Die Donau entlang – von Passau nach Wien #9

Langsam wird es Zeit für die Rückreise. Ursprünglicher Plan: Richtung München mit Zwischenstopp Attersee. Ausnahmsweise fahren wir Autobahn, um Strecke zu machen. Kaum sind wir unterwegs, türmen sich Wolken am Alpenhauptkamm auf. Das gefällt uns gar nicht. Das ist das Schöne beim Reisen mit dem Wohnmobil, wir disponieren um, setzen den Blinker nach rechts und biegen ab Richtung Krems und auf geht’s wieder in die Wachau. In dieser Richtung ist nach wie vor blauer Himmel und die Wachau hat uns ohnehin sehr gut gefallen. Zudem haben wir das Gefühl, dass unsere Köpfe so voll mit Eindrücken sind die erstmal verdaut werden müssen. Da hilft bestimmt Relaxen, Radeln, Wein trinken, Heurige besuchen und gutes Wetter in der Wachau. Wir landen wieder in Rossatz aber diesmal auf einem Campingplatz direkt an der Donau mit grandiosem Blick.

Rossatz2 - CampingplatzWir bekommen nur einen Platz in der zweiten Reihe, aber das macht nichts. Auf dem direkt gegenüberliegenden Donauufer liegt Dürnstein. Dürnstein, ein Touristen Wallfahrtsort, vor allem für Flussschiffsreisende, wird architektonisch von einer alten Festung, von der nur noch einige Mauern stehen und einem alten Augustinerkloster beherrscht. Wir nehmen die Fahrradfähre um und den Ort etwas genauer anzuschauen. Wir finden einen fast etwas verträumten Ort vor. Es sind kaum Menschen unterwegs abgesehen von ein paar Fahrradtouristen. Diese scheinen aber mehr an der Wegstrecke selbst als am Ort interessiert zu sein. Uns fallen einige Restaurants auf, die nicht von den Einheimischen sondern von durchreisenden Touristen leben. Doch alles ist leer. Wir wundern uns ein wenig, denn es ist ja immerhin schon Reisezeit und das Wetter ist ebenfalls gut.
Ebenso fallen uns viele Souvenirläden auf, in denen sich außer dem Verkaufspersonal keine weiteren Menschen aufhalten. Ich frage mich: von irgendwas müssen die doch leben?
Des Rätsels Lösung werden wir erst später erfahren.

Hauptattraktion der feilgebotenen Mitbringsel ist alles was irgendwie einen Bezug zu Marillen hat. Neben dem Wein finden sich hier in der Region vor allem Marillenbäume. Da gibt es Marillenmarmelade, Marillenseife, Marillendüfte, Marillenlikör und natürlich Marillenschnaps.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, als in Deutschland und Österreich noch Mark und Schilling (im Verhältnis  1:7 😉) regierten. In Grenznähe gab’s die „Mitbringsel-Läden“ in denen neben allerhand Kitsch der damals in Österreich wesentlich billigere Stroh-Rum und eben der Marillenschnaps angeboten wurde. Diese Läden in Grenznähe sind seit der Einführung des Euro aber weitestgehend verschwunden. Aber viele kennen sicher noch die runde Flasche mit dem Bailoni-Etikett. Und das Stammhaus des Herstellers ist eben nur ein paar Kilometer weiter in Krems.

Dürnstein1Dürnstein2Es ist ein hübscher Ort; eng gedrängt an den Hang gebaut und in gepflegtem Zustand, so wie man es von einem Touristenort erwartet. Wir wenden uns dem Kloster zu. Am Eingang empfängt uns ein Mann der, nach seiner Kleidung zu urteilen, wohl der Gärtner sein muss und gleichzeitig auch noch das Eintrittsgeld kassiert. Wir kommen mit ihm ins Gespräch. Schon sein englischer Akzent lässt mich daran zweifeln, dass der Gärtner wirklich ein Gärtner ist. Er klärt uns darüber auf, dass der Augustinerorden, zu dem dieses Kloster gehört, der älteste Orden in der Katholischen Kirche ist. Er erzählt uns so einiges über das Ordensleben, die wesentlichen Prinzipien des Augustinerordens, das in Dürnstein keine Bruderschaft mehr existiert, das aber ein benachbartes Kloster immer ein Mitglied ihrer Bruderschaft abstellt um in Dürnstein die Seelsorge zu gewährleisten. Während des Gesprächs keimt in mir der Verdacht, dass wir gerade mit eben diesem Ordensbruder sprechen der derzeit diese Aufgabe übernommen hat. Auf kurios sympathische Weise hält unser Gesprächspartner seine Erzählungen über sich selbst in der dritten Person eisern durch und gibt sich nicht zu erkennen. Ja manchmal ist der Gärtner nicht nur der Gärtner, sondern auch der Pastor, der Seelsorger, der Eintrittskartenverkäufer und Fremdenführer. 😊

Wir verlassen Dürnstein und fahren mit unseren Fahrrädern entlang der Weinberge Richtung Krems. Es sind sehr viele Radwanderer unterwegs. In Krems überqueren wir die Donau. Nach einem gepflegten Cappuccino fahren wir zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Für den Rest des Tages machen wir Flusskino. Wir beobachten die Schiffe die hinauf und hinunter fahren. Die meisten sind Personen- oder Flusskreuzfahrtschiffe. Nach und nach legen an der gegenüberliegenden Donauseite die Kreuzfahrtschiffe an. Es ist interessant zu beobachten, wie die Flusskreuzfahrtschiffe die flussabwärts fahren zum Anlegen ein Wendemanöver machen. Im ersten Moment hat man den Eindruck, dass die Schiffe entweder mit dem Bug oder mit dem Heck am Ufer hängen bleiben müssten, doch die Kapitäne haben das gut im Griff und nutzen geschickt die beachtliche Strömung. Bis zur Dunkelheit liegen am gegenüberliegenden Ufer fünf Kreuzfahrtschiffe.
Dürnstein3Eines davon nervt uns ganz schön in der Nacht. Es scheint ein älteres Kreuzfahrtschiff zu sein, denn wir hören die ganze Nacht die Generatoren laufen, was unseren Schlaf etwas beeinträchtigt. Entschädigt wurden wir mit einem grandiosen Ausblick auf Dürnstein bei Nacht.

 

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Die Donau entlang – von Passau nach Wien #5

Aufgestanden, gefrühstückt, das Haus in Ordnung gebracht und das Abfahrritual durchgeführt. Jetzt geht ’s nach Wien.
Kurz hinter Krems öffnet sich das Donautal immer mehr und wir rollen Richtung Klosterneuburg. Ein flacher Landstrich der uns sofort an das Knoblauchstand bei uns in Franken erinnert. Es ist wohl das Gemüse- und Frischnahrungsmittelversorgungsgebiet für Wien. Wir streifen Zwentendorf, dort wo das einzige Atomkraftwerk Österreichs steht, das allerdings nie in Betrieb ging.

Wien1Wir fahren weiter nach Wien, hinein zum Romanplatz der an einem öffentlichen Strandbad an der Altdonau liegt. Eine Art Naherholungsgebiet mitten in der Stadt.

Nach einer kurzen Pause packen wir die Fahrräder aus und fahren nach Wien hinein.
Man sollte seinen Erinnerungen nicht grenzenlos vertrauen. So muss ich feststellen, dass meine Zeitkalkulation für die Fahrstrecke nur ein Drittel der tatsächlich benötigten Zeit betrug.
Wir fahren zunächst zur UNO-City. Vor 30 Jahren war das ein einzelner Gebäudekomplex der mir schon damals in dieser Stadt wie ein Fremdkörper vorkam. Daran hat sich, wie ich heute feststellen muss, grundsätzlich nichts geändert bis auf die Tatsache, dass sich noch etliche Fremdkörper dazugesellt haben. Mehr Zeilen sollte man für diesen städtebaulichen Unfug nicht spendieren.
Weiter geht’s über die Donau zum Praterstern (den Prater lassen wir links liegen) und zur Urania, einer alten Sternwarte, die in der Kaiserzeit unter anderem die Aufgabe hatte, durch einen Kanonenschuss mittags um 12 Uhr jedem Wiener die Möglichkeit zur Synchronisation seiner Uhr mit der „offiziellen“ Zeit zu geben.
Hier, wo die so berühmte Ringstraße beginnt, haben wir sozusagen den Kern des touristischen Wien erreicht.

Der Stephansdom
Der Stephansdom

Wir stellen gut gesichert unsere Räder ab und laufen die Kärntner Straße einmal hinauf, am Stephansdom vorbei bis zum ‚Sacher‘ und dann wieder zurück. Das muss für einen ersten Eindruck genügen.
Wir sind entsetzt über die Menschenmengen in der Innenstadt. Seit meinem letzten Besuch in Wien vor ca. 15 Jahren, sind rund um die Kärntner Straße eine Menge von Straßencafeplätzen hinzugekommen, die den Platz für die durch die Innenstadt hindurchgetriebenen Reisegruppen zusätzlich reduzieren.
Es ist Freitag. Vielleicht überlagert sich das Wiener Wochentagsleben mit den zum Wochenende hin verstärkt einfallenden Touristengruppen.

Vor lauter Touristen ist kaum noch ein durchkommen.
Vor lauter Touristen ist kaum noch ein durchkommen.

Zusätzlich scheint die Gruppengröße deutlich angestiegen zu sein. Mir fällt eine chinesische (vielleicht auch japanische) Gruppe auf, die durch ihre gelben Capies leicht zu identifizieren ist. Drei Omnibusladungen und ein Führer. Dank moderner Kommunikationstechnik ist das möglich. Ich frage mich, ob diese Führereffizienzsteigerung aus Kostengründen notwendig wurde, oder ob es einfach nicht genügend Fremdenführer in Wien gibt, die des Japanischen oder Chinesischen mächtig sind?

Wir fahren zurück zu unserem WOMO. Der Standort neben dem Strandbad wäre sehr schön gewesen, aber die Verkehrsanbindung ist nicht nach unserem Geschmack. So entscheiden wir uns quer durch die Stadt zu einem offiziellen WOMO Stellplatz zu fahren.
Nach diesem Programm sind wir erst einmal platt. Und so fallen wir auch bei Zeiten in unsere Kojen.

Die Donau entlang – von Passau nach Wien #4

Melk-Krems1Wir rollen weiter die Donau hinunter. Wir hätten nicht erwartet, dass die Landschaftseindrücke so schnell wechseln. Es ist gut, dass wenig Verkehr ist und wir nicht ständig als wandelndes Verkehrshindernis auffallen.

Wir halten auch mehrfach an, um die Luft dieser wunderschönen Landschaften einzuatmen. Von einer Minute auf die andere befinden wir uns in einem Weinbaugebiet. Wir haben die Wachau erreicht. Es ist vielleicht landschaftlich der schönste Abschnitt auf unserer Tour nach Wien.

Melk-Krems2 Melk-Krems3
Krems1

Wir erreichen Krems. Es ist Zeit für eine Pause und einen Cappuccino. Am Rande der Kernstadt finden wir recht schnell einen Parkplatz. Ja, mit einem 6m-Mobil geht das😊. Ein hübsches Städtchen. Die auf einer kleinen Anhöhe stehende Kirche, erklärt uns ein Passant, ist architektonisch der kleine Bruder des Stefansdoms in Wien.

Piaristenkirche in Krems - der kleine Bruder des Stefansdoms
Piaristenkirche in Krems – der kleine Bruder des Stefansdoms

Ok, daß ist schon ein Vorgeschmack auf das was uns in Wien erwartet. Eine Art Wien im Kleinformat. Alles ist kleiner, Niedriger, bitte nicht falsch verstehen „Klein-Bürgerlicher“. Die Wirkung auf mich ist aber genau diese. Vieles erinnert noch an Wien, seine Architektur, seine Gassen, ja letztlich auch der gesprochene Dialekt, der an mein Ohr dringt.

Hier ein paar Impressionen.

Krems3 Krems4Krems5 Krems6

Apropos Cappuccino… wir sind in Österreich und in der altehrwürdigen K&K Kaffeekultur. Im Cafe regieren hier der Kleine und der Große Braune, die Melange, der Verlängerte usw. Wir müssen uns erst daran gewöhnen.

Das Wetter wird immer besser und die Temperaturen haben ein angenehmes, frühsommerliches Niveau erreicht. Wir fahren auf der anderen Donauseite ein Stück stromaufwärts bis nach Rossatz, einem kleinen Weinort. Hier wollen wir nächtigen und zuvor eine ausgedehnte Radeltour unternehmen.

Rossatz1Am Abend sitzen wir mit unseren Stellplatznachbarn zusammen. Ganz spontan schieben wir unsere Campingtische zusammen und haben einen improvisierten und vergnüglichen Abend. Den Wein den wir beisteuern ist zwar ein Spanier, das tut der guten Stimmung aber keinen Abbruch. Am späten Abend wird dann aus der lauschigen Runde ein Sommernachts-Feeling mit Wolldecke. Es ist eben noch nicht Hochsommer und die Temperaturen gehen in der Nacht noch in den einstelligen Bereich zurück.
Weinlaunig ziehen wir uns erst spät, bei wunderschönem Mondschein, in unsere Kojen zurück.