Wallfahrt nach Loreto – Wie eine Legende entstand.

Loreto 1 Panorama StellplatzUnweit unseres „One Million Dollar View“ liegt der Wallfahrtsort Loreto. Den Namen haben wir zwar schon gehört, er ist uns irgendwie bekannt, doch die Bedeutung dieses Ortes ist uns zunächst nicht bewußt. Fast genau unterhalb der Basilika von Loreto befindet sich ein WoMo-Stellplatz und wir ergattern den einzigen Platz mit Meerblick. Schon wieder ein „One Million Dollar View“!
Wir sind Glückspilze!!!

Wir brechen sofort auf zu unserer „Wallfahrt“. Vom Parkplatz zur Basilika. Laufzeit keine 10 Minuten 😉.
Loreto 2 Basilika von oben GoogleSchon der Grundriß der Basilika hat eine interessante Form die uns beim Annähern an das Gebäude sofort auffällt.Loreto 2 Basilika von außen

Loreto ist in Italien so etwas wie Lourdes in Frankreich. Loreto ist der Wallfahrtsort in Italien schlechthin. Nach Rom natürlich. Die Basilika beherbergt eine „Riesenreliquie“ – das Geburtshaus Marias aus Nazareth. So sagt es die Überlieferung. Damit ist Loreto einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste, Marienwallfahrtsort in der katholischen Wallfahrtstradition Italiens.
Aber wie kommt das Geburtshaus Marias, das bekanntlich in Nazareth verortet wird, nach Italien? Die Legende sagt, die Engel haben dieses Haus nach Loreto gebracht.

Solche Legenden haben ja oft einen historisch wahren Kern. Doch was war geschehen?
Alte Quellen von Reisenden des frühen Mittelalters sprechen von Marias Geburtshaus und einer Grotte. Interessanter Weise wird in solchen Reiseberichten die nach 1291 entstanden sind, also nach dem Ende der Kreuzzüge, nur noch von der Grotte in Nazareth berichtet. Scheinbar ist dieses Haus um dieses Jahr herum spurlos verschwunden. Einige Volkslegenden im Gebiet des heutigen Kroatiens und Bosniens, deren Entstehung man deutlich später datiert, beziehen sich ebenfalls auf dieses, für die katholische Mystik, wichtige Haus.
Das Auftauchen des Geburtshauses Marias in Loreto fällt mit der historisch verbrieften Heirat einer slawischen Aristokratentochter hierher nach Italien zusammen. Die Historiker nehmen nun an, dass die sich zurückziehenden Kreuzritter das Geburtshaus in Nazareth abgebaut, um es vor den „Ungläubigen“ zu retten und bis auf den Balkan transportiert haben. Als Brautgeschenk kam dieses Haus nach Loreto, wo es dann als heilige Reliquie unter der Kuppel der Basilika wieder aufgebaut und von außen kunstvoll verkleidet wurde.

Loreto 3 Basilika vom Heiligen Haus 3

Als wir zum ersten Mal die Basilika betreten wissen wir von all dem noch nichts. Überwältigt von der kunstvoll ausgestatteten Basilika lassen wir die Atmosphäre auf uns wirken. Das Gebäude scheint eine ganz besondere Energie zu verströmen. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt eine Besichtigung der heiligen Reliquie nicht möglich ist, so können wir doch feststellen, dass alle Menschen, egal ob Gläubige, Kunstinteressierte oder einfach nur Touristen von einer besonderen Ergriffenheit erfasst werden. Auch uns ergeht es so.
Wir können uns das nicht erklären, aber es scheint so, als ob ein „spirituelles Feld“ alle Besucher in so eine Art meditativen Mode versetzt.
Da bald ein Gottesdienst beginnt, den wir mit unserer Neugierde keinesfalls stören wollen, beschließen wir nach dem ersten Rundgang die Besichtigung vorerst abzuschließen und am nächsten Morgen wiederzukommen. Schweigend und beeindruckt gehen wir den Weg zurück zu unserem Wohnmobil. Wir sind beide seltsam berührt von dieser Erfahrung, die uns am Abend noch eine ganze Weile Gesprächsstoff liefert. Unser Gespräch wird begleitet von einem sagenhaften Farbenspiel des Sonnenutergangs und der hereinbrechenden Nacht.

Loreto 1 Panorama 3 Dämmerung

Mit neuer Energie erklimmen wir zum zweiten Mal den Berg, auf dem die Basilika steht. Nun ist auch das Geburtshaus Marias geöffnet. Rational betrachtet unscheinbar. Einige Wand- und Deckenbemalungen sind fast nicht mehr zu erkennen. Der Raum wirkt düster, schwarz, fast wie eine Gruft. An der Stirnseite eine Marienstatue, mit moderner Lichttechnik in Szene gesetzt. Die Gläubigen, die in ihrer „himmlischen“ Zwiesprache ihre Wünsche, Sorgen und Nöte an die Jungfrau Maria richten, wirken auf mich wie in einem tranceähnlichen Zustand. Eine junge Frau, die mir schon vor dem Betreten des Heiligtums aufgefallen war, erschien mir nach ihrer Zwiesprache sichtlich erleichtert. Erklären kann ich mir das nicht, aber da gilt der Grundsatz: Was hilft, das heilt.

Mit etlichen zusätzlichen Informationen präpariert, betrachten wir die kunstvolle Ausgestaltung der Basilika noch einmal und finden immer wieder neue Aspekte in dieser mittelalterlichen „Bildersprache“. Im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen, empfinde ich hier eine große Friedlichkeit. Die Mächtigkeit und Größe dieser Basilika wirkt auf mich nicht übermächtig, erinnert mich nicht an die Unbedeutendheit meines Seins, sondern vermittelt mir eher ein Gefühl der Geborgenheit. Das empfinde ich eher selten in diesen sakralen Bauten.

Wir verlassen die Basilika und treten auf den Platz vor dem Eingangsportal. Aufgereiht wie an einer Perlenschnur reihen sich fein säuberlich Verkaufsbuden mit Touristenkitsch und spirituellen Mitbringseln aneinander. Ob geschnitztes Kreuz oder getöpferte Madonna, Schals oder … alles ist zu bekommen. Loreto 5 OrtWir schlendern die Straße die zur Basilika führt entlang, wo sich dann Touristenkitsch mit Klamottenläden, Cafes, Restaurants und Läden mit Priesterausstattung abwechseln. Das Ganze ist umgeben von einer stattlichen Stadtmauer, die die Kernstadt auf den Hügel vom Umland klar abgrenzt.

Wir lassen bei einem Cappuccino und einem Eis den Blick in die Umgebung schweifen. Auf jedem der Hügel scheint ein Dorf oder eine kleine Stadt zu sein, von einer Stadtmauer umgeben. Wir werden auf dem Rückweg noch einige davon besuchen. Diese sind nicht so reich und schnieke wie Loreto, dafür kann man dort, besonders an Markttagen das Alltagsleben in dieser Region viel besser beobachten als in Loreto und wenn man mit Menschen in Kontakt kommt, dann sind es meist keine Touristen, sondern Menschen, die hier leben und ihrem Alltag nachgehen.

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2 Gedanken zu “Wallfahrt nach Loreto – Wie eine Legende entstand.

  1. Eine schöne Beschreibung. Manchmal geht es mir auch so, obwohl ich nicht gläubig bin, finde ich Ruhe und Gelassenheit in manchen alten Kirchen. Wir haben ja die schwäbische Barockkirchen-Straße hier, da gibt es einige beeindruckende Kirchen und ich fotografiere sehr gerne die Innenräume, da das Spiel von Licht oft sehr faszinierend durch die Fenster fällt.

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    • Ich denke eine „spirituelle“ Bildung ist konfessionsunabhängig. Und schaut man etwas genauer hin, dann stellt man fest, daß bestimmte Rituale auf alten universellen spirituellen Weisheiten basieren.
      Ein ganz anderer Aspekt ist der kunsthistorische und der ästhetische. Auch der hat seine Reize. Beschäftigt man sich mehr damit, dann fällt auf, das die Baumeister und ihre Auftraggeber meist eine Synthese aus spirituellen Weisheiten und künstlerisch ästhetischen Formen und Darstellungen gesucht haben.

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