Wenn Wagner baden geht – Die Lohnengrin Therme in Bayreuth

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Wir haben kein Bild von der Webseite der Lohengrin Therme verwendet, da diese die Realität sehr verzerrt wiedergeben.

Bayreuth hat sein Spaßbad nach einer Figur aus Wagners Opern benannt. Wagner ist für uns „mächtig“, „monströs“, „gewaltig“, „Götterdämmerung“. Das erwarteten wir auch von einer Therme, die sich mit dem Namen einer Wagneroper schmückt.

Unweit der Bayreuther Erimitage, bei der sich ein Besuch lohnt, erhebt sich ein moderner Zweckbau aus der Landschaft mit einem großen Parkplatz davor. Etwas oberhalb des nicht einsehbaren Gebäudekomplexes befindet sich ein kleiner Wohnmobilstellplatz, mit allem was für einen Wohnmobilisten erforderlich ist. Leider werden die Stellplätze inzwischen auch von Campern genutzt und durch die zusätzlich abgestellten Zugwagen kann es eng werden. Der Betreiber scheint das Blockieren von Stellplätzen mit PKW’s und mitgeführten Motorrollern zu tolerieren. Dieser Eindruck ergab sich aus den Antworten der Rezeptionsmitarbeiterinnen der Lohengrin Therme, die wir mit dem Umstand konfrontierten. Wir mit unserem 6m Mobil können auch in einer ganz normalen Parkbucht auf dem Großparkplatz parken, also kein Problem, aber ein positives Bild macht das trotzdem nicht. Schade!

Die von uns erwarteten Attribute von einer Therme in der Wagners Helden baden, werden noch immer genährt. Gegen einen Obolus von über 20 Euro pro Person erbitten wir Einlaß in den Badetempel der Walküren.

Schon mit dem Umziehen gibt’s Probleme. Wir haben irgendwie nicht gecheckt, dass einem von der Kasse schon Umkleideschränke zugewiesen werden. So landen wir erst einmal im falschen Stockwerk und müssen umständlich schon umgezogen unseren Kleiderschrank suchen. Mit der Saunatasche bewaffnet bewegen wir uns durch das Bad in Richtung Saunaeingang. Die Geräuschkulisse im Bad erscheint mir erträglich zu sein. Neben einer großen Wasserfläche mit Massagedüsen und Blubberspaß usw. fällt mir ein größerer Whirlpool ins Auge, der sich bei den Badegästen großer Beliebtheit erfreut. Auf der Galerie, oberhalb der Wasserfläche, scheint die Luft zu stehen, ist überhitzt und hat den typischen Schwimmbadgeruch.

Wir treten ein in den Saunakomplex der Walküren. Erster Drei-Sekunden-Eindruck: Nicht gerade großzügig. Wir müssen wohl unsere Erwartungshaltung, die wir mit Wagner verbinden nach unten schrauben, ist mein erster Gedanke.

Ein großer Raum mit einer in der Mitte angelegten zentralen Duschanlage. Darum herumgruppiert mehrere Saunen, Tauch- und Entspannungsbecken und der Zugang zu einem Ruheraum. Uns fallen zunächst zwei Badegäste auf, die sich an der Rückseite der Duscheinheit angeregt mit einem Bademeister unterhalten, während sie genüsslich ihre (wahrscheinlich mitgebrachten) überdimensionalen Schinkenbrote vertilgen. Obwohl nur drei Personen müssen wir uns an dieser schmatzenden „Menschenmasse“ vorbeiquetschen um auf die andere Seite des Raumes zu gelangen. Das passiert wenn Verbindungswege zu Aufenthaltsräumen werden, weil sonst zu wenig Flächen zur Verfügung stehen. „Wagner-Like“ sieht anders aus.

Dass wir die Festmahl-Hinterlassenschaften gleich noch auf dem Fliesenboden „festgetrampelt“ haben, (damit niemand ausrutscht😂), sei nur am Rande bemerkt.

Nach unserem ersten Rundumblick sagt uns unser Gefühl: „Nix besonderes“. Uns eröffnet sich der Blick auf einen Dachgarten mit einem Wasserbecken, einer hübschen Dachgartenbepflanzung und einer winterfesten Außendusche. Dahinter eröffnet sich ein weiterer Gebäudeteil, der nur über den Dachgarten zu erreichen ist.

Es scheint eine Saunaerweiterung neueren Datums zu sein, mit drei weiteren „Trend“-Saunen, einem Duschbereich und einem Raum mit Fußbad und Whirlpool. Im Stock darüber ein hübsch gestalteter mit Türen abgetrennter Ruhebereich. Leider sind auch hier die „Verkehrswege“ zu den verschiedenen Bereichen sehr knapp ausgefallen. Die Sauna neben den Duschen und dem Aufgang zu den Ruheräumen ist gleichzeitig Aufmarschgebiet für die Liebhaber der Aufgüsse, sodaß vor und nach jedem Aufguß für 20 Minuten (also 2/3 der Zeit) praktisch kein Durchkommen ohne größere Remplerei zu Duschen und Ruheräumen möglich ist. Ein nicht korrigierbarer Planungsfehler. Schade! Auch die Belüftungstechnik hat uns nicht überzeugt.

Unser Fazit ist daher sehr durchwachsen. Das Angebot an unterschiedlichen Saunen und „Wasserentspannung“ bietet für nahezu jeden Sauna-Typ etwas. Der Saunabereich wirkt aber keinesfalls großzügig und hat allerhöchstens den Namen „Lohengrinchen“-Sauna verdient. Mit einem Preisaufschlag von 6 € zum normalen Thermeneintritt ist der Saunaaufschlag durchaus „Wagner-Gewaltig“. Wir finden, wenn man es im Vergleich zu vergleichbaren Einrichtungen im weiteren Umfeld von Bayreuth sieht, zu teuer – da stimmt Preis und Leistung nicht mehr.

Wer auf dem Weg vom Norden in den Süden ist (oder umgekehrt) und einen Boxenstopp mit Kultur & Relaxing einlegen möchte, der sollte eine längere Pause in Bayreuth einplanen. Sehr zu empfehlen ist ein Besuch in der ganz in der Nähe liegenden Erimitage und ein ausgedehnter Spaziergang in den Parkanlagen. Den Saunabesuch sollte man aber nicht in die Prime time legen, denn dann droht das Gefühl: Wegen Überfüllung bitte schließen.

Im Sinne von Wagners Opern lässt sich das Fazit ziehen: „Gewaltig geht anders“.

 

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FRÖHLICHE WEICHNACHTEN!

Weihnachtsbaum mit Halbmond auf der Spitze in Offenburg
Weihnachtsbaum mit Halbmond auf der Spitze in Offenburg

Wir wünschen allen Lesern, allen Freunden und allen Kritikern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest.

Als wir den Weihnachtsbaum von Offenburg vor drei Tagen bestaunen durften, zeigte sich genau über der Spitze ein Halbmond.

Ist das vielleicht ein Symbol und eine Anspielung auf das, was sich gerade in der Welt tut?

Die friedliche Eintacht von christlichen, heidnischen und muslimischen Symbolen und Traditionen – sollte das die MESSAGE an uns sein? Wir haben diesen flüchtigen  Moment für euch festgehalten und schenken euch diese friedliche Eintracht.

Ein Frohes Fest wünschen euch

WoMolix und WoMoline

Herbst vertreibt Winter

Die Wetterlage in diesem Jahr ist kurios. Der letzte Winter – praktisch ausgefallen, ein Frühling, der ganz schnell zum Sommer wurde, ein Sommer der durch Hitzewellen und Trockenheit von sich Reden machte. Und nun ein Herbst, der dem Winter keinen Platz machen möchte.

Weihnachtsstimmung in der Fussgängerzohne Offenburg
Weihnachtsstimmung in der Fussgängerzohne Offenburg

Wir hatten die Reisesaison Ende November eigentlich abgeschlossen. Nach zwei leichten Nachfrostnächten, etwas Schneefall und nachdem das restliche Laub von den Bäumen heruntergefallen war, haben wir das WoMo in der ersten Dezemberwoche winterfest gemacht. Doch dieses kleine Winter-Intermezzo war’s dann auch schon. Der Herbst möchte nicht weichen und dem Winter Platz machen. Also sind wir noch mal losgefahren. Und weil es so schön war nochmal Richtung Oberrhein. Tagestemperaturen von 15 Grad sind vorhergesgt. Nur unwesentlich weniger als wir vor Monatsfrist auf dem Feldberg hatten.

Wir suchen die Vorweihnachtsstimmung. Angesichts der Themperaturen ist diese aber gar nicht so leicht zu finden.

Ein paar Tannenbaumverkäufer, Weihnachtschmuck in den Schaufenstern und ein paar Weinachtsmarktbuden erinnern daran, dass in einer Woche Weihnachten ist. Der hemdsärmlig vor uns laufende junge Mann will aber zu dieser weihnachtlichen Szenerie so gar nicht passen. Auch auf dem Weihnachtsmarkt in Offenburg ist am helllichten Tag nur gähnende Leere zu verzeichnen. Nicht mal „O‘ Du Fröhliche“ oder „Jingle Bells“ dringt an unser Ohr. Die Verkäufer sitzen gelangweilt in ihren Buden, als wollten sie uns sagen: Weihnachten fällt dieses Jahr aus!

Weihnachtsmarkt OffenburgWir warten bis zur Dämmerung. Und siehe da, es kommt doch noch etwas Stimmung auf. Die Lichterketten sind eingeschaltet und der kleine Weihnachtsmarkt füllt sich langsam. Die Futterbuden machen Umsatz und so mancher Besucher hält bei einem Glühwein ein kleines Pläuschchen, während sich die Kinder und Erwachsenen, die sich noch ein bißchen Kindheit bewahrt haben, sich auf der kleinen Eisbahn auf Schlittschuhen zu besinnlichen Klängen vergnügen.Weihnachtsstimmung in Offrnburg am Abend

Das Schwarz der hereinbrechenden Nacht verdrängt langsam das Frühlingsflair und die Beleuchtung schafft die Illusion einer vorweihnachtlichen Schneelandschaft.

Auch „unauffällig“ kann schön sein – Breisach im Breisgau

Breisach1Breisach liegt am Fuße des Kaiserstuhls und am Rhein. Wir stehen am Fuße des Münsterbergs direkt an einem Seitenarm des Rheins. zum Besuch des Breisacher St. Stephansmünsters müssen wir zuerst den Münsterberg hinauf. Für die Mühe werden wir mit einem schönen Ausblick in die Vogesen und auf der andern Seite in den Schwarzwald belohnt.

Breisach2 - MünsterDas Münster fällt durch eine „gewöhnungsbedürftige Innenarchitektur“ auf. Zum einen teilt ein steinerner Quergang die Kirche in zwei Teile. Zum anderen fällt die beeindruckende Wandbemalung von Martin Schongauer auf.
Auch nicht gerade alltäglich ist die zentrale Positionierung einer Reliquie im Altarbereich. Darüber hinaus ist ein sehr schön geschnitzter Hochaltar zu bewundern.
Breisach3 OrtBeim Rundgang durch den Ort präsentiert sich Breisach eher als unauffälliger Ort am Fuße des Münsterbergs. „Auffälliger“ ist der Sekthersteller Gelderman, der bekannt ist für seinen Sekt, hergestellt nach dem Champagnerverfahren, also einem Champus der sich nicht so nennen darf.
Wir verzichten auf einen Besuch im Museum und auf eine Führung durch die Kellerei. Uns ist es mehr nach Natur. So beschließen wir nach einem Cappuccino und einem süßen Teilchen bei herrlichem Sonnenschein und blauem Himmel die Drahtesel aufzuzäumen. Und losgeht’s nach Sasbach, immer am Rhein entlang. Links der Rhein und rechts die Rheinauen und dahinter liegend der Kaiserstuhl.

Breisach4Breisach5

Breisach6Bei der Rückfahrt ist natürlich alles umgekehrt. Wir genießen die Ruhe und die herbstliche Stimmung und das Farbenspiel der Natur bei frühlingshaften Temperaturen die an der 20°-Marke knabbern. Und das im November!

Am Abend fahren wir weiter nach Kenzingen auf ein kleines Weingut. Wir lassen uns den Wein des Winzers schmecken und probieren dazu seinen flambierten Apfelflammkuchen. Das ist die richtige Stimmung um den Rest der Tour zu planen und anschließend an- bzw erheitert in die Kojen zu fallen.

Freiburg – eine Stadt der Gegensätze

Der Wetterbericht vermeldet: Ab sofort wieder Sonnenschein in der Rheinebene und frühlingshafte Temperaturen. Wir verabschieden uns vom Hochschwarzwald. Auf dem Weg nach Freiburg wollten wir noch die Ravennaschlucht besuchen, doch umfangreiche Baumaßnahmen am Parkplatz lassen uns gleich nach Freiburg weiterfahren.

Freiburg ist für mich seit meiner Kindheit die altehrwürdige Universitätsstadt schlechthin. Einzig Tübingen konnte dieser Klassifizierung Konkurrenz machen. Freiburg1 - Bächle großMeine Erinnerungen an Freiburg sind fast 40 Jahre alt. Markanteste Erinnerung sind die „Bächle“ die durch die Altstadt fließen. Mir ist auch noch das Gerücht bekannt, daß unser Alt-Bundeskanzler Kohl bei einem Besuch in Freiburg mit seinem „Dienst-Benz“ in einem dieser Bächle landete und aufwendig wieder herausgehoben werden mußte. Wie gesagt: Ich kenne nur das Gerücht.

Diese Bächle wurden aus der Dreisam gespeist und hatten in früherer Zeit die Aufgabe im Brandfalle sofort genügend Löschwasser zur Verfügung zu haben, also eine präventive Brandschutzmaßnahme. Man könnte sie auch als mittelalterliche Hydranten bezeichnen. Freiburg2 - Bächle kleinDiese Bächle waren früher viel breiter und tiefer als heute. An einigen Stellen, wie z.B. am Schwabentor ist die Orginalgröße noch immer zu sehen. Und in einen Solchen soll der Alt-Bundeskanzler geraten sein.
Ich finde es aber schön, daß man die „Kanäle“ nicht hat verschwinden lassen, sondern sie der modernen Zeit angemessen „schrumpfen“ ließ. So blieb der Charakter der Altstadt aus früheren Tagen erhalten. Und wie man sieht, werden die Bächle, wenn mal gerade kein Wasser durchgeleitet wird, sofort als Fahrradständer genutzt.

Freiburg7 MünsterWas mir bis heute nicht bekannt bzw. bewußt war ist, dass die Altstadt von Freiburg 1944 von den Engländern bombardiert und stark beschädigt wurde. Ein Bild im Freiburger Münster zeugt noch davon. Doch der Sakralbau blieb wie durch ein Wunder verschont. Sehr viele damals zerstörte Häuser (leider nicht alle) wurden nach historischen Vorlagen wieder aufgebaut. Das ist durchaus vergleichbar mit der Rekonstruktion der Umgebung der Dresdner Frauenkirche.

Freiburg3 - UniBibliothekDer Gegensatz altehrwürdiger Tradition und Modernität spiegelt sich im wahrsten Sinne des Wortes in der neuen Universitätsbibliothek wieder. Ob die Architekten die Spiegelung des alten Theaters in der Glasfassade geplant hatten, weiß ich nicht. Ich finde diesen Kontrast perfekt in Szene gesetzt.

Ein weiterer Gegensatz: Eineseits ist die Stadt geprägt von moderner Urbanität die der Mobilität die Priorität gibt. Dies sieht man beeindruckend an Verkehrstunneln und dem Straßenausbau entlang der Dreisam, um den Durchgangsverkehr aus dem Rheintal in Richtung Schwarzwald zu kanalisieren. (Aber Stau gibts trotzdem).
Andererseits ist Freiburg eine „Drahteselstadt“. Allein die Aufreihung der Fahrräder vor der Unibibliothek ist beeindruckend. Das ist aber nicht nur im Universitätsbereich so, sondern überall im Stadtbild gehört das Fahrrad mit dazu. Sicher auch mit ein Verdienst eines,  ich glaube des ersten grünen Oberbürgermeisters, der angeblich auch heute noch mit dem Fahrrad zur täglichen Arbeit ins Rathaus kommt.Freiburg4 Fahrräder

Durch die vielen Studenten ist die „alte Stadt“ auch eine ganz „junge Stadt“. Man merkt es im Straßenbild, bei den Restaurants und Kneipen, an den Graffitis an Hauswänden, Betonmauern oder Bauzäunen.

Freiburg ist durch und durch eine schwäbische, pardon badische Stadt. Sie ist aber auch eine internationale Stadt mit Kontakten in alle Welt. Das zeigen nicht nur die als Mosaik vor den beiden Rathäusern (altes und neues) verewigten Stadtwappen der Partnerstädte, sondern auch die vielen Gesichter die man sieht, wenn man die Passanten in der Stadt beobachtet und die vielen Sprachen die man z.B. in der Markthalle (eher ein Futtertempel als ein Markt für Obst und Gemüse) hört. Und das wirkt alles so normal, es gehört einfach zu dieser Stadt seit Alters her.

Ja, und da ist noch einFreiburg5 Münster innen Wahrzeichen der Stadt. Das Münster. Manch böse Zungen behaupten, nur Rom sei katholischer als Freiburg. Die Verifizierung dieser Aussage überlasse ich den klerikalen Würdenträgern. Das Freiburger Münster reiht sich ein, in die bedeutenden gotischen Bauten des Mittelalters. Der Bau wurde schon viel früher begonnen und so kann man an verschiedenen Freiburg6 Münster innenGebäudeteilen die Entwicklung zum gotischen Baustil erkennen. Viele Stilelemente und statische Kunstgriffe der Baumeister lassen den Einfluß der großartigen Katedralen in Frankreich, allen voran Chartres, erkennen.

Künstlich bleibt künstlich – der Schluchsee

Das Panoramaerlebnis vom Feldberg wäre nicht mehr zu toppen gewesen. So fahren wir weiter zum Schluchsee. Er ist der höchst gelegene deutsche Stausee. Schluchsee1Und so sieht er auch aus. Die Uferbereiche wirken nicht wirklich natürlich. Der Gestaltungswille des Menschen ist erkennbar überall an den Uferbereichen. Es wirkt einfach nicht wie über lange Zeit entwickelt. Die recht großen Schwankungen des Wasserspiegels hinterlassen deutliche Spuren in der Natur. Ein künstlicher See bleibt ein künstlicher See.

Schluchsee3Wir umrunden den See mit den Fahrrädern. Die ca. 18 Km sind locker und schnell bewältigt. Ein Ausflugslokal hat noch geöffnet, in dem sich bei Sonnenschein, Anfang November, auch noch eine stattliche Anzahl von Wanderern, Mountainbikern, e-Bikern und „profanen“ Radfahrern, wie wir es sind, einfinden.

Schluchsee2Ansonsten ist nicht mehr viel geboten. Die Saison ist vorbei und alles macht schon fast einen ausgestorbenen Eindruck. Das Ausflugsschiff ist auch schon auf dem Trockenen und wir beobachten einige Gemeindearbeiter, wie sie letzte Vorbereitungen für den Winter treffen. Ganz dazu passt das Bild der Natur. Bisher gab es wohl noch keinen wesentlichen Nachtfrost. Wir haben aber den Eindruck, sobald dieser erste kräftige Nachtfrost da ist, dann fallen alle Blätter binnen weniger Tage zu Boden.
Aber noch ist es nicht so weit und wir dürfen noch den Spätherbst mit den letzten wärmenden Sonnenstrahlen genießen.

Wir wollen nicht mehr bleiben. Es ist zu trist. Wir konnten an einigen Stellen erkennen, dass sich der Nebel in den Tallagen wohl weitestgehend aufgelöst hat. So entschließen wir uns, wieder dem ursprünglichen Plan – Badische Weinstraße, Rheinebene… zu folgen und wieder Richtung Freiburg zu fahren. Titisee2Dazu müssen wir wieder um den Titisee herum und an der Gemeide Titisee vorbei fahren. Wir legen kurz vor dem Dunkel werden noch einen Boxenstop in Titisee ein. Es ist eines dieser Touri-Orte mit „Orginal-Dings-Bums-Shopping-Meile“; in diesem Falle verkitscht mit Kuckucksuhren. Aber heute verkneife ich mir einen sarkastischen Kommentar :-).Titisee1

250 km Fernsicht

Feldberg1Sonnenaufgang am Feldberg.
Erste Geräusche von der hinter uns liegenden Baustelle zeigen uns an, dass der Tag beginnt. Wir riskieren ein erstes Auge – hinaus zu unserem Sonnendach. Der obere Teil der Bergkuppe mit dem Feldbergturm wird schon von der Morgensonne angeleuchtet. Es dauert nicht lange bis die Sonnenstrahlen auch bis zu uns hinunter auf den Parkplatz reichen.Feldberg3 Gletscher

Eine Skiwiese ist im Sommer, besser gesagt ohne Schnee, kein prickelnder Anblick. Wir erhoffen uns aber einen grandiosen Ausblick vom Gipfel. Nach dem Frühstück ziehen wir die Wanderstiefel an und auf geht’s zur höhsten Erhebung des Schwarzwaldes.

Wir verzichten auf Rucksack und Proviant. Wir vertrauen darauf, dass in einer touristisch sehr gut erschlossenen Gegend genügend Hütten zur Auswahl stehen. Daher haben wir nur eine Flasche Wasser eingepackt. Das wird sich noch als Fehler herausstellen.

Wir machen recht schnell Höhenmeter und es wird klar, wir haben einen von diesen Supertagen mit 250 km Fernsicht erwischt. Oben angekommen können wir im Bergpanorama noch den Mont Blanc eindeutig identifizieren. Meine Kamera gibt das einfach nicht her, um diese grandiose Aussicht lebensecht zu dokumentieren. Das muss man live sehen. Und heute hatten wir mal das Glück zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.

Feldberg4Wir haben das Alpenpanorama vor uns, in einer Ausdehnung, wie man es wahrscheinlich von keinem anderen Ort aus sehen kann. Im Osten können wir die Zugspitze (mit Hilfe der dort aufgestellten Panoramakarte) ausmachen. Das Gebiet von der Schwäbischen Alb bis zum Bodensee und dem bayrischen Voralpenland liegt unter einer dicken Nebelschicht. Von der Zugspitze schweift unser Blick über die im Sonnenlicht gleißenden Gletscherflächen der Schweizer Alpen bis hin zum Mont Blanc, dessen Form wir noch ganz deutlich ausmachen können. Aus dieser Perspektive erhebt sich davor der Schweizer Jura aus den Nebelbänken der Tallagen.
Wir sind überwältigt. Es ist wohl so ein ähnliches Gefühl, das Bergsteiger haben müssen, wenn sie auf dem Dach der Welt, dem Mount Everest, stehen. Der einzige Unterschied ist, dass wir zur Erlangung dieses Gefühls nur einen strammen Spaziergang brauchten.

Feldberg5 BodenseeVom Feldbergturm wandern wir hinüber zum Feldberggipfel. Auch hier eine grandiose Fernsicht. Hier gibt es sogar eine fast 360° Rund-um-Fernsicht. Wir sehen nun auch in das „benebelte“ Rheintal und erkennen die aus dem Nebel aufragenden Vogesen. Im Norden sehen wir auf den in der Sonne liegenden Scharzwaldrücken. Zwischen Schwarzwald und schwäbischer Alb liegt wieder ein weißer Nebel-Teppich; und dann schließt sich das Gebiet zwischen Schwäbischer Alb und Bodensee an.
Feldberg6 GletscherX-mal drehen wir uns im Kreis und doch können wir das Bild nicht in unserem Kopf behalten. Wir halten inne und genießen den Augenblick.
Erst als wir uns aufmachen weiter zu gehen, fällt es uns auf. Auch die anderen Wanderer, die mit uns diesen Ausblick teilen, sprechen so gut wie gar nicht. Es herscht Stille – bis auf die Geräusche die ein leicht böiger Wind mit sich bringt. Es liegt eine Art Ergriffenheit in der Luft.

Wir sind schon gut 150 oder 200 Höhenmeter abgestiegen. Erst da sind wir wieder in einem „Normal-Wander-Modus“.

Feldberg7 RelaxWir wollen nun  eine Hütte ansteuern. Die erste des Weges hatte geschlossen wegen Wassermangel. Die Zweite hat immer am Montag Ruhetag. Wir verlängern unseren Rundweg um weitere 2 x 4 km. Unser Hunger wird langsam „störend“. Wir kommen an und finden einen Zettel an der Tür: es ist heute der 1. Tag der Betriebsferien.
Dafür werden wir mit einem wunderbaren Panoramaweg – der noch mal ganz neue Perspektiven liefert – belohnt.

Wo ist der Kaiserstuhl?

HöllenthalAm Morgen hat sich wieder viel Nebel über der Rheinebene ausgebreitet. Wieder ist alles Grau in Grau. Unsere Hoffnung ist, dass nur unten auf Höhe des Rheins der Nebel die Sicht versperrt. Wir entscheiden uns der Sonne entgegenzufahren. Wir suchen uns eine Route quer durch den Kaiserstuhl die uns zu den höchsten Punkten führen soll. Doch an den Parkplätzen angekommen finden wir nichts anderes als Graue Suppe. Wir müssen erkennen, auch wenn wir noch 100 oder 200 Höhenmeter aufsteigen, mit Sonne wird das heute nichts werden. Die Sonne wird es nicht schaffen, wie in den letzten Tagen, bis zum Mittag den Nebel aufzulösen.

Kurzerhand disponieren wir um. Wir fahren Richtung Freiburg und dann das Höllental hinauf in den Schwarzwald. Schon kurz vor Freiburg – SONNE –

Indian Summer im Schwarzwald
Indian Summer im Schwarzwald

In Hinterzarten stellen wir unser Mobil ab, schlüpfen in die Wanderstiefel und: auf geht’s, der Sonne entgegen. Und obwohl die Sommersaison schon längst vorbei ist, begegnen uns noch recht viele Wanderer und – ich hasse sie – Mountainbiker.
Irgend wann stehen wir vor der Frage unseren Rundweg weiter zu folgen, oder zum Feldberg abzubiegen. Wir entscheiden uns dagegen, da wir doch erst recht spät aufgebrochen sind und wir berücksichtigen müssen, daß jetzt schon früh die Dämmerung hereinbricht. Aber wir ergattern noch einen Blick in die Rheinebene und sehen dass wir alles richtig gemacht haben, denn die Rheinebene und der Kaiserstuhl liegen unter einer dicken Nebelschicht. Ganz im Hintergrund sind noch die Vogesen schemenhaft zu erkennen.

Hinterzarten2
Blick in die Rheinebene – Im Hintergrund sieht man die Vogese

Die Feldbergidee lässt uns aber nicht los und so fahren wir, nach vier Stunden Wandern und einer Brotzeit im WoMo weiter zum Parkplatz am Feldberg. Kein offizieller Platz, aber es stehen schon 8 Mobile dicht beieinander. Dieses Nest vergrößern wir. Wir sind aber nicht die Letzten die heute kommen und übernachten.

Von Lahr zum Kaiserstuhl

7:30 Uhr. Wir lassen Licht ins Mobil. Alles ist eingenebelt. Alles Grau in Grau. So haben wir uns das nicht vorgestellt. Wo ist der Goldene Herbst? Wo ist der Indian Summer?
Wir brechen von Lahr auf in Richtung Kaiserstuhl, wählen aber eine Route durch den westlichen Rand des Schwarzwaldes.Wir fahren über Seelbach und Schuttertal nach Ettenheim. Je weiter wir in den Schwarzwald hinein kommen, um so mehr lichtet sich der Nebel. Und da ist er! Der Indian Summer. Diese Farben und Farbkombinationen gibt es nicht nur in Kanada. Nein, die gibt es auch hier, hier im Schwarzwald! Man braucht nicht 8000 km nach Kanada zu fliegen.☺ Vor lauter Freude über das Farbenspiel vergesse ich das Fotografieren.

Endingen1Ehe wir uns versehen sind wir schon wieder am Rande der Rheinebene. Der Himmel ist nicht mehr so klar und das Licht ist fahl, die Farben matt… Es tut mir irgendwie in den Augen weh! Wir steuern einen Platz in Endingen am nördlichen Ende des Kaiserstuhls an, packen die Fahrräder aus und radeln los. Wir radeln am Fuße des Kaiserstuhls entlang an nicht enden wollenden Obst- und Gemüsefeldern. Endingen2Das meiste ist bereits abgeerntet. Nur vereinzelt sehen wir noch Apfelbaumreihen an denen noch dunkelrote Äpfel hängen. Bei den Gemüsefeldern gibt es nur noch einige Kohlköpfe und Kürbise zu ernten. Endingen3In einiger Entfernung können wir in dem uns blendenden Licht der Abendsonne die Weinterrassen des Kaiserstuhls nur erahnen.

Richtig Freude will nicht aufkommen, denn der Fahrtwind ist kalt und ich ärgere mich, dass ich auf die wärmere Jacke verzichtet habe. Zurück am Übernachtungsplatz gibt’s einen Riesen-Cappuccino, der etwas entschädigt. Der Plan ist, am nächsten Tag in den Weingärten des Kaiserstuhls zu wandern. Doch es wird anders kommen. Wir wissen es nur noch nicht.

Starenkasten auch für Fußgänger?

Fussgängergeschwindigkeitsüberwachung LahrBaden Württemberg ist für mich schon seit langem das „Starenkästenland“. Ich meine damit die grauen Dinger mit rotem Blitzlicht, die bei Stadtkämmerern sehr beliebt, weil einträglich für die Stadtkasse sind.

Das Stadtkämmerer nun auch Jagd auf zu schnell laufende Fußgänger machen ist mir aber neu.
In Lahr/Schwarzwald steht doch tatsächlich ein Starenkasten neuester Bauart im Bereich der Fußgängerzone! „Was soll denn das?“ frage ich mich. Ich umrunde dieses Ding mit ungläubigem Blick. Ich schüttle den Kopf um zu überprüfen, dass ich auch nicht träume. Noch immer kann ich es nicht glauben. Ich zwicke mich in meinen Allerwertesten. Ja, ich träume nicht. Das ist kein bizarrer Traum. In der Fußgängerzone steht doch tatsächlich ein Blitzer…

Daran knüpfen sich einige „lebenswichtige“ Fragen für Fußgänger:

1. Ist die Laufgeschwindigkeit auf Schrittgeschwindigkeit begrenzt? Oder ist schnelles Gehen oder langsames Rennen noch erlaubt?
2. Wie schnell darf man laufen, ohne geblitzt zu werden? Wieviel Meßtoleranz wird abgezogen?
3. Braucht man als Fußgänger ein Nummernschild, um eindeutig identifizierbar zu sein? Und wo muss man das Nummernschild beantragen?
4. Was passiert, wenn man ohne Nummernschild geblitzt wird?
5. Wie hoch sind die Bußgelder für zu schnelles Laufen?
6. Ab wieviel km/h Geschwindigkeitsübertretung droht der Entzug der Lauferlaubnis? Für wie lange?

Für unsere älteren Mitbürger wäre es sicher auch interessant zu wissen, ob die Regeln auch für Menschen mit Rolator gelten… usw usw.

Einen Selbstversuch zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit und zum Herausfinden ab welcher Geschwindigkeit das Monstrum blitzt, habe ich unterlassen, denn ich ich wollte eine Ausschreibung meiner Person zur Fahndung vermeiden. 😉

Also wer nach Lahr fährt dem sei angeraten, seinen Schrittzähler im Auge zu behalten!