250 km Fernsicht

Feldberg1Sonnenaufgang am Feldberg.
Erste Geräusche von der hinter uns liegenden Baustelle zeigen uns an, dass der Tag beginnt. Wir riskieren ein erstes Auge – hinaus zu unserem Sonnendach. Der obere Teil der Bergkuppe mit dem Feldbergturm wird schon von der Morgensonne angeleuchtet. Es dauert nicht lange bis die Sonnenstrahlen auch bis zu uns hinunter auf den Parkplatz reichen.Feldberg3 Gletscher

Eine Skiwiese ist im Sommer, besser gesagt ohne Schnee, kein prickelnder Anblick. Wir erhoffen uns aber einen grandiosen Ausblick vom Gipfel. Nach dem Frühstück ziehen wir die Wanderstiefel an und auf geht’s zur höhsten Erhebung des Schwarzwaldes.

Wir verzichten auf Rucksack und Proviant. Wir vertrauen darauf, dass in einer touristisch sehr gut erschlossenen Gegend genügend Hütten zur Auswahl stehen. Daher haben wir nur eine Flasche Wasser eingepackt. Das wird sich noch als Fehler herausstellen.

Wir machen recht schnell Höhenmeter und es wird klar, wir haben einen von diesen Supertagen mit 250 km Fernsicht erwischt. Oben angekommen können wir im Bergpanorama noch den Mont Blanc eindeutig identifizieren. Meine Kamera gibt das einfach nicht her, um diese grandiose Aussicht lebensecht zu dokumentieren. Das muss man live sehen. Und heute hatten wir mal das Glück zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.

Feldberg4Wir haben das Alpenpanorama vor uns, in einer Ausdehnung, wie man es wahrscheinlich von keinem anderen Ort aus sehen kann. Im Osten können wir die Zugspitze (mit Hilfe der dort aufgestellten Panoramakarte) ausmachen. Das Gebiet von der Schwäbischen Alb bis zum Bodensee und dem bayrischen Voralpenland liegt unter einer dicken Nebelschicht. Von der Zugspitze schweift unser Blick über die im Sonnenlicht gleißenden Gletscherflächen der Schweizer Alpen bis hin zum Mont Blanc, dessen Form wir noch ganz deutlich ausmachen können. Aus dieser Perspektive erhebt sich davor der Schweizer Jura aus den Nebelbänken der Tallagen.
Wir sind überwältigt. Es ist wohl so ein ähnliches Gefühl, das Bergsteiger haben müssen, wenn sie auf dem Dach der Welt, dem Mount Everest, stehen. Der einzige Unterschied ist, dass wir zur Erlangung dieses Gefühls nur einen strammen Spaziergang brauchten.

Feldberg5 BodenseeVom Feldbergturm wandern wir hinüber zum Feldberggipfel. Auch hier eine grandiose Fernsicht. Hier gibt es sogar eine fast 360° Rund-um-Fernsicht. Wir sehen nun auch in das „benebelte“ Rheintal und erkennen die aus dem Nebel aufragenden Vogesen. Im Norden sehen wir auf den in der Sonne liegenden Scharzwaldrücken. Zwischen Schwarzwald und schwäbischer Alb liegt wieder ein weißer Nebel-Teppich; und dann schließt sich das Gebiet zwischen Schwäbischer Alb und Bodensee an.
Feldberg6 GletscherX-mal drehen wir uns im Kreis und doch können wir das Bild nicht in unserem Kopf behalten. Wir halten inne und genießen den Augenblick.
Erst als wir uns aufmachen weiter zu gehen, fällt es uns auf. Auch die anderen Wanderer, die mit uns diesen Ausblick teilen, sprechen so gut wie gar nicht. Es herscht Stille – bis auf die Geräusche die ein leicht böiger Wind mit sich bringt. Es liegt eine Art Ergriffenheit in der Luft.

Wir sind schon gut 150 oder 200 Höhenmeter abgestiegen. Erst da sind wir wieder in einem „Normal-Wander-Modus“.

Feldberg7 RelaxWir wollen nun  eine Hütte ansteuern. Die erste des Weges hatte geschlossen wegen Wassermangel. Die Zweite hat immer am Montag Ruhetag. Wir verlängern unseren Rundweg um weitere 2 x 4 km. Unser Hunger wird langsam „störend“. Wir kommen an und finden einen Zettel an der Tür: es ist heute der 1. Tag der Betriebsferien.
Dafür werden wir mit einem wunderbaren Panoramaweg – der noch mal ganz neue Perspektiven liefert – belohnt.

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8 Gedanken zu “250 km Fernsicht

  1. Ein schöner Beitrag ! Wohne zwar nur knapp 50 Kilometer vom Feldberg weg, aber bisher hatten wir immer Nebel dort oben 🙂
    Seid ihr auch noch hinunter zum Feldsee gewandert ! Das ist ein wunderschöner Weg zu einem idyllischen kleinen See, den man vom Feldberg aus schon sehen kann.

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      • In der Tat, es war fustrierend, wenn man vor verschlossener Türe steht, verzweifelt auf die ausgehängt Speisekarte schaut und sich dann mental den Apfelstrudel oder den Kaiserschmarrn mit einem Haferl Kaffee dem Gaumen und den Verdauungsorganen zuführt.
        Es gab aber noch genügend Leidensgenossen, denen es genau so ging. So galt für uns „Geteiltes Leid ist halbes Leid“. Und im Gegensatz zu vielen anderen Wanderern, die mit dem PKW angereist waren, hat unser Womo einen gut gefüllten Kühlschrank. 😊

        Gefällt 1 Person

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