar Kilometer weiter nach Lenz, wo wir einen sehr schönen Platz vorfinden. Direkt am Lenzer Hafen und dem Kanal, der den Plauer See mit dem Fleesensee verbindet.

Die 4 km langenlange Strecke nach Malchow führt über eine Holperstrasse, die mit dem Fahrrad nicht wirklich Spaß macht und in der Nacht sogar gefährlich wird. Diese Holperstrecke ist aber kein Hindernis, um uns Malchow nicht anzusehen. Als manchmal Technikbegeisterter muss ich die Drehbrücke in Malchow in Aktion sehen. Den durch die Öffnung der Brücke für die größeren Schiffe erforderlichen Aufenthalt überbrücken wir mit einem großzügig bemessenen Eis. Als die Schiffe durchfahren, werfen die Skipper oder einer ihrer „Untertanen“, einer alten Tradition gehorchend eine Münze auf die Brücke. Das ist das Dankeschön an den Brückenmeister, der die Straße sperrt und die Brücke öffnet und schließt. Früher musste so manches mit „Muskelkraft“ geschehen sein, doch heute hat der Brückenmeister eine komfortable Fernsteuerung und kann seiner Tätigkeit ganz entspannt nachgehen.

Der Ort selbst ist wieder sehr schön in Stand gesetzt worden. Nur das Kopfsteinpflaster bringt mein Hinterteil langsam zur Verzweiflung, obwohl ich meinem Hinterteil einen Gelsattel gegönnt habe.
Wir fahren weiter, hinüber zum Kloster und zur Klosterkirche, in der ein Orgelmuseum eingerichtet wurde. Beides gibt leider nicht viel her und so begnügen wir uns mit ein paar weiteren optischen Eindrücken vom Ort und dem Malchower Hafen. Hier, wie schon in den anderen Orten, findet sich im Hafen kein einziges Fischerboot mehr. Auch dieser Hafen ist ein reiner Yachthafen mit Landungsbrücke für Ausflugsschiffe der Weißen Flotte.

Auf dem Rückweg gönnen wir uns noch ein Fischbrötchen. Die gibt es hier in allen Variationen. Ob frisch oder geräuchert, frischer geht es nicht. Diesen McPom-Sushi darf man sich nicht entgehen lassen.

Den Rest der drei Tage verbringen wir neben zwei kleinen Radtouren am See entlang mit Dolce Vita und „Kanalschauen“. Ständig versuchen Enten und Schwäne die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und etwas fressbares zu erbetteln. Dazu wackeln sie kokett mit dem Schwanz, putzen sich wie eine Filmdiva vor ihrem Schminktisch, oder führen (und das ist besonders effektiv) ihren Nachwuchs vor. Auch wir werden unseren Bestand an trocken Brot los. 😉

Ständig fahren Boote von links nach rechts und von rechts nach links. Kleine Boote, große Boote, Boote mit posierenden Bikinischönheiten auf dem Vorderschiff und Blondinen auf dem Schoß des Skippers. Ich konnte mir bisher gar nicht vorstellen, wie kurzweilig ein solches Kanalkino sein kann. Und wer unbedingt das Ganze von der Wasserseite aus erleben möchte, kein Problem, überall finden sich Vermieter von führerscheinfreien Booten.
Es ist auch möglich ohne Bootsführerschein eine größere Yacht oder ein Hausboot zu chartern. Lediglich eine etwa 3-stündige Einweisung ist dafür erforderlich. Nun ja, und ganz billig ist dieser Spaß auch nicht. Nähere Auskünfte gibt es bei der Werft oder dem Charterer ihres Vertrauens! Die Fremdenverkehrsämter oder das Internet helfen gerne weiter.

Ab und an sieht man eines von diesen kuriosen Hausbooten, auf denen ein Wohnwagen oder ein Wohnmobil steht. Wer unbedingt im eigenen Bett auf dem Wasser schlafen will;
Geht nicht – Gibt’s nicht!

Wir begnügen uns mit amüsiertem Glotzen in unseren Campingstühlen und einem Cocktail in der Hand.

Und dann noch ein Tipp: Hier in Malchow gibt es im ehemaligen Filmpalast ein Museum zum DDR-Alltag mit viel Kuriosem, das auch die älteren Wessis (die Ossis sowieso) wiedererkennen werden. Ich empfehle selten Museen, aber hier mache ich bei schlechtem Wetter eine Ausnahme ;-).

Perspektivwechsel: Landblick von einer Müritz-Yacht

In Rechlin sind wir mir Bekannten verabredet, die dort ein „riesiges“ Hausboot liegen haben. Es ist wohl eher ein Schiff aus Stahl und Holz, keine Plastikschüssel, mit zwei Dieselmotoren, die einem modernen Sattelschlepper die Schau stehlen können, nicht nur was die Leistung angeht, sondern auch beim Sound der zu den 17t Gewicht passt.

Wir fahren hinaus über den See zur kleinen Müritz und diese hinauf. Wir lernen das Land von einer ganz anderen Seite, der Seeseite, kennen. Eine wunderschöne Seenlandschaft. Schilfzonen wechseln ab mit üppigem Baumbewuchs, der mich manchmal an Bilder von Mangrovengebieten erinnert. Immer wieder tauchen Gruppen von kleinen Bootshäusern auf. Sie sehen aus wie die Pfahlbauten am Amazonas. Wir taufen die kleine Müritz um zum: „Deutschen Amazonas“. Nur Piranias und Krokodile müssen wir hier nicht fürchten.

Müritz – Bootsfahrt

Wir wollen in einer Badebucht ankern, doch der niedrige Wasserstand in diesem Jahr vereitelt dieses Vorhaben. Wir setzen die Landschaftserlebnisfahrt fort.
Ich darf auch mal ans Steuer. Es ist ein gemächliches dahingleiten. Dennoch ist ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erforderlich. Sehr viel vorausschauendes Handeln ist nötig, um sicher um die Biegungen und Untiefen, als auch um Segler und Kanuten herumzusteuern. Auch können Schwimmer auftauchen (und die sind in der glitzernden Wasserfläche ganz schwer auszumachen), die in den Fahrweg einfach nicht hinein gehören, aber trotzdem da sein können.

Müritz – Bootsfahrt

Am Abend, nach dem Zubereiten eines guten Essens in der Kombüse, lassen wir den Abend mit Sekt und Rotwein ausklingen. Dabei wird mir der Goldene Störtebeker Bierdeckel für die erfolgreiche Erststeuerung eines Müritz-Riesen verliehen. Ganz stolz liege ich an diesem Abend in unserer Koje.

Noch ein Oldtimer

Nachdem uns vor ein paar Tagen in Senftenberg/Lausitz ein seltener Oldtimer begegnete, stolpern wir in Coburg gestern wiederum über einen nostalgischen „Ami-Schlitten“ aber diesmal viel grösser!

gesehen in Coburg

Den als Wohnmobil ausgebaut – das wäre die Show schlechthin. Aber den Sprit will ich nicht bezahlen. 😊😊😊😊 Und wo stellt man den ab?
Auf dem Marktplatz übernachten ist auch nicht so mein Ding.😉😊😉😁

Waren an der Müritz – McPom-Ballermann oder Möchte-Gerne-Monaco?

Früh haben wir uns aufgemacht nach Waren/Müritz. Es wird das Kontrastprogramm zu Neubrandenburg werden. Nur, wir wissen es noch nicht.
Wir fahren über Land. Das Land ist überwiegend vom Ackerbau gekennzeichnet. Riesige Felder, die jetzt zumeist schon abgeerntet sind. Hier und da sehen wir noch die großen Rundstrohballen auf den Feldern liegen. Die Meisten sind aber wohl schon im Trockenen und sicher vor überraschenden Gewittern. Nur vereinzelt sehen wir ein paar Kühe auf der Weide.

Der erste WoMoStellplatz an einem Blumencenter ist voll. So steuern wir die 2. Alternative in Waren an: ein Parkplatz in der Nähe des Hafens direkt an der Hafenpromenade. Schon die Zufahrt ist ziemlich eng und eher für PKWs gedacht. Mit Übernachtung 23€ für einen Stellplatz der Größe 2,5 m x 6 m, seitliches Aussteigen nur für schlanke Menschen vorgesehen, sowie Essensdüfte und Ballermann-Gegröhle inclusive. Die einzige Lehre, die wir daraus ziehen können ist: Fahr niemals einen Stellplatz in der unmittelbaren Nähe eines Hotspots an.

Der Hafen – ein Möchte-Gerne-Monaco?

Aber: wir wollen es ja so! und das werden wir noch bitter bereuen. Der erste Weg führt uns zum Hafen. Der Hafen wird umsäumt von allerlei Hafengastronomie, gelegentlich unterbrochen von Häusern mit Ferienwohnungen.

In den letzten Jahren wurden im östlichen Teil des Hafens Luxus-Immobilien direkt an der Kaimauer hochgezogen. Ein großer offener Platz trennt Boote von den Immobilien. Der Platz lädt zum Flanieren ein. Wer allerdings den Fischern bei der Arbeit im Hafen zusehen möchte, der wird enttäuscht sein. Kein einziges Fischerboot weit und breit. Stattdessen Rundfahrtschiffe, Hausboote und Yachten. Die ganz tollen Yachten liegen natürlich direkt an der Kaimauer, damit die Gaffer sie bei ihrem Abendessen an Deck und beim Champus schlürfen bewundern können. Es ist das gleiche Geschäftsmodell wie in St. Moriz, Kitzbühel oder Rottach-Egern. Die Reichen und Schönen bezahlen teure Schiffchen und Liegeplätze, um sich der Illusion von Wichtigkeit, Glanz und Glamour hinzugeben und dem einfachen Volk wird (kostenlos) die Möglichkeit gegeben auch mal (als Gaffer) „hautnah“ dabei zu sein, um für einen kurzen Moment die Illusion zu inhalieren, wie es sich anfühlt „auch dazu zu gehören“.
So bekommt scheinbar jeder was er braucht und will und die Cleveren kassieren ab.

Wir haben auf Bilder dieses seltsamen Treibens zum Schutz der Persönlichkeitsrechte verzichtet und belassen es bei einem Bild mit Anglern, die gegen die Veröffentlichung des Bildes nichts einzuwenden haben.

Die Stadt – Kulisse für ein zweifelhaftes Tourismusmodel?

Waren, ging im frühen 13. Jahrhundert aus einer slawischen Siedlung hervor und wurde durch westfälische Siedler ausgebaut. Acht Jahrzehnte war Waren Residenzstadt der Fürsten von Werle. Jahrhundertelang gehörte die Stadt zu Mecklenburg-Schwerin. Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges, zahlreiche Stadtbrände und Epidemien warfen die Stadt in ihrer Entwicklung immer wieder zurück. Heute ist Waren mit rund 20.000 Einwohnern der Hauptort an der Müritz und wohl das Zentrum der Urlaubsregion Mecklenburgische Seenplatte.

Die weitgehend gut erhaltene Altstadt mit vielen historischen Bauwerken ist sehr schön restauriert, ebenso wie die am See liegenden Herrschaftshäuser und Villen zu beiden Seiten des Hafens. Sozialistische Einheitsarchitektur konnte sich hier nur in den Außenbezirken etwas durchsetzen. So ist ein zusammenhängendes Gesamtensemble in Waren erhalten geblieben.

Waren die Stadt der größten Schiffspropeller

Von Frank Liebig – Archiv Frank Liebig, CC BY-SA 3.0 de

Bei einer unserer Radausflüge kommen wir am südlichen Ortseingang an einem ausgestellten Schiffspropeller vorbei. Erst später erfahren wir, dass die Firma Mecklenburger Metallguss der Weltmarktführer für große Schiffspropeller ist. 2006 wurde der bis dahin größte jemals gegossene Schiffspropeller mit einem Gewicht von etwas mehr als 130 Tonnen und einem Durchmesser von 9,6 Metern ausgeliefert. Diesen Weltmarktführer hätte ich in einer Stadt am Meer, aber nicht an einem Binnengewässer erwartet.

Waren – ein Kurort?

Davon haben wir zunächst nichts mitbekommen. Das Flair und die Atmosphäre ist eher „Urlaubsort“. Doch seit den 20iger Jahren des 19. Jahrhunderts ist Waren ein Luftkurort. Nach der Wende wurde dieser Titel der Stadt 1999 erneut verliehen.

Inzwischen gibt es ein Kurzentrum auf dem Warener Nesselberg. Die Nutzung der Warener Thermalsole, führte 2012 dann zur Verleihung des Titels „staatlich anerkanntes Heilbad“

Vielleicht liegt das daran, dass das Kurzentrum etwas abgegrenzt vom Stadtzentrum liegt. Viele Kur- und Heilbäder sind oft auf diese Zielgruppe der Kurenden, der Rehabilitationsgäste usw. komplett ausgerichtet was sich dann auch in der Struktur der Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe niederschlägt. Dies trifft auf Waren auf jeden Fall nicht zu. Auch die Namenserweiterung „Bad“ hat die Stadt wohl noch nicht beantragt und wäre aus meinem Erleben auch nicht passend.

Ein Stadtbummel

In Waren geht es deutlich touristischer zu, als in den bisher besuchten Orten. Vor allem Shopping wird stark gefördert. Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus ist gerade Wochenmarkt .
Zu unserer Überraschung finden sich dort auch Bekleidungshändler. Das hatten wir zuletzt in ländlichen Regionen Italiens gesehen. In Süddeutschland kennen wir so etwas auf Wochenmärkten schon lange nicht mehr. Es ist ein Kontrastprogramm zum Tourismus-Shopping, das vor allem von Marken, Marken und nochmals Marken geprägt ist. Das es diese Händler auf dem Wochenmarkt noch gibt, sagt etwas über das Verhältnis der Einheimischen zum Tourismus-Shopping aus. Würden sie es uneingeschränkt befürworten, dann wären die Bekleidungshändler auf dem Wochenmarkt schon längst verschwunden. Aber das sind sie nicht! Und das ist gut so.
Und: es sagt etwas über das Preisniveau und das zugehörige Einkommensniveau aus – es klafft auseinander. Während im Tourismus-Shopping Großstadtpreise verlangt werden, passt das Einkommensniveau offensichtlich nicht zu diesem Preisniveau. Die auf die zahlungskräftigen Touristen ausgerichteten Shoppingmeilen sind für die Ortsansässigen tendenziell zu teuer. Und so sind die fliegenden Bekleidungshändler auf diese Zielgruppe ausgerichtet mit einem Preisangebot das zur Einkommenssituation passt. So mancher Tourist mag solche Märkte romantisch finden, dahinter steckt aber letztlich ein System der Ausbeutung, das man in allen angesagten Tourismushochburgen beobachten kann. Die Einheimischen können sich das Preisniveau ihrer eigenen Regionalwirtschaft nicht mehr leisten. Das ist nicht nur in Waren an der Müritz so, sondern auch auf dem Wochenmarkt in einem touristisch vermarkteten toskanischen Bergdorf, in Almeria, Sevilia oder an der Côte d’Azur.

Einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlässt Waren’s Shoppingmeile in historischer Kulisse bei uns nicht.

Trompe-l’œil-Gemälde

Doch da ist noch was. Wie schon in Neustrelitz, entdecken wir zwei weitere Illusionsmalereien an Gebäudefassaden, die in der Kunst als Trompe-l’œil-Gemälde bezeichnet werden. Nur hier eben nicht auf Bildern sondern auf Fassaden, wobei die real existierende Umgebung der Fassade mit in die Wirkung des Kunstwerks einbezogen wird. Witzige Ideen für sonst vielleicht langweilige oder gar unansehnliche Gebäudefassaden. Sind diese Illusionsmalereien ein Merkmal für McPom?.

Wo Wasser ist, gibt’s Fischrestaurants

Wo Seen sind, da sind auch Fischer. Und wo es fangfrischen Fisch gibt, da gibt’s auch Fischrestaurants. Das ist in Waren auch nicht anders als anderswo. Nach etwas Suchen haben wir in einer Seitengasse der Altstadt ein nettes Fischrestaurants gefunden. Und wir lassen uns zwei Fischfilets servieren. Ich lerne dabei, dass die kleine Maräne im Süddeutschen Raum als Renke, beziehungsweise am größten Binnensee Deutschlands, als Bodenseefellchen bezeichnet wird. Egal welchen Namen man dem Fisch gibt, beide Fischfilets waren vorzüglich. Der Pfälzer Spätburgunder (natürlich trocken), den ich mir dazu ausgesucht hatte, war gut und passend. Ein Spätburgunder Weißherbst der Machart, wie wir sie in den Kellereien im Badischen vor wenigen Wochen verkostet haben, wäre aber die bessere Wahl gewesen. Leider gab die Karte des Restaurants diese Auswahlmöglichkeit nicht her.
Wer in diese Region fährt, der darf ein Fischessen nicht auslassen. Wohnmobilisten mit Kochkünstlerambitionen können sich auch bei den Fischerhöfen frischen oder frisch geräucherten Fisch besorgen. Die meisten Fischerhöfe haben ein großes Schild an der Strasse. Einfach reingehen, fragen was der See heute ins Netz oder in die Reusen gespült hat und auswählen.
Mein Favorit ist frisch geräucherter Aal.

Den Abend lassen wir auf einer Parkbank direkt am Wasser ausklingen und wir schauen den Vögeln bei ihrem Spiel zu, während die Sonne langsam am Horizont verschwindet.

Waren jenseits von Event- und Shopping-Tourismus

Eigentlich wollten wir weiter fahren. Eine Reifenpanne verhindert dies jedoch. Wir haben uns an der Entsorgungsstation ein dickes Loch in den rechten Vorderreifen gefahren. Die Verriegelung für die Grauwasserentsorgung war nicht vorschriftsmäßig umgelegt und schlitzt unseren Reifen auf.
„Dumm gelaufen“.

Anstatt unser nächstes Ziel anzusteuern, organisieren wir uns erst einmal einen neuen Reifen. Natürlich hat der ortsansässige Reifenhändler keinen Passenden vorrätig. Wir sind ja auch nicht mit einem Polo, Golf oder Astra unterwegs. Das beschert uns einen weiteren Tag in Waren.

Nachdem alles organisiert ist, satteln wir unsere Drahtesel und starten zu einer Tour durch den Müritz-Nationalpark.

So sieht Natur aus, wenn man sie sich selbst überlässt.


Mit welcher Selbstherrlichkeit sind wir Menschen doch unterwegs und glauben immer zu wissen, was das Beste für das größere Ganze ist. Hier können wir sehen: die Natur kann gut für sich alleine sorgen.
Das können wir hier nicht nur sehen sondern auch erleben. Einige betrachten die Fahrt durch den Nationalpark als sportliche Herausforderung. Die werden etwas verpassen. Es ist eine von den Touren, bei denen Langsamkeit erst den Zugang zum Erlebnis ermöglicht.
Hilfreich um das Auge (und die Ohren) auf das Erlebnis vorzubereiten ist, eine Führung von einem Ranger der Nationalparkinformationszentren, von denen es am Rande des Nationalparks wohl mehre an den Zugängen gibt. Sie weisen dem Stadtmensch darauf hin, auf was er achten muss, damit man die interessanten Dinge überhaupt sieht, ob das nun Milane oder Seeadler sind, seltene Pflanzen oder unbekannte Geräusche… . Zeit nehmen und Wahrnehmen ist hier die Devise.

Wir haben vor, bis Rechlin zu fahren, doch einsetzender Regen zwingt uns einen Bootsanleger am Bolter Kanal anzusteuern und von dort aus mit dem Schiff die Rückfahrt anzutreten. Bei Regen sieht das Land von der Seeseite trist, nicht wirklich einladend aus.

In Waren angekommen suchen wir uns nur noch etwas zu essen und wollen früh ins Bett. Daraus wird aber nichts. Erstens, weil in der benachbarten Hafengastronomie Live-Musik angesagt ist und wir mit zwei anderen Wohnmobilisten in der Abenddämmerung, (die Regenschauer haben sich längst wieder verzogen,) dem Ballermann-Krawall gehorchend, bis spät in die Nacht „versumpfen“, denn an schlafen ist bei dem Krach nicht zu denken.

Am nächsten Morgen ist alles fahrbereit, nur der neue Reifen fehlt noch. Die Jungs vom Reifenservice haben sich etwas verspätet, aber sie legen sich ins Zeug (vielen Dank dafür) und wir können fast wie geplant um kurz nach 11 Uhr den Platz in Richtung Rechlin verlassen.

Waren an der Müritz: Ein Fazit

Der Text zuvor macht es wohl schon deutlich: besonders begeistert sind wir nicht. Waren ist letztlich eine noch nicht richtig entwickelte und daher schlechte Kopie fragwürdiger Tourismuskonzepte, wie wir sie in Rottach-Egern, St. Moriz, Monaco oder Venedig vorfinden. Die Voraussetzungen für eine Kulisse einer „Schein-Welt“ ist mit viel Geld und Subventionen entwickelt und geschaffen. Aber die Menschen, die das betreiben sollen, passen dort nicht hin. Die können das nicht! Das sind keine Hollywood-Marionetten und das macht mir die Menschen schon wieder sympatisch – weil sie sich nicht einen Habitus antrainieren der nicht zu ihnen passt und den sie auch nicht leben wollen. Ich bzw. wir bedauern sie, denn sie müssen in ihrer Heimat etwas leben was sie nicht sind. Klar, der eine oder andere verdient damit richtig Geld, aber Authentizität und Lebensfreude können sich die Menschen mit dem Geld nicht kaufen und die, die nicht die große Kohle machen, schon gar nicht. So bleibt ihnen nur ein Spiel mitzuspielen, das zu ihnen nicht passt – oder weggehen.

Aber einen Lichtblick gibt es doch. Der Müritz-Nationalpark könnte ein Ansatzpunkt zu einem Umsteuern im Bereich des Tourismus sein. Um weg zukommen von einem schlecht kopierten Tourismuskonzept aus dem Westen zu einem wirklichen Alleinstellungsmerkmal, das sich aus den Begriffen Natur, Heimat, Authentizität und traditionelle Lebensweise der Menschen speist.

Aber vorerst gilt: Es gibt auch andere Eingänge in den Nationalpark – also Waren an der Müritz muss es nicht unbedingt sein.

Neubrandenburg: zwischen Torpedotestanlage und Backsteingotik

Wir fahren weiter nach Neubrandenburg. Der Wohnmobilstellplatz liegt in einem ehemaligen militärischen Sperrgebiet am Tollensesee

Die Torpedoteststrecke

In den Jahren 1941 und 1942 entstand hier die Außenstelle der Torpedoversuchsanstalt Eckernförde in Neubrandenburg am, bzw. im Tollensesee. Der Standort erschien den damals Verantwortlichen ideal geeignet zu sein, da er weit im Landesinneren liegt und somit Schutz vor Spionage und Bombenangriffen bot. Neben den Hallen an Land, die heute kleinen Firmen und einem Radiosender als Standort dienen, sind im See nur noch die Fundamente der Abschussrampen zu sehen. Wie uns ein Einheimischer erzählte wurden die anderen militärischen Anlagen nach dem 2. Weltkrieg zerstört.

Wir entscheiden uns zunächst für eine Tour rund um den Tollensesee. Überwiegend im Wald verlaufend, was gerade bei hohen Temperaturen sehr angenehm ist. Die Wege sind zwar nicht in einem Top-Zustand, aber wenn das der Preis ist, dass es keinen Turbo-Tourismus gibt, dann bezahle ich diesen Preis gerne.

Backsteingotik pur

Am nächsten Tag satteln wir die Drahtesel zur Stadtbesichtigung Neubrandenburg ist für Europas besterhaltene Stadtbefestigung der Backsteingotik bekannt. Die SED-ldiologie hat aber den historischen Stadtkern durchlöchert  – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Stadtmauer und ihre beeindruckenden Stadttore (seit 2019 trägt die Stadt offiziell den Namenszusatz Vier-Tore-Stadt) sind noch komplett erhalten und restauriert.

zerstörtes historisches Gesamtbild

Die Bebauung innerhalb dieser Mauern ist aber leider von sozialistischer Geschmacks-Hegemonie durchseucht. Das was erhalten geblieben ist, wurde wieder in Stand gesetzt. Leider ist an manchen Stellen zu viel durch sozialistische Baukultur ersetzt worden, so dass kein harmonisches Gesamtbild mehr möglich erscheint.

Und während wir vor einem modernen Einkaufszentrum schräg gegenüber von diesem städtebaulichen Frevel diesen Verlust beklagen, rollt auf uns eine Mami-Armada im „Krabbelgruppe-Kampfschritt“ mit ihren Kinderwagen zu, die uns ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht zaubern.

Mami-Parade im Gleichschritt 😉
Stadtmauer Neubrandenburg

Entlang der Stadtmauer bekommt man trotzdem ein gutes Bild von der historischen Architektur. Die Backsteingotik zeigt sich besonders auffällig in den „Monumentalbauten der Epoche: den Stadttoren und den Kirchen, die zu damaliger Zeit wohl die wichtigsten Repräsentanzen der Stadt waren und dem Besucher eindrucksvoll zeigen sollten, wo er sich befand. In einer stolzen und selbstbewussten Stadt, die ihren Reichtum und ihren Einfluss durch diese Bauten dokumentiert. Das ist ein Muster der Stadtarchitektur, dass sich schon seit tausenden von Jahren durch die Geschichte zieht. Rom ist das beste Beispiel dafür. Auch wenn ich nun Neubrandenburg nicht mit Rom vergleichen möchte, aber die Muster und die dahinter stehende Motivation ist die Gleiche. Da, wo in jüngerer Zeit Bausubstanz ersetzt werden musste, geschah es behutsam und mit ästhetischem Gefühl. Der innere Stadtbereich ist aber als historisches Gesamtensemble verloren.

Flusssteinpflaster

Auch hier Flusssteinpflasterung wie in Neustrelitz und Fürstenberg, aber etwas moderater. Das macht auch mit dem Fahrrad nicht wirklich Spaß! Vor den Holpereien muss man auf der Hut sein. Als Ortsunkundiger gilt: Den Lenker immer „fest im Griff!“ – sonst droht Handstand-Überschlag mit harter Landung.

Fundstück auf dem WoMo-Stellplatz

Uns gegenüber steht wieder einmal ein außergewöhnliches Wohnmobil mit einem holländischen Kennzeichen. Das ist Minimalismus pur. Platz für Zwei zum Schlafen, aufrecht stehen keine Chance, Minispüle, Gaskocher und Unterschrank für Vorräte und Geschirr für 2 Personen , mobile Campingtoitette unterm Bett und 2 Rucksäcke für Klamotten und Zahnbürste, zwei zusammenklappbare Campinghocker dienen als Sitzgelegenheit für drinnen und draußen – Das war’s. Und während der Fahrt finden auch noch 2 Fahrräder im Innenraum Platz. So etwas sieht man nicht alle Tage.

Das ist schon fast Back-Packing- (Rucksack-)Tourismus auf vier Rädern. Auch die beiden „Insassen“, die später von einer Radtour zurückkommen entsprechen optisch dem Bild des puren Minimalismus und genau so Wortkarg sind sie auch. Ein in sich wirklich stimmiges Gesamtbild 😉