Dolce Vita und Feste feiern in Bracciano

Braccianosee 1Bracciano liegt ungefähr 40 km nordwestlich von Rom an einem See, der nach dieser Stadt benannt ist. Die Stadt liegt auf dem Kraterrand eines alten Vulkans. Unser Übernachtungsplatz liegt etwa auf halber Höhe zwischen den Stadtzentrum und dem See. Im Gegensatz zu Bolsena sind hier in Bracciano die Kraterhänge wesentlich steiler und auch höher. Wer hier herumspazieren möchte, sollte vernünftiges Schuhwerk dabei haben. Den Weg vom See in die Stadt oder umgekehrt mit Flip Flops zu bewältigen, gleicht dem Versuch, den Watzmann mit Stöckelschuhen zu bezwingen. Auch Radfahren ohne maximalelektrische Unterstützung kann man getrost vergessen. Aufgrund der hier herrschenden schlechten Straßenverhältnisse, macht Radfahren am Braccianosee ohnehin keinen Spaß. Aber das alles stört uns erst einmal nicht, denn wir wollen relaxen und wenn es uns gar zu heiß wird, auch mal am Kiesstrand in dem kristallklaren Wasser baden gehen.

Alles ist hier beschaulich. Von der Hektik der Großstadt ist hier nichts mehr zu spüren. Bracciano 1 WoMoKatzeAls wir vom See zurück kommen, ist uns eine Wohnmobil-Katze zugelaufen und beansprucht einen unserer Campingstühle. Die Kleine wird uns so lange wie hier sind auch nicht mehr aus den Augen lassen. Die scheue Mutterkatze ist aber immer in der Nähe und macht uns durch ihr misstrauisches Beobachten klar, dass sie uns die Augen auskratzt, wenn wir ihrem Nachwuchs etwas zuleide tun. Um keinen Konflikt mit der Mutterkatze zu riskieren 😉, wird das kleine Wollknäuel von uns während unseres Aufenthalts gut versorgt und darf in unseren Campingstühlen schlafen.

Das öffentliche Leben ist fast eine Kopie zu Bolsena. Das können wir bei unseren morgendlichen Cappuccinopausen in der Stadt feststellen. Wie in Bolsena beobachten wir ein äußerst aktives Gemeindeleben auf den öffentlichen Plätzen und Straßen.

 

 

Man kennt sich, man pflegt die Beziehungen wann immer sich eine Möglichkeit dazu bietet. Ob im Kaffee, auf dem Wochenmarkt, im Alimentari oder einfach im Vorbeigehen auch hier in Bracciano ist den Menschen das wichtig.

Bracciano 2 RenovierungsstauIn der Stadt selbst lässt sich ein noch recht großer Renovierungsrückstau beobachten. Auch ist das historische Gesamtensemble nicht mehr so lückenlos wie in Bolsena vorhanden. Bausünden aus der Nachkriegszeit stören deutlich das Gesamtbild. Die alles überragende Burg von Bracciano macht hier eine Ausnahme. Sie ist frisch renoviert und zu einem Museum ausgebaut. Bracciano 3 BurganlageAn vielen Stellen in der Stadt kann man erkennen, das nach und nach die alte Bausubstanz wieder in einem sanierten Zustand gebracht wird. Das wird aber noch viele Jahre in Anspruch nehmen.

Am Wochenende ist Straßenfest mit Kunsthandwerkermarkt, Feuerschlucker und Darbietungen unterschiedlichster Vereine der Stadt wie z.B. den Cheerleders, die von einem Platz zum nächsten ziehen und Einwohner wie Gäste mit ihrem Können beeindrucken. An nahezu jeder Straßenkreuzung  hat sich  eine Musikgruppe platziert. Nachdem sich alle Musiker eingespielt haben, wird es je nach Standort der Zuhörer streckenweise sehr laut und ziemlich schräg. Auch die Gaumenfreuden kommen bei diesem Stadtfest nicht zu kurz.

Bracciano 4 AperetivoWir genehmigen uns erstmal einen gepflegten Aperitivo und schauen von unserem exponierten Sitzplatz dem Treiben in der Stadt zu. Gerne hätten wir noch ein oder zwei Gläschen mehr zu uns genommen, doch wir müssen an den Rückweg und den steilen Weg hinunter zu unserem Wohnmobil denken, den wir auf jeden Fall unfallfrei in der Dunkelheit bewältigen wollen.

Zu diesen Stadtfesten in den Sommermonaten, so sagt man uns, gehört in Italien normalerweise immer ein Feuerwerk dazu. Die Zeit bis zum Beginn lassen wir uns von diesen Jazz Old Stars vertreiben.

 

 

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Wie die italienische Finanzpolizei unsere Reisepläne durchkreuzt

Wir haben nördlich von Roms Flughafen bis hinauf nach Santa Marinella eine ganze Reihe von Wohnmobilstellplätzen direkt am Meer ausfindig gemacht. Doch welchen wir auch immer ansteuern, alle Einfahrttore sind geschlossen, niemand da. Ja, die Feriensaison ist vorbei. Wir können uns aber nicht vorstellen, das jetzt schon um Rom herum, total tote Hose ist. Gut, es ist 12 Uhr vorbei und es könnte ja Siesta sein. Doch dort wo Badebetrieb herrscht, haben wir so etwas noch nicht erlebt.

Dann füllen wir eben erstmal im nächsten Conad Superstore in Ladispoli unsere Vorräte und unseren Kühlschrank wieder auf und hoffen darauf dass wir etwas später mehr Glück haben.

Wir Rumpeln wieder die Küstenstraße entlang, die mehr aus Schlaglöchern besteht als aus Fahrbahnbelag. Hier sollen sich gleich vier Wohnmobilstellplätze in Meeresnähe befinden. Hurra, gleich beim ersten ist das Tor geöffnet. Wir fahren hinein doch alles sieht leer aus. An den Dünen steht ein größeres Holzhaus und daneben liegen viele Sportboote auf dem Sand. Sonst ist nichts zu sehen, alles ist ruhig. Komisch!

Wir fahren weiter in das Areal hinein. Auf einmal kommt uns ein korpulenter Herr mittleren Alters entgegen, der uns wie ein Flugfeldlotse auf einem Flughafen mit sich überkreuzenden Armbewegungen signalisiert, dass wir anhalten sollen. Wir haben verstanden, drehen um und verlassen das Gelände wieder. Die Szenerie wiederholt sich fast identisch auch am nächsten Platz. Der übernächste Platz ist verrammelt wie schon zur Mittagszeit. Wir rumpeln weiter über die reparaturbedürftigen Küstenstraßen zum nächsten Platz. guardia_di_finanzaAuch hier wieder geöffnet, aber niemand da. An den vorangegangenen Plätzen war uns ein kleiner weißer Zettel an den Informationsschildern an den Zufahrtstoren aufgefallen, den wir aber bisher keine Beachtung geschenkt haben. WoMoline steigt aus um Informationen über das, was hier vorgeht, zu erhalten. Den Text versteht sie nicht, aber die Unterschrift ist eindeutig: Guardia di Finanza

Die italienische Finanzpolizei, Guardia di Finanza, ist zuständig für das Thema Steuerhinterziehung in Italien. Schon seit vielen Jahren versucht die italienische Finanzpolizei durch Zuordnung von Luxusgütern, wie z.B. sündhaft teuren Sportwagen, Sportbooten und Freizeityachten, wertvollem Schmuck der z.b. bei Casinobesuchen oder Kulturveranstaltungen getragen wird, nachzuweisen, dass diese Güter mit dem bei den Finanzbehörden angegebenen Einkommen nicht hätten bezahlt werden können. guardia-di-finanza-autoAuf diese Weise versucht die Finanzpolizei Steuerhinterzieher dingfest zu machen. Dazu werden immer wieder an geeigneten Orten entsprechende Razzien durchgeführt. Davon war schon immer mal wieder in den Medien zu lesen. Ganz offensichtlich sind wir in eine solche flächendeckende Razzia geraten, bei der alle Strandbäder eines Küstenabschnitts, die auch Sportboote in Verwahrung haben, gleichzeitig von den Finanzbehörden „besucht“ werden.

Wir entscheiden uns keine weiteren Experimente zu machen. Wir fahren zum Braccianosee und hoffen auf eine ähnlich schöne Zeit, wie wir sie in Bolsena hatten.

Braccianosee 1