Mit dem Rad den Spreewald entdecken

Unsere Radtouren im Spreewald

Das obere Spreewaldgebiet (Lübbenau, Lübben und Burg) haben wir intensiv abgeradelt und unsere Touren haben wir dieses Mal mit GPS aufgezeichnet. Das E-bike oder Pedelec ist schon zu schnell. Wir, mit unseren Touren-Drahteseln, stellen fest, dass die weitläufige Landschaft zum „schnellradeln“ verleitet. Auf manchmal endlos langen Geraden hat man einen Fixpunkt am „Horizont“ im Auge und die unmittelbar an einem vorbeifliegende Landschaft, mit allen Einzelheiten, nimmt man nicht mehr war. Es ist eine Form der Achtsamkeit auch das unmittelbar Umgebende wahrzunehmen und die eigene Geschwindigkeit dafür zu reduzieren.

Es passiert uns nicht nur einmal, dass E-biker anhalten, weil wir angehalten haben. Wir haben Tiere oder interessante Fotomotive entdeckt die uns bei der langsamen Genussradlerei aufgefallen sind. Die E-biker bestätigen uns, wenn wir nicht angehalten hätten, dann wären sie achtlos vorbei- und weitergefahren. Hier im Spreewald ist langsamer manchmal mehr – so unsere Erfahrung. Wer also in den Spreewald fährt sollte sich etwas Zeit mitbringen.

Natürlich ist nichts gegen den sportlichen Aspekt einzuwenden, bei dem es um Messbares und Vergleichbares, um Kondition und Wettbewerb unter Gleichgesinnten geht. Wer aber das Naturerlebnis auskosten möchte, der ist langsam besser unterwegs.

Radrundtour 1: Lübbenau – Berg

(bei Komoot: hier klicken)

Aufgezeichet mit Locus Map

Es war geplant von Lübbenau über Lehde und Leipe durch das Herz des Oberen Spreewalds nach Burg zu fahren. Wegen Bauarbeiten an einer Brücke  kurz vor Leipe, müssen wir jedoch umkehren und über Boblitz und Raddusch nach Burg fahren. Von Burg fahren wir dann über Leipe und Boblitz wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt in Lübbenau. Mit 48 km (ohne e-) für die erste Tour nicht schlecht. Die letzten 4 oder 5 km tun uns noch nicht Eingeradelten ganz schön in den Oberschenkeln weh. Wir haben den strammen Gegenwind doch ordentlich unterschätzt, der uns auf dem Rückweg entgegenbläst.

Wie abwechslungsreich diese Tour ist, lässt die nachfolgende Galerie nur erahnen. Wir treffen auf eine alte Bäckerei, wo es für uns Cappuccino und ein süßes Teilchen gibt. Uns begegnen Störche, denen wir bei der Brutpflege etwas zuschauen, große Rinderherden, die über das Grasland ziehen (es hat fast das Flair der Serengeti) und ganz unverhofft stehen uns am helllichten Tage zwei Rehe gegenüber.

Natürlich treffen wir auch immer wieder auf die Spree oder Spreekanäle. Und das Grasland verändert sich immer wieder von einem auf den anderen Kilometer.

Zu guter Letzt treffen wir noch auf eine eine Gießkännchensammlung, die im Garten eines Hauses aufgebaut ist. Von da an müssen wir gegen den strammen Wind ankämpfen, der uns dann gar heftig entgegenbläst. Die Aussicht, dass wir uns in die Campingstühle lümmeln können, wenn wir das letzte Stück nach Lübbenau überstanden haben, lässt uns noch mal kräftig in die Pedale steigen.

Radrundtour 2: Lübbenau – Lübben – Alt Zauche und zurück.

(bei Komoot: hier klicken)

Wir fahren von Lübbenau nach Lübben. Lübben trennt das Obere Spreewaldgebiet vom unteren Spreewald. Am Spreewaldhafen fallen uns erstmalig Kähne mit Außenbordmotor auf. In Lübbenau und Burg haben wir das noch nicht gesehen. Dort gibt es die Fortbewegung auf dem Wasser offenbar nur mit Muskelkraft.

Auf der 46 km langen Tour durchfahren wir eine sehr abwechslungsreiche Landschaft in der eine Menge Naturerlebnisse und -beobachtungen möglich sind. Voraussetzung ist langsames radeln und viel Aufmerksamkeit. Je nach Jahreszeit ist auch eine Menge für Hobby-Ornithologen und Tierfotografen dabei. Der Spreewald ist eine beliebte Sammlungs- und Zwischenstoppregion für Zugvögel. Der Spreewald scheint dafür ideal zu sein. Offenes Grasland, Feuchtwiesen, keine oder nur wenige Hochspannungsleitungen, viel Ungestörtheit und Weitläufigkeit und ein Nahrungsangebot dass den Scharen von Zugvögeln zur Verfügung steht. Neben dem zotteligen Griesgram begegnet uns nur noch ein einsamer Storch und eine Menge an „Kleingetier“

Die Geschichte Lübbens reicht bis in das 12. Jahrhundert zurück. Doch viele historische Zeugnisse aus der langen Geschichte fielen im 2. Weltkrieg den Kämpfen zum Opfer. Lübben würde zu ca. 85% zerstört. Es sind nur wenige historische Baudenkmäler erhalten geblieben. So ist eine eher modern anmutende Kreisstadt mit einzelnen historischen Gebäuden im Stadtbild entstanden. Der Marktplatz mit dem Rathaus (mit moderner Architektur) wirkt auf uns noch am ansprechendsten.

Die Landschaft und das Naturerlebnis hat für uns den größeren Reiz als die Stadt und so machen wir uns recht schnell wieder auf den Rückweg.

Unkommentiert möge die folgende Foto-Galerie unsere Eindrücke illustrieren:

Zurück geht es über Alt Zauche einem kleinem Ort am Rande des inneren Spreewalds. Von dort aus war geplant, über Wotschofska und Lehde nach Lübbenau zurückzufahren. Eine Reifenpanne verhinderte jedoch diesen Weg. Bei einer Wanderung haben wir Wotschofska dann doch noch besucht. Dieses Spreewald-Gebäudeensemble Ist heute ein Ausflugslokal und Biergarten, das sowohl von den Kähnen, als auch von den Kajak- und Kanufahrern gerne angesteuert wird. Den Krimifreunden wird diese Kulisse vielleicht bekannt vorkommen, denn einige Szenen wurden und werden hier für den Spreewaldkrimi gedreht. Ich kann das nicht beurteilen, denn ich bin kein (Fernseh)krimiserienfreund. Um ehrlich zu sein, ich wusste nicht einmal, dass es einen Spreewaldkrimi überhaupt gibt, bis ich das auf einer Hinweistafel gelesen habe.

Radtour 3: von Lübbenau ins ehemalige Bergbaugebiet.

(bei Komoot: hier klicken)

Wir wollen nun einmal weg aus dem Touristengebiet und sehen, wie es an einem inzwischen stillgelegten Tagebergbau aussieht. So fahren wir in südwestlicher Richtung entlang des Lichtenauer Sees. Das „große Loch“ ist schon geflutet, aber die Renaturierungsarbeiten (oder sollte ich besser „Landschaftsgestalltung“ sagen) sind wohl noch lange nicht abgeschlossen. Die kleinen Orte, durch die wir fahren, erinnern mich an Bilder aus dem ländlichen Polen oder auch an Orte in der Pusta in Ungarn. Auf dieser Tour sind wir fast vollständig allein. Außer zwei Radlerpaaren, die wir sofort als Touristen identifizieren können, begegnen uns keine weiteren Personen. Es wirkt fast wie ausgestorben. Dafür haben wir die Bekanntschaft mit einer Waschbär-Familie gemacht. Waschbären haben wir hier nicht erwartet. So schnell, wie sich die putzigen Tierchen bei unserem Anblick verkrümelt haben, habe ich die Kamera nicht startklar bekommen.

Sehr spannend sind diese 31 km nicht. Wir können uns aber vorstellen, wenn die Renaturierung abgeschlossen ist und sich eine Infrastruktur für Naherholung und Tourismus entwickelt hat, dass dieses Urteil sich verändert. Wer einfach nur eine einsame Strecke zum Radfahren oder Joggen im Grünen sucht, der ist heute schon gut bedient.

Und weil es gerade so schön warm ist genehmigen wir uns am Marktplatz in Lübbenau ein sehr wohlschmeckendes Eis aus einer regionalen Eismanufaktur.

Radrundtour 4: Durch den inneren Oberspreewald

Eine etwas kürzere Tour mit ca. 18 km führt uns durch den Inneren Spreewald und über Boblitz wieder zurück nach Lübbenau. Einfach etwas Genussradeln durch den „Grünen Urwald“ an der Spree. Die Eindrücke links und rechts des Weges wirken auf uns wie eine undurchdringliche „grüne Hölle“. So stelle ich mir es irgendwie im Amazonasgebiet vor. Scheinbar undurchdringlich, feucht und sumpfig, abenteuerlich und geheimnisvoll – nur eben kleiner als am Amazonas. Nur große wilde gefährliche Tiere oder gar Piranhas haben wir nicht gesehen, außer ein paar wilden E-Bikern, vor denen man sich tunlichst auf den schmalen Wegen in Acht nehmen sollte. 😜

Radrundtour 5: Um den Oberspreewald herum.

(bei Komoot: hier klicken)

Mit 50 km  ist diese Tour unsere Längste. Größere Teile sind wir schon gefahren. So findet diese Tour eher unter dem sportlichen Aspekt statt. Sie führt uns von Lübbenau über Alt und Neu Zauche nach Straupitz. Diese beiden Orte haben wir bis dato noch nicht gestreift. Von dort fahren wir über Raddusch und Boblitz, das wir schon kennen gelernt haben, wieder zurück. Auf dieser Tour sind wir fast ausschließlich am Grenzbereich zwischen dem eigentlichen Spreewald und dem, den Wald umgebenden Grasland unterwegs.

15 Gedanken zu “Mit dem Rad den Spreewald entdecken

  1. Hallo WoMolix, die Gegend kenne ich bisher noch gar nicht, daher verfolge ich mit großem Interesse deine Beiträge darüber. Danke für den kleinen Einblick, der mein Fernweh weckt 🙂
    Liebe Grüße aus Do, heute bei angenehmen Temperaturen, Annette

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  2. Sehr schöner Beitrag zu euren Radtouren. Das Radeln dort macht wirklich Spaß,, weil alles flach ist und man viel entdecken will. Aber wie auch von euch angemerkt, auch auf dem Pedelec sollte man Landschaft und Natur genießen. Ich steige oft ab, um an Wegesrand etwas zu fotografieren. Flott radeln macht Spaß, aber rasen sollte man vermeiden. Obwohl manche wohl nur viele Kilometer machen wollen. LG Sigrid

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    • Ja Sigrid, so ist es. Beides hat seine Berechtigung und darf sein. Radfahren zur körperlichen Ertüchtigung und Verbesserung der Fitness ist eine legitime Zielsetzung. Wenn dann aber auf dem Pedelec die höchste unterstützungsstufe eingestellt wird, dann machen sich die Fahrer über den Nutzen ihres Handelns etwas vor und es wird zum reinen und sinnlosen Kilometerfressen.
      LG WoMolix

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      • So ist es. Trotz Pedelec versuche ich immer alles in Eco zu fahren, ab und zu Tourmodus, wenns steiler wird. Das schwere Pedelec im Eco Modus zu bewegen, auch mal leichter bergauf verhindert schnelles Fahren sowieso! Wir fahren lange Touren, da muss der Akku schon mal lange halten, also geht es gar nicht anders, aber ich kenne auch Leute, die fahren dann 20 km im Turbogang und denken, sie hätten was für sich getan 🙂

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    • Ihr habt das verstanden. 😃 Das heißt aber noch lange nicht, dass das alle verstanden haben. Meine Wahrnehmung ist, dass die allermeisten das noch nicht verstehen. Und das sind meist auch diejenigen, die das Risiko ihres Handelns vollkommen unterschätzen.
      Wir hatten vor zwei Jahren zwei ganz brenzlige Situationen, bei denen wir nur ganz knapp an einem Schädelhirntrauma vorbeigeschrammt sind. Ursache: E-Biker die mit ihrem Sportgerät hoffnungslos überfordert und viel zu schnell unterwegs waren.

      Gefällt 2 Personen

    • Bitteschön! Das klingt bei dir ja fast wie bei einem kleinen Kind kurz vor Weihnachten. Die Vorfreude ist eben doch die schönste Freude. Und wenn ich dazu beitragen konnte, dann ist es doch doppelt schön.
      LG …

      Gefällt 1 Person

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