Italien ein Land der heißen Quellen

Es wird uns am heutigen Tage bewusst, dass Italien eine geologisch unruhige Region ist. Wir erhalten durch eine SMS die Nachricht, dass sich wieder einmal ein Erdbeben mit mehreren hundert Toten ereignet hat, kaum 150 km von uns entfernt. Unsere Lieben und Bekannten wollen natürlich wissen, wo wir gerade stecken und ob es uns gut geht.

In diesen geologisch unruhigen Regionen mit sich häufenden Erdbeben und mit aktiven Vulkanen (jeder kennt den Vesuv und Stromboli), da finden sich auch immer wieder heiße Quellen.

Wir haben beschlossen, dass wir weiter landeinwärts fahren wollen. Auch wenn die Gefahr von Nachbeben besteht, so wagen wir uns doch in Richtung des Epizentrums des Erdbebens. Auf unserem Weg liegt Saturnia. Die heißen Quellen von Saturnia locken uns. Es geht über zum Teil abenteuerliche Nebenstraßen, die ab und an hochalpinen Charakter haben, ins Landesinnere. richtung-saturniaMit zunehmender Höhe tauchen immer mehr Olivenhaine auf, die sich mit Reihen von Weinstöcken abwechseln. Malerische Orte, die meist auf den Spitzen der Hügel liegen, säumen den Weg. Erwähnenswert auf dem Weg nach Saturnia ist Magliano in Toscana mit seiner imposanten Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert und Montemerano, einem liebevoll renovierten kleinen Ort, in dem sich einige Großstätter ein Feriendomizil geschaffen haben. In der Nebensaison sieht man aber das Dilemma, dass in vielen kleinen Orten der Region besteht. Es heißt: man sieht nur Katzen und ältere Menschen. Die Jungen gehen weg und die Region vergreist. Die Sozialstruktur kann sich nicht mehr erneuern. Die Lebenskultur der Region stirbt und wird nur kurzzeitig im Jahr durch eine Touristenkultur ersetzt.

Wir können und wollen auch gar nicht alle Orte hier vorstellen. Die ihnen eigene Lebensart der Menschen muss man ohnehin selbst erleben. Wir haben aber immer das Gefühl, die verbliebenen Menschen leben hier im Einklang mit der Natur und ihrer Region. Nicht nur die immer wieder zu sehenden italienischen Fahnen zeugen von einem National- und Regionalstolz, der ein tiefes Bekenntniss zu ihrer Heimat ausdrückt. Wir fragen uns: “Wie lange noch?”

Wir erreichen Saturnia. Schon bevor wir etwas sehen können, nehmen wir den „Duft“ der schwefelhaltigen Quellen wahr.

saturnia-1Die 37° heißen Quellen von Saturnia sind frei zugänglich. Da sie schon lange kein Geheimtipp mehr sind, sind sie von Tagestouristen in der Feriensaison überlaufen. Die offiziellen Parkplätze sind tagsüber voll und auf den bergigen Zufahrtsstraßen wird jede noch so kleine Parkmöglichkeit am Straßenrand genutzt. Mit einem Wohnmobil ist man da nicht wirklich wettbewerbsfähig, außer man ergattert einen freien Platz auf einem der beiden WoMo-Stellplätze.

Das ultimative Badeerlebnis im Sommer versprechen sowieso eher die Abend- und Nachtstunden. In den Becken liegen und in das Himmelszelt mit seinen unzählbaren Sternen schauen, dabei das Rauschen des in die Becken hineinstürzenden Wassers genießen, das ist schon eine Wucht! Einzig der etwas penetrante Geruch nach fauligen Eiern, der schwefelhaltige Quellen immer begleitet,“trübt“ etwas das Sinneserlebnis – zumindest für feine Näschen.😊

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11 Gedanken zu “Italien ein Land der heißen Quellen

  1. Hallo WoMolix,
    beim Stöbern, Stichwort „Wohnmobil, habe ich Eure Seite gefunden, bin gerade beim Blättern durch die Berichte. Waren das noch Zeiten als man in Saturnia noch ganz alleine war und mit dem Womo fast bis ins Wasser fahren konnte.
    Das mit dem Vulkanismus in Italien ist einerseits faszinierend, birgt aber auch furchtbare Erlebnisse. Auf unserer Italienreise waren wir in Castelluccio. Ein Geologe zeigte mir die handbreiten Erdspalten, der Weg zum Pilatussee war gesperrt. Der gesicherte Kirchturm in der alten Stadt ist mittlerweile eingestürzt. Amatrice, eine ehemals wunderbare Stadt, ist weiträumig abgesperrt. Der Etna ist wieder ausgebrochen und unterhalb des Gipfels des Vesuvs, hoch über den Lichtern Neapels, auf der riesigen Magmablase zu schlafen hat mir einige unruhige Minuten gekostet. Schön ist die Terme Caronte in Kalabrien, die ein ehemaliger Häftling liebevoll betreut. In sternenklaren Nächten alleine im Wasser zu sein, wundervoll.
    Danke für Eure Berichte und die Bilder.
    Viele Grüße Italien schickt der Peter

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  2. Sternenhimmel über dem Kopf, während man wohlig im warmen Wasser liegt. Das muss himmlisch sein! In NZ habe ich das leider streichen müssen. Und warum WP mir ab und zu meine abonnierten Blogs rausknallt, bleibt mir ein Rätsel! 😉

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  3. Während meines Padua-Aufenthalts war ich kurz in Battaglia Terme in den Euganeischen Hügeln. Auch dort blubbert und sprudelt Thermalwasser allerorten. Die Quelle, zu der ich eigentlich per Zufall während einer Wanderung geriet, roch eher metallisch…

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    • Immerhin die Quellen und Badebecken sind frei zugänglich und nicht ausschließlich in privater Hand, wie das heute oft bei uns der Fall ist.
      Bei gutem Marketing lässt sich dann schon ’ne ganze Menge Geld extra rausquetschen.
      Auf diese Weise werden die Menschen am unteren Ende der Sozialscala ausgeschlossen – oft sind das auch die Einheimischen, die das erste Recht auf ihr Naturerbe hätten.

      Unfair wie ich finde, denn die Naturwunder dieser Erde gehören Allen. Mensch und Tier! und nicht nur ein paar Wenigen, die dann Sozialauslese nach Gutsherrenart betreiben dürfen.

      Ich finde das eigentlich ganz gut gelöst. Die Quellen sind weiterhin für die Allgemeinheit, wie vor 2000 Jahren, frei zugänglich.
      Wer die Nase etwas höher trägt, der kann in das neben an liegende und fast nicht einsehbare Luxusresort gehen mit Exclusiv-Thermalbecken, Jaccuzi-Düsen, Massage, Wellness, sterneverdächtiger Küche und Suiten wie bei „Schöner Wohnen“.

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  4. Nach Saturnia hab ich es bisher nicht geschafft. Da bin ich so oft so nahe dran vorbeigekommen und immer war etwas anderes wichtiger. Nächstes mal dann aber sicher. Danke für den Bericht.

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    • Ja, gerne. Ich hatte mich bei euren Berichten schon gewundert, dass Saturnia nicht dabei war, denn ihr habt die Region ja schon viel intensiver bereist als wir. 😉 So, nun bin ich aber stolz, dass ich mal um eins vorne liege. *lach
      LG WoMolix

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    • ja, das ist wirklich verrückt. Am Abend, unterm Sternenhimmel, sieht das aber ganz anders aus. Die Tagestouristen sind alle wieder weg. Die Gäste in dem „Luxushotel“ mit eigenem Badebereich sieht man ohnehin nicht und die Wohnmobilisten und „Privatzimmergäste“ verteilen sich großzügig in den Badebecken. Romantische Zweisamkeit ist da durchaus möglich – wenn man den Duft von faulen Eiern mag! 😉

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