Volterra – die Alabasterstadt in der Toskana

volterra-2Es ist wohl schon mehr als 20 Jahre her, dass ich in Volterra war. In lebhafter Erinnerung ist mir ein Laden mit Alabasterprodukten geblieben der sich direkt am Ortseingang auf einem kleinen Platz befand. Gegenüber, an der durchbrochenen Stadtmauer und dem Wendeplatz für Omnibusse, gibt es einen Punkt mit grandioser Aussicht über die Dächer der Stadt hinein in das weite Land. Soweit ich mich erinnere, ein beliebter Platz für alle Hobbyfotografen.

Auch in Erinnerung geblieben ist mir der Besuch in einer Alabasterschleiferei in der die Produkte und Kunstwerke aus lichtdurchlässigem Gestein hergestellt werden. Damals, vor 20 Jahren, gab es in den Seitenstraßen noch einige dieser Schleifereien. volterra-1Sie sahen etwas unaufgeräumt aus, versteckt in Kellern, Innenhöfen und der Alabasterschleifstaub war überall. Ich bin gespannt darauf, ob sich Volterra heute noch so präsentiert, wie ich diese Stadt in Erinnerung habe.

Der Wohnmobilstellplatz liegt viele Höhenmeter unterhalb des Stadtzentrums. Das heißt wir haben erstmal eine Menge Treppenstufen zu überwinden.

Nach ein paar Metern, oh wie schön, finden wir eine Alabasterschleiferei die individuelle Kunstanfertigungen herstellt. Aber alles top sauber, kein Schleifstaub, eine moderne Staubabsauganlage und einige Exponate schön im Schaufenster dekoriert. Wir können durch das Schaufenster auch zuschauen, wie die Künstlerin an einem Stein arbeitet. Ich denke mir: „Oh, wie schön, es scheint alles noch wie damals zu sein. Nur vielleicht etwas modernisiert“ und ich bin voller Hoffnung, dass wir noch weitere dieser Betriebe bei unserer Besichtigung sehen werden. Doch diese Hoffnung erfüllt sich nicht. Gleich neben an eine weitere „Schauschleiferei“. Es werden die einzigen Schleifereiateliers bleiben, die wir in den alten Stadtmauern finden werden. Dafür finden wir etwas später ein Plakat das, soweit unser italienisch reicht, auf Besichtigungen in einer Schleiferei unten im Tal hinweist. Aber alles in italienisch, dessen wir nicht mächtig sind. Wir hätten gerne noch einen Tag mit einem Besuch dort dran gehängt, aber wenn wir gar nichts verstehen, dann begnügen wir uns mit dem abfotografieren des Plakats.

Nur wenige Meter von den Alabasterschleiferei-Ateliers entfernt treffen wir auf die erste Touristenstraße. Hier reiht sich Souvenirladen an Souvenirladen natürlich in der Alabasterstadt mit allerlei Produkten aus Alabaster. Alabasteraschenbecher, Alabasterelefanten, Alabasterlampen, Schachspiele aus Alabaster, Kugeln, Herzchen, Briefbeschwerer. Es gibt, glaube ich nichts, was man nicht aus Alabaster herstellen kann. Und all das findet sich in den Auslagen der Läden. Kommt man aus dem 5. Laden heraus stellt man fest: alles wiederholt sich. Jeder hat die gleichen Produkte, jeder hat die gleichen Preise, zwar unterschiedlich dekoriert und mit anderen Produkten wie Wein oder Olivenöl kombiniert, aber alles das Gleiche. Der ganz überwiegende Teil sind standardisierte Massenprodukte vermutlich auf computergesteuerten Kopierschleifmaschienen in industriellem Maßstab hergestellt.

Alle Läden können offenbar von dem massigen Touristenstrom leben. Wir müssen lange suchen bis wir Läden finden, die Unikate anbieten, die unter künstlerischen Aspekten „wertvoll“ oder zumindest einzigartig sind. Beim Blick auf die Preisschilder wird das auch sofort deutlich. Der Preisunterschied ist enorm im Vergleich zur der sonst üblichen Massenware. Für den Preis bekommt man dann Unikate, oder wenigstens handgefertigte Exemplare, wie sie wohl in der Schaumanufaktur, an der wir vorbeigekommen sind, hergestellt werden.
Ich kann mir gut vorstellen, dass es nicht jedem dieser Künstler angenehm ist sich über die Schulter schauen zu lassen. Und so vermute ich, dass auch noch etliche dieser Steinschleifer im Verborgenen arbeiten.
Man kann herausragendes Kunsthandwerk finden das diesem Wort gerecht wird. Aber man muss es suchen und muss das nötige Kleingeld mitbringen.

Wir kommen zu dem Platz der mir noch in Erinnerung geblieben ist. Den Laden mit den Alabasterwaren gibt es also noch. Es scheint sich also nicht sehr viel verändert zu haben. Lediglich den Platz vor dem Geschäft hatte ich wesentlich weitläufiger in Erinnerung. In diesem Laden häufen sich die besonderen und teuren Stücke. Es ist einer der Läden, in denen man Unikate und von Künstlern hergestellte Skulpturen, Lampen aber auch Gebrauchsgegenstände finden kann. So entdecke ich schon beim Eintritt in das Geschäft einen nicht zu übersehenden Hinweis: No Photo. Hier soll wohl dem Ideenklau entgegengewirkt werden. Somit ist mal wieder fotografieren aus der Hüfte angesagt ;-).
Dunkel erinnere ich mich, dass ich mich vor 20 Jahren für ein Schachspiel aus Alabaster interessierte, aber mich dann doch nicht zum Kauf eines solchen entschließen konnte. Auch heute entdeckte ich zwei außergewöhnlich gestaltete Schachspiele. Unsere häuslichen Gegebenheiten sind heute andere, wodurch ein solches Exponat keinen angemessenen Platz bekommen würde. Diese wunderschönen Arbeiten in einem Schrank zu verstecken, das wäre ein Frevel. Ich freue mich an den künstlerischen Arbeiten, aber ein Kauf kommt nicht in Frage.

Genug Ge-Alabaster-t. Nun ist die Postkartenansicht daran. Wir verlassen den Laden, überqueren den Platz und genießen die toskanische Postkartenansicht zusammen mit vielen anderen Touristen. Sie versuchen entweder, genauso wie wir, dieses schöne Panorama einfach in sich aufnehmen, vielleicht sogar krampfhaft das Bild zusammen mit dem erhebenden Gefühl in ihre Erinnerung fest einzubrennen, oder aber sie warten einfach auf ihren Bus. Für die, die gelangweilt auf einem Stück Stadtmauer sitzen und ihr Lunchpaket in sich hineinmapfen, gilt vermutlich letzteres ;-).

Wir gehen in eines dieser Szenecafés, die man immer häufiger auf den Touristenmeilen finden kann. volterra-8-3-cafe-bar-schauraumDas Café oder die Bar, ich weiß nicht genau wie ich das bezeichnen soll, ist nicht nur ein Ort um schnell mal einen Espresso oder Cappuccino zu trinken, sondern ist gleichzeitig auch Weinhandlung, Olivenölhandlung, es werden feine Schokoladen angeboten, Wildschweinsalami, eingelegte Trüffel und noch so manche weitere Leckerei, die man auch gleich als Bestandteil kleinerer Gerichte probieren und verzehren kann.
Uns hat aber gar nicht das verlockende Angebot zum Einkehren in dieses Lokal bewogen, sonderen dieser putzige Kerl, der Lucaffe, der auf Dosen, Tassen und Plakaten uns von allen Seiten anlächelt. Na klar, diese Kaffeebohnendosen samt Inhalt gibt’s natürlich auch zu kaufen. Bei dezenter, verkaufsfördernder Hintergrundmusik zelebrieren wir italienisches dolce vita.

Mit einem Cappu und einem süßen Teilchen im Bauch setzen wir frisch gestärkt unsere Besichtigung fort.

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7 Gedanken zu “Volterra – die Alabasterstadt in der Toskana

    • Es kommt noch ein 2ter Teil… und eine Geschichte über Wandzeitungen 😉
      Volterra ist ist auch schon sehr touristisch geprägt aber im Vergleich zu Pisa zum Beispiel, ist ein Besuch durchaus lohnenswert.
      Wir haben es auf jeden Fall genossen.

      Gefällt 2 Personen

  1. Diese durchscheinenden Alabasterlampen sind ja eine Wucht! Aber auch zu meinem „wohnlichen Ambiente“ würde ein solches Kunstwerk eher nicht passen. 😉
    Wenn ich das nächste Mal in Bella Italia bin – Ende Februar weile ich für ein paar Tage in Padua – dann werde mich mich nach einer solchen Lucaffé-Dose umsehen, ich steh‘ auf so was. 😉

    Gefällt 2 Personen

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