Kanäle, Brücken, Gassen und Plätze: der Charme Venedigs

Venedig 36 Venedig Brücken 3Wo Kanäle sind, da sind auch Brücken. Und davon soll es in Venedig über 400 geben. Die berühmteste ist wohl die Rialtobrücke, sie ist wohl die Brücke aller Brücken, die sich über den Canal Grande spannt. Für uns ist die Rialtobrücke aber auch zum Inbegriff des Touristenkitschs geworden. Strategisch ein idealer Platz genau zwischen Bahnhof und Hafen einerseits und der Piazza San Marco andererseits. Touristenstau vorprogrammiert!
Anstatt eines Bildes gibts hier den Link zur LIVE-WebCam Rialto Brücke aktuell.
Die Läden und Verkaufsstände auf der Brücke, bieten den Mitbringselunsinn, zu dem die daheimgebliebenen Beschenktenden keinerlei Beziehung haben und die dann diese achtlos verstauben lassen. Nirgendwo sonst in Venedig haben wir das so geballt gesehen – nicht einmal am Markusplatz.

Venedig 37 Venedig Kanal 2 - HolzbrückeIn grauer Vorzeit waren die Brücken aus Holz gebaut. Im Laufe der Zeit wurden sie jedoch durch Steinbrücken ersetzt. Eine aus Holz, ich vermute, eine nachgebaute uber den Canal Grande und diese hier ist uns bei unserer Entdeckungsreise durch Venedig aufgefallen. Oft ist mit einer Brücke über einen Kanal auch ein kleiner Platz oder eine Ausstiegsstelle für die Mitfahrer von Booten verbunden. Es sind Kreuzungs- und Umsteigepunkte von den Wasserstraßen zu den Fußwegen, fast so wie unsere U-Bahnhöfe in den Großstädten. Unzählige Motive ergeben sich dadurch. Hier kann sich der kreative Fotograf austoben, Von kitschig romantisch mit Gondel und Hochzeitspaar bis düster mystisch und geheimnisvoll – alles machbar auf engstem Raum. Venedig 38 Venedig Piazza 2Aber das ist nicht alles. Man kann auch das Leben der Venezianer beobachten. Da steht eine Bank, dort ist ein kleines Cafe oder eine Bar. Hier sieht man die Menschen, wie sie in der Öffentlichkeit kommunizieren. Die drei älteren Herren, die sich auf einer Bank etwas zu erzählen haben. Der Bewohner, der mit einem Paketzusteller spricht. Die zwei älteren Mamas in ihren Hausschürzen, die gerade den neuesten Klatsch weitertragen oder über ihr neuestes Kochrezept schwärmen… Alles läuft in Ruhe und Beschaulichkeit ab, aber hier und da auch mit italienischer Impulsivität.
Es scheint uns, zumindest in der warmen Jahreszeit, so zu sein, wie überall in Italien auf dem Land, dass sich ein Gutteil des sozialen Lebens im öffentlichen Raum abspielt, ja, man lebt auf diesen öffentlichen Plätzen. Venedig 38 Venedig Piazza 3Ganz selbstverständlich steht auch ein Carabinieri in seiner stolzen Uniform beim Nachbarschaftstreff dabei und wechselt dann zu einer anderen Gruppe. Es scheint die ganze Breite der Nachbarschaft eines Wohnbereiches auf diesen Plätzen vertreten zu sein. Nicht wie bei uns, wo öffentliche Plätze schon so etwas wie Gettos für Alleinerziehende mit Kinderwagen sind. Es erscheint uns fast so, als ob in Venedig italienisches Landleben praktiziert wird. Nur eines lässt uns an dieser Einschätzung zweifeln: Wir sehen keine Stühle vor den Hauseingängen stehen, so wie man das z.B. in einem toskanischen Dorf beobachten kann.
Venedig 40 Venedig Wohnung EinblickWas aber hinter den Eingangstüren der Häuser ist, das bleibt uns verborgen. Einmal, als wir gerade über eine Brücke gehen, können wir einen Blick in eine der Wohnungen erhaschen, weil hier die Fensterläden entgegen der üblichen Gepflogenheit am Nachmittag geöffnet und die Vorhänge zurückgezogen sind. Die Einrichtung: IKEA war das nicht! *schmunzel Gediegen, mondän, edel – venezianisch eben.

Einblicke in den Eingangsbereich gibt es ab und an, wenn die Zugänge nur mit einer Eisengittertür gesichert sind. Dahinter verbirgt sich dann ein meist hübsch gestalteter Eingangsbereich mit Terracottafliesen, ein paar Accessoires, die bei drohendem Hochwasser schnell in Sicherheit gebracht werden können, und weiß gekalkten Wänden – und der Treppenaufgang in die Wohnetagen; 1. Stock aufwärts. Mehr können wir leider nicht in Erfahrung bringen.

Ein Weiteres Merkmal dieser Stadt: Die Gassen. Enge Durchgänge Unscheinbare Hauseingänge. Alles verwinkelt – jeder Platz genutzt. Hier wurde immer wieder umgebaut und der Platz so effizient wie möglich genutzt. Da kann man sich schon einmal verlaufen. Man glaubt man müsste gleich wieder auf der Piazza sein, die man vor einer halben Stunde so nett fand – und dann steht man plötzlich am Canal Grande und es geht nicht mehr weiter. Sackgasse! Entschädigt wird man mit einem Blick auf die umliegenden Palazzi.

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11 Gedanken zu “Kanäle, Brücken, Gassen und Plätze: der Charme Venedigs

  1. Hallo Womolix….bin gerade wieder mal mit euch auf Venedigreise und schwelge vor mich hin….träum…😇…was bist du nur für ein geniales Schreiberlein👍😀 ….
    Viele liebe Grüße Conny✌️

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  2. Ich freue mich über deine Berichte. Wir haben Venedig genauso erlebt. Sind ziellos durch die engen Gassen gelaufen, haben in Eingänge und Hinterhöfe gesehen – wo es möglich war – und haben Venedig einfach genossen. Im Guggenheim Museum haben wir uns ein kleines Kaleidoskop gekauft und dadurch fotografiert. Dadurch wurden die Farben Venedigs verstärkt; es gab nicht nur einen Gondoliere auf dem Foto, sondern X.
    Kennst du das Buch von Hanns-Josef Ortheil „Venedig: Eine Verführung“.
    LG Silverli

    Gefällt 1 Person

  3. Toller Bericht und sehr schöne Fotos von einer Stadt, die von Touristen zeitweise überschwemmt wird – genau wie Rom – oder auch andere „geliebte“ Städte. Den Zauber Venedigs hast du sehr gut eingefangen und die Einblicke durch vergitterte Türen in Innenhöfe kann ich gut nachvollziehen. Mache ich auch sehr gerne und einen Blick zu erhaschen wie „die anderen leben“ ist wunderbar. Ich habe oft den Eindruck, dass in südlichen Ländern „altes Mobiliar“ durchaus noch sehr geschätzt wird. Bei allen Reisen in den letzten Jahren habe ich keine „Möbel-Kaufhausketten“ gesehen wie sie hier aus dem Boden sprießen und wohl auch genug Kunden haben. Liebe Grüße ☼Sigrid☼

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