Deutsche Weinstraße zur Mandelblütenzeit #1

Ausgangspunkt für unsere Tour ist Speyer. Hier machen wir bei der Anreise einen Zwischenstopp. Von der Autobahn kommend orientieren wir uns erst einmal in Richtung des Wahrzeichens von Speyer: dem Dom. Leider müssen wir feststellen, dass gerade ein Frühjahrsvolksfest stattfindet. So müssen wir den Parkplatz des Technikmuseums ansteuern.
Nach Museum ist uns heute nicht. Also lassen wir Technikmuseum und Rummelplatz links liegen und nähern uns dem Dom.

Schon bei der Anfahrt beeindruckte uns die stattliche Silhouette des Doms, die die flache Landschaft der Rheinebene überragt. Wir sind an Chartres erinnert. Auch dort überragt die Kathedrale die flache Ebene. Die Erbauer wollten durch diesen optischen Eindruck dem Besucher eindrucksvoll ihre Bedeutung und Macht demonstrieren. Hier wie da kann man dies als gelungen betrachten.

Steht man jedoch unmittelbar vor diesen Gebäuden, so unterscheiden sie sich gänzlich. Der Dom zu Speyer wirkt kräftig, vielleicht sogar etwas monumental. Er wirkt eher durch seine Masse als durch seine Höhe. Man hat den Eindruck, die Baumeister von Speyer haben erst gar nicht versucht durch die Höhe der Türme dem Himmel näher zu kommen.
Ganz anders die gotischen Bauten von Chartres, Strasbourg oder Ulm. Sie beeindrucken durch Filigranität, Höhe, Leichtigkeit und Transparenz.

Dom zu Speyer
Dom zu Speyer
Kathedrale in Chartres (F)
Kathedrale in Chartres (F)

Auch bildhauerische Meisterleistungen finden sich in Speyer im Vergleich nur spärlich. Eine Beisetzungskirche etlicher deutscher Kaiser hat nun eben einen anderen Anspruch als ein in Stein gehauenes „Wissensvermächtnis“ eines gotischen Prachtbaus.

Dom zu Speyer
Dom zu Speyer

Wir lassen die Monumentalität des Baus auf uns wirken und erkunden die umliegende Innenstadt von Speyer. Leider finden wir auch hier in dem historischen Ortskern auf Erdgeschoßhöhe austauschbare Bilder verschiedenster Handelsketten und Markenlabels. Diese zerstören den Charakter der den Dom umgebenden Architektur – leider!
Denkmalschützer und Stadtbauämter scheinen auf Erdgeschoßebene ständig die Verlierer gegenüber Wirtschaftsinteressen zu sein.

Marktplatz in Speyer
Marktplatz in Speyer

Ab dem ersten Stock allerdings, ist dieser Charakter erkennbar!
Die Monumentalität des Doms auf der einen Seite und die Gedrungenheit der umgebenden Bebauung auf der anderen Seite, dokumentieren deutlich den Machtanspruch von Kaiser und Kirche gegenüber dem Volk. Einer zu damaliger Zeit allseits akzeptierten Ordnung.
Man ist versucht zu glauben, in Speyer habe sich kein selbstbewusstes Bürgertum entwickelt, wie in so manch anderer historisch bedeutsamen Stadt, zumindest nicht in der die Umgebung architektonisch prägenden Zeit.

Dies ist sicher eine sehr eigenwillige Interpretation eines Vergleichs von verschiedenen historisch bedeutsamen Städten. Gefühlsmäßig drängte sich uns diese Interpretation jedoch auf.

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