Die Donau entlang – von Passau nach Wien #8

Naschmarkt: Der Viktualienmarkt Wiens. Oder ist es umgekehrt? Der Viktualienmarkt ist der Naschmarkt Münchens?
Naschmarkt: Der Viktualienmarkt Wiens. Oder ist es umgekehrt? Der Viktualienmarkt ist der Naschmarkt Münchens?

Ein herrlicher Morgen weckt uns. Auch die Wettervorhersage hat Sonnenschein und hochsommerliche Temperaturen angekündigt.
Heute steht der Naschmarkt auf dem Programm. Dieser täglich stattfindende Markt ist für Wien das Gleiche wie der Viktualienmarkt für München. Er ist vielleicht etwas südländischer und etwas orientalischer als der Viktualienmarkt. Wir sind in Wien ja auch etwas näher am Balkan dran. *lach

Eines unterscheidet sich jedoch stärker als früher. In München gibt es immer noch den manchmal etwas herben Charme der Münchner Marktfrauen, der für mich zum Viktualienmarkt dazugehört.

Naschmarkt: Ein Hauch von Orient. Leider nur noch ein Hauch.
Naschmarkt: Ein Hauch von Orient. Leider nur noch ein Hauch.

In meiner Erinnerung hatte der Naschmarkt vor 30 Jahren eine Entsprechung: der orientalische Touch – der Hauch von Basar, die Geschäftigkeit und die absolute Fokussierung auf den aktuellen Kunden, die ich vielfach bei meinen Reisen in arabische Länder im Basar immer wieder erleben durfte. Dies fehlte bei unserem heutigen Besuch und war gewichen zu Gunsten einer billigen Touristenanmache, wie man sie von Touristenbasaren kennt. An Kontaktaufnahmesätze kann ich mich auf jeden Fall nicht erinnern, wie zum Beispiel:
„Hey Hallo – Hallo Sie – Sie müssen probieren meine Humus – beste Humus in ganz Österreich; ach was ganze Welt“ (jemand, den ich noch gar nicht richtig wahrgenommen habe, fuchtelt mit einem Probierlöffel vor meiner Nase herum) – Sie probieren – ist mit Nüsse – besser als Viagra – ganz bestimmt …“
Das ist bestenfalls aggressive Verkaufskommunikation und hat nichts mit Wiener Gastlichkeit oder dem legendär charmanten Wiener Schmäh zu tun.

Auf dem Rückweg haben wir aber dennoch etwas eingekauft. Die Produktqualität war ausnahmslos topp und hatte ihren Preis. Discounterware sucht man hier vergebens.

Ich habe noch nie auf einem Herrenklo fotografiert. Bei Hundertwasser schon :-)
Ich habe noch nie auf einem Herrenklo fotografiert. Bei Hundertwasser schon 🙂

Wer nichts einkaufen kann oder will, der kann viele Genüsse des Naschmarkts auch vor Ort probieren in einer der unzähligen „Naschbuden“. Vom vor Ort frisch gerösteten Kaffee mit und ohne Gebäck, über Sushi und Kaviar, bis hin zum Wiener Schnitzel mit „Pommes“ und den in Wien an allen Ecken angebotenen Würstl ist alles im Angebot was dem Gaumen schmeichelt.

Das Hundertwasserhaus - Wie aus sozialem Wohnungsbau eine Touristenattraktion wurde.
Das Hundertwasserhaus – Wie aus sozialem Wohnungsbau eine Touristenattraktion wurde.

Der Rest des Tages sollte einem Mann gewidmet sein, der zu den wenigen österreichischen Künstlern gehört, die es schon zu Lebzeiten gleichermaßen zu Ruhm, Anerkennung, Respekt und Wohlstand in Österreich gebracht haben – Friedensreich Hundertwasser.

Er war schon ein 100%ig praktizierender „Grüner“, bevor die ersten ernüchterten 68iger und Atomkraftgegner anfingen zu lernen das Wort Nachhaltigkeit zu buchstabieren. Zu diesem Zeitpunkt hatte Friedensreich Hundertwasser schon längst begriffen was Nachhaltigkeit ist. So mancher Grünenpolitiker der 3. Generation denkt noch heute darüber nach, was den das sein könnte.

Das Hundertwasser Museum - einige Straßen weiter
Das Hundertwasser Museum – einige Straßen weiter

Hundertwasser: ein Provokateur, ein Visionär, ein Künstler mit ganz eigenem Stil, ein Geschäftsmann und respektloser Zeitgeist, der scheinbar alles hinterfragte was man hinterfragen konnte.
Auf seinen Spuren in Wien wandeln wir für den Rest des Tages.

Über Hundertwasser zu schreiben ist schwierig. Seinen Architekturstil, der auf wundersame Weise entschleunigt, muss man erleben, muss man erfahren. Mit Text kann man das keinem anderen Menschen nahebringen. Im Cafe frage ich eine der Bedienungen, wie sie mit dem nicht ebenen Untergrund zurecht kommt. Ihre Antwort zunächst mit einem Lächeln, man könne sich an alles gewöhnen. Aber der scheinbar unbedeutende Nachsatz hat es in sich: „aber es zwingt mich immer achtsam mit dem Tablett zu gehen, damit es kein Malheur gibt.“

Eingangsbereich Hundertwasser Museum - Eine Architektur die auf rätselhafte Weise entscheunigt, wenn man sich länger darin aufhält.
Eingangsbereich Hundertwasser Museum – Eine Architektur die auf rätselhafte Weise entscheunigt, wenn man sich länger darin aufhält.

Genau das ist es: Hundertwassers Architektur zwingt uns geradezu zur Achtsamkeit. Ja, und ein hohes Maß an Achtsamkeit ist die Voraussetzung um Nachhaltigkeit zu leben. Achtsamkeit ist die Voraussetzung, um das was um einen herum ist, respektieren zu können – , um in ewigen Kreisläufen zu denken und zu handeln! Kurz gesagt: Um mit der Natur zu leben und nicht als verantwortungsloser Bevollmächtigter eines Schöpfers.

Sich mit Hundertwasser zu beschäftigen ist für uns wie eine Reise zur Entschleunigung.

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5 Gedanken zu “Die Donau entlang – von Passau nach Wien #8

    • Worauf wartet ihr? Einsteigen und losfahren… 😉.
      Ich könnte auch schon wieder hin fahren. 😉 Bei einer Stadt wie Wien, sollte man häufiger hin fahren und sich, je nach dem wie viel Zeit man hat, ein oder zwei, maximal aber drei Themen, die man in der Stadt genauer unter die „Lupe“ nehmen möchte, vornehmen. Alles andere artet in Kultur-Bulimie aus und wird zur Zeitverschwendung.
      Gute Fahrt…

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